Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

1671 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 168

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.09.2024 - Architektur

Nach dem Einsturz der Dresdner Carolabrücke wirft Nikolaus Bernau in der taz einen Blick auf die jüngste Ingenieurgeschichte, die immer mehr auf "minimierten Materialverbrauch und maximale Spannweiten" setzt - und dabei Einsturzgefahr provoziert: "Das Dogma des Sparens hat nämlich eine zweite Seite: Die des Wegwerfens. Die allermeisten Konstruktionen gerade der Nachkriegszeit waren nur für eine Haltbarkeit von fünfzig bis siebzig Jahren gedacht. Römische oder mittelalterliche Brücken dagegen sind aus moderner Sicht völlig überkonstruiert, haben viel zu viel Steine für viel zu kleine Spannweiten verbraucht. Doch gerade das macht sie auch resilient. Selbst schwere Hochwasser überstehen solche Brücken. Sie können auch vergleichsweise leicht repariert werden, weil immer nur ein kleiner Teil des Baus von Schäden betroffen ist."

Weitere Artikel: Nach zwölf Jahren Sanierung und einer Kostenexplosion von 6,7 auf 33 Millionen Euro ist die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt fertig, wieder erstanden ist immerhin ein "architektonisches Juwel", freut sich Falk Jaeger im Tagesspiegel.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.09.2024 - Architektur

Die "Smart City" kommt, warnt Dankwart Guratzsch in der Welt und mit ihr die Absicht, Abläufe immer weiter "rationalisieren" und steuern zu können. Das Individuum bleibt hier auf der Strecke, so Guratzsch: "Dem Verbraucher offenbart sich diese Allmacht einer abstrakten Logik in 'Gebrauchsanweisungen', die in Dutzenden Sprachen weltweit darüber aufklären, dass die Maschine besser weiß als wir, wie wir uns zu fühlen haben, ob und wann wir die Fenster öffnen oder duschen dürfen. Unser Gefühl und Bedürfnis ist subjektiv, die Maschine objektiv. ... Sie funktioniert nur mit Nutzern, die auf dem Boden des Grundgesetzes der Mechanik stehen: Jede Reibung muss unterbunden werden. Die Automatik befreit den Menschen vom Nachdenken, Steuern, Entscheiden. Doch sie handelt emotionslos, bedenkenlos, auf rein mathematischer Grundlage. Dabei wird der Mensch zum Hauptgefährder. Im Kosmos der Automatik ist er der Störfaktor der reibungslosen Abläufe."
Stichwörter: Smarthome

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.09.2024 - Architektur

Die Firma O&O Baukunst aus Berlin hat einen ersten Entwurf für das neue Haus der Geschichte im Wiener Museumsquartier vorgelegt, der Standard berichtet.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.09.2024 - Architektur

Der japanische Architekt Shigeru Ban wird von der Japanischen Akademie der Künste in Tokio mit dem Praemium Imperiale für sein Lebenswerk ausgezeichnet, meldet Ulf Meyer in der FAZ: "Shigeru Ban wird laut Begründung der Jury für seine nachhaltigen Holz-Karton-Konstruktionen geehrt, die 'leicht und transparent' und vor allem 'verantwortungsvoll gestaltet' sind. Gut möglich, dass in dieser Einschätzung eine Portion Sozialromantik mitschwingt. Viele von Bans Gebäuden sind zwar stark im Konzept, aber schwach im Detail; auch der Frage, wie praktikabel Bans Entwürfe für Notunterkünfte wirklich sind, ist die Jury nicht nachgegangen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.09.2024 - Architektur

In der Welt gratuliert Manuel Brug dem von Hans Scharoun entworfenen Wolfsburger Theater, der "kleinen Schwester der Berliner Philharmonie" zum fünfzigsten Geburtstag: "Heute ist das Wolfsburger Scharoun Theater als ensembleloses Haus eine der größten Bespielbühnen Deutschlands - und eine der am besten ausgelasteten. Was sicher auch an ihrer so besonderen Architektur liegt, welche die Besucher anzieht und die nach einem halben Jahrhundert immer noch so zeitlos modern und gültig wird, wie am ersten Tag. Und die gut gepflegt wie dezent renoviert wurde. Gerade als regelmäßiger Philharmonie-Besucher scheint einem hier vieles vertraut - angefangen von den zwei Bullaugenfenstern des Kassenraums am Eingang mit seinem schräg gestellten schmalen Vordach - Scharoun liebte eben Schiffe sehr. Über das langgezogene, eckig schwingende Foyer mit seinen ebenfalls aus der Philharmonie bekannten Tetraeder-Stehtischen geht es - eine Besonderheit - in ein weiteres Zwischenfoyer, das wohl aus akustischen Gründen vor dem eigentlichen Zuschauerraum platziert ist und die Treppen in den Rang abgehen lässt."

Weitere Artikel: Ebenfalls in der Welt sinniert Jan Grossarth über Traurigkeit in Neubaugebieten und die japanische Weisheitslehre "Wabi Sabi".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.09.2024 - Architektur

Rendering, "The Crown", Porsche Design Tower, Bangkok, 2024, Porsche AG

Porsche baut jetzt Hochhäuser, schreibt Gerhard Matzig kopfschüttelnd in der SZ. 40 Millionen Dollar soll eine Wohnung im "Porsche Design Tower Bangkok" kosten - das ist nicht gerade etwas für den kleinen Mann: "Der Turm zu Bangkok wird knapp 100 Meter hoch. 21 Etagen bestehen aus je einer 360-Grad-Luxus-Bleibe. Laut Porsche Design (zusammen mit Ananda Development zuständig für den Entwurf, Architekten werden gar nicht erst genannt) geht es um 'einen neuen Maßstab für luxuriöses Wohnen'. Was sonst. In 'Passion Spaces', also in 'ultimativen Luxus-Garagen für die sorgfältig kuratierte Autosammlung der Bewohner', lebt man idealtypisch zusammen mit diversen Porsches. Auch deshalb wird die Fassade mit einem automatischen Terrassentürsystem ausgestattet, inspiriert vom Klappdach-Cabrio-Mechanismus des 911 Targa." Dass "die Porsche-Meldung, die insofern auch eine VW-Meldung ist, zeitlich zusammenfällt mit der Androhung betriebsbedingter Kündigungen und der Schließung deutscher Autofabriken - das ist eine bittere Pointe zwischen Auto-Verzweiflung und Immobilien-Ekstase."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2024 - Architektur

Pompeji - Der architektonische Blick; HGEsch © HGEsch / Ministero della Cultura. Parco Archeologico di Pompei

Reinhart Bünger (Tsp) bestaunt in Berlin im Aedes Architekturforum Drohnenfotografien, die der Architekturfotograf Hans-Georg Esch von Pompeji gemacht haben, und die ihm nicht nur eine "geometrische Formensammlung" zeigen, sondern auch offenbaren, was wir von Pompeji lernen können: "Seine Aufnahmen der Stadtreste aus der römischen Antike sind ein Angebot, die Bedeutung Pompejis für die heutige Stadtentwicklung auszuloten: Wäre die antike Stadtplanung in ihrer Kleinteiligkeit nicht viel menschlicher für die Bewohner heutiger Mega-Cities als eine anonyme Zweck- und Großstadtarchitektur aus Beton? Wären Schafe nicht besser als Rasenmäher? Lässt sich eine Großstadt mit Ackerbau und Viehzucht in einen Bio-Bauernhof verwandeln?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2024 - Architektur

Visualisierung des Schweizer Pavillons, Expo 2025. Visualisierung Play-Time Barcelona / Manuel Herz Architekten

"Seifenblasen", "Froschlaich", der von Architekt Manuel Herz gestaltete Schweizer Beitrag für die Expo 2025 in Osaka weckt vielfältige Assoziationen bei NZZ-Kritiker Ulf Meyer. Einerseits ist es natürlich das Ziel der "milchigen Ausstellungsblasen", aufzufallen, vor allem steht aber der ökologische Fußabdruck im Vordergrund: "Herz wählte eine doppelschalige Hülle aus ETFE-Folien, die an einem Traggerüst befestigt sind, das nach Abbau der Ausstellung zu Möbeln weiterverarbeitet wird. Die Membranen sind transluzent und erinnern, wenn sie von innen beleuchtet sind, an Froschlaich. Die Themen Rückbau, geringer Materialeinsatz und Weiterverwendung, die den Schweizer Architekturbeitrag prägen werden, bestimmen derzeit den Diskurs in der Bauindustrie. Der Schweizer Entwurf orientiert sich zugleich auch an der Geschichte. Gestalterisch knüpft er an die Expo 1970 an, die ebenfalls in Osaka abgehalten wurde. Damals waren Kugelarchitekturen in Mode. Der damalige Pavillon der Schweiz, ein Werk von Willi Walter, war eine Stahlkonstruktion, getragen von einer einzelnen Stütze und verkleidet mit 60 000 spiegelnden Aluminiumplatten, die den Himmel reflektierten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2024 - Architektur

Fünf Milliarden Euro investierte Disney im Jahr 1992, um in Frankreich fünf Retortenstädte zu gestalten, die das "Val d'Europe" bilden, heute wohnen dort über 37.000 Menschen, erinnert Niklas Maak, der sich für die FAS die Ausstellung "L'architecture des réalités mises en scène: Re-construire Disney" im Architekturmuseum Arc En Rêve Bordeaux angesehen hat. Sie zeigt ihm, wie Disney "Kulissen seiner Fiktionen immer weiter in die Realität" schob: "Noch nie hatte ein Konzern in der Geschichte Frankreichs so viel zu sagen, wenn es um den Bau neuer Städte ging, und noch nie wurden so hemmungslos alle modernen Stile und Ideen ausgeblendet, die nach dem Städtebau von Baron Haussmann und dem Ideal der Gartenstadt des 19. Jahrhunderts kamen: Die Stadtplaner Cooper, Robertson & Partners kommen aus New York und sind für ihren New Urbanism bekannt, der in Amerika versucht, Retortenstädte nach dem Vorbild alter europäischer Städte zu bauen. Dass sie für Disney im Pariser Osten neue Städte errichten durften, ist eine Art doppelter ästhetischer Rückkoppelung zwischen verschiedenen Fiktionsebenen: Ein Teil des Pariser Ostens sieht nun so aus, wie man sich in Amerika Frankreich vorstellt, und diese Vorstellung von Frankreich haben die Amerikaner vor allem aus Disney-Filmen. Die Franzosen, die im Val d'Europe leben, werden von dieser Architektur auf direktem Wege zu Frankreich-Darstellern gemacht..."

In der FAZ gratuliert Matthias Alexander dem Architekturhistoriker Winfried Nerdinger zum achtzigsten Geburtstag.
Stichwörter: Disney, Retortenstadt, Städtebau

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2024 - Architektur

Seit Mussolini Rom mit seiner "Dampfwalzen-Mentalität" verwüstete, hat sich bei der Stadtplanung nicht mehr viel getan, erinnert Leonardo Costadura, der in der FAZ das von dem Architekten Stefano Boeri gemeinsam mit Bürgermeister Roberto Gualtieri Ende Februar vorgestellte Projekt "Roma 050" skizziert: "Boeris Plan sieht vor, aus der vorhandenen Stadt ein Archipel zu machen, ähnlich wie es Oswald Mathias Ungers zusammen mit Rem Koolhaas 1977 für Berlin erdachte: kompakte Siedlungseinheiten zu schaffen, die durch viel Grün voneinander getrennt sind. … Innerhalb der einzelnen Siedlungskerne sollen im Sinne der 15-Minuten-Stadt alle lebensnotwendigen Dienstleistungen vorhanden sein, und sie sollen mithilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Zentrum sowie untereinander verbunden sein.  … Konkret sieht er unter anderem die Umsetzung von neunzehn Kilometern neuer Tramschienen und 72 Kilometern neuer Fahrradwege vor, von 760 Hektar neuer Grünflächen und 136 Hektar Wald sowie von fünf Parks am Tiberufer. Außerdem soll das bestehende suburbane Eisenbahnnetz zur Ringbahn nach Berliner Vorbild ausgebaut werden."