Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob. Unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung beruht in weiten Teilen auf dem Glauben, der Mensch sei im Grunde egoistisch und faul. Vom Bildungswesen über den Sozialstaat bis zum Lohn- und Gehaltssystem - stets wird vorausgesetzt, dass wir entweder Zuckerbrot oder Peitsche brauchen. Aber sind wir wirklich so einfach gestrickt? Und trifft die wirkmächtige Vorstellung zu, es diene am Ende sogar dem Allgemeinwohl, wenn jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist?Keineswegs, wie dieses Buch überzeugend darlegt. Gestützt auf übereinstimmende Erkenntnisse aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen zeigen die Autoren, dass Eigenschaften wie Fairness, Empathie und Kooperationsbereitschaft dem Menschen angeboren sind. Und sie gehen der Frage nach, welche sozialen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die guten Anlagen des Menschen zur Entfaltung kommen. Denn eine bessere Gesellschaft ist nicht nur möglich - sie entspricht auch unserem Wesen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.04.2021
Rezensent Martin Tschechne freut sich über den unvoreingenommenen Blick der Autoren Wegard Harsvik und Ingvar Skjerve auf das Auslaufmodell des Homo oeconomicus und das Heraufziehen eines von Gemeinsinn geprägten Gemeinschaftsmodells. Letzteres entdecken die Autoren vielfach in der Tierwelt. Leider ist das alles nicht so neu, stellt Tschechne fest. Mit ihrer eifrigen Kritik an Taylorismus und Behaviorismus rennen Harsvik/Skjerve offene Türen ein, meint er. Und das im skizzierte Gegenmodell gibt es längst, erklärt der Rezensent. Es heißt Homo solidaricus.
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