Sabine Stamer

Daniel Cohn-Bendit

Die Biografie
Cover: Daniel Cohn-Bendit
Europa Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783203820750
Gebunden, 287 Seiten, 18,66 EUR

Klappentext

Daniel Cohn-Bendit: von den einen geliebt, von den anderen verteufelt. Kind jüdischer Eltern, erst staatenlos, dann Deutscher, Student an der Sorbonne, Dany le Rouge, linker Antikommunist im Selbstverständnis, RAF-Gegner, SDS-Mitglied und Frankfurter Sponti, Grüner Politiker, Multikulti-Stadtrat, Vater und Ehemann, Abgeordneter im Europaparlament und nach eigenen Worten "Europäer von Beruf", Spitzenkandidat der französischen Grünen, Buchautor, Fernsehmoderator ... Wer ist Daniel Cohn-Bendit, wer war er, und zu wem ist er geworden? Neben umfangreichen Recherchen hat Sabine Stamer ihn in langen Gesprächen zur EU, zum Antisemitismus und zu Israel, zu "humanitären" Einsätzen und zur Atomkraft, zum Parlamentarismus und ? hochaktuell ? zu den 68ern, deren "Aufarbeitung" und seiner eigenen Entwicklung befragt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.12.2001

Ulrike Winkelmann findet, dass der Biografin die Darstellung des politischen Menschen Daniel Cohn-Bendit gut gelungen ist - im Gegensatz zu den Kapiteln über den "roten Dany privat". Die Autorin beschreibt den Grünen-Politiker zu sehr von außen, bemängelt Winkelmann: Sie ergehe sich zu ausführlich darin, wie Cohn-Bendit etwa in Talkshows mit ungebürsteten Haaren herumlümmelte. Da hätte die Rezensentin lieber mehr über die Kindheit Cohn-Bendits "zwischen Deutschland und Frankreich" erfahren. Die Autorin sei schließlich daran gescheitert, den "wilden Charme" Cohn-Bendits einzufangen, meint Winkelmann. Die Kapitel hingegen über das politische Wirken findet Winkelmann überzeugend. Wenn die Autorin etwa beschreibe, wie Cohn-Bendit und Joschka Fischer die Grünen erst regierungsfähig und dann "kriegstauglich", dann werde die Biografie zu einer "knappen, aber mitreißenden Geschichte der Grünen unter besonderer Berücksichtigung des Mitglieds Cohn-Bendit", lobt Winkelmann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2001

Rezensentin Dorothee Heintze hat zur Daniel Cohn-Bendit-Biografie politische Statements aus den vergangenen Wochen herausgesucht und zwiespältiges herausgefunden: Cohn-Bendit unterstütze zwar den amerikanischen Vergeltungsschlag gegen Afghanistan, fordere aber gleichzeitig eine "Differenz" zur SPD. Der Grünen-Politiker beherrsche die Kunst des "Ja - aber", schließt Heintze. Dies mache ihn zwar sympathisch, da das "die Gemütshaltung von vielen von uns" ausdrücke - Kritiker leiteten daraus jedoch Machtbesessenheit ab. Wer ist dieser Cohn-Bendit eigentlich? Sabine Stamer stellt ihn in ihrer Biografie als "bekanntesten und auch verhasstesten Studenten der Welt" vor, meint Heintze. 1968 Anführer im Pariser Generalstreik, Ende der 70er Jahre Herausgeber des "Pflasterstrandes", seit 1984 Mitglied der Grünen, Ende der neunziger Jahre der erste europäische Politiker, der in zwei Ländern aktiv sei: So lassen sich die Lebensdaten Cohn-Bendits zusammenfassen. Der "rote Dany" schildere seine politische Vergangenheit selbst distanziert: "Ich war sehr, sehr desorientiert". Heintze findet Stamers Buch lesenswert: Stamer "kann schreiben", meint sie, und sie zeige "den Menschen hinter dem Politiker".
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