Herausgegeben von Michael Hofmann, Jörn Rüsen und Mirjam Springer. Schillers Geschichtsschreibung zwischen Teleologie und kritischer Selbstreflexivität ein Forschungsfeld, das Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft gleichermaßen interessiert. Mit dem linguistic turn der Geschichtswissenschaft, mit deren selbstreflexiver Einsicht in die Bedeutung narrativer Strukturen geschichtlichen Wissens ist auch die Chance zur Neubewertung des Historikers und Geschichtsdramatikers Schiller gekommen. Den Beiträgen geht es um die Verortung der Werke Schillers im europäischen Geschichtsdiskurs, damit auch um die Lektüre der Texte vor dem Hintergrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Aufklärung. Der interdisziplinäre Ansatz schafft fruchtbare Irritationen: So wird die literaturwissenschaftliche Analyse von den aktuellen Debatten zur Historiographie her neu fundiert, umgekehrt lässt sich die geschichtswissenschaftliche Lektüre der historischen Schriften von aktuellen Beschreibungsmodellen ästhetischer Strukturen inspirieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2007
Soviel steht für den Rezensenten fest: Die Autoren dieses Sammelbandes bestellen kein neues Feld. Dass Hans-Christof Kraus die Texte insgesamt dennoch für gelungen und sogar für anregend hält, hat damit zu tun, dass die Beiträger unterschiedlichen Forschergenerationen angehören und sich "durchaus nicht einig" sind. Das Nebeneinander von Texten, die Schiller gerne politisch aktualisieren möchten einerseits und solchen, denen es vor allem um Textimmanenz geht, darum, Schiller möglichst präzise zu lesen und zu analysieren, ergibt für Kraus den Reiz des Ganzen. Vermisst hat er den Blick auf Schillers historische Arbeitsweise, seine Quellen und Absichten sowie seine Einordnung innerhalb der europäischen Geschichtsschreibung der Spätaufklärung. Mit den heutigen Forschungsmöglichkeiten, meint Kraus, geht da noch jede Menge.
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