Tom Schulz

Lichtveränderung

Gedichte
Cover: Lichtveränderung
Hanser Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783446247734
Kartoniert, 96 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Tom Schulz ist der Romantiker unter den jüngeren deutschen Lyrikern. Er gestattet sich Emphase "nah am Wortrausch", hat den Mut, Mond, Reh und Waldvögelein zu besingen. Doch dann ist der Wald plötzlich "voll von Schläuchen und Blutkonserven". Tragödie oder Vorabendserie - die Schnitte sitzen tief. Ob Reisebild, politisches Gedicht oder Liebesklage, immer sind es die Übergänge, die Tom Schulz interessieren, wo die Lichtveränderung zum Aufbruch ins Ungewisse führt und sich die Dinge grundlegend wandeln. In einer Sprache, in der sich hoher Ton mit Alltagsphrasen verbindet, ruft Tom Schulz diese Veränderung der Wirklichkeit herbei: "egal wie Du kommst, / ob als Hund oder Schlüsselblume / komm."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.09.2015

Mit dem gewetzten Begriffsinstrumentarium aus dem Germanistikstudium nimmt sich Rezensent Andreas Kohm der Gedichte von Tom Schulz an, die in seinen Augen unter Beweis stellen, "dass Gedichte kleine anarchische Testgebiete der Sprache sein können." Dem vorliegenden Band attestiert er ein reines, sprachliches Fließen, das bereits der Titel in Aussicht stellt: Unsinniges entbirgt Sinn, Begrifflichkeiten werden umgeschrieben, die Wirklichkeit erfährt eine Umbildung und Fortsetzung in der Sprache des Autors: "wie gesagt / in Urin steckt Ruin". Sozialisiert in der DDR, entwickelte dieser eine hohe Sensibilität dafür, wenn im offiziellen Jargon Rhetorik und Wirklichkeit auseinanderklaffen, führt der Kritiker aus: Die Folge sei ein "tief wurzelnder Sprachwitz", dessen fein verästelter Architektur Kohm in seiner mitunter stark analytischen Besprechung im Detail nachspürt. Aber auch die sinnliche Komponente kommt nicht zu kurz: Sehr gerne geht der Rezensent mit diesen Gedichten auf weitschweifende Reisen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2015

In den Gedichten von Tom Schulz gräbt kein Maulwurf dunkle Gänge durchs Erdreich, baut Andreas Langenbacher in seiner schönen Besprechung dieses Gedichtbandes falschen Erwartungen vor. Hier tanzt eine luftig flinke Libelle! Richtig in Schwingung versetzt das den Rezensenten, der die Gedichte sehr gut in der Zeile "Ich liebe die momentane Verstrickung" zusammengefasst sieht. Was Langenbacher besonders für Schulz einnimmt, ist dessen Experimentiertfreudigkeit, da ist der Dichter immer auch Leiter der Schreibwerkstatt: Das Können am "Eigensinn des Wollens" erproben, nennt Langenbacher das. So erscheinen ihm die expressiven Gedichte dieses Bandes denkbar fern von denen des eher romantischen Vorgängers "Innere Musik". Eine "frei pulsierende Welt- und Selbstvergegenwärtigung" hat der Rezensent hier erlebt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.07.2015

Dorothea von Törne schwärmt von einem literarischen Paradigmenwechsel, und Tom Schulz ist für sie einer seiner Vertreter. Indem der Autor provokant aber gekonnt zwischen Profanem und Großartigem, Witz und Kalauer, Alliteration und raffinierten Komposita, Herz und Kitsch, Naturalismus und Surrealismus mäandert, kann er die Rezensentin gewinnen für seine Texte über DDR-Kindheit, Herzschmerz und soziale Utopien. Besonders der Sinn des Autors fürs Tragikomische und Groteske scheint die Rezensentin zu begeistern.
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