Tanya Pyankova

Das Zeitalter der Roten Ameisen

Roman
Cover: Das Zeitalter der Roten Ameisen
Ecco Verlag, Hamburg 2022
ISBN 9783753000770
Gebunden, 400 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ukrainischen von Beatrix Kersten. Matschuchy, Ukraine, 1933: Die junge Jawdocha versucht verzweifelt, sich und ihre Familie am Leben zu halten - doch der Hunger setzt nicht nur ihren Körpern zu, sondern immer mehr Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung greifen zu verzweifelten, unmenschlichen Maßnahmen im Kampf um das nackte Überleben. Nur wenige Kilometer von ihnen entfernt wird Solja, die wohlhabende Frau des ortsansässigen Parteivorsitzenden, von ihren eigenen, völlig unterschiedlichen Dämonen heimgesucht und scheitert daran, Gewicht zu verlieren - und Swyryd, ein Repräsentant der sowjetischen Kommunalverwaltung, nutzt seine Machtposition, um seine große Liebe Hanna, Jawdochas Mutter, zu manipulieren. In drei verschiedenen Erzählstimmen erschafft Tanya Pyankova das erschreckend aktuelle Psychogramm einer Zeit und einer Nation, das relevanter nicht sein könnte: Die von der Sowjetunion besetzte Ukraine erlitt eine Hungersnot, die das Leben vieler Millionen Menschen forderte - und die von den Besatzern als politisches Machtinstrument gezielt hervorgerufen worden war. Dieser Genozid ging als Holodomor ("Tötung durch Hunger") in die Geschichte ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2023

Beeindruckt und erschüttert ist Rezensent Fridtjof Küchemann von Tanya Pyankovas "Zeitalter der roten Ameisen", das den Holodomor, den von der Sowjetunion verübten Hungergenozid in der Ukraine, aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Die Unwissende Solja, der Täter Swyryd und das Opfer Dusja schilderten unvorstellbar Grausames aus ihrer je eigenen Sicht, die die Autorin jeweils detailreich und glaubwürdig ausführe und miteinander verflechte. Dem Rezensenten ist wichtig, deutlich zu machen, dass die Schilderungen vom Hungern, vom Tod, von menschlicher Not und Terror keinesfalls ausgedacht sind - Pyankova hat das alles Dokumenten aus jener Zeit entnommen, berichtet er. Das ist längst nicht nur aufgrund der jüngsten Geschichte lesenswert, schließt Küchemann, sondern vor allem als Buch über Menschlichkeit im Unmenschlichen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.11.2022

Der Holodomor, die von der Sowjetregierung ausgelöste Hungersnot in der Ukraine der 1930er Jahre, bildet den Hintergrund von Tanya Pyankovas Roman, erzählt Rezensentin Olga Hochweis. Ein schwieriges Thema, dieses Kollektivtrauma, und eine Herausforderung, darüber zu schreiben, die Pyankova eindringlich und absolut überzeugend meistert, lobt die Kritikerin. Interessant findet sie nicht nur die dreifache Perspektivierung durch sehr unterschiedliche Figuren - auch, dass der Hunger als Personifizierung auftritt, verleiht dem Roman für sie eine zusätzliche, fast surreale Ebene. Eine "nachhallende Lektüreerfahrung", schließt Hochweis.

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