Stephane Hessels Streitschrift bewegt die ganze Welt. Der gebürtige Berliner war Mitglied der Resistance, hat das KZ Buchenwald überlebt und ist einer der Mitautoren der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Mit emphatischen Worten ruft der ehemalige französische Diplomat zum friedlichen Widerstand gegen die Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft auf. Er beklagt, dass der Finanzkapitalismus die Werte der Zivilisation bedroht und den Lauf der Welt diktiert. Er prangert die Lage der Menschenrechte an, kritisiert die ökologische Zerstörung unseres Planeten und verurteilt die Politik Israels im Gaza-Streifen als Demütigung der Palästinenser.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2011
3,99 für ein Lebenselexier? Ein Schnäppchen, findet Christian Geyer. Auch wenn ihm erst einmal Zweifel kommen: Kann, was so günstig ist und mit der Altersweisheit des Autors wirbt, auch gut sein? Kann. Allerdings liegt das für Geyer weniger an der Lebenserfahrung des 93-jährigen Stephane Hessel als am geschickten Manöver des Textes. Um die einschlägigen Anlässe der Empörung herum und hinein ins Existentielle! Empören heißt Leben! Leben heißt Ideen haben, Ideen haben, heißt frei sein. So in etwa erklärt uns Geyer die Faszination, die für ihn von dem schmalen Buch ausgeht. Dass so ein Pamphlet ganz und gar erklärungsfrei daherkommt, unmittelbar das Staunen postuliert, leuchtet ihm ein. Wenn es trotzdem nicht die Fundamentalopposition predigt, meint Geyer, oder gar Gewalt, umso besser.
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