Kann man die individuelle Freiheit eines Mitmenschen experimentell herstellen? Ist es möglich, ihn in seine Freiheit hineinzutäuschen, ja diese zu erzwingen?Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde eine ganze Reihe von Versuchen unternommen, das emanzipative Verhalten eines Gegenübers in einem artifiziellen Setting heraufzubeschwören. Das Buch von Christoph Paret erkundet die Geschichte dieser emanzipativen Menschenexperimente, die unser Verständnis von Freiheit, Autorität und Determiniertheit herausfordern. Mal spielen die Versuchsleiter Agents Provocateurs, um die Standfestigkeit ihrer Versuchspersonen zu erproben, mal schirmen sie ihre Probanden von störenden Einflüssen ab, damit sie 'persönlich wachsen' können. In anderen Fällen installieren sie Feedback-Schleifen, damit die Versuchspersonen in den Flow kommen, oder sie versuchen diese mittels inszenierter Konflikte aufzuwiegeln. Doch wie können künstliche Situationen eine Freiheit produzieren, die gewöhnlich ganz selbstverständlich als Autonomie verstanden wird? Auf welche Weise sind in Gestalt dieser Versuchsleiter Autoritätsfiguren nicht Hemmnisse, sondern Realitätsgaranten von Freiheit? Und hat das Laborerzeugnis der Freiheit auch außerhalb des Labors Bestand?Entlang von Milgrams Gehorsamsstudien, Lillys Isolationstank, der Freud'schen Psychoanalyse, dem Bourdieu'schen Interview, dem Improtheater Johnstones bis hin zu den Aufwiegelungsversuchen Alinskys in Chicagoer Armenvierteln rücken diejenigen Situationen in den Fokus, in denen nicht nur überprüft wird, ob eine Versuchsperson frei ist, sondern in denen sie allererst frei werden soll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2021
Rezensent Gerald Wagner wusste schon vor der Lektüre von Christoph Parets Buch, das er ein verführbarer Normalo ist. Parets Versuch, anhand der Experimente von Solomon Asch, Stanley Milgram und Arthur Cohen zu zeigen, dass Emanzipation und Aufklärung nicht selbstverständlich zusammengehen, rennt daher für Wagner die ein oder andere offene Tür ein. Der Philosoph liefert ihm immerhin eine "unvoreingenommene" philosophische Bestandsaufnahme der bekannten Experimente, die den guten alten Milgram-Schock noch einmal heraufbeschwört, wie Wagner mit Gänsehaut zugibt, nur Parets Schlussfolgerungen findet der Rezensent etwas dünn.
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