Im Rückblick beruhigen wir uns in Bezug auf das Schicksal der ersten deutschen Demokratie mit der Palliativformel, dass es nicht zwangsläufig so hätte enden müssen, wie es schließlich endete. Aber Zufall sei es auch nicht gewesen. Das ist richtig, gilt jedoch praktisch für alles, was in der Weltgeschichte je geschah.Heute sind nicht nur in der Bundesrepublik rechte Parteien wieder auf dem Vormarsch. Vorschnelle Vergleiche mit der Zwischenkriegszeit verursachen Panik. Umso dringlicher ist es, erneut über die Entwicklungen der Weimarer Republik zu reden und zu streiten. Genau dazu trägt Ute Daniel mit ihrem neuen Buch bei.Erfolge von Rechtsaußenparteien lassen sich nie allein über ihre Strategien oder Führungspersonen erklären. Das wäre auch mit Blick auf Weimar zu einfach, selbst wenn viele Menschen ab 1929 vor allem auf Adolf Hitler starrten, bewundernd oder voll Furcht. Stattdessen müssen wir rekonstruieren, so die Historikerin, wie andere politische Akteure die Situation wahrnahmen. Für die meisten von ihnen war die Weimarer Republik ein Zwischenreich, eine vorübergehende Verirrung. Ihr Handeln war ausschlaggebend für das Ende der Republik. Hitler war nur der Profiteur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2026
Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik hält für den hier rezensierenden Historiker und Politikwissenschaftler Alexander Gallus wenig Neues bereit. Ja, die Braunschweiger Neuzeithistorikerin setze zwar ein paar individuelle "Akzente" in ihrer Suche nach den Ursachen des Demokratiescheiterns, etwa wenn sie die Machtgewinnung des Militärs als einen Hauptfaktor hervorhebt oder, für Gallus überzeugend, ein "Schulden-, Reparations- und Steuervermeidungskarussell" herausarbeitet. Aber leider mangelt es für den Kritiker trotzdem in mehreren Belangen: irritiert ist er etwa von Daniels Beschränkung auf linksliberale Stimmen; "rechtsbürgerliche", "konservativ-revolutionäre" oder kommunistische Stimmen fehlen hingegen komplett. Auch, wie Daniel kontroversere historische Positionen (etwa zur Ermordung des Finanzministers Matthias Erzberger) mit der Behauptung der Irrelevanz beiseite wische, führe zwar zu großer "Stringenz" in ihrer Argumentation, sei aber eigentlich fachlich ungenau; und auch andere Aspekte geraten dem Kritiker zu "unkritisch". Für Gallus letztlich ein "Stück wohlbekannter Pathologiehistorie".
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