Rainer Maria Gerhardt

Umkreisung

Das Gesamtwerk
Cover: Umkreisung
Wallstein Verlag, Göttingen 2007
ISBN 9783835301238
Gebunden, 544 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Uwe Pörksen in Zusammenarbeit mit Franz Josef Knape und Yong-Mi Quester. Rainer Maria Gerhardt (1927-1954) war einer der Vorreiter, als es darum ging, der deutschen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Orientierung zu geben. Der fragmente-Verlag, den er zusammen mit seiner Frau Renate und mit Claus Bremer gründete, verfolgte ein schwindelerregend ambitioniertes Programm. In der internationalen Revue für moderne Dichtung: fragmente publizierte Gerhardt Werke u.a. von Artaud, Miller, Creeley, Olson und Pound. Gerhardts eigene Dichtungen sind an dieser Moderne geschult. Seine ungeglätteten Pound-Übertragungen verunsicherten damals und ließen den Übersetzer trotz Pounds Autorisierung auf der Suche nach einem deutschen Verleger scheitern. Anerkennung oder ein nennenswertes Echo auf Gerhardts literarisches Programm, an das später andere erfolgreich anknüpften, blieben aus. Mit 27 Jahren wählte Gerhardt, finanziell ruiniert und literarisch isoliert, den Freitod. Die Ausgabe enthält Gerhardts Werke, dokumentiert sein verlegerisches Wirken und wird durch Briefe und Stimmen über ihn ergänzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2007

Dankbar nimmt Rezensent Harald Hartung diese Werkausgabe des Dichters, Übersetzers und Verlegers Rainer Maria Gerhardt auf, dessen Wirken ihm ebenso Berührung wie Bewunderung abringt. "Er hatte eine Vision und scheiterte erbarmungswürdig", schreibt Hartung. Wie wir Hartungs Darstellung entnehmen, hat sich Gerhardt in den frühen fünfziger Jahren vor allem um die internationale Moderne verdient gemacht, die er - lange vor Hans Magnus Enzensberger - nicht nur ins Deutsche übertrug, sondern auch in seiner Zeitschrift "fragmente" verfocht. Die Wertschätzung vor allem amerikanischer Dichter, besonders Robert Creeleys, war Gerhardt gewiss, in Deutschland hingegen, so der Rezensent, schaffte es Gerhardt, sämtliche Kollegen gegen sich aufzubringen. Finanziell war er so erfolglos, dass er zeitweise sogar mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Zelt schlafen musste. Hartung schildert dies in seiner Rezension mit Erschütterung, und so lobt er auch das Nachwort des Herausgebers Uwe Pörksen, der das Leben und Wirken Gerhardts "sympathetisch" schildere.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2007

Als "spektakulär" würdigt Michael Braun die nun vorliegende Ausgabe der Werke des Dichters Rainer Maria Gerhardt, der sich 1954 mit 27 Jahren das Leben nahm. In Gerhardt sieht er einen Autor, der seine ganze Existenz der Vision einer modernen Dichtung widmete, die mit der biederen Nachkriegslyrik nichts gemein hatte. Er nennt Arno Schmidt und Ezra Pound, dessen Hauptwerk "Cantos" Gerhardt übersetzte, als die wichtigsten Bezugsgrößen seines poetischen Programms, zumal er sich mit Gottfried Benn überworfen hatte. Weiterhin erinnert Braun an das Projekt eines "transatlantischen Dialogs" mit den amerikanischen Poeten Charles Olson und Robert Creeley, mit dem Gerhart ein "weiteres Tor zur lyrischen Moderne" öffnete. Zu seiner Freude bietet der vorliegende Band eine vollständige Edition von Gerhardts Gedichten, Funk-Essays und Briefen, in Brauns Augen "aufregende Dokumente". Die Lektüre macht für ihn klar, dass "einige Linien in der Literaturgeschichte der Nachkriegszeit neu gezogen werden" müssen.

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