Im Rückblick beruhigen wir uns in Bezug auf das Schicksal der ersten deutschen Demokratie mit der Palliativformel, dass es nicht zwangsläufig so hätte enden müssen, wie es schließlich endete. Aber Zufall sei es auch nicht gewesen. Das ist richtig, gilt jedoch praktisch für alles, was in der Weltgeschichte je geschah.Heute sind nicht nur in der Bundesrepublik rechte Parteien wieder auf dem Vormarsch. Vorschnelle Vergleiche mit der Zwischenkriegszeit verursachen Panik. Umso dringlicher ist es, erneut über die Entwicklungen der Weimarer Republik zu reden und zu streiten. Genau dazu trägt Ute Daniel mit ihrem neuen Buch bei.Erfolge von Rechtsaußenparteien lassen sich nie allein über ihre Strategien oder Führungspersonen erklären. Das wäre auch mit Blick auf Weimar zu einfach, selbst wenn viele Menschen ab 1929 vor allem auf Adolf Hitler starrten, bewundernd oder voll Furcht. Stattdessen müssen wir rekonstruieren, so die Historikerin, wie andere politische Akteure die Situation wahrnahmen. Für die meisten von ihnen war die Weimarer Republik ein Zwischenreich, eine vorübergehende Verirrung. Ihr Handeln war ausschlaggebend für das Ende der Republik. Hitler war nur der Profiteur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2026
Als eine lohnende Lektüre beschreibt Rezensent Florian Keisinger Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik. Die Historikerin Daniel erschließt darin keine neuen Quellen und ist auch nicht an einer kulturwissenschaftlichen Gesamtschau interessiert. Vielmehr geht es ihr darum, neue Perspektiven auf die politischen und auch finanzpolitischen Dynamiken der Zeit zu werfen, insbesondere mit Blick auf die Frage, weshalb die Weimarer Republik schließlich unterging. Die Hyperinflation der frühen Jahre hat eben daran einen Anteil, schreibt Daniel, gleichfalls die Sparpolitik der späten Jahre. Die antidemokratischen Tendenzen wurden außerdem insbesondere durch die privilegierte, quasi sakrosankte Stellung der Reichswehr befeuert, so ein zentrales Argument des Buches. Das war auch in anderen Teilen Europas so, in Deutschland kam noch die Last der Reparationszahlungen hinzu. Keisinger liest diese Analysen mit Gewinn, gerade auch mit Blick auf eine Gegenwart, die zum Teil ähnliche soziale Muster zeigt, sich zum Teil aber auch von der Weimarer Republik unterscheidet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2026
Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik hält für den hier rezensierenden Historiker und Politikwissenschaftler Alexander Gallus wenig Neues bereit. Ja, die Braunschweiger Neuzeithistorikerin setze zwar ein paar individuelle "Akzente" in ihrer Suche nach den Ursachen des Demokratiescheiterns, etwa wenn sie die Machtgewinnung des Militärs als einen Hauptfaktor hervorhebt oder, für Gallus überzeugend, ein "Schulden-, Reparations- und Steuervermeidungskarussell" herausarbeitet. Aber leider mangelt es für den Kritiker trotzdem in mehreren Belangen: irritiert ist er etwa von Daniels Beschränkung auf linksliberale Stimmen; "rechtsbürgerliche", "konservativ-revolutionäre" oder kommunistische Stimmen fehlen hingegen komplett. Auch, wie Daniel kontroversere historische Positionen (etwa zur Ermordung des Finanzministers Matthias Erzberger) mit der Behauptung der Irrelevanz beiseite wische, führe zwar zu großer "Stringenz" in ihrer Argumentation, sei aber eigentlich fachlich ungenau; und auch andere Aspekte geraten dem Kritiker zu "unkritisch". Für Gallus letztlich ein "Stück wohlbekannter Pathologiehistorie".
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…