Verena Keßler

Die Gespenster von Demmin

Cover: Die Gespenster von Demmin
Carl Hanser Verlag, München 2020
ISBN 9783446267848
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Larry lebt in einer Stadt mit besonderer Geschichte - Ende des Zweiten Weltkriegs fand in Demmin der größte Massensuizid der deutschen Geschichte statt. Für Larry ist ihre Heimatstadt aber vor allem eins: langweilig. Sie will so schnell wie möglich raus in die Welt und Kriegsreporterin werden. Während Larry mit den Unzumutbarkeiten des Erwachsenwerdens kämpft, steht einer alten Frau der Umzug ins Seniorenheim bevor. Beim Aussortieren ihres Hausstands erinnert sie sich an das Kriegsende in Demmin und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Ein Roman über die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und die Möglichkeit, sie zu überwinden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2021

Rezensent Nicolas Freund lernt mit Verena Kesslers Debüt die Toten von Demmin kennen. Dass sie nicht fort sind, dass über dem Ort, in dem am Ende des Zweiten Weltkriegs der größte Massensuizid der deutschen Geschichte stattfand, weiterhin eine Trauer liegt, vermittelt ihm der Text mit seiner jugendlichen Protagonistin, die sich auf Spurensuche begibt, zu Themen wie Tod, Schuld und NS-Vergangenheit. Der präpotente Ton der Erzählerin kontrastiert reizvoll die dunkle Seite, die der Text aufschlägt, findet Freund. Dass Kessler weiteren Figuren im Text, einer alten Zeitzeugin der Selbstmorde von Demmin, einem syrischen Flüchtling, so wenig Raum zur Entfaltung gibt, empfindet Freund allerdings als frustrierend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.11.2020

Rezensentin Cornelia Geißler hat dieser Debütroman komplett für seine Autorin eingenommen: Dass es Verena Keßler gelingt, die bedrückende Geschichte des Demminer Massensuizids am Ende des Zweiten Weltkriegs stimmig mit der heiteren Coming-O-Age-Erzählung über eine Jugendliche mit leicht morbidem Humor zu verknüpfen, hat sie beeindruckt. Die Kritikerin bewundert außerdem, wie feinsinnig der Roman konstruiert ist - eine klare Empfehlung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2020

Rezensent Jan Brachmann schätzt die Bescheidenheit des Debütromans von Verena Keßler. Die Geschichte einer jungen, lebenshungrigen Frau in Demmin, Vorpommern erzählt die Autorin laut Brachmann mit Empathie für ihre Figur, Sinn für Kontraste und eine gerade Sprache, sicher und genau. Sichtbar werden für Brachmann die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen im Ort, Kriegstraumata und Lebenslügen. Dass die Autorin sich nicht auf erinnerungspolitische Diskurse zum Massenselbstmord von Demmin Ende des Krieges einlässt, erscheint ihm programmatisch für das seiner Meinung nach eher tiefstapelnde Buch, aber auch eine wie verpasste Chance.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2020

In Demmin haben sich am Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen 500 und 1000 Menschen das Leben genommen, erklärt Rezensentin Julia Lorenz. Die Kritikerin war zuerst nicht sicher, ob der Massenselbstmord sich als Folie für die Coming-of-Age-Geschichte einer morbiden Jugendlichen von heute eignen könne, aber mit ihrer behutsamen Zusammenführung der Zeitebenen hat Verena Keßler sie schließlich restlos überzeugt. Nun betrachtet Lorenz den Roman als gelungenen Beitrag zu der gerade erst beginnenden Aufarbeitung des Demminer Massensuizids.

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