Kompromisse sind nicht beliebt, aber im Alltag so unentbehrlich wie in der Politik. Das liegt daran, dass konfligierende Interessen und Überzeugungen oft prinzipiell nicht zur Deckung gebracht werden können. Dann ist es vernünftig, sich auf eine gewaltfrei und gemeinschaftlich ausgehandelte "zweitbeste Lösung" einzulassen - auf einen Kompromiss. Véronique Zanetti zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie sich verschiedene Spielarten des Kompromisses in individuellen und sozialen Entscheidungsprozessen, in Politik, Moral und Recht je anders gestalten. Eine philosophische Reise durch die Welt der Kompromisse.
Rezensent Robert Misik lässt sich von der deutsch-französischen Philosophin Véronique Zanetti gern über Geschichte und Beschaffenheit der Kompromisse unterrichten. Die Autorin, erklärt der überzeugte Kritiker, unterscheidet zunächst zwischen dem Prozess der Verhandlungen eines Kompromisses und seiner tatsächlichen Konsequenzen und fährt dann fort, zwischen privaten und persönlichen Kompromissen und ihrer jeweiligen Genese zu unterscheiden. Ein für Misik besonders einleuchtendes Beispiel ist der "faule Kompromiss", der ein eigentlich nicht zu rechtfertigendes Dilemma eingeht, doch er lernt, dass es auch dafür Gründe geben kann. Diesem "Plädoyer für den Kompromiss" kann sich der Rezensent insgesamt nur anschließen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2022
Rezensent Uwe Justus Wenzel denkt sich tief rein in die Problematik, der sich Veronique Zanettis Text annimmt: Was ist ein Kompromiss aus philosophischer Sicht und was unterscheidet ihn von ähnlichen Phänomenen wie etwa einem moralischen Dilemma? Dass der Kompromiss Ablehnung und Akzeptanz vereint, versteht Wenzel unmittelbar. Aber begibt sich der Kompromissbereite automatisch ins Abseits? Die Bielefelder Professorin erklärt es dem Rezensenten und erläutert auch, was nötig ist für das Gelingen eines Kompromisses und welche Vorbedingungen es braucht. Ein Waffenstillstand in kriegerischen Auseinandersetzungen gehört unbedingt dazu, lernt Wenzel.
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