Aus dem Polnischen von Joanna Manc. Als Renia Spiegel ihr Tagebuch begann, war sie noch keine fünfzehn Jahre alt und gerade zu ihren Großeltern nach Przemyśl übersiedelt. Sie vermisste das väterliche Landgut und die Mutter, die sich mit der jüngeren Schwester Ariana häufig in Warschau aufhielt, um Ariana eine Bühnenkarriere aufzubauen. Auf rund 700 Heftseiten schildert Renia den Alltag im Gymnasium und Erlebnisse mit Freundinnen, bald aber auch das Leben und die Nöte in einer geteilten Stadt nach dem Einmarsch der Deutschen und der Sowjets. Vor allem schüttet sie dem Tagebuch ihr Herz aus und fasst ihre Empfindungen in berührende Gedichte. Ihre erste große Liebe zu dem Mitschüler Zygmunt wühlt sie innerlich auf, während um sie herum die Nazis vorrücken und die Schrecken des Ghettos über sie hereinbrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2021
Rezensentin Marta Kijowska liest das Tagebuch der Renia Spiegel aus dem Getto des polnischen Przemysl als Zeitdokument. Dafür sorgen laut Rezensentin ein umsichtiges Lektorat, ein kontextualsierendes Nachwort und eine nüchterne Übersetzung. Ohne all das wären die Aufzeichnungen der jungen Frau, die mit kaum 18 von den Deutschen erschossen wurde, für Kijowska nicht mehr als naives, pathetisches, eintöniges und exaltiertes Mädchengeschwätz. Von den dramatischen Umständen findet die Rezensentin im Buch nur wenig, die Verfasserin schreibt vor allem über Schule, Familie, Freunde, Träume, Ängste und ihre erste Liebe, erklärt Kijowska.
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