Raphaëlle Red

Adikou

Cover: Adikou
Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783498003821
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Adikous Herkunft ist verschwommen, die Spuren ihrer Familiengeschichte sind verwischt, sie weiß nicht einmal, wie man ihren Namen richtig ausspricht. Dann, in einem drückend heißen Sommer, hält sie es in Paris nicht mehr aus. Adikou fliegt nach Lomé, Togo, dem Herkunftsort ihres Vaters, den sie nicht kennt. Wonach sie sucht, ist ihr nicht klar, die Fragen stellen die anderen, bei der Passkontrolle, in den Loméer Imbissen, den Unterkünften, dauernd: Wer ist dein Vater, bist du weiß oder Schwarz oder beides, wie fühlt es sich an, als Frau alleine zu reisen, sprichst du Éwé, bist du Journalistin, was suchst du hier? Von Togo aus reist Adikou entlang der westafrikanischen Küste bis in die USA. Sie schafft sich ein Erbe aus Schlangenhäuten, Skylines und stickigen Nächten, erforscht Geschichte und Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart - bis sie den Worten des verschwundenen Vaters lauschen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2025

Rezensent Stefan Michalzik würdigt Raphaëlle Reds Debütroman als beeindruckenden Diskursroman im Gewand einer Road Novel. Die Geschichte folgt Adikou, Tochter einer Französin und eines Togoers, auf ihrer Reise nach Lomé auf den Spuren ihrer Herkunft. Dabei wird sie mit Identitätskonflikten und Alltagsrassismus konfrontiert, sei es in Frankreich oder Togo. Red verzichtet auf klassische Spannungsbögen und durchdringt die Erzählung mit postkolonialen Diskursen, popkulturellen Bezügen - etwa zu Nina Simone und Frantz Fanon - und der Suche nach Selbstverständlichkeit, lobt der Kritiker. Die fragmentarische Form des Romans spiegelt die existenzielle Zerrissenheit der Protagonistin wider und macht Reds Roman zu einem literarisch kraftvollen, wenn auch sperrigen, im guten Sinne, wie der Kritiker betont, Werk.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2024

Rezensent Michael Bitala kommt erst beim zweiten Lesen dem Reiz dieses Buches auf die Spur. Beim ersten Versuch hatte Raphaëlle Reds Roman, der von einer jungen Frau namens Adikou handelt, die, ihres Lebens in Paris überdrüssig, nach Togo reist, woher ihr Vater stammt, ihm noch nicht viel gesagt, da einiges ungreifbar bleibt. Gerade das ist bei näherem Hinsehen allerdings interessant, meint Bital - begonnen bereits bei der keineswegs eindeutig zu beantwortenden Frage, ob die Erzählerin mit der Hauptfigur identisch ist oder nicht. Das Buch liest sich sehr anders als andere literarische Bearbeitungen der Themen Migration und Identität, findet Bitala, und geht unter anderem auf Passagen ein, in der sich die Hauptfigur in den Schutzräumen für Schwarze an amerikanischen Universitäten unwohl fühlt, unter anderem, weil sie selbst halb weiß ist. Nicht einmal ihren eigenen Namen kann sie richtig aussprechen, erfährt sie auf ihrer Reise durch Afrika. Kein einfach zu lesendes Buch ist das, stellt Bitala abschließend klar, hier bleibt narrativ und erzählerisch vieles unklar und vage, und doch finden sich zwischendurch immer wieder reichhaltige, den Leser bereichernde Passagen.

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