Ditib und der ferngesteuerte Islam in Deutschland
Warum wir eine religionspolitische Zeitenwende brauchen

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406822568
Gebunden, 160 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
(Am 28.02.2025 hat der Verlag die Auslieferung des Buches wegen Plagiatsvorwürfen eingestellt, Anm.d.Red.) Der Islam ist längst Teil von Deutschland. Doch in vielen deutschen Islamverbänden wie der DiTiB wird ein konservatives, nationalistisches und in Teilen islamistisches Weltbild gepflegt. Der Journalist und gläubige Muslim Eren Güvercin zeigt, wie eng diese Organisationen personell und strukturell mit den Regierungen anderer Staaten - allen voran der Türkei und des Iran - verflochten sind und warum das so problematisch ist. Obwohl nur ein Bruchteil der 5,6 Millionen in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime in den Islamverbänden vertreten sind, gelten diese nach wie vor als zentrale und bequeme Ansprechpartner für die Politik. Der deutsche Muslim Eren Güvercin macht jedoch unmissverständlich klar: Die Einflussnahme ausländischer Regierungen auf diese deutschen Verbände verhindert eine nachhaltige Verwurzelung und echte Integration der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland. Mit seiner Forderung nach einer religionspolitischen Zeitenwende ruft Eren Güvercin dazu auf, um die Herzen und Köpfe der deutschen Musliminnen und Muslime zu kämpfen und sie nicht den demagogischen, ferngesteuerten Umtrieben von DiTiB & Co zu überlassen. Denn nur so kann der Islam in Deutschland zu einer wirklichen Bereicherung unserer pluralistischen, liberalen Gesellschaft werden.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.02.2025
Rezensent Till Schmidt sieht in Eren Güvercins Buch einen wichtigen Beitrag zur "kritischen Aufarbeitung der deutschen Islampolitik", von der viele vor allem liberale deutsche Muslime, wie Güvercin selbst, frustriert sind, wie Schmidt lernt. Denn zu beobachten ist in den Strukturen der Verbände leider vor allem eine "Erdogan-Lobby", wie Schmidt den Autor zusammenfasst. Allen voran geht es um Ditib, den größten muslimischen Verband in Deutschland, der "nach Ankara hin ausgerichtet" und in mehrere Skandale verwickelt gewesen sie, aber auch um andere Verbände wie die Deutsche Muslimische Gesellschaft (DMG) oder das 2024 verbotene Islamische Zentrum Hamburg (IZH), die zum Teil trotz islamistischer Orientierung von deutschen Politikern "geduldet" oder sogar "hofiert" wurden, liest der Kritiker. Wie Güvercin seine Empörung darüber äußert und solche Fälle nicht als Ausnahmen, sondern als strukturelles Problem darlegt, findet der Kritiker lobenswert und durch ein Glossar mit allen Verbänden übersichtlich gestaltet. Auch, dass Güvercin nicht nur über die deutsche Islampolitik schimpft, sondern auch "Anknüpfungspunkte" für eine sinnvolle Weiterarbeit an diesem Thema bietet, findet Schmidt wertvoll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2025
Eren Güvercin nimmt in seiner Streitschrift die deutschen Islamverbände ins Visier und wirft der Politik vor, den Einfluss islamistischer und nationalistischer Strömungen zu verkennen, fasst Rezensent Thomas Thiel zusammen. Insbesondere die Ditib stehe, gestützt durch die türkische Religionsbehörde Diyanet, in enger Verbindung zur AKP-Regierung und trage deren Ideologie in die deutsche Diaspora. Auch Millî Görüş und der Zentralrat der Muslime seien problematisch, da sie lange islamistische Gruppen toleriert hätten. Der deutsche Staat hätte also eine "Carte blanche für den Islamismus" ausgestellt, staunt Thiel angesichts der politischen Untätigkeit gegen den Islamismus im Land vorzugehen. Die deutsche Politik mache es sich zu leicht, indem sie auf diese Verbände als zentrale Ansprechpartner setze, statt unabhängige Stimmen aus der muslimischen Gesellschaft zu fördern. Güvercins Buch sei eine kluge, faktenreiche Analyse, die dringend Gehör finden müsse, schließt der Kritker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.02.2025
Ziemlich überzeugt wirkt Rezensentin Luise Sammann von Eren Güvercins Buch über Ditib und den Islam in Deutschland. Keineswegs, stellt sie klar, ist Güvercin einer jener sogenannten Islamkritiker, die auf alles Muslimische schimpfen. Vielmehr ist er selbst gläubiger Moslem, wendet sich aber gegen muslimische Verbände in Deutschland, insbesondere gegen Ditib, dessen Abhängigkeit von türkischen Regierungsorganisationen er aufzeigt. Die Kritik lautet konkret, dass es Ditib und vergleichbaren Akteuren nicht darum geht, Moslems eine Perspektive für ein Leben in Deutschland zu eröffnen, sondern dass sie vielmehr der Etablierung ethnisch homogener Parallelgesellschaften Vorschub leisten. Hier schreibt jemand aus eigener Erfahrung, meint Sammann, und er hat auch konkrete Ideen, wie man es besser machen könnte, unter anderem plädiert er, da Ditib selbst seiner Meinung nach unreformierbar ist, für eine Reform der Islamkonferenz und mehr Vertrauen in muslimische Organisationen, die in Deutschland verwurzelt sind. Er wäre wohl selbst gern bei solchen Bemühungen dabei, mutmaßt Sammann, die das nach der Lektüre für keine schlechte Idee zu halten scheint.