In den Jahren nach der Kapitulation Deutschlands steht die Frage nach der moralischen Schuld der Deutschen im Zentrum von Thomas Manns essayistischer Publizistik. Thomas Mann, der im Juni 1944 amerikanischer Staatsbürger wurde, entscheidet sich gegen eine Rückkehr nach Deutschland und verteidigt diese Entscheidung mit den moralischen Grundsätzen der Politik Roosevelts. Neben den politischen Schriften beinhaltet der Band bedeutende Essays wie "Dostojewski mit Maßen", "Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung", "Goethe und die Demokratie" sowie die umfangreiche "Entstehung des Doktor Faustus".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.05.2011
Laut dem Politikwissenschaftler Iring Fetscher lässt sich anhand von Thomas Manns zwischen 1945 und 1950 entstandenen Essays besonders gut dessen "kompliziertes Verhältnis" zu Deutschland ablesen. Mit dem Kommentarband, den der Rezensent als sehr instruktiv lobt, wird zudem der Hintergrund von Manns Essays, der darin auch auf die beißende Kritik in Deutschland verbliebener Kritiker an seinem kalifornischen Exil reagiert. Den Rezensenten hat vor allem der Aufsatz zu Nietzsches Philosophie gefesselt, in dem er einen Rettungsversuch des genialen Denkers gegenüber seiner Vereinnahmung durch die Nazis erkennt. So mühe sich der Schriftsteller darum, die Äußerungen, die den Nazis zur Rechtfertigung ihres verbrecherischen Treibens gedient hatte, vom Denker und genialen Stilisten abzuspalten und ganz auf die spätere Krankheit Nietzsches zu schieben. Goethe dagegen bietet sich dem Autor als exemplarischer Beweis, dass Genialität auch mit "Sittlichkeit" verbunden sein kann, so Fetscher weiter, der Manns Charakterisierung von Goethe als Demokrat "originell" findet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2011
Faszinierend und irritierend zugleich wirken Thomas Manns zwischen 1945 und 1950 entstandenen Essays, die nun in einem Band mit Kommentar von Herbert Lehnert versammelt sind, auf Wolfgang Schneider. Sie zeigen ihm nicht zuletzt die zunehmende Politisierung eines von Haus aus "unpolitischen" Autors. Befremdlich findet der Rezensent die den gegenüber den frühen, hellsichtigen Analysen des Faschismus allzu sanft anmutenden Beurteilungen des Sozialismus, was Mann über die augenfälligen Repressionen bereitwillig hinwegsehen lässt, wie Schneider findet. Der Essay mit dem meisten Sprengstoff stellt für ihn Manns Bericht seiner Deutschlandreise im Jahr 1949 dar, in dem er die während des Nationalsozialismus im Land gebliebenen "inneren Emigranten" mit Skepsis betrachtet und allenthalben Altnazis ausmacht, die die Verbrechen des Hitlerregimes leugnen oder mit "Gleichgültigkeit" betrachten. Manns Auseinandersetzung mit dem vormals verehrten Friedrich Nietzsche dagegen scheint dem Rezensenten als wichtigster Text dieses Bandes und bildet gar eine "würdige Entsprechung" zu Nietzsches eigener Abrechnung mit Richard Wagner. Alles in allem erkennt man in dieser Ausgabe gleichermaßen den politischen, wie den politikmüden Autor, so Schneider, der ausdrücklich auch den Kommentar lobt, der wichtige historische Kontexte zu den Essays liefert, wie er anerkennend registriert.
Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.…