Tom M. Wolf

Sound

Roman
Cover: Sound
Berlin Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783827010377
Gebunden, 355 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Ein Sommer an Jerseys Küste. Cincy kehrt, nicht gerade begeistert, in seine Heimatstadt zurück. Unter kommt er bei einem alten Schulfreund, gemeinsam hören sie Platten, ziehen nachts durch die Kneipen, alles ist wie in den guten alten Tagen. Und genau das ist das Problem: eine drückende Atmosphäre des Stillstands, nichts ändert sich jemals, alles wiederholt sich. Über die Stadt und ihr Leben hat sich ein Film aus Nostalgie und Melancholie gelegt wie der Rost über die Karussells im Vergnügungspark. Doch dann trifft Cincy auf Vera.
"Sound" ist eine Liebesgeschichte, eine Boy-meets-Girl-Story - so alt wie die Menschheit. Aber das Gewand, dass Tom M. Wolf dafür erschafft, ist gänzlich neu und radikal. Der Roman gleicht einer musikalischen Partitur: Dialoge, Gedanken, Hintergrundgeräusche, Herzklopfen unterlegen die Ich-Erzählung mit einem ganz eigenen Soundtrack. Tom M. Wolf arbeitet mit einer Theorie des Loops und gestaltet eine neue Erzählform, die Gleichzeitigkeit von Gedanken und Rede, von Geschichte und Klang ermöglicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2013

Den zukünftigen Kultstatus und die Verfilmung fest im Blick, guckt sich dieses Debüt von Tom M. Wolf laut Tilman Urbach doch etwas zu viel bei anderen ab, Jack Kerouac z. B., und kultiviert den gut gereiften Vintage-Stil. Dafür allerdings scheint Urbach die Freiheit in der simplen Boy-meets-Girl-Story doch ein bisschen zu klischeehaft bebildert mit Oldtimern, Suffmusik, Bars und Clubs. Atmosphärisch gelingen dem Debütanten laut Urbach zwar durchaus dichte Schilderungen, doch der rasende Stillstand der Gedankenfülle des Protagonisten und der Dreh, die Geschichte entlang von Songtexten als Soundtrack zu erzählen, findet der Rezensent, machen es dem Leser nicht immer leicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.12.2012

Die literarische Avantgarde hat schön öfter versucht, das lineare Lesen aufzubrechen, weiß Ulrich Rüdenauer. Aber "Lesen bleibt eine altmodische Angelegenheit", findet der Rezensent. Tom M. Wolf versucht in seinem Roman "Sound" nun erneut, Lesegewohnheiten "auszuhebeln: Der Autor orientiert sich an einer Vinylschallplatte, es gibt "Rillen" (eigentlich Linien) im Buch, die "übereinander geschichtet" sind und ineinander übergehende Informationen tragen. Der Leser muss ihnen folgen wie ein Tonabnehmer, erklärt der Rezensent. Wolfs Geschichte selbst findet Rüdenauer dann aber ziemlich konventionell: ein junger Amerikaner, eine gescheiterte akademische Karriere, Liebe, Alkohol und "Gefühlserschütterungen", fasst er zusammen. Wolf hat seine Geschichte zwar schön arrangiert und schreibt durchaus mitreißend, lenkt der Rezensent etwas ein, aber "nach sechzig Jahren Beat- und Popliteratur" kommt es Rüdenauer kaum noch originell vor, Literatur mit Plattenästhetik zu versehen und sich davon automatisch einen großen Mehrwert zu erhoffen. Schaden tut die eigenwillig Form aber nicht, meint er.

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