Die sowjetische Blockade Berlins gehört zu den großen Wendepunkten in der Geschichte des Kalten Krieges. Das Hauptaugenmerk der internationalen Forschung gilt dabei bis heute den beiden Supermächten. Großbritannien wird je nach Blickwinkel eine Rolle zwischen Defätismus und Komplizenschaft der westlichen Hegemonialmacht beigemessen.Auf einer breiten Quellengrundlage untersucht Victor Mauer erstmals systematisch die britische Krisenpolitik. Dabei fragt er nach den Akteuren, ihren Handlungsspielräumen und Handlungszwängen, beleuchtet widerstreitende Motive und Interessen, analysiert Verhandlungsstrategien und taktisches Kalkül, arbeitet institutionalisierte und informelle Entscheidungsprozesse heraus, widmet sich der Rolle von Öffentlichkeit und Medien, identifiziert wirkmächtige historische Narrative als Mobilisierungsressource, die dem öffentlichen Bedürfnis nach Komplexitätsreduktion in Krisenzeiten entsprach, und betont die Gleichzeitigkeit der Gegensätze.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2019
Jörg Echternkamp bekräftigt die gewinnbringende Lesbarkeit der Dissertation von Victor Mauer. Der Leser könne erkennen, dass die Briten nicht nur Brücken einreißen können, meint er im Hinblick auf den Brexit. Auch wenn der Autor bei seinen Ausführungen über die internationalen diplomatischen Handlungsspielräume und Entscheidungsprozesse hinter der Berliner Luftbrücke mitunter sehr minutiös vorgeht, findet Echternkamp die Lektüre spannend. Die relative Offenheit der damaligen Prozesse wird für ihn ebenso deutlich wie die außenpolitischen Orientierungsstrategien und die Rollen, Motive und Ziele einzelner Akteure wie Clement Attlee oder Außenminister Ernest Bevin. Auch Sachzwänge und Verhandlungsmethoden zum Zeitpunkt der Entscheidung werden für den Rezensenten sichtbar.
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