Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.10.2024 - Architektur

Kengo Kumas "Engawa" in Lissabon. Foto: Calouste Gulbenkian Foundation.

Ulf Meyer bewundert in der NZZ den Neubau des japanischen Stararchitekten Kengo Kuma für das Museum Gulbenkian in Lissabon, eine "poetische Verbindung zwischen Gebäude, Garten und Stadt". Wie schon bei früheren Projekten schuf Kuma eine "Engawa" - "so werden die von den auskragenden Dächern geschützten umlaufenden Veranden japanischer Häuser genannt, die nahtlos vom Innen- in den Aussenraum überleiten", erklärt Meyer. Das "Dachtragwerk elegant gestaltet, die Essstäbchen-ähnlichen schwarzen, schlanken Stahlstützen in V-Form tragen das geschwungene Dach mit großer Leichtigkeit. Der überdachte Übergang ist 100 Meter lang und wirkt wie ein Filter zwischen dem Centro de Arte Moderna und dem Grünraum. Um den bestehenden Garten mit dem neuen Teil zu verbinden, haben die Architekten ein lichtes Foyer mit fein gerahmten Glaswänden und Glastüren geschaffen. Ein schönes Detail ist der Dachrand zur Rua Marquês da Fronteira hin."

Klaus Englert berichtet in der FAZ von der dramatischen Wohnungskrise auf den balearischen Inseln, aber auch von Lösungsversuchen. Das "Instituto Balear de la Vivienda" (IBAVI) versucht dort, Klimaschutz und sozialen Wohnungsbau zu vereinen: "Sein Programm zielt auf eine Ausweitung des Wohnungsbestandes bei überdurchschnittlichem Qualitätsstandard, es bietet Mieten unterhalb des Marktpreises an, es verzichtet wo möglich auf Konstruktionsweisen, die den Import von Baustoffen voraussetzen, und fördert die Verwendung regionaler Materialien, etwa des Kalksandsteins Marès. Ein breit diskutiertes Beispiel für die IBAVI-Testphasen ist die 2021 fertiggestellte kleine Siedlungseinheit an der Carrer Salvador Espriu, am Nordrand von Palma. In den Jahren zuvor waren die konstruktiven Eigenschaften des Marès erstmals umfassend erprobt worden. Marès erwies sich als ein Stein, der die Luftfeuchtigkeit und Temperatur reguliert und eine an das lokale Klima angepasste thermische Dämmungswirkung erzielt." (Mehr zu den Häusern bei Baunetz Wissen und HIC)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2024 - Architektur

In der FAZ begutachtet ein frappierter Andreas Kilb die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zur Umgestaltung der Fassaden des Humboldt-Forums, den die "Initiative Schlossaneignung" ausgelobt hat: "Was an den Vorschlägen frappiert, ist weniger ihre bedenkenlose Brutalität - schon die Debatten, die die Entstehung des Humboldt-Forums begleiteten, waren von Gewaltfantasien geprägt - als ihre Selbstgerechtigkeit. Der 'Preußenverherrlichung' soll hier der Garaus gemacht werden ... Nein, was die 'Initiative Schlossaneignung' in Wahrheit antreibt, ist die eifernde Lust an der Publikumsbeschimpfung: Sie will den Besuchern, die durch die Ausstellungen flanieren und im Dachrestaurant tafeln, zeigen, was eine historische Harke ist. Dabei beweist sie nur, dass das Oberlehrertum auch im wiedervereinigten Deutschland nicht ausgestorben ist."

Weitere Artikel: In der SZ fragt sich Thomas Hahn mit Blick auf Tokio, wie die Stadt der Zukunft aussehen sollte. Niklas Maak gratuliert in der FAZ dem amerikanischen Architekten Richard Meier zum Neunzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.10.2024 - Architektur

Regenerate Kakuma. Quelle: To.Org

Im Nordwesten Kenias beherbergt die Stadt Kakuma etwa 285.000 Flüchtlinge, was sie laut der Kreativ-Plattform To.org zu einer der größten Flüchtlingssiedlungen der Welt macht. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Architekten Sumayya Vally plant To.org dort daher ein geometrisches Wellness- und Fitnesscenter mit dem Namen Regenerate Kakuma, das auch Bildungs- und kulturelle Einrichtungen enthalten und von den Termiten-Hügeln inspiriert sein soll, weiß Amy Peacock bei dezeen: "Vally und To.org entwarfen gemeinsam ein quadratisches Gebäude mit einem Stufendach und dicken Wänden, das aus lokalem Stein aus der Turkana-Region gebaut wird. Geometrische Aussparungen im Dach bilden Lichtschächte, die den Innenraum mit natürlichem Licht erfüllen. (...) Es wird ein Fitnessstudio, einen Fitnessraum im Freien mit einem Basketballplatz, eine Meditationshalle und einen Agroforstplatz enthalten, der darauf abzielt, landwirtschaftliche Fähigkeiten in der Gemeinde aufzubauen und frische Produkte zu liefern."

Weitere Artikel: In der NZZ gratuliert Ulf Meyer dem amerikanischen Architekten Richard Meier zum neunzigsten Geburtstag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2024 - Architektur

In der FAZ resümiert Arnold Bartetzky das Desaster um den Wettbewerb für das Leipziger Einheitsdenkmal, mit dem Endergebnis des Architekturbüros ZILA scheint er, anders als Gerhard Matzig in der SZ (unser Resümee), aber ganz zufrieden. Der Idee, die Transparente und Banner von der Bevölkerung beschriften zu lassen, steht er offen gegenüber: Zwar "gab es gleich bei der Präsentation des Wettbewerbsergebnisses Diskussionen darüber, inwieweit eine interaktive Aneignung des Denkmals durch die Bevölkerung erwünscht sei und wo deren Grenzen liegen sollten. Einigkeit besteht darin, dass verfassungsfeindliche, gewaltverherrlichende und menschenverachtende Botschaften nicht zu dulden sind. Das dürfte die Notwendigkeit gelegentlicher Reinigung der Objekte nach sich ziehen. Inwieweit sie zu Trägern gesellschaftlicher Diskurse werden, wird das Leben zeigen. Genau diese Offenheit macht das Projekt interessant. Man sollte vor ihr keine Angst haben."
Stichwörter: Einheitsdenkmal

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2024 - Architektur

Pompeji - Der architektonische Blick; HGEsch © HGEsch / Ministero della Cultura. Parco Archeologico di Pompei

Rezensent Tom Mustroph bespricht in der taz den Fotoband "Pompeji - Der architektonische Blick" des Fotografen H. G. Esch, der auch die Grundlage einer gleichnamigen Ausstellung in der Berliner Architekturgalerie Aedes bildet. Esch stößt in seiner Arbeit auf überraschende Parallelen zwischen dem antiken Pompeii und dem modernen New York: "Die große Gemeinsamkeit ist die Rasterstruktur. Auf Eschs Drohnenaufnahmen von Pompeji sind Begrenzungsmauern zu sehen, die die rechteckigen Grundstücke definieren. Weitere Mauern trennen einzelne Zimmer und Räume ab. Auf den Innenhöfen gibt es viel Grün; Esch fotografierte vor allem im regenreichen Frühjahr dort. Die Aufnahmen erinnern sogar an den Speckgürtel ringsum Berlin, wie er sich beim Anflug auf Schönefeld dem Auge darbietet: Parzellen mit Häusern und Garagen, viel Rasen. Und manches römisch-antike Mosaik in Blautönen könnte auch ein Swimmingpool am Berliner Rand in Wildau sein."
Stichwörter: Pompeji, New York

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2024 - Architektur

Der Architekt Robert Kaltenbrunner denkt in der FR darüber nach, was "Innovation" in Bezug auf Stadtentwicklung bedeuten kann. Während sich die Öffentlichkeit über formalistische Fragen und Fassaden streitet, sollte vielmehr "überzeugende neue Paradigmen des Gemeinwohls" entwickelt werden, "die sich letztlich auch in neuen räumlichen und/oder urbanistischen Modellen ausdrücken."Echte Innovationen müssten "sich hiermit befassen: nicht mit formalistischen Fragen von architektonischen Stilen und städtebaulichen Figuren, sondern mit der grundsätzlichen Organisation von Städten, mit ihrer Governance, mit Geld und mit Macht. Und dafür ist Innovation vonnöten. Zugleich wäre mehr Demut vor den Eigenlogiken städtischer Entwicklung, mehr Gelassenheit und Geduld einzufordern. Und zugleich ein Bewusstsein, was die relative Begrenztheit und zeitliche Bedingtheit von Planung anbelangt."
Stichwörter: Städtebau, Innovation

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.10.2024 - Architektur

Girjegumpi installed in the national museum of architecture, Norway (2021), fotocredit: Nasjonalmuseet / Ina Wesenberg

Der samische Künstler Joar Nango wurde in Hannover mit dem Kurt Schwitters Preis ausgezeichnet - taz-Kritikerin Gaby Hartel besucht sein Raumprojekt "Girje Gumpi" im norwegischen Bodø, eine "nomadische Bibliothek", in der sich Nachhaltigkeitskonzepte mit den indigenen Traditionen verbinden: "Seit 15 Jahren baut er diese Architektur gewordene Idee eines Denk- und Diskussionsortes in immer neuen Versionen: Mal wirkt die alles verbindende Struktur wie ein Schiffsrumpf, mal wie ein Walfischskelett aus Holz, mal wie eine Wurzelhöhle. In jedem Fall entsteht der Eindruck, als laufe man durch ein dicht verzweigtes, organisch gewachsenes Gebilde, das voller Überraschungen steckt. Dabei wird die Vorstellung von nachhaltigem Handeln, nachhaltigem Bauen und verantwortlichem Urbanismus direkt mit Händen greifbar. Das improvisierende Gestalten mit gefundenen Materialien wird genauso gefeiert wie das Herstellen von Gemeinschaft." Das Sprengel-Museum in Hannover zeigt außerdem eine Ausstellung mit Werken Joar Nangos.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.10.2024 - Architektur

Der Entwurf von ZILA Architekt.innen hat den Zuschlag bekommen, das Einheitsdenkmal in Leipzig zu errichten, Gerhard Matzig hat in der SZ allerdings doch noch die ein oder andere Frage und fühlt sich an eine Spülmittel-Werbung erinnert, in der auf einem Marktplatz ein ganzes Dorf den Abwasch macht: "Die Leipziger Gestalter schlagen 50 über den Platz verteilte Objekte vor. Gedacht als in den Boden gesteckte Banner, Fahnen und Transparente - bestehend aus weiß beschichteten Edelstahlblechen, die sich mit Edelstahlrohrprofilen zu filigranen Skulpturen verbinden. So weit kann man sich das gut und suggestiv raumwirksam vorstellen. Aber jetzt kommt - ausweislich der Pressekonferenz am Mittwoch in Leipzig - Fairy Ultra ins Spiel. Denn was soll auf den Bannern geschrieben sein? Nichts? Slogans von 1989? Staatsverachtende Parolen von heute? (…) Eine Idee daher, die auf der Pressekonferenz ins Spiel gebracht wird: Man könnte sich auf einen Tag einigen, sagen wir auf den 3. Oktober, an dem einmal im Jahr eine große Wisch-und-weg-Putzaktion zu jeweils neu beschriftbaren Edelstahlflächen führt."

"Hat es nichts Originelleres, Kühneres, künstlerisch Überzeugenderes gegeben? Sieht man sich die Wettbewerbsbedingungen genauer an, war dies nicht zu erwarten", kommentiert Max Glauner im Tagesspiegel: "Merkwürdig blieb auch die Zusammensetzung der Fach- und Sachpreisrichter und ihrer Stellvertreter. Bei den stimmberechtigen Fachpreisrichter:innen war nicht eine, nicht einer, der in der DDR geboren und aufgewachsen war. Dazu ließ auch die fachliche Kompetenz der Preisrichter zu Wünschen übrig. Bis auf Wolfgang Ullrich fehlten Namen mit Gewicht."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.10.2024 - Architektur

In der SZ ist Alexander Menden glücklich: Nach aufwändiger Renovierung für umgerechnet 18 Millionen Euro durch das Architekturbüro Haworth Tompkins ist das Londoner Warburg Institut, entworfen von Charles Holden, nun das modernste Gebäude des Bloomsbury-Campus: "Dem Beton seines Fundaments wurde die Asche des aus Deutschland geflohenen Warburg-Bibliothekars Hans Meier beigemengt - eine fast schon übermäßig pointierte Manifestierung des Warburg'schen Ineinandergreifens von Vergangenheit und Gegenwart. Das renovierte Institut selbst hält jedenfalls durchgehend die Balance zwischen 'neu' und 'eingelebt': (…) Das Auditorium und die im Tiefgeschoss angesiedelte 'Special Collection' sind in einer neu errichteten Struktur untergebracht, die bis zum Erdgeschoss hinauf den früheren Innenhof ausfüllt und dadurch bisher ungenutzte Flächen erschließt. Innen lässt eine weitere Glasdecke weiteres Tageslicht herein; von außen verweist das eingesetzte Backsteingebäude in seiner ornamentalen Klinkergestaltung bewusst auf die Fassade des Warburg-Hauses in Eppendorf.
Stichwörter: Warburg Institute

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2024 - Architektur

Postkarte von der Holzmoschee des Halbmondlagers in Wünsdorf. Foto: Wilhelm Puder, unter CC-Lizenz

Ulf Meyer stellt in der FAZ ("Bilder und Zeiten") neue Entdeckungen der postkolonialen Architekturgeschichte vor - in Hongkong, Mumbai und Schanghai, aber auch in Wünsdorf bei Berlin, wo 1915 ein "Kriegsgefangenenlager für muslimische Gefangene" errichtet wurde. "In dem Lager in Wünsdorf wurde für die Idee des Panislamismus geworben, um Gefangene gegen die Feinde Deutschlands zu mobilisieren. Im Lager wurde auch die erste Moschee Deutschlands errichtet - aus Holz. Im Zweiten Weltkrieg operierte von hier aus das Oberkommando der Wehrmacht. Das Halbmondlager in Wünsdorf wurde für Unterstützer der britischen und französischen Armeen gebaut. Weil das Osmanische Reich mit dem deutschen Kaiserreich verbündet war, rief der Sultan-Kalif die in Gefangenschaft geratenen Muslime, die zuvor als Soldaten aufseiten Englands und Frankreichs gekämpft hatten, zum 'Heiligen Krieg' gegen ihre Kolonialherren auf. Nach 2015 wurde auf dem Gelände ein Flüchtlingslager für Menschen errichtet, die vor islamistischen Angriffen in Syrien oder Afghanistan geflohen waren."

Außerdem: Thomas Vogel besucht für die taz die Hochschule für Gestaltung Ulm, deren Gebäude ihn einiges über zeitlos gute Architektur lehrt.