Nach dem Tod seines Vaters begab sich Xavier Le Clerc auf die Suche nach dessen Geschichte. Weil sein Vater es zeitlebens vermied, von seiner Kindheit und Jugend zu erzählen, rekonstruierte Le Clerc den Lebensweg des Vaters ausgehend von Albert Camus' Reportagen aus dem Jahr 1939. Aufgewachsen unter ärmlichen Bedingungen in der Kabylei, ging Le Clercs Vater in den 1960er-Jahren als Arbeitsmigrant nach Frankreich, wo er fortan als Lohnarbeiter in der Metall-Industrie tätig war. Xavier Le Clerc verwebt die Biographie seines Vaters mit der eigenen Geschichte als Einwandererkind in der 2. Generation, das im Alltag mit Rassismus und Homophobie konfrontiert war und dem zugleich ein Bildungsangebot zur Verfügung stand, von dem der Vater als Kind nicht einmal träumen konnte.
Aus dem Französischen von Christiane Kayser. Ein mutiges und kluges Buch hält Rezensentin Sigrid Brinkmann hier in Händen. Anhand der Geschichte seines unter der französischen Besatzung in Algerien aufgewachsenen Vaters nähert sich Xavier Le Clerc seiner eigenen an, in der das Schweigen über das Leben unter den Franzosen immer noch nachwirkt und die von Alltagsdiskriminierung geprägt ist. Über Albert Camus Schilderungen seiner Algerienaufenthalte, die pointiert zitiert werden, fand der Autor einen Weg, sich mit seiner Herkunft und der Kindheit seines Vaters auseinanderzusetzen, so die Kritikerin. Text und Lebensweg des Autors sind gekennzeichnet von einer mutigen Kompromisslosigkeit, die Brinkmann nur bewundern kann.
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