Im dreißigsten Jahr der Maueröffnung ist die Erfahrung der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer eine völlig andere. "Empowerment Ost" beschreibt die Revolution von 1989/90 als eine radikale Demokratieerfahrung - der Ostdeutschen. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute, vom Arabischen Frühling über Occupy Wallstreet bis zu Fridays for Future. Sind die Ostdeutschen undankbar? Sehen ihre Städte heute nicht schöner aus als vor dreißig Jahren? Was ist aus den "Jammer-Ossis" geworden? Und woher kommt noch immer die Rede von "ostdeutschen Demokratiedefiziten" oder einer "alternativlosen" Politik der Treuhand? Thomas Oberender legt die verblüffende Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost und Westdeutschland offen. Er analysiert den sogenannten "Aufbau Ost" und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung, frappierend visionär und realistisch zugleich. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute. "Empowerment Ost" ist ein Kompass für eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe und ein Aufruf für die Möglichkeit einer anderen Zivilgesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2020
Gerecht und doch beherrscht findet Rezensent Cornelius Pollmer die Wut, mit der Thomas Oberender schreibt. Der Intendant der Berliner Festspiele, 1966 in Jena geboren, hatte eigentlich gedacht, dass innerdeutsche Auseinandersetzungen erschöpft seien, doch in Griechenland habe ihn wieder die "koloniale Matrix der Macht" getroffen: So wie die Troika in Griechenland wütete, so hatte zuvor die Treuhand Ostdeutschland verheert: Und dann über den Undank jammern, wenn man ihnen so viel Geld gegeben hat! Klar, das ist ein bisschen drastisch, räumt der Rezensent ein, aber nicht ganz falsch. Auch was Oberender über ahistorische Ostidentität oder die festgefügten Meinungslager nachdenkt, folgt ihm Pollmer mit Interesse.
Da ist Rezensent Alexander Cammann ziemlich wütend geworden über dieses "wütende Buch", das ihm als eine doch sehr späte "Identitätssuche" des ostdeutschen Autors erscheint. Es sei, so der genervte Kritiker, die Klage des Ossis über die westdeutsche Übernahme, wie es sie seit 30 Jahren gebe, hier aber werde sie noch in den "aktuellen Theorie- und Kuratorenjargon" gegossen - angestachelt, wie Cammann mehrmals stichelt, durch den Ort des Vortrags, aus dem das Buch entstanden ist, nämlich Athen. Für die Sprache von der "kolonialen Matrix", vom "Narrativ der Mächtigen" und der Kritik an Angela Merkel konnte man hier auf dankbare Abnehmer hoffen. Dies scheint Cammann umso mehr aufzubringen, als die viele Differenzierung, wie sie bisher geleistet worden sei, darunter wieder vollkommen verschwindet. Nein, keine Leseempfehlung.
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