Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.12.2020 - Design

Die NZZ hat ihre Texte zu Parfüms und Düften aus der Wochenendausgabe online nachgereicht: Über den Geruchssinn als leicht zu täuschendes Sinnesorgan denkt Thomas Ribi mit Aristoteles und Thomas von Aquin im Gepäck nach. Sehr traurig ist Clauda Mäder, dass der Weihnachtsmonat - sonst ein Fest der Düfte und verschenkten wie probierten Parfüms - in diesem Jahr aus bekannten Gründen so arm an Sinneseindrücken ist, und erzählt ein bisschen aus der Kulturgeschichte der Düfte: "Bevor sie Viren und Bakterien kannte, ging die Medizin davon aus, dass Krankheiten durch üble Gerüche verbreitet würden. Folglich waren gute 'Gegendüfte' wichtige Mittel zur Bekämpfung von Epidemien. Die Pest zum Beispiel versuchten die Menschen im 14. Jahrhundert durch Feuer auszurotten, die sie mit Duftessenzen anreicherten. Aus Myrrhe oder Rosenholz wurden auch Pastillen geformt, die das schädliche Verfaulen der Luft im Keim, sprich im Mund des Menschen, ersticken sollten. In immer weiteren Formen wurden Parfums und parfümierte Produkte fortan populär, und sie standen allgemein für das, was man heute Hygiene nennt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2020 - Design

Für die NZZ flaniert Sabine Fischer durch die Ausstellung "Wild Thing" im Museum für Gestaltung in Zürich, das sich hier der Schweizer Modeszene widmet. "Die Schweiz ist keine Hochburg des Modedesigns", räumt Fischer ein. "Aber womöglich ist sie eine Nische, in der ganz besondere Erfindungen möglich sind." Hier "hängen Foulards, Röcke und Jacken mit Löchern und aufgedruckten Texten von der Decke. In den vom Tageslicht durchfluteten Seitenflügeln schimmern bemalte, zerknitterte und gefaltete Gewebe für alle möglichen Körperteile. Die Schau ist selber ein wildes Ding: Alltäglicher Lifestyle und Outfits für Prominente stehen wie selbstverständlich nebeneinander.  ... Die Nomaden der Gegenwart lieben farbige Vielfalt."


Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2020 - Design

Nachhaltiges Material, was soll das eigentlich genau sein, überlegt die Schreinerin und Kunsthistorikerin Franziska Müller-Reissmann angesichts der immer stärkeren Ablehnung von Kunststoffen: "Man preist uns Kork, heimisches Holz und Glas als umweltverträgliche Stoffe an, doch hinter den Lobliedern steckt ein fundamentaler Denkfehler: Nachhaltig oder auch nicht kann nur die Verwendung von etwas sein - nicht eine Sache selbst."

Außerdem: Alyx Gorman stellt uns im Guardian leicht verstört die beiden Pantonefarben des Jahres 2021 vor: grau und gelb. "This year, the combination has been likened to the shades of hi-vis vests, road markings and 'screaming sickly urban melancholy, a brutalist facade, cold sunshine and cement'. Vogue described it simply as 'really weird'."
Stichwörter: Vogue

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2020 - Design

Wenn Möbel-Klassiker der Moderne seit kurzem reihenweise nicht mehr Le Corbusier, sondern Charlotte Perriand zugeschrieben werden (mehr hier oder hier), erweist man der an sich wichtigen Aufgabe, übergangene Designerinnen aus dem Schatten der Geschichte zu holen, einen Bärendienst, meint der Kunsthistoriker Harold von Kursk in der FAZ: Belege für eine eigentliche Autorenschaft Perriands lägen jedenfalls nicht vor, vielmehr sei das gegenwärtige Narrativ schon in den 60ern von Perriand selbst gestreut worden. Nun drohe es sich im Zuge kommerzieller Ausstellungen und hagiografischer Veröffentlichungen als historisches Faktum zu verfestigen: "Darf jemand, der am Prototyp arbeitet, Rohrdicken bestimmt, sich nach dem Ableben des Erfinders Ko-Autor nennen, nur weil er viel Zeit mit der Umsetzung der Idee des Entwerfers verbracht (und vielleicht ein paar Details adjustiert) hat? Ist die intellektuelle 'Entwurfsleistung' die Erfindung oder auch die mühsame praktische Umsetzung? Le Corbusier, so die Innenarchitektik Heidi Weber, 'war mit Gabriel Voisin befreundet, der in seinen Flugzeug- und Rennwagen-Designs Stahlrohr einsetzte, um das Gewicht zu reduzieren'. Hier liege die Quelle der neuen Möbelkonstruktionen. ... Le Corbusiers Skizzen und Forschungen zum Thema Stahlrohr weisen darauf hin, dass er die Arbeit an den Entwürfen beendet hatte, bevor Perriand kam. Es gibt keine Beweise, dass Perriand mit dieser Idee an Le Corbusier herantrat oder vorher Vergleichbares geleistet hätte. Perriand selbst hat später nie wieder Möbel entworfen, die den vier Möbelmodellen auch nur entfernt ähnelten."

Im ZeitMagazin verabschiedet sich Sara Tomšić vom gedruckten Ikea-Katalog, den er früher träumend durchblättert hatte: Aber "wie träumt die heutige Jugend jetzt vom Erwachsensein, ohne dich? Auf Instagram macht das ja nur halb so viel Spaß, weil die tolle Couch meistens zu einem Hochglanz-Leben passt, das man selbst gar nicht führt. Die moosgrüne Küche, das zwei Meter hohe Boxspringbett und der Mahagonischrank in meinem Insta-Feed gehören schon jemandem. Bei dir, im Ikea-Katalog, war das anders. Du warst eine weiße Leinwand, ich konnte mich mit genug Fantasie selbst reinsetzen, alles gehörte mir oder niemandem." Kein Wunder, dass die Welt Tränen um diesen Katalog weint, schreibt Gerhard Matzig in der SZ: Immerhin ist der jährliche Ikea-Wälzer "nun mal kein Katalog, sondern ein Werk, das uns die Welt erklärt und darin Halt gibt. Ausgerechnet in einer pandemischen Neobiedermeier-Ära, in der das virensichere Wohnen zur letzten Bastion gerät, das Aus zu verkünden: der reinste Frevel."

In der Jungle World bespricht Larissa Kunert Diana Weis' kulturwissenschaftliche Studie "Modebilder. Digitale Bildkulturen" über die Rolle von Instagram und Influencern in der Modewelt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2020 - Design

Klobig-militärisch anmutende Schuhe im Traktor-Stil sind schon eine ganze Weile der absolute Hit, schreibt Antonia Baum in der Zeit. Sie haben ja auch einen ganz besonderen Reiz, denn sie sehen "sowohl militärisch als auch futuristisch", aber eben "ein bisschen bescheuert, aber irgendwie toll aus" - und passend zur Gegenwart wirken sie auch ein wenig wie das Schuhwerk, in denen sich in apokalyptischen Zeiten die Welt retten lässt: "Zukunft und Kampf, darum geht es, und selbstverständlich spielen Frauen in dieser Bekleidungserzählung eine zentrale Rolle, sicher nicht zuletzt, weil sie noch immer die Hauptadressatinnen von Fashion sind. So oder so gibt es aber ja gerade tatsächlich eine Menge Gründe, einen Traktor für die passende Antwort zu halten. Eine breite, hohe, das heißt Raum einnehmende Antwort, bei der es nicht um jene Schönheit geht, die typischerweise von Frauen gewünscht ist (zart, filigran, leicht). Der Schuh zu #MeToo, gewissermaßen, der Schuh gegen Klimazerstörung, Rassismus, Polizeigewalt, entfesselte Autokraten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2020 - Design

Coco Chanels "Mariniere" aus Jersey und mit Matrosenkragen, 1916 in Deauville 
Das wurde aber auch Zeit, schreibt Marina Razumovskaya in der taz: Im Pariser Museum Palais Galliera sind erstmals Coco Chanels Kleider gesammelt und an einem Ort integral ausgestellt - ja, wenn denn nur Corona nicht wäre. Im Mittelpunkt steht natürlich das Strandkleid La Marinière, Chanels großes Statement in Jersey von 1916: "Das ganze Outfit hängt an den Schultern. Ach, was musste die arme, weiche, verletzliche Taille schon alles aushalten in der Geschichte der europäischen Mode! Korsette, Korsagen, Krinolinen und später noch die X-Silhouette des New Look, der Zeit von Chanels Comeback in den 1950ern: Sie alle deklinieren Sexiness von der Taille aus - mit der naheliegenden Folge, den Busen zu betonen. Dagegen steht Chanels Formel: Befreiung der Taille. Die Schnitte, die daraus entstehen, sind simpel, elegant, auch ein wenig maskulin, la femme dandy." Schöne Bilder gibt es auf Instagram unter dem Hashtag #expochanel.

Außerdem: Brigitte Werneburg singt in der taz ein Loblied auf die Wolle und gibt Tipps, was es beim Kauf zu beachten gibt. In seiner Kolumne fürs ZeitMagazin beobachtet Tillmann Prüfer ein Comeback des Harnischs.
Stichwörter: Chanel, Coco, Corona, Instagram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2020 - Design

Sieht immer gut aus: Harry Styles auf dem Cover der Vogue  (Tyler Mitchell)

Völlig hingerissen ist in der SZ Tanja Rest davon, dass die Dezember-Ausgabe der US-Vogue der Popstar Harry Styles in Frauenkleidern ziert: "Styles, der in dem fluffigen Volantgebilde an eine Mischung aus Saloon-Sandy und Scarlett O'Hara erinnert", ist "in dieser Garderobe für alle Ewigkeit in Marmor gemeißelt". Wobei "Styles natürlich in jedem Outfit gut aussieht, weil er einen festen, proportionierten, mit maritimen Tattoos aufs Erbaulichste ausgestatteten Körper hat. Dann bringt der Look der Southern Belle seine femininen Attribute zum Strahlen, als da wären die Türkisaugen, das Schmollmündchen, die in die Stirn springende Haarlocke. Zuletzt ist ein Gucci-Kleid, seit sein Designer-Freund Alessandro Michele dafür verantwortlich zeichnet, ein Bekenntnis zu allem, was der Zeitgeist gerade anbetungswürdig findet: Flamboyanz, Fluidität, ausgelassenes Nerdtum. Mit Kategorien wie 'männlich'/'weiblich' hat dieser Look nichts mehr zu tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2020 - Design

Carmela Thiele erinnert in der taz an die Modefotografin Louise Dahl-Wolfe, die vor 125 Jahren geboren wurde. Von den 30ern bis zu den 50ern arbeitete sie für Harper's Bazaar: "Die Kleidung wurde damals lässiger, auch für Frauen. Das entsprach Dahl-Wolfes Lebensgefühl, sie brachte Natürlichkeit und Witz in die festgefahrenen Konventionen der Modefotografie. Sie beschäftigte sich zudem intensiv mit den Möglichkeiten der Farbfotografie, die damals aufkam. Sie erkundigte sich vorab nach den Farben der Kleider und stimmte die Kulisse darauf ab. Es heißt sogar, dass sie den Art Director um die geplanten Seiten-Layouts bat."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2020 - Design

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Anne Lena Mösken porträtiert in der Berliner Zeitung den Modedesigner Amesh Wijesekera aus Sri Lanka, der seit einiger Zeit in Berlin lebt, wo er ein Modelabel gegründet hat. Seine Entwürfe verbinden Traditionen seiner Heimat mit Konzepten der Gegenwart, erfahren wir: Er "kombiniert die alten Techniken mit modernen Silhouetten und zeitgenössischem Design und dekonstruiert die traditionelle Schönheit Südasiens immer genau dann, wenn sie droht, zu Ethnokitsch zu werden: hier Fell-Applikationen an einem Kimono, dort lose Fäden, die aus einem Strickstück hängen. Oder eine Kombination von Handgewebtem mit Acid Wash. Seine Stücke sind mehrdeutig, sind weder feminin noch maskulin: Hosen mit glockenförmigen Beinen, klassische Hemden mit opulenten Raffungen, grober Strick, der sich eng an den Körper schmiegt. Wijesekera bricht lustvoll die Gendernormen, in die er selbst nie passen wollte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2020 - Design

Christiane Meixner blättert für den Tagesspiegel durch einen Band der Fotografin Susanne Katzenberg zum Ende der Weimarer Porzellanmanufaktur, und fühlt ganz zum Schluss einen kleinen Hoffnungsschimmer aufsteigen: "Als Katzenberg erfuhr, dass der gesamte Formenfundus der Vase 'Tini' aus den Sechzigern, ein Entwurf des Formgestalters Peter Smalun, verkauft oder alternativ zerstört werden sollte, sprang sie selbst ein. 'Schockverliebt', wie die Fotografin gesteht, suchte sie nach einer Möglichkeit, die Produktion fortzusetzen - und fand Martin Pössel, der nach einem Studium des Produktdesigns an der Bauhaus-Universität nun eine kleine Manufaktur in Weimar führt. Aus dem Buch ist so noch das Projekt 'Unverloren' hervorgegangen, es kulminiert in Weimar und zeigt, wie lebendig das Erbe des Bauhauses am Ende ist: als Vase 'Tini' wie auch als Idee von der perfekten Form, die wieder aufersteht."

Außerdem: Alex Winiger schreibt in der NZZ einen Nachruf auf den Zürcher Lichtgestalter Willi Walter.