Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2020 - Bühne

In der taz schaut Christopher Suss schon freudig der Monteverdi-Oper "Krönung der Poppea" entgegen, die Pascual Jordan am 15. Juli in Berlin im Rahmen seines Schöneberger Projekts "Schönheit gegen Gewalt" zeigt. Besprochen wird Laila Solimans Performance "Wanaset Yodit" im Gartenhaus Haeckel in Braunschweig (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.07.2020 - Bühne

Wegen der Coronakrise mussten die Münchner Kammerspiele ein Riesenprojekt abblasen, das die Intendanz von Matthias Lilienthal abschließen sollte: Man wollte eine fast 24-stündige Inszenierung von Roberto Bolaños Roman "2666" auf die Bühne bringen und mit Motiven der Olympischen Spiele 1972 in München verknüpfen. Nun wird nichts daraus, aber Nicolas Freund war dennoch neugierig und hat sich für die SZ mit Lilienthal und dessen Dramaturg Christoph Gurk getroffen, um mehr über das Projekt zu erfahren: "Die Tausende ermordeter Frauen im Norden Mexikos, von denen der Roman erzählt, arbeiten meisten in den Maquiladoras, Fabriken oft auch westlicher Firmen, die so billig wie möglich produzieren. Aus ganz Mexiko kommen die Arbeiterinnen hierher, in eine Region, die wegen der Macht der Drogenkartelle praktisch rechtsfreier Raum ist. Lilienthal sieht darin einen Bezug zu München: 'Hier werden die Güter verbraucht, die in den Maquiladoras, den mexikanischen Fabriken mit den billigen Arbeitern produziert werden.'" Was das jetzt mit dem Attentat in München zu tun hat, bleibt allerdings unklar.

Weiteres: Die nachtkritik zeigt heute noch bis 18 Uhr Christoph Rüters Dokumentarfilm von 1991 über Heiner Müllers Arbeit an der Inszenierung "Hamlet | Hamletmaschine" für das Deutsche Theater Berlin. Ab 19.30 Uhr wird dann "War sum up" von Kirsten Dehlholm und ihrer Künstlergruppe Hotel Pro Forma (Kopenhagen) gestreamt. Besprochen wird die Performance-Lecture "Last but not last" der libanesischen Künstler*innen Lina Majdalanie und Rabih Mroué am Schauspiel Leipzig (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2020 - Bühne

Schattenfiguren aus dem Wayang: Kriegerin Srikandi und Sumbrada, Schatten von Petruk (von links), © Eucharisteo Yosua


In der NZZ stellt uns Maria Becker das Wayang vor, das traditionelle Schattentheater Javas, dem das Zürcher Museum Rietberg gerade eine Ausstellung widmet. Wayang ist in Indonesien immer noch sehr beliebt, erfahren wir. Kulturelle Aneignung hielt es frisch! "Wie kann eine Tradition so lebendig bleiben? Es liegt nicht nur daran, dass das Schattenspiel zum religiösen Selbstverständnis gehört. Java hat eine insulare Kultur, in der sich mehrere Einflüsse verbinden und über die Jahrhunderte zu einem Amalgam geworden sind. So ist im Ahnenkult noch der Animismus der indigenen Religion wirksam. Die Erzählungen hingegen kommen aus Indien, aus dessen großen Epen Mahabharata und Ramayana fast alle Figuren des Wayang stammen. Doch die Stoffe haben sich gewandelt, die Helden und Orte tragen einheimische Namen, und das Elitäre der indischen Epen ist einem volksnahen Verständnis von weiser Lebensführung gewichen. Dabei darf man nicht vergessen, dass der Islam die herrschende Religion auf Java ist."

Weitere Artikel: Die nachtkritik streamt Tschechows "Möwe" in der Inszenierung von Yana Ross aus dem Stadttheater Reykjavik. Hier der gesamte Online-Spielplan. Dorion Weickmann zeichnet in der SZ die Krise der Berliner Ballettschule nach, kann aber auch nicht sagen, ob an den Vorwürfen gegen die inzwischen entlassene Leitung was dran ist: "inzwischen sind sowieso allseits Juristen am Zug". In der Zeit stellt Peter Kümmel die Berliner Theatertruppe "Familie Flöz" vor, deren Existenz in der Coronakrise bedroht ist.
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2020 - Bühne

Über die Jahre war Lin-Manuel Mirandas Musical "Hamilton" am Broadway nicht nur extrem erfolgreich, es galt auch als Vorzeigestück für innovatives diverses Storytelling: mit schwarzen Schauspielern, die die Gründerväter darstellen, HipHop, R&B und Soulmusik und einer Hauptfigur, die als Einwanderer von einer karibischen Insel kommt. Doch jetzt soll "Hamilton" gecancelt werden, denn der amerikanische Gründervater unterstützte die Familie seiner Freu, die Sklaven hielt. Der amerikanische Autor Ishmael Reed hat dazu das Stück geschrieben "The Haunting of Lin-Manuel Miranda", berichtet Nawal Arjini in The Nation. "Wie eine schonungslos fröhliche Dampfwalze versprach 'Hamilton', die vertraute Schulbuchgeschichte zu beleben, indem es Gesang, Tanz, leichte sexuelle Intrigen und - vor allem - Farbe in das Leben seines Gegenübers brachte. 'The Haunting of Lin-Manuel Miranda' dagegen nimmt das Stück, seinen Schöpfer, die Biografie, aus der es stammt, und den Gründervater selbst in die Pflicht; am Ende von Reeds Stück sollen wir glauben, dass die Geister Miranda von dem Irrtum seines Projekts überzeugt haben." Daneben ging der übliche Twitter-Sturm los, der die Annullierung des Musicals forderte. Miranda versuchte seine Kritiker zu besänftigen und tweetete laut Daily Mail: "All the criticisms are valid. The sheer tonnage of complexities & failings of these people I couldn't get. Or wrestled with but cut. I took 6 years and fit as much as I could in a 2.5 hour musical. Did my best. It's all fair game".

Weitere Artikel: In der taz berichtet Jens Fischer vom Festival Theaterformen in Braunschweig. Anlässlich des 50. Geburtstags von "Zbigniew Stok's Kammertheater" erinnert in der NZZ Daniele Muscionico an den KZ-Überlebenden und Zürcher Theatermacher. Ebenfalls in der NZZ schreibt Martina Wohlthat zum Achtzigsten des Schweizer Choreografen Heinz Spoerli. Die nachtkritik streamt ab morgen 18 Uhr Christoph Rüters Dokumentarfilm aus dem Jahr 1991 über Heiner Müllers Arbeit an der Inszenierung "Hamlet | Maschine", die im März 1990 mit Ulrich Mühe in der Titelrolle im Deutschen Theater Berlin herauskam.

Besprochen werden Christina Geißes Monolog "Branka" im Schauspiel Frankfurt (FR) sowie Alexander Wewerkas und Jonas Tinius' zweibändige Monografie "Der fremde Blick" über den Theatermacher Roberto Ciulli (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2020 - Bühne

Nach Vorwürfen, sie riskiere mit zu hartem Training, Mobbing und Drill das Kindeswohl, sucht die Staatliche Ballettschule in Berlin einen Neuanfang, berichtet Anna Klöpper in der taz. Doch der gestaltet sich als schwierig: "Die Härte, mit der die Kinder bereit sind zu trainieren, der Erfolg, der unbedingt gewollt ist: notwendig, wenn man spitze und Spitzenschule sein will, und zugleich auch eine große Gefahr. An der Staatlichen Ballettschule hießen der Preis für den Elitestatus und den Glamour auf der Opernbühne Kindeswohlgefährdung und mangelnde Mitbestimmung auf allen Ebenen. Die Eltern- wie auch die Lehrerschaft zerreißt das: ... Da sind die Eltern, die sagen, mein Kind hatte keine Probleme, was soll die Aufregung, und die um die Leistungsfokussierung an der Schule fürchten. Da sind Eltern wie Svea Hohensee, denen der Druck an der Ballettschule sehr schnell zu unheimlich wurde." Der neue Interimsleiter Dietrich Kruse soll jetzt erst einmal herausfinden, "was will diese Schule in Zukunft sein? Eher Kaderschmiede mit angeschlossener Schule - oder Schule mit angeschlossener Kaderschmiede? Was ist ihr Selbstverständnis?" Die Grünen-Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz scheint dem Konflikt lieber aus dem Weg gehen zu wollen, wenn sie meint "die Schule müsse sich womöglich 'breiter aufstellen', wegkommen von der Fokussierung auf die künstlerische Ausbildung".

Außerdem: Hinweise zum Netztheater Special der nachtkritik und der online-Spielplan.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2020 - Bühne

In der nachtkritik berichtet Jan Fischer vom Festival Theaterformen in Braunschweig. Besprochen werden Dirk Lauckes neues Stück "Nur das Beste" in der Inszenierung von Bastian Kabuth am Theater Freiburg (nachtkritik) und Christoph Nix' "Hermann der Krumme oder die Erde ist rund" im Konstanzer Freilufttheater am Münster (NZZ, nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2020 - Bühne

In der FAZ erinnert sich Kerstin Holm an einen denkwürdigen "Fidelio", der vor zehn Jahren im ehemaligen Sonderstraflager Perm-36 im Ural aufgeführt worden war. Die Inszenierung des Briten Michael Hunt erinnert ein wenig an Ilya Krzhanovskys Dau-Projekt: "Zu jeder Aufführung wurden zweihundertfünfzig Zuschauer - so viele Pritschenplätze gab es in Perm-36 - in Bussen aus der Stadt zum Lager gekarrt. In der Mittagsschwüle empfing sie dort eine Gruppe von Frauen aus den umliegenden Siedlungen, die Schicksalsgenossinnen der Opernheldin Leonore mimten und mit Fotos ihrer Männer in der Hand deren Freilassung forderten. Doch behelmte Aufseher mit Schlagstöcken und Holzflinten jagten sie weg und trieben das zahlende Publikum wie Vieh durchs Lager, wobei sie die Leute zünftig anbellten und so echte Lageratmosphäre erzeugten. Während das Orchester im Hof unter seinem Dirigenten Valeri Platonow die visionäre Ouvertüre spielte, passierte man Baracken, wo Sträflinge in nummerierter Streifenkluft hockten oder Wassersuppe löffelten."

Hier ist er, der "Fidelio im Gulag":



Weitere Artikel: In der nachtkritik informiert uns Christian Rakow in einem Überblickstext zum Stand des interaktiven Netztheaters. Mahé Crüsemann unterhält sich für die taz mit der Lübecker Opernintendantin Katharina Kost-Tolmein, die ans Theater Münster wechselt. Im Interview mit der SZ erzählt Lin-Manuel Miranda die Geschichte seines unwahrscheinlich erfolgreichen Hip-Hop-Musicals über die amerikanische Verfassung, "Hamilton", das man jetzt auf Disney sehen und hören kann. Susan Vahabzadeh liefert die Besprechung dazu, eine weitere gibt's im Tagesspiegel.
Stichwörter: Perm 36, Fidelio

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2020 - Bühne

Das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen ist derzeit in Berlin verboten. Im Gespräch mit der FAZ erklären die drei Opernintendanten Berlins daher: "Um ganz grundsätzlich zu antworten: Wir können momentan keine verbindlichen Spielpläne machen." Wiebke Hüster informiert in der FAZ über die ebenfalls unerfreuliche Lage der Tänzer und Tanzhäuser in Zeiten des Coronavirus.

Die nachtkritik streamt heute ab 18 Uhr "Fiskus" von Felicia Zeller, uraufgeführt von Christoph Diem am Staatstheater Braunschweig am 18. Januar 2020. Hier der komplette digitale Spielplan.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2020 - Bühne

Reinhard J. Brembeck genoss für die SZ den Luxus, in der Bayerischen Staatsoper zwei Abende mit Mahler, Strawinsky und Janacek geboten zu bekommen - mit fünfzig beziehungsweise hundert Zuschauern. FAZ-Kritiker Hans-Christian Rößler erlebt in Madrids Teatro Real eine improvisierte Aufführung von Verdis "La Traviata".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2020 - Bühne

Im FR-Interview zum Finale seiner Intendanz bei den Münchner Kammerspielen spricht Matthias Lilienthal mit Michael Schleicher über seine Angst vor Corona, die späte Liebe zwischen Publikum und Kammerspielen und seine Erfolge: "Was wir erreicht haben, ist eine totale Verjüngung des Publikums. Was wir erreicht haben, ist eine Akzeptanz von völlig anderen Spielstilen. Was wir erreicht haben, ist eine Hybridisierung des Theaters, bei dem internationale Theatermacher, freie Gruppen und Stadttheater ein Gemisch ergeben, das nicht mehr auseinanderzuhalten ist. Und was wir erreicht haben, ist, die Kammerspiele als ein politisches Theater neu auf die Tagesordnung zu setzen."

Nach dem Skandal um die grausamen Drill-Methoden an der Wiener Ballettakademie (Unsere Resümees), soll Christiana Stefanou, einst Tänzerin am Bayerischen Staatsballett und danach Ballettdirektorin der Compagnie der griechischen Nationaloper die Direktion ab August übernehmen, meldet der Standard mit APA. Auch ein neues Konzept wurde vorgestellt: "Die Kernpunkte des sich über fünf Jahre erstreckendes Masterplans sind eine transparente und respektvolle Kommunikation, der Ausbau der medizinischen und psychologischen Betreuung und das Engagement einer unabhängigen Kinderschutzbeauftragten."

Weiteres: Die New Yorker Broadway-Theater werden voraussichtlich erst 2021 wieder eröffnen, meldet Zeit Online mit dpa und AFP. Für den Tagesspiegel blickt Sebastian Borchert auf die katastrophale Situation, die britischen Künstlern durch die Coronakrise entstanden ist. Besprochen wird Katharina Kreuzhages Inszenierung von James Graham Ballards "Bericht über eine unbekannte Raumstation" am Theater Paderborn (nachtkritik).