Mit einiger Begeisterung begrüßt der hier rezensierende Historiker Hans-Ulrich Wehler diese "voluminöse Dokumentensammlung" über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Er fand darin endlich zweifelsfrei den Anteil Bismarcks am Zustandekommen dieses folgenreichen Konflikts belegt, der Frankreich in die Rolle des Aggressors getrieben habe. Wehler feiert außerdem die "asketische Arbeit" des Historikers Josef Becker und seiner akribischen Archiv- und Quellenrecherche samt seiner daraus erfolgten Rekonstruktion verschiedener Entscheidungsverläufe. Beeindruckt notiert der Rezensent auch die Fülle fruchtbar gemachter Zeitzeugenberichte aus dem innersten Machtbereich Bismarcks und des diplomatischen Umfelds. Im Grunde lässt diese Dokumentation für Wehler keine Fragen zu diesem Konflikt mehr offen, da sie auch noch der zählebigsten Legende über die Schuldverhältnisse aus seiner Sicht endgültig den Garaus gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.04.2003
Rezensent Johannes Willms wünscht der von Josef Becker herausgegebenen Quellenedition "Bismarcks spanische 'Diversion' 1890 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg", von der nun die ersten zwei von drei Bänden vorliegen, "dass sie Epoche macht". Die Bände dokumentieren nach Auskunft des Rezensenten die Vor- und Nachgeschichte der Hohenzollern-Kandidatur für den spanischen Thron, die der unmittelbare Auslöser für den deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 war. Nach der herrschenden Meinung hat Bismarck diese Kandidatur für seine Politik zwar mit einigem Geschick genutzt, gleichwohl habe es sich dabei nicht um eine von ihm eingefädelte Intrige gehandelt. Die Becker'sche Quellenedition bringt nun laut Willms den "lückenlosen Nachweis", dass Bismarck seit September 1868 seine Finger in Sachen "spanisches Thronangebot" im Spiel hatte. Tatsächlich war Bismarcks Anteil und tätige Verantwortung hinsichtlich der spanischen "Diversion" so erheblich, erklärt Willms, "dass ihre Dokumentation eine grundsätzliche Revision seines längst zur Ikone erstarrten Bildes in der deutschen Geschichtsschreibung unumgänglich gemacht hätte".
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