Atlas der KI
Die materielle Wahrheit hinter den neuen Datenimperien

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406823336
Gebunden, 336 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Frank Lachmann. Weder künstlich noch intelligent - eine kritische Analyse der KI-Industrie. Wir tendieren dazu, künstliche Intelligenz als eine wundersame und körperlose Form der maschinellen Klugheit zu betrachten. Von der preisgekrönten Wissenschaftlerin Kate Crawford lernen wir hingegen, dass KI in Wahrheit weder künstlich noch intelligent ist, sondern in ihrer materiellen Wirklichkeit auf Ressourcenausbeutung und Machtkonzentration hinausläuft. Crawford nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise zu Lithiumminen und Klickfabriken, zu automatisierten Arbeitsplätzen und riesigen Datenarchiven, zu AI-Trainingscamps und zum algorithmischen Kriegsführungsteam des Pentagon. Auf diese Weise zeichnet sie einen Atlas der künstlichen Intelligenz, der die verschiedenen Bereiche ihrer konkreten Realität kartiert, um unser kritisches Auge zu schulen. Gestützt auf ein Jahrzehnt originärer Forschung zeigt Crawford, dass KI in erster Linie eine Technologie der Extraktion ist - der Abschöpfung von Mineralien, billiger Arbeitskraft und einer unermesslichen Anzahl von Daten. Das planetare Netzwerk der KI schädigt unsere Umwelt massiv, vertieft soziale Ungleichheiten und bedroht demokratische Prinzipien. Crawfords Buch liefert uns einen dringlichen Bericht, was auf dem Spiel steht, wenn große Unternehmen und staatliche Institutionen KI nutzen, um die Welt umzugestalten.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2024
Rezensent Günter Hack ist dankbar für das Buch der KI-Kennerin Kate Crawford. Die Autorin zeigt darin, wie sehr die angeblich so losgelöste KI-Technologie im fossilen Zeitalter verankert und abhängig ist von Rohstoffen, Energie und einer Heerschar von Lohnsklaven. Hack lernt, wie sich das Missverständnis von der autonomen Maschine von der Schach spielenden Puppe über Chatbots bis zu ChatGPT zieht. Auf elegante Weise vermittelt ihm Crawford die Geschichte der Datensätze zur Optimierung der KI-Algorithmen und zeigt, inwiefern diese Kategorien und Diskriminierungen vergangener Zeiten "mitschleppen". Dass der Band im Orginal bereits 2021 erschien, macht Hack nur bewusst, wie sich die im Buch so faktenreich und konsistent angesprochenen Probleme weiter verschärft haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2024
Kate Crawfords Buch beschreibt KI als eine Technologie, die den Mächtigen nützt und den Schwachen sowie der Natur schadet, erklärt Rezensentin Lisa Berins, die das alles insgesamt ähnlich zu sehen scheint. Crawford widmet sich also nicht so sehr den technischen Möglichkeiten von KI, vielmehr unternimmt sie, erfahren wir, einen Trip rund um die Welt, macht zum Beispiel in Lithium-Minen halt, wo Bodenschätze für KI ausgebeutet werden, später geht es darum, wie die Technologie menschliche Arbeit, auf der sie gleichzeitig basiert, verkümmern lässt. Auch über die Verdatung der Menschen im Namen von KI sowie über die in der Technologie eingeschriebenen sexistischen und rassistischen Ideologeme erfährt Berins einiges. Der Vorschlag der Autorin, statt auf Profitmaximierung im Umgang mit KI hinfort auf Gerechtigkeit zu setzen, erscheint der Rezensentin freilich nicht unbedingt allzu realistisch.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.10.2024
Aus "luftigen Versprechen die Luft rauslassen", und sie zurück auf den Boden der ganz materiellen Tatsachen holen - das ist es, was die Autorin und KI-Forscherin Kate Crawford tut, ja eigentlich schon vor einigen Jahren getan hat, damit jedoch ihrer Zeit voraus war, erklärt Rezensentin Sandra Pfister. In ihrem "Atlas der KI" klärt sie über weniger bekannte Aspekte einer vermeintlich sauberen, ja geradezu immateriell erscheinenden Technologie auf - heißt vor allem, über die sehr materiellen Voraussetzungen und Gefahren von KI: die Ausbeutung von Natur und menschlicher Arbeitskraft, die ihr zugrunde liegt, die geopolitische Gewalt, die ihr vorausgeht, der Raubbau an unseren Daten, der dafür begangen wird, und natürlich die fatale Reproduktion von Stereotypen, die diesen Daten oftmals innewohnen. Darüber hinaus zeigt Crawford auch, wie diese Tatsachen aktiv verschleiert und überblendet werden, etwa durch alarmistische Warnungen vor KIs, die die Weltherrschaft an sich reißen könnten. Statt sich von solchen Warnungen ablenken zu lassen, sollten wir/sollte die Politik aktiv werden und Künstliche Intelligenzen sowie jene Konzerne, die sie entwickeln, trainieren und kontrollieren endlich regulieren! Ansonsten, so Crawford und ihre Rezensentin, sieht die Zukunft alles andere als luftig aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2024
Die Debatten um KI verschärfen sich mit den Neuerscheinungen dieses Buchherbstes sicherlich noch einmal, vermutet Kritiker Andrian Kreye: Die Wissenschaftlerin und Künstlerin Kate Crawford hat nun mit ihrem Atlas eine "neue Weltlandkarte" geschaffen, die die globalen Verflechtungen deutlich macht, die KI zugrundeliegen. Kreye werden darin vor allem die negativen Seiten aufgezeigt: "Extraktivismus" nennt sich die Ausbeutung endlicher Rohstoffe, die dafür benötigt wird, etwa in der Mongolei oder auf Sumatra, aber Raubbau wird auch an privaten Daten betrieben. Crawford gelingt es dem Rezensenten zufolge gerade durch die Atlantenform so gut, die Leerstellen unseres Wissens und Bewusstseins zu dem Thema aufzuzeigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2024
Dass KI "weder künstlich noch intelligent" ist, lernt Rezensentin Ulla Fölsing bei Kate Crawford: Die Publizistin macht in ihrem Buch darauf aufmerksam, wie viel Raubbau an menschlicher Arbeitskraft und Rohstoffen in dieser Boombranche betrieben wird. Die immense Ausbeutung billiger Arbeiter und seltener Erden wird ebenso beleuchtet wie die Gefahr des normativen Denkens, die von maschinell gesteuertem Lernen ausgeht, bemerkt Fölsing. Die Kritikerin lässt sich von Crawfords überzeugenden und gründlich fundierten Darstellungen gerne anregen, über die Grenzen nachzudenken, die KI möglicherweise zu setzen sind.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2024
Rezensentin Vera Linß verdankt der amerikanischen KI-Professorin Kate Crawford einen so instruktiven wie faszinierenden Blick in den "Maschinenraum" hinter der Künstlichen Intelligenz. Das Buch sei dabei mehr als eine "Momentaufnahme", da Crawford zehn Jahre ihrer Forschungsergebnisse und Reisen hier zusammenfasst, erfahren wir. Überrascht lernt die Rezensentin wieviel an Rostoffen und menschlichen Ressourcen KI benötigt: KI hat einen enormen Energiebedarf und begünstigt den Klimawandel, liest sie. Amazon nutzt KI zudem, um seine Mitarbeiter im Akkord arbeiten zu lassen und effektiv auszubeuten, erklärt Linß. Dass außerdem noch jede Menge Daten ohne Zustimmung erhoben werden, entzaubert diese Technologie zusätzlich, hält die Kritikerin fest. Nicht alles ist der Kritikerin zwar neu, aber wie sehr KI Umwelt und Demokratie bedroht, wird ihr erst durch dieses Buch klar.