Wladislaw Felizianowitsch Chodassewitsch

Nekropolis

Porträts, Essays, Erinnerungen
Cover: Nekropolis
Helmut Lang Verlag, Münster 2016
ISBN 9783931325428
Gebunden, 435 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Russischen von Frank Göbler.Mit einem Nachwort von Alexei Makushinsk. Wladislaw Chodassewitsch (1886-1939), ein von Kritik und Literaturgeschichte lange Zeit vernachlässigter Autor, gilt in Russland heute als einer der bedeutendsten Dichter und als herausragender literarischer Chronist seiner Epoche.
Kurz nach der Jahrhundertwende im Umkreis des Symbolismus in die russische Literatur eingetreten, entwickelte Chodassewitsch bald eine eigene Sprache. Seine klassische formstrenge Lyrik unter Verzicht auf Innovation à tout prix bewegte sich gegen den Strom der Zeit, war keiner der damals zahlreichen literarischen Richtungen zuzuordnen. Diese unabhängige Haltung finden wir auch in seiner Erinnerungsprosa, die in der Genauigkeit der Beobachtung, dem kritisch distanzierten Blick und einem lakonischen, bisweilen ironischen Ton das Pendant zu seiner Lyrik bildet. Seine berühmte Sammlung von Portraits verstorbener Weggefährten (Belyj, Blok, Jessenin, Gorkij und andere) legte Chodassewitsch 1939 - selbst schon todkrank - unter dem Titel Nekropolis vor. Weitere Texte, die die Wandlungen des literarischen Lebens in Russland vor und nach der Revolution und später im Pariser Exil sowie theoretische Kontroversen der Zeit widerspiegeln, ergänzen unsere Ausgabe.
In seinen persönlichen Erinnerungen gilt Chodassewitschs Aufmerksamkeit vor allem den vielfältigen Wegen, auch Irrwegen, von Dichtern, eingeschlagen um einen Platz im Leben und in der Literatur zu erringen, ihrer Prägung durch soziale Herkunft, Familie und Zeitgeist, ihrer menschlichen wie künstlerischen Haltung unter sich radikal ändernden politischen Verhältnissen. Die Ausgabe schließt mit zwei autobiographischen Fragmenten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2017

Für Ulrich M. Schmid ist Wladislaw Chodassewitsch einer der wichtigsten Exilautoren der russischen Literatur. Chodassewitschs Essays zeichnen sich laut Schmid durch kritisch distanzierte, hellwache Zeitzeugenschaft aus. Wenn der Autor Dichterkollegen kritisiert, spürt Schmid die Schärfe der Klingen, erkennt aber auch die Ungerechtigkeit und Voreingenommenheit des Autors, der Karrieristen entlarvt, in Gorki einen Melodramatiker sieht und Majakowski als aggressiven, opportunistischen Kleingeist brandmarkt.  Das Wertesystem des Autors aber wird dabei umso deutlicher, meint Schmid. Chodassewitschs Kulturaffinität erkennt er auch in dessen "exquisitem" Stil. Für Schmid ein Höhepunkt russischer Prosa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2016

Rezensenten Oleg Jurjew empfiehlt die Lektüre von Wladislaw Chodassewitschs Feuilletons aus dem französischen Exil der 20er und 30er Jahre jedem, der sich für die russische Literatur des frühen 20. Jahrhunderts interessiert. Luftig und oberflächlich, aber eben auch liebevoll und melancholisch können die Texte laut Jurjew sein, vor allem aber ergeben sie in ihrer Ablehnung kulturpolitischer Entwicklungen wie dem Formalismus, in ihrer Poesie und ihrem Hass, für Jurjew ein glänzendes Erinnerungsbuch der russischen Moderne, ihrer Dichter und Intrigen, Selbstmorde und Hinrichtungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2016

Christiane Pöhlmann lernt in Wladislaw Chodassewitsch einen scharf blickenden Vertreter des russischen Fin de Siècles kennen. Seine Porträts von Zeitgenossen, seine Essays und Skizzen in diesem Band liest Pöhlmann als Bestandsaufnahme der Zeit, gehaltvoll, anschaulich und klar. Pöhlmann lernt hier Brjussow und Sologub als Lyriker und manchen Dichter ganz neu kennen und begegnet einer Gesellschaft im Umbruch, Hunger und Elend, Zensur und Repression. Vor allem die klassische Eleganz der Gedankenführung in den Texten hat Pöhlmann beeindruckt. Chodassewitsch, ein streitbarer Autor mit unfehlbarem Stilempfinden, engagiert und nie voreingenommen, findet die Rezensentin. Die deutsche Übersetzung erscheint ihr solide, die Wiedergabe aller Gedichte in Prosa allerdings überdenkenswert.

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