Im Jahre 1878 entging Kaiser Wilhelm I. zwei Attentaten. Die Öffentlichkeit war schockiert, das konservative Bürgertum in Deutschland sah die traditionellen Werte außer Kraft gesetzt. Die Universitäten betrieben eine Wende hin zu einer metaphysischen Wertphilosophie. Für Ulrich Sieg beginnt damit eine verhängnisvolle Liaison zwischen Philosophie und Staatsmacht, die über die intellektuelle Rechtfertigung für den Ersten Weltkrieg zum antidemokratischen Denken der Weimarer Republik führt und bis in den Nationalsozialismus hineinwirkt. Namen wie Windelband, Eucken oder Elisabeth Förster-Nietzsche stehen für damals enorm populäre Denkhaltungen, die Ulrich Sieg hier erstmalig im Zusammenhang erforscht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2013
Wie in der Zeit vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialsimus der Geist mit der Gewalt zusammenarbeitete, kann Ulrich Sieg dem Rezensenten in 5, wie Ludger Lütkehaus schreibt, "ausgreifenden" Kapiteln vermitteln. Dem Autor, erklärt der Rezensent, geht es dabei um eine breite realhistorische Kontextualisierung ideengeschichtlicher Phänomene. So zeigt Sieg, wie die Attentate auf Wilhelm I. politisch instrumentalisiert wurden. Brisantes und Peinliches schaut Lütkehaus im Kapitel über Propaganda völkischer Werte in der Nazizeit, bei Heidegger, Jaspers, Jaensch u. a.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013
Eine kluge Ideengeschichte erblickt Jens Bisky in Ulrich Siegs Studie über das Verhältnis von Philosophie und Staatsmacht zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. Ausgehend von der Verunsicherung des akademischen Bürgertums durch die zwei gescheiterten Attentate von 1878 auf Kaiser Wilhelm I. untersucht der Historiker die Positionen von Philosophen wie Wilhelm Windelband, Rudolf Eucken oder Helmut Plessner und liefert nach Ansicht Bisky hierzu neue Einsichten. Er lobt die umsichtige Argumentation des Autors sowie den Verzicht auf Sonderwegthesen und auf schlichte Kausalzusammenhänge. Sein Fazit: ein "intellektuell ungewöhnlich unterhaltsames Buch".
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…