Kritische Ausgabe. Band 4,1-2: Schriften zur Geschichte der Philosophie. Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert / Die Rätsel der Philosophie
Dieser Band enthält den Text "Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert" aus den Jahren 1900/01, den Rudolf Steiner 1914 aus Sicht seiner mittlerweile entwickelten "Geisteswissenschaft" zu der Schrift 'Die Rätsel der Philosophie' in zwei Bänden umarbeitete und erweiterte. Sie versteht sich nicht nur als eine traditionelle Philosophiegeschichte von den Vorsokratikern bis zu Steiners Zeitgenossen, sondern zugleich als eine bewusstseinsphilosophisch fundierte und spirituell ausgerichtete Evolutionstheorie der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Steiner diagnostiziert vier historische Entwicklungsphasen des philosophischen Bewusstseins und thematisiert zudem die Möglichkeit künftiger Entwicklungen desselben durch methodische meditative Schulung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2021
Kann man Rudolf Steiner eigentlich lesen? Auf 400 Bände veranschlagt Rezensent Philip Kovce die Hinterlassenschaft des so verehrten wie abgelehnten Gründers der "Anthroposophie". Kovce selbst schreibt seine Kritik des vorliegenden Ausschnitts aus Steiners Gedankenwelt jedenfalls als dezidierter Steinerianer, wobei er sich ostentativ von Fanatikern der Zunft absetzt, um das angeblich so modische "Steiner-Bashing" um so effizienter kritisieren zu können. Denn Steiner ist für ihn ein origineller Philosoph, das zeigen für ihn die hier neu edierten "Rätsel der Philosophie", ein Wälzer, der wie Jugendstilrankenwerk aus einem kleineren Werk hervorwuchs. Epochentypische Denkformen arbeite Steiner hier heraus, sein Denken bewege sich dabei "progressiv-zirkulär, umstülpend, in sich selbst zurücklaufend". Das soll man erst mal lesen, so Kovce, bevor man "hermeneutisch völlig unbedarft" den Steiner basht oder preist.
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