Herausgegeben von Thomas Anz. Mit Schwarz-Weiß-Abbildungen. Zeit seines Lebens trat Marcel Reich-Ranicki für die Literatur ein und scheute sich dabei nie, eine ganz eigenwillige Auswahl der bedeutendsten Autoren und ihrer Werke zu treffen. Denn "der Verzicht auf einen Kanon", so seine Überzeugung, "würde den Rückfall in die Barbarei bedeuten". Erstmals erscheint nun eine umfassende Sammlung der wichtigsten Essays dieses leidenschaftlichen Kritikers. Sie ist in der Weise geordnet, dass sie ein Bild jener deutschen Literaturgeschichte vermittelt, in der er seine Heimat fand, von den Minneliedern im Mittelalter bis hin zu den großen Romanen der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2014
Laut Burkhard Müller zeigt Marcel Reich-Ranicki sich in dieser postumen Literaturgeschichte, wie Müller es nennt, da Thomas Anz sie nach dem Tod des Kritikers herausgegeben hat, nicht als Großkritiker mit Führerqualitäten, sondern als durchaus selbstironischer, uneitler scharfer Beobachter mit gesundem Menschenverstand. Laut Müller hat das den Vorteil, dass jeder Leser dieses Buch mit Gewinn lesen kann. Die Texte, Porträts, Nachrufe, Laudatios etc., die meisten erschienen in FAZ und Zeit, das gibt der Rezensent allerdings zu bedenken, zeigen nur die eine, die affirmative Seite der Kritikerarbeit. Über die "destruktive", die bedeutsamere, meint er, verraten sie nichts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2014
Als stolzen Liebenden sieht Hubert Spiegel Marcel Reich-Ranicki sozusagen vor sich beim Lesen dieser unverhüllt subjektiven Literaturgeschichte, der zweiten des großen Kritikers. Der von Reich-Ranickis Nachlassverwalter Thomas Anz kompilierte Band mit Aufsätzen, Essays, Reden und Rezensionen Reich-Ranickis zu Goethe, Schiller, Brecht, Handke, Süßkind und, und, und hat Spiegel überzeugt. Auf Vollständigkeit kann der Rezensent verzichten, wo die Leidenschaft und die vielfältigen Interessen des verehrten Kritikers walten. Dass der Band so auch zum Porträt des Verfassers gerät, scheint Spiegel nur recht zu sein, sind Reich-Ranickis Schärfe und Unerbittlichkeit im Urteil doch darin zu erkennen, wie er schreibt, wie auch seine Sehnsüchte und Ängste und der aus Lebenderfahrung sich speisende Wille, nie wieder einer Doktrin sich zu unterwerfen.
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