Streiten

Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN
9783446280045
Gebunden, 128 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
"Warum also streite ich? Davon und von der Frage, was Streiten heißt, handelt dieses Buch." Svenja Flaßpöhler gilt als streitlustig, als jemand, der gerne angreifbare Positionen vertritt. Doch in ihr wohnt eine ganz andere Erfahrung: die eines Trennungskinds, das mit der Angst vor Streit und Eskalation aufgewachsen ist. In ihrem persönlich-philosophischen Essay zeigt sie, dass über das Streiten nachzudenken vor allem heißt, sich von Illusionen zu befreien. Ein Streit ist kein herrschaftsfreier Diskurs, sondern es geht um Macht: Der Abgrund der Vernichtung ist immer als Möglichkeit präsent. Gleichzeitig ist es gerade der Streit in seiner Unversöhnlichkeit, der uns vorantreibt und Veränderung bewirkt. Ein flammendes Plädoyer für Lebendigkeit, Mut und den Eros des Ringens.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2025
Rezensent Jörg Thomann lernt mit Svenja Flaßpöhlers neuem Buch nicht nur, was Streit vom Diskurs unterscheidet, sondern auch, woher die Streitbarkeit der Autorin stammt: aus der Familiengeschichte, von der die Autorin im Buch auch berichtet. So gerät der Band für Thomann mitunter zur biografischen "Selbstrechtfertigung". Selbstkritisch ist die Autorin aber auch, findet er, wenn sie ihr Geltungsbewusstsein nicht unterschlägt. Als "Fachfrau" fürs Streiten präsentiert sich Flaßpöhler laut Thomann mit klarem Blick auf das Gewaltpotenzial der Streiterei, ob in der Beziehung, bei X oder in Talkshows.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2024
Rezensent Ronen Steinke bespricht zwei Bücher zur aktuellen Debattenkultur. Gut gefällt ihm Svenja Flasspöhlers Essay "Streiten", in dem die zurzeit vielgefragte Talkshow-Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins ausgehend von ihrer Erfahrung im Fernsehen über das Streiten nachdenkt: So sei sie etwa selbst dazu geneigt, sich bei einem unrettbar von der eigenen Meinung überzeugten Gegenüber lieber gleich schon tot zu stellen als sich unnötig abzustrampeln, und reflektiere das als potenzielle Mitarbeit an einer "Verengung des Sagbaren", resümiert der Kritiker anerkennend. Der Essay komme zudem "kurzweilig und offen" daher. Nicht mithalten kann für ihn da das Buch "Defekte Debatten" von Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel, die statt Selbstreflexion nur Larmoyanz und "Retro-Sehnsucht" zu bieten hätten: dass früher die Debattenkultur besser gewesen sei und mehr Leute sich zu freier Meinungsäußerung befähigt gesehen hätten, ist für den Kritiker nicht nur altmodisch gedacht, sondern auch falsch. Auch den Verbesserungsvorschlägen - Entfernung der "Like"-Option auf Social Media oder eine Verzögerung im Posting-Prozess - kann Steinke wenig abgewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2024
Rezensentin Johanna Ruebel lernt Wissenswertes über den Streit in diesem Essay der Philosophin und Journalistin Svenja Flasspöhler. Mit Beispielen aus der eigenen Biografie und mit Habermas' Kommunikationstheorie im Gepäck erläutert die Autorin der Rezensentin, was ein Streit ist, welche Bedingungen er optimalerweise braucht und warum es sich dann lohnt, ihn auszutragen. Dass ein Streit auch Grenzen hat, dass er verletzend sein kann, darauf macht die Autorin ebenfalls aufmerksam, erklärt Ruebel. Und sie gibt zu bedenken, dass Gesprächsverweigerung gegen demokratische Gepflogenheiten verstößt, so die Rezensentin.