Vladimir Jankelevitch

Von der Lüge

Cover: Von der Lüge
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2016
ISBN 9783787328635
Taschenbuch, 161 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sarah Dornhof und Vincent von Wroblewsky. "Lügen ist die Muttersprache unserer Vernunft und Witzes", heißt es in einem Brief Hamanns an Kant. Die Lüge ist nicht das ganz Andere, gar Unbegreifliche gegenüber der Wahrheit, sondern mit dieser untrennbar verbunden: Sie ist keine Aussage, die mit den Wahrheitswerten 'wahr' oder 'falsch' belegt werden kann, sondern ein kommunikativer, produktiver Akt, der mit der Absicht zu täuschen unternommen wird und damit eine neue emotive wie kognitive Wirklichkeit zu schaffen beabsichtigt. Vladimir Jankélévitch lenkt in "Von der Lüge" den Blick auf die innere mentale Verfasstheit dessen, der sich zur Lüge 'entschließt', und versucht, der 'Subjektseite' der Lüge auf die Spur zu kommen. Unser Bewusstsein will das Polymorphe, das Missverständliche, das Uneingestehbare handhaben und erfindet etwas Glaubhaftes, Zweckmäßiges. Die Lüge ist "die List der Schwachen", rettende Idee in Notwehrsituationen und gleichzeitig doch "innere Flucht, das Verlassen des Postens, das Opium der geringsten Anstrengung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Rezensent Johan Schloemann freut sich, dass Vladimir Jankélevitchs Schrift über die Lüge in den Kanon der "Philosophischen Bibliothek" im Meiner Verlag aufgenommen wurde. Lange waren die Werke des französischen Philosophen nicht in Deutschland erhältlich, informiert der Rezensent, denn der Sohn russischer Einwanderer jüdischer Provenienz erlaubte keine Übersetzung ins Deutsche. In Schloemanns Augen zeichnet Jankélevitchs Nachdenken über die Lüge aus, dass er weder moralisch rigoros noch frivol an sie herangeht. Auch der "postfaktische" Zynismus ist ihm fremd. Jankélevitch verschweige nicht das Miese, Verderbliche an der Lüge, aber er billigt ihr durchaus in manchen sozialen Kontexten eine "stoßdämpfende" Wirkung zu. Beeindruckend findet Schloemann auch, welche Bedeutung Jankélevitch der ersten Lüge eines Kindes als bewussten Akt beimisst. Denn wie er den Philosophen zitiert: "Man lügt niemals, ohne es zu wollen."

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