Sahra Wagenknecht

Die Selbstgerechten

Mein Gegenprogramm - für Gemeinsinn und Zusammenhalt
Cover: Die Selbstgerechten
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783593513904
Gebunden, 345 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Urban, divers, kosmopolitisch, individualistisch - links ist für viele heute vor allem eine Lifestylefrage. Politische Konzepte für sozialen Zusammenhalt bleiben auf der Strecke, genauso wie schlecht verdienende Frauen, arme Zuwandererkinder, ausgebeutete Leiharbeiter und große Teile der Mittelschicht. Ob in den USA oder Europa: Wer sich auf Gendersternchen konzentriert statt auf Chancengerechtigkeit und dabei Kultur und Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerungsmehrheit vernachlässigt, arbeitet der politischen Rechten in die Hände. Sahra Wagenknecht zeichnet in ihrem Buch eine Alternative zu einem Linksliberalismus, der sich progressiv wähnt, aber die Gesellschaft weiter spaltet, weil er sich nur für das eigene Milieu interessiert und Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft ignoriert. Sie entwickelt ein Programm, mit dem linke Politik wieder mehrheitsfähig werden kann. Gemeinsam statt egoistisch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2021

Rezensent Peter Gauweiler staunt nicht schlecht, dass Sahra Wagenknecht nun ehemals rechte Positionen wie Heimatverbundenheit, Familie, Wir-Gefühl, Nationalstaat für sich und ihr Verständnis von linker Politik beansprucht. Überraschung gelungen, meint er, wenn Wagenknechts mannigfache Häutungen ihm auch durchaus im Gedächtnis sind. Respektabel findet er jedenfalls Wagenknechts Offenheit, wenn sie mit linksliberaler Identitätspolitik abrechnet und ihrem Mangel an Solidarität. Ist das noch Ironie der Geschichte oder schon Wahlkampf?, fragt sich wohl der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.04.2021

Sahra Wagenknecht kann nicht nur gut sprechen, sondern auch gut schreiben, meint Rezensent Hans Werner Kilz, der ehemalige Chefredakteur der SZ. So findet er auch die Thesen in ihrem Buch zur aktuellen linken Politik, das innerhalb der Linkspartei für Empörung sorgte, gut belegt und auch richtig, scheint es: Wenn Wagenknecht sich etwa über "Lifestyle-Linke" enerviert, die Multi-Kulti vor sich hertragen, ihre Kinder dann aber auf wenig diverse Schulen schicken, versteht das der Kritiker. Die Vorwürfe, die dem Buch gemacht wurden, etwa, dass sich hinter Wagenknechts skeptischer Haltung zur linken Identitätspolitik gleich Rassismus verberge, hält Kilz wie Wagenknecht für Unsinn. Da findet er schon eher problematisch, dass die Politikerin das Umweltthema nur am Rande erwähnt und im Gelbwesten-Outfit politisch zweifelhafte, aber medienwirksame Auftritte hinlegt. Für den Rezensenten trotzdem ein Buch, das ihn auf analytischer Ebene überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.04.2021

Rezensent Adam Soboczynski empfiehlt der CDU Sahra Wagenknecht als Sozialministerin. Zur Linkspartei jedenfalls scheint ihm die Autorin mit ihrem Buch nicht recht zu passen. Die Skandalisierung des Buches aber scheint dem Rezensenten ungerechtfertigt, Wagenknechts Kritik am meinungsfeindlichen linksliberalen Mainstream findet er durchaus nachvollziehbar. Dass die Autorin keine Sympathien für Populisten oder Rassisten hegt, scheint ihm vollkommen unstrittig und Wagenknechts Eintreten für den Nationalstaat kein Ausdruck von Deutschtümelei, sondern rational begründet. Einzig wenn die Autorin den deutschen Sozialstaat beschreibt, wählt sie für Soboczynski allzu düstere Farben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2021

Rezensent Harry Nutt liest Sahra Wagenknechts Streitschrift gegen die Lifestyle-Linke mit einer gewissen Sympathie, sieht er darin doch den Versuch anstelle partikularistischen Debatten wieder die soziale Frage zu setzen. Wagenknechts Anliegen verdient seiner Ansicht nach Beachtung, nicht nur Empörung, wenn sie die "Verfallsprozesse politischer Orientierung" beschreibt und Irrwege der Linke zu fassen versucht. Allerdings hätte auch Nutt sich etwas mehr Tiefe in der Analyse und weniger Zuspitzung in der Rhetorik gewünscht. Klischees über die Lifestyle-Linke und ihren moralischen Rigorismus tragen nicht weit, wenn es darum geht, wieder einen Begriff von Gemeinsinn zu entwickeln, fürchtet Nutt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2021

Rezensent Stefan Reinecke hält Sahra Wagenknecht selbst für selbstgerecht. Wie die Autorin erst Linksliberalismus und Neoliberalismus in einen Kessel wirft und ihn dann auskippt, scheint ihm allzu wohlfeil und mitunter einfach falsch, weil nicht differenziert. Dass Wagenknecht gegen die EU, eine globale Wirtschaft, Migration, die creative economy und Fridays for Future wettert, eloquent, aber mit einem "sirrenden Pfeifton der Rechthaberei" erinnert Reinecke an rechtskonservative Positionen. Überzeugend findet er das alles nicht.