Slavoj Zizek

Der neue Klassenkampf

Die wahren Gründe für Flucht und Terror
Cover: Der neue Klassenkampf
Ullstein Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783550081446
Gebunden, 96 Seiten, 8,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Regina Schneider. Europa steht am Scheideweg. Der Flüchtlingsstrom und der islamistische Terrorismus stürzen den Kontinent in die wohl größte Krise der Nachkriegszeit. Die eigentliche Bedrohung unserer westlichen Gesellschaftsform besteht daher in der Dynamik des globalen Kapitalismus. Das bedeutet: Wir müssen unsere westlichen Werte unbedingt verteidigen und uns zu diesem Zweck von realitätsfremdem Empathiedenken befreien und fremden Kulturen reell gegenübertreten, um mit ihnen koexistieren zu können. Vor allem aber müssen wir die ökonomischen Gründe der Flüchtlingsströme und des Terrors ausmerzen - und sei es mit Hilfe einer neuen kommunistischen Utopie. Wir haben ein Recht, für unseren westlichen Lebensstil und unsere europäischen Werte zu kämpfen; aber wir haben kein Recht, die Welt in Teilhaber und Ausgeschlossene aufzuteilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2016

Rezensent Markus Günther bekommt keine Antworten von Slavoj Zizek, das stört ihn. Allzu zahnlos findet er den Philosophen auch in seinem neuen Buch, allzu mittig, wolkig, sodass das schreiende Cover eigentlich fehlleitet. Nein, eine politische Streitschrift ist das nicht, meint Günther. Dennoch: Zizeks Analyse der Flüchtlingskrise, des Terrors und des IS und seine Hintergrundbeleuchtung der Globalisierung als verschärfter Kapitalismus hat für den Rezensenten auch etwas für sich. Aktuell ist sie, wenngleich in ihrer klassenkämpferischen Aufforderung zu mehr Solidarität mit den Ausgebeuteten auch vage und allzu allgemein, meint Günther. Handfesteres findet er bei Sahra Wagenknecht und Bernie Sanders.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.12.2015

Arno Widmann nimmt sich Zeit, um Slavoj Zizek einmal genau zu lesen. Dass er bloß ein vergleichsweise kleines Buch des philosophischen Tausendsassas hernimmt, sei ihm verziehen. Siehe da, Widmann hat allerhand einzuwenden, wo sonst der MG-Redefluss des Autors jeden Einwand unmöglich macht, weil Zizek längst weiter und ganz woanders ist. Bei dem kleinen Pamphlet, schließlich voll mit Widmanns Anmerkungen und Fragezeichen, stellt sich für den Rezensenten heraus: Es ist viel Humbug dabei, aber der Autor macht die Widersprüche einfach nicht deutlich, sondern schreitet entschlossen, rauschhaft fort. Geschwindigkeit statt Qualität, stellt Widmann fest. Und doch staunt er immer wieder über Zizeks begeisterte Hellsichtigkeit, seinen Mut, auch das Schrecklichste (hier: über Europa) zu sagen. Es wird nicht sein letztes Wort sein, vermutet Widmann.

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