Als "sehr französisch" würdigte der französische Diplomat Montebello 1859 seinen preußischen Kollegen Otto von Bismarck. Drei Jahrzehnte später ließ sich der so Gerühmte zu der Prognose hinreißen, dass Deutschland "mit Frankreich […] nie Frieden haben" werde. Wieso hatte sich das Verhältnis der Nachbarn am Rhein so verschlechtert? Und welche Verantwortung trug Bismarck daran? Die fundamentale Bedeutung des (preußisch-)deutsch-französischen Verhältnisses für das europäische Staatensystem des 19. Jahrhunderts ist von der Geschichtswissenschaft intensiv untersucht worden. Allenfalls in Umrissen ist hingegen die Rolle bekannt, die Bismarck bei der Ausgestaltung dieser Beziehungen gespielt hat. Um diese Lücke zu schließen, zielt die Studie in multiarchivalischer Perspektive darauf ab, die Entwicklung des bilateralen Verhältnisses in der Biografie einer seiner Schlüsselgestalten zu spiegeln.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2019
Ziemlich kurz und lakonisch fertigt Wolfgang Taus dieses im Titel so vielversprechende Buch ab. Man erfährt, dass es nach den verschiedenen biografischen Stationen Bismarcks geordnet ist - vom Studenten bis zum Ruheständler -, und dass die Bismarck'sche Beziehung zu Frankreich von der Abstoßung zur Faszination reichte. Ansonsten wird nacherzählt, dass Bismarck, nachdem es nicht zu einem frühen Bündnis (gegen das habsburgische Österreich) gekommen war, drei Kriege anzettelte, den letzten gegen Frankreich, um schließlich das Reich unter sich zu einigen. Dass Bismarcks Verdikt, die beiden Staaten würden nie zu Freunden werden, am Ende durch die Geschichte widerlegt wurde, bezeichnet der (gelangweilte?) Kritiker am Schluss seiner Besprechung als Glücksfall.
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