Uwe Krähnke

Selbstbestimmung

Zur gesellschaftlichen Konstruktion einer normativen Leitidee
Cover: Selbstbestimmung
Velbrück Verlag, Göttingen 2006
ISBN 9783938808115
Gebunden, 368 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

"Selbstbestimmung" ist im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte zu einem geläufigen Begriff im abendländischen Denken geworden. In der Alltagskommunikation taucht er ebenso selbstverständlich auf wie im Recht, in der Politik, der Öffentlichkeit oder der Philosophie. Die Vielfalt der diskutierten Themen, bei denen heute, verstärkt seit den 1990er Jahren, mit dem Selbstbestimmungsbegriff operiert wird, umfasst Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe, aber ebenso geistige und körperliche Behinderung ("Selbstbestimmung der Persönlichkeit"). Sie reicht weiter über den Feminismus ("Selbstbestimmung der Frau"), Völkerrecht ("Selbstbestimmung" des Volkes bzw. Staates) bis hin zum Datenschutz ("informationelle Selbstbestimmung") oder zum Tierrecht bzw. zur Tierschutzethik. Ist die thematisch vielseitige Verwendbarkeit des Selbstbestimmungsbegriffs Indikator für einen allgemeinen Erfahrungswandel, der sich im Normen- und Wertesystem der modernen Gesellschaft niederschlägt? Fungiert "Selbstbestimmung" als politischer Schlüsselbegriff mit einer ähnlichen Signalwirkung wie traditionelle Grundwerte des modernen Abendlandes - etwa "Freiheit", "Gerechtigkeit" oder "Emanzipation"?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2007

Die Rezensentin Petra Gehring teilt zwar offensichtlich Krähnkes Skepsis gegenüber dem Begriff der "Selbstbestimmung" und auch gleich gegenüber dem Fremd- und Schwesterwort "Autonomie". Ob es sich dabei nicht um einen "Diskursjoker" handle, fragt sie, und legt kurz die Geschichte des Begriffs dar, die offensichtlich mit antikolonialistischen Befreiungsbewegungen begann. Leider ist Gehring aber ganz und gar nicht zufrieden mit den Methoden, die Krähnke einsetzt, um den Begriff zu analysieren. "Krähnke leitet nicht her, er beweist", beschwert sie sich. Besonders fehlt ihr eine Darlegung, die mit Beispielen und Belegstellen operiert, wie sie etwa an Krähnkes Ausführungen zur Abtreibungsdebatte moniert. Gehring bemängelt auch, dass Krähnke die Karriere des Begriffs isoliert betrachtet, ohne ihn zu Freiheit und Autonomie in Bezug zu setzen. Am Schluss wünscht sie sich eine "weniger dilettantische" Annäherung an das Thema.

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