Nach dreißig Jahren Vereinigung ist die innere Spaltung zwischen Ost und West so tief wie eh und je; und es haben sich sogar neue Klüfte aufgetan, die unser Gemeinwesen erschüttern. Sie haben damit zu tun, dass die vermeintlichen Sieger der Geschichte das Erbe der beitrittsgeprüften "Brüder und Schwestern" komplett ausgeschlagen haben. Was hat die "friedliche Revolution" den Menschen in Ost und West also gebracht? Viele Annehmlichkeiten, sicher, so Daniela Dahn, aber revolutioniert wurde nichts. Die Geschichte des Anschlusses der DDR ist eine Geschichte von Demütigungen, einer tätigen Verachtung ihrer Kultur, Literatur, Wirtschaft und sozialen Infrastruktur, die immer weiter fortwirkt. Dagegen steht eine geschichtsvergessene Ignoranz, die das Denken in Alternativen entsorgt hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019
In einer Sammelbesprechung zur Kritik an der Wiedervereinigung rezensiert Dietmar Süss drei neue Bücher zum Thema 30 Jahre nach der Wende. Ihn verstört, dass von Daniela Dahn, die er ansonsten als kritische Publizistin schätzt, hier eine "wutschnaubende Abrechnung" vorgelegt wurde. Ihr Buch sei voller Vorurteile, einfacher Antworten und mancher "verschwörungstheoretischer Volte". Der Schuldige steht immer schon fest, es ist der Westen und seine schlimmen Finger. Selten einmal blitzt ein Gedanke auf, der Vertiefung gelohnt hätte, dass etwa der Aufbau im Osten lange zu einseitig als Erfolgsgeschichte wahrgenommen worden sei. Daraus folge dann aber nichts weiter, und das findet der enttäuschte Rezensent sehr schade.
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