Hubert Mingarelli

Ein Wintermahl

Roman
Cover: Ein Wintermahl
Ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2020
ISBN 9783747201787
Gebunden, 142 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elmar Tannert. Noch vor der Tagwache begeben sich drei Wehrmachtssoldaten auf den Weg, um in der verschneiten Umgebung versteckte Juden zu finden. Für sie eine Möglichkeit, den täglichen Erschießungen im Lager zu entgehen. Nachdem sie einen jungen Mann gefangen genommen haben, suchen sie auf dem Rückweg in einem verlassenen Haus Schutz vor dem Hunger und der quälenden Kälte, die all ihr Denken überlagern. Während sie darauf warten, dass das Feuer im Ofen brennt und die Suppe kocht, treten ihre persönlichen Bedürfnisse und Sorgen allmählich in den Hintergrund; und das unfassbare Grauen, in dem sie stecken, bekommt ein neues Gewicht.
Auf kleinem Raum erzählt Hubert Mingarelli von zweifelhaften Gnadenakten, undenkbarer Schuld und der Banalität des Bösen. Eine Geschichte über die Grundwerte des menschlichen Handelns und die erschreckend simple Logik der Pflichterfüllung in dunklen Zeiten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.12.2020

Rezensent Carsten Hueck hält die Spannung kaum aus in Hubert Mingarellis kurzem, kargen Roman um ein paar Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die sich weigern, Juden zu erschießen. Die Kulisse einer winterlichen Schneelandschaft, die knappen Dialoge, der Hunger und der Wunsch, dem Wahnsinn des Krieges zu entkommen, scheinen für Hueck beim Lesen greifbar. Wie Blicke und Gesten Bedeutung bekommen, wie die Atmosphäre dichter und dichter wird, scheint Hueck meisterlich in Form gebracht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2020

Rezensent Bernd Noack scheint sich gar nicht zu wundern, dass da ein französischer Schriftsteller seine Geschichte über das Grauen des Krieges in den Osten Polens versetzt und beispielhaft darstellt anhand von drei deutsche Soldaten, die nach entflohenen Juden suchen müssen. Ganz entschieden jedoch bewundert der Rezensent die Sprache, die "bewegende, sprachlich gefeilte Literatur", die Mingarelli daraus gemacht hat und erwähnt ausdrücklich die große Qualität der Übersetzung von Elmar Tannert. Dies sei ein "großes, kleines Buch" über all jene Facetten des unschuldig-schuldig-Werdens, die der Zwang zur Unmenschlichkeit im Krieg bereithalte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2020

Rezensent Jochen Schimmang freut sich über die deutsche Fassung des Romans von Hubert Mingarelli aus dem Jahr 2012. Angeleitet durch den Minimalismus des französischen Autors gerät Schimmang ins Innere der Hölle: Polen Anfang des Zweiten Weltkriegs. Wie der Autor seine drei Protagonisten begleitet, junge deutsche Soldaten auf der Flucht vor der Verpflichtung, Juden zu erschießen, wie er sie schließlich mit dem Judenhass eines Polen konfrontiert und dem Leser so die Abstufungen des Bösen vorführt, findet Schimmang meisterhaft. Mingarellis ungekünstelte Lakonie scheint Schimmang überfällig für weitere Übersetzungen.

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