Aus dem Französischen übersetzt von Christel Gersch. Eine Frau ohne Kopf reitet auf Théodores Hof: es ist Anna, seine späte, einzige Liebe. Théodore verliert vor Schmerz den Verstand und schickt seinen kleinen Sohn zum Teufel. Der nimmt es wörtlich und rast mit seinem Dreirad auf die Landstraße hinaus. Ein Autofahrer liest den kleinen Jungen auf und bringt ihn nach Hause zurück. So beginnt die Geschichte des jungen Tobias, letzter Sproß einer jüdischen Familie aus Galizien, die einst nach Frankreich eingewandert ist. Deborah, die 90jährige Ahnin dieser Familie, nimmt auch das jüngste Leid auf ihre Schultern und begleitet Tobias behutsam ins Leben. Als er erwachsen ist, macht er sich im auf eine Reise, an deren Ende er dem Mädchen Sara begegnet. Doch auf der schönen Tochter eines Malers liegt ein schwerer Fluch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.09.2001
Sacha Verna empfiehlt angesichts der entfachten "Sprachgewitter" dringend einen Regenschirm und lässt an dem Roman, der sich an das apokryphe "Buch Tobit" der Bibel anlehnt, kein gutes Haar. Zwar müssten sich Schriftsteller, die sich an Geschichten aus der Bibel orientieren, nicht um die Glaubwürdigkeit der geschilderten Geschehnisse kümmern, doch wenigsten um ihren Stil sollten sie sich nach Meinung der Rezensentin "Gedanken machen". Sie rügt die französische Autorin streng für das "symbolische Gefuchtel" und die "rosaroten Sprachgemälde", die, wie sie findet in eine "literarischen Blumentopf-Ästhetik" münden. Und so fällt in dieser Rezension schon früh das böse Wort "Kitsch", was auch nicht durch die winzigste freundliche Bemerkung seitens Verna entschärft wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2001
Sabine Brandt ist recht begeistert von diesem fast biblisch wirkenden Roman - sie nennt ihn eine "Geschichte der besonderen Art, gefügt aus Gedanken, die unseren Alltag übersteigen, befördert von einer Sprache, die zum Träumen verlockt". Es geht um die schicksalsreiche Familiengeschichte einer jüdischen Familie, die auf einer sehr realen ebenso wie einer phantastischen Ebene erzählt wird und bei der der Enkel Tobias, auf dessen Schultern das ganze geballte Leid lastet, alles zum Guten kehrt. Natürlich nicht mit einem einfachen Happy End, sondern mit einem Ende, das vieles offen lässt, aber trotzdem Hoffnung spendet, wie der Leser erfährt. Das "Rückgrat des Romans" bilde dann auch die Geschichte vom biblischen Tobias, und die Art und Weise, wie die Autorin diese beiden Erzählebenen, die reale und die märchenhaft inspirierte, verbindet, gefällt der Rezensentin ausgesprochen gut.
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