Der Neubau des Petri-Museums für Vor- und Frühgeschichte fügt sich für Andreas Kilb (FAZ) ganz hervorragend ein ins Berliner Stadtbild, das hier Elemente seiner fast 800-jährigen Geschichte zeigen kann: "Das nach einem Entwurf des Münchner Architekten Florian Nagler entstandene fünfstöckige Gebäude füllt die Lücke zwischen der erhaltenen Randbebauung des Petriplatzes und dem im Projektstadium stecken gebliebenen interreligiösen Zentrum 'House of One' und vernetzt zugleich die beiden großen Player bei der Erforschung der Berliner Stadtgeschichte, das Landesdenkmalamt und das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dass hier für 35 Millionen Euro, von denen der Bund den Löwenanteil getragen hat, kein neues architektonisches Wahrzeichen der Hauptstadt entstanden ist, wird niemanden überraschen. Überraschend ist vielmehr, wie gut Naglers Zweckbau seinen Zweck erfüllt."
Fundació Joan Miró - Barcelona. Bild: Puigalder, Wikipedia. Zum 50-jährigen Jubiläum besucht Hans-Christian Rößler für die FAZ die Miro-Stiftung, geschaffen vom Corbusier-Schüler Josep Lluís Sert im Auftrag von Joan Miró als Geschenk für die Bürger Barcelonas nach dem Ende der Franco-Diktatur: "Miró wollte ein menschliches Kunstzentrum, das nach den bleiernen Jahrzehnten der Diktatur in seine Geburtsstadt Barcelona ausstrahlt und Spanien neu belebt. Sein Freund Sert entwarf für ihn einen transparenten, von rein funktionaler Architektur geprägten Bau mit mediterranen Einflüssen. Diese Offenheit war 1975 ein politisches Statement: Am 10. Juni wurde die 'Fundació' eröffnet, am 20. November starb der Diktator Francisco Franco. Für Marko Daniel ist es 'ein perfektes Beispiel für die Architektur der Demokratie'. So habe eine spanische Architektin das Gebäude beschrieben, das 'mehr Fenster als ein Gewächshaus hat', sagt der aus Deutschland stammende Direktor der Miró-Stiftung: Der Maler wollte so viel Licht wie möglich, auch wenn seine Kunstwerke dann weniger lang leben könnten."
Für den Tagesspiegelbesucht Gunda Bartels das neue Archäologie-ZentrumPetri Berlin, das am Montag eröffnet wird: "Das in betont funktionaler, unspektakulärer Architektur in sechs Jahren Bauzeit errichtete Haus trägt den fancy Namen 'Lab', also Labor. Errichtet wurde es auf den Fundamenten einer Lateinschule, die als 'ältester Lernort der Stadt' gilt, wie Matthias Wemhoff, der Direktor des gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt eingezogenen Museums für Vor- und Frühgeschichte sagt."
Christoph Ingenhoven Architects, Düsseldorf; ingenhoven associates GmbH, Düsseldorf Rathaus Freiburg im Breisgau. Foto: HG Esch
Die Ausstellung "Architecture and Energy. Bauen in Zeiten des Klimawandels" im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt hätte sich Matthias Alexander in der FAZ kritischer gewünscht - damit auch andere Architektinnen und Bauingenieure aus den Fehlern der anderen lernen können. Klimafreundliche Bauten aus verschiedenen europäischen Ländern werden "mit schönen Bildern präsentiert, ergänzt um einige Modelle, wie die Ausstellungsmacher überhaupt bei der Auswahl der Beispielprojekte darauf geachtet haben, dass das moralisch Mustergültige auch ansehnlich daherkommt. Die besorgniserregende Tendenz, Gestaltungsfragen zu vernachlässigen, solange nur die ökologische und soziale Vorbildlichkeit eines Bauprojekts erfüllt scheint, unterstützen die Ausstellungsmacher dankenswerterweise nicht. Was in der Schau dagegen zu kurz kommt, ist der unabhängige Blick auf die Projekte: Die Erläuterungstexte zu den einzelnen Bauten stammen offenbar von den Architekturbüros und Bauherren. Je nach Charakter betreiben die Autoren ihre Eigenwerbung mit Superlativen oder mit Dezenz."
Es ist ein wenig still geworden um das megalomanische Projekt "Neom" in Saudi-Arabien (unsere Resümees). Aber der Bau hat begonnen, weiß Lea Frehse in der Zeit, und macht sich zu einem Besuch der Baustellen in die saudische Wüste auf. Ein Vorarbeiter führt sie herum, obwohl er das nicht darf, und zeigt ihr den Ort, wo ein gigantischer Stausee enstehen soll, "irre 2,8 Kilometer lang. Den Plänen nach wird er an einer Staumauer enden, die nach vorn strebt wie ein Schiffsbug. Gläsern soll sie werden, sodass Besucher den Fischen zusehen können (...) In Saudi-Arabien wird so viel Luxus errichtet - wer soll das alles mieten oder kaufen? Der Vorarbeiter hat seine Theorie: Überall werden die Sommer heißer, es gibt mehr Kriege. 'Und wenn alles den Bach runtergeht, dann ziehen die Reichen der Welt sich an Orte wie diesen zurück.'" Frehse erinnert auch daran, dass im Jahr 2020 fünf Aktivisten hingerichtet wurden, die gegen den Bau von "Neom" protestierten.
Klaus Englert besucht für die FAZ die von den Architekten Elena Orte und Guillermo Sevillano neu erbaute Biblioteca Gabriel García Márquez in Barcelona und ist begeistert - so viel Licht, Holz und Grün: "Wer die Bibliothek über den Carmen-Balcells-Platz betritt, wird eingenommen sein von der lebendigen Wirkung des Atriums, das die Architekten als 'Spirale der Begegnungen' entwarfen: Ein an Piranesis Carceri orientierter Treppenverlauf gibt dem Besucher Einblick in ganz unterschiedlich gestaltete Geschosse; die Bibliothek entfaltet sich im Innern wie ein aufgeschlagenes Buch. Überhaupt lässt sich fast von jedem beliebigen Standort im Atrium die gesamte Bibliothek überblicken (...). In dieser Bücheroase sind die Wände mit warmen Holzpaneelen verkleidet, und der Boden besteht aus Parkett. Durch eine geschosshohe Fensterfront richtet sich der Blick auf die nahen Baumreihen."
Das Metropolitan Museum of Art in New York befindet sich in einem großen Umbau, Flügel für Flügel soll bis 2030 neu renoviert werden, berichtet Susanna Petrin in der NZZ. Alle Zweifel, ob sich so ein gigantisches Projekt (2 Milliarden insgesamt) lohnt, werden für Petrin vertrieben, wenn sie den Michael C. Rockefeller Wing für Kunst aus Afrika, Ozeanien und das alte Amerika betritt, den der thailändische Architekt Kulapat Yantrasast gestaltet hat: "Wo früher Jalousien die Räume verdunkeln mussten, um die Objekte vor UV-Strahlen zu schützen, darf dank neuen Technologien nun Tageslicht durch die Glasfassade hinein scheinen. Wo zuvor zahlreiche Stellwände waren, kann ein großer Teil der Objekte in frei im Raum stehenden Glaskästen von allen Seiten angeschaut werden. So viel Licht und Luft lassen die Schönheit der Gegenstände neu zum Vorschein treten. Es sind zurzeit mehr als 1800 Objekte aus fünf Kontinenten und Hunderten von Kulturen, zahlreiche sind erst in den letzten Jahren neu hinzugekommen."
Weitere Artikel: In der FAZ berichtet Hannes Hintermeier von der Sanierung des Klosters Beuerberg in der Gemeinde Eurasburg.
Die Ausstellung "Pläne und Träume - Gezeichnet in der DDR" ist im Berliner Museum für Architekturzeichnung vom Architekturkritiker Wolfgang Kil kuratiert worden, den Florian Siebeck für die FAS interviewt. Kil zeigt auch, welche Erkenntnisse sich vom Bauen in der DDR gewinnen lassen und welche Fragen nach wie vor aktuell sind: "Wenn eine Typologie dermaßen überhandnimmt, dass es gar keine optische Abwechslung mehr gibt, ist das natürlich auch keine Lösung. Der Trostlosigkeit begegnet man aber nicht mit permanentem Spektakel, sondern mit Qualität. Eine gediegene, ruhige Gestaltung ist besser auszuhalten als ein Übermaß an Entertainment. Und nicht zu vergessen: Vielfalt entsteht nicht nur durch den Entwurf, sondern auch durch die Nutzung. Das war in der DDR schon eine viel diskutierte Frage: Dürfen Bewohner Spuren in der Architektur hinterlassen? Können denn nur Architekten Vielfalt liefern? Oder nicht auch die Leute, die in den Bauten leben?"
Michael Kny: Sächsisches Babel, 1981. Tusche auf Papier. Foto: Michael Kny Langweilig war DDR-Architektur keineswegs, vor allem jene nicht, die nicht gebaut wurde, erkennt Arnold Bartetzky (FAZ) in der Ausstellung "Pläne und Träume. Gezeichnet in der DDR" in der Tchoban Foundation in Berlin: Vor allem unter Honeckers Baupolitik flüchteten viele Architekten in die innere Emigration und skizzierten ihre Utopien neben ihrer Berufstätigkeit: "Dazu gehören etwa die träumerischen Babeltürme von Michael Kny, die kritischen Metaphern zu Machtstrukturen in der Stadtplanung von Michael Voll oder die sarkastischen Cartoons von Gerd Wessel, die die Baupolitik und Realität der gebauten Umwelt sarkastisch kommentieren. Die zeichnenden Architekten vertraten zum Teil dezidiert dissidentische Haltungen, allen voran Christian Enzmann und Bernd Ettel, die 1983 ohne Genehmigung einen Beitrag für den Westberliner Wettbewerb für die Gedenkstätte Prinz-Albrecht-Gelände (heute Topographie des Terrors) einreichten und später wegen Systemkritik zu Haftstrafen verurteilt wurden."
Weitere Artikel: Der 140 Jahre alte Leuchtturm "Roter Sand", entworfen von Carl Friedrich Hanckes, gelegen nordöstlich von Wangerooge, soll aufgrund von Baufälligkeit an Land versetzt werden, seufzt Gerhard Matzig im Aufmacher des SZ-Feuilletons. In der Welt stimmt Dankwart Guratzsch ein bitteres Klagelied über die "Verwahrlosung" des öffentlichen Raums an: Baustellen, Graffitis, Müll und Blumenkübel entsprechen laut Guratzsch in ihrem Erscheinungsbild dem öffentlichen Raum der sozialen Medien. Im Tagesspiegelfreut sich Nikolaus Bernau über die Wiedereröffnung des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt.
Im Tagesspiegelgratuliert Bernhard Schulz dem Architekten Norman Foster, der unter anderem für die Reichstagskuppel verantwortlich zeichnet, zum 90. Geburtstag.
Eine der "interessantesten und beunruhigendsten" Ausstellungen der Saison kann FAS-Kritiker Niklas Maak im Palast der Mailänder Triennale durchwandern. Die Schau "We the microbe" verbindet Architekturgeschichte mit "der Geschichte von der Besiedlung des Menschen mit guten und weniger guten Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien". Das Fazit: Je mehr sich der Mensch durch seine Behausungen von der Natur abschotten will, desto anfälliger macht ihn das für Krankheiten. Lösungsvorschläge kann man hier aber auch sehen, so Maak, "darunter findet sich eine Spielplatzrutsche des Architekten Philippe Rahm, auf der die Kinder im norditalienischen Mailand in ein Becken mit Erde aus dem süditalienischen Apulien hineinsausen. So sollen ihre Körper Mikroben kennenlernen, die mit dem Klimawandel nach Norden wandern werden. Als Erwachsene wären sie so auf ihre Ankunft vorbereitet. Das ist eine Erkenntnis, die wie ein Sprengsatz in die Architekturgeschichte fliegt: Wer sich heute schon von den Mikroben von morgen besiedeln lässt, wird es leichter haben, zu überleben."
Annina Valle Thiele ist in der Jungle World reichlich enttäuscht von der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig, bei der sich alles um Nachhaltigkeit dreht: "Beim Durchlaufen der Werkhallen im Arsenale stellt sich schnell Ermüdung ein. Auf der einen Seite findet man viel Rückbesinnung auf natürliche Ressourcen, da werden Archen oder Häuser aus Lehm oder Schilf gebaut. Auf der anderen Seite stößt man auf jede Menge Zukunftsszenarien - und fast alle konzentrieren sich auf Künstliche Intelligenz und Robotik. Zweifelsohne sind diese Technologien für die Architektur relevant; einen größeren Bogen auch mit gestalterischen Anforderungen vermag man jedoch nicht zu erkennen."
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