Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2020 - Design

Jürgen Müller unterhält sich für die FAZ mit der DDR-Designerin Christa Petroff-Bohne, deren schlicht funktionale Edelstahl-Entwürfe immer noch zeitlos wirken und erst allmählich wieder wertgeschätzt werden. DDR-Design lehrt auch heute noch, "aus wenigem möglichst viel Sinnvolles, Haltbares und Langlebiges zu machen", sagt sie. "Es gehörte in der DDR auch eine große Bereitschaft dazu, sich mit Widrigkeiten auseinanderzusetzen. Da in der DDR, anders als in vielen westlichen Unternehmen, nicht der Profit die Industrieproduktion antrieb, waren die Widerstände gegen etwas Neues oft erheblich. Design bedeutet in jedem Falle eine Änderung von eingefahrenen Routinen. Da war oft viel Behäbigkeit im Raum." Im Design der Gegenwart beobachtet sie "große Verschwendung und viel Überflüssiges. Defekte Produkte, zu deren Wiederherstellung Baugruppen oder nur Kleinteile ausgewechselt werden müssten, werden entsorgt."

In der SZ schreibt David Pfeier über den nostalgischen Appeal im Produktdesign, der den bloßen Trend- und Modestatus längst überschritten hat und als Konstante anzusehen ist. Studien belegen überdies, dass Nostalgie "ein gutes Mittel gegen Einsamkeit sei" und generell dem Wohlbefinden diene: "So gesehen ist die Nostalgie das positivste Gefühl der Jetztzeit, ein freundlicher Narzissmus. Und die Produkte, die sie mit sich bringt, stellen den Wunsch nach Verbindung dar."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2020 - Design

Mit 76 Jahren ist Suzy Menkes, die Grande Dame der Modekritik, auch heute noch interessiert, was die digitale Welt an Möglichkeiten hergibt: Podcast und Instagram gehören für sie dazu, verrät sie der NZZ. Allerdings hat die Verlagerung ins Digitale für ihren Berufsstand nicht nur Vorzüge: "Wenn ich in einer Show sitze, kann ich eben auch beschreiben, wie etwas von hinten aussieht, auch wenn die Designer uns lieber die Vorderseite präsentieren." Früher war es übrigens "nicht nur hart, sondern auch lustig. Im Internetzeitalter kann man sich das ja nicht mehr vorstellen, aber der Fotograf Chris Moore und ich mussten jedes Bild erst mal entwickeln lassen. Im einzigen schnellen Labor in Paris arbeitete ein Alkoholiker. Morgens war er okay, aber nach dem Mittagessen hatte er weder sich noch unsere Bilder mehr im Griff. Einer von uns musste dann immer bei ihm bleiben und insistieren, dass er ins Labor ging, statt zu trinken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.11.2020 - Design

Auch die Mode - oder zumindest ihr glamouröses Drumherum - befindet sich derzeit eher im coronabedingten Dämmerschlaf. Vielleicht wird ja der momentane Trend zu "Chunky Boots", also Schuhe mit reifendicken Sohlen, als "Corona-Style" in die Modegeschichte eingehen, mutmaßt Tania Martini in der taz. Kommt nach Corona "dann die neue Eleganz - eben nur zeitverzögert und womöglich gepaart mit viel Glamour? Virgil Abloh, der als der vielleicht wichtigste Designer der Zeit gilt, hat in einem Gespräch im Rahmen der 'Vogue Global Conversations' etwas ganz anderes prophezeit. Die immer neuen Produkt-Hypes und Warenspektakel der Streetwear passten nicht mehr zu dem neuen Zeitgeist. ... Die Vogue sah kürzlich bereits die Ära des 'sozialverträglichen Kleidens' angebrochen und meinte eben gerade nicht nur nachhaltiges Produzieren. Sozialverträglichkeit in einer Branche, die sich aus der permanenten Behauptung von Individualität konstituiert? Ob das wirklich zusammengehen wird?"

Außerdem bespricht Brigitte Werneburg in der taz die (allerdings derzeit geschlossene) Ausstellung "Fashion?! Was Mode zu Mode macht" in Stuttgart.
Stichwörter: Mode, Corona, Vogue, Modegeschichte

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.10.2020 - Design

Nicola Kuhn schreibt im Tagesspiegel zum Tod des Designers Enzo Mari (mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.10.2020 - Design

Arno Widmann unterhält sich in der FR mit der Ägyptologin Dora Goldsmith über die Düfte und Parfüms des alten Ägyptens, die in den alten Texten zwar durchaus beschrieben, aber selten in Form eines Rezepts überliefert wurden. Dort, wo es Informationen gibt, versucht sie, möglichst authentische Rekonstruktionen: "Natürlich wissen wir nicht bei jedem Wort, welche Substanz damit gemeint ist", aber vergleicht man die überlieferten Texte, verdeutliche sich die Bedeutung im einzelnen: "Ich habe mit einem Gräzisten zusammengearbeitet. Wir wollten herausbekommen, ob sich im hellenistischen Ägypten der Duft verändert hatte. Wir betrachteten zuerst ein griechisches Rezept. Im Text ist von Balanos-Öl die Rede. Es kann Moringa-Öl sein. Dazu kamen Kiefernharz, Myrrhe und Zimt. Mendesian hieß es nach dem Ort Mendes im östlichen Nildelta, in dem es hergestellt wurde. Es war das in der hellenistischen Welt beliebteste Parfum. Es war, wenn Sie so wollen, das Parfum von Kleopatra." Mehr zu Düften finden Sie übrigens in unserer Kolumne "Essenzen".

Weiteres: In der NZZ sagt Claudia Schwartz dem Flughafen Tegel leise Servus. Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Luigi Colani und der Jugendstil" im Bröhan-Museum in Berlin (Tagesspiegel) und eine Ausstellung der Designerin Margaret Calvert - u.a. verantwortlich für das Design der Straßenschilder in Britannien im Design Museum in London (Guardian).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2020 - Design

Gabriele Detterer schreibt in der NZZ einen Nachruf auf den Möbeldesigner Enzo Mari (mehr dazu hier) und seine Witwe, die Kunsthistorikerin Lea Vergine, die einen Tag nach ihrem Mann ebenfalls Covid-19 erlegen ist.
Stichwörter: Covid-19, Möbeldesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.10.2020 - Design

Enzo Maris Sedia Uno aus der Serie Autoprogettazione. Foto: Refugees Company for Crafts and Design

In der SZ schreibt Gehard Martzig zum Tod des italienischen Möbeldesigners Enzo Mari, dem Buster Keatons "ewiges Scheitern an der Dingwelt" zum Leitgedanken wurde, indem er es "in einen Akt der Selbstermächtigung" umdeutete. "Sein Projekt: Gegen die Portoerstattung konnte man von ihm eine Anleitung zum Eigenbau einfacher Möbel erhalten. Das sind Möbel, die nur mit Hilfe von Hammer und Nägeln aus rohen Holzbrettern zu fertigen sind. Auf diese Weise wollte der Gestalter das Bewusstsein für die Dinge schärfen. Einmal sagte er sinngemäß: Was nicht wenigstens einhundert Jahre hält, taugt nichts. Und was man im Zweifel nicht selbst machen kann, ist nichts. Dieses Denken, dingfreundlich, menschenfreundlich, surreal, passt nicht in eine Zeit, da immer schneller immer mehr Güter hergestellt werden, die immer modischer geraten, um immer schneller aus der Mode zu geraten - um immer schneller ersetzt zu werden."
Stichwörter: Mari, Enzo, Möbeldesign, Möbel, Uno

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2020 - Design

Für die FAS plaudert Friederike Haupt mit dem Möbeldesigner Wulf Schneider, der in den Neunzigern das "Blaue Sofa" entworfen hat, auf dem zu jeder Buchmesse Journalisten und Autoren Platz nehmen.
Stichwörter: Möbeldesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2020 - Design

"Auch der Garten kann ein Kunstwerk sein", versichert Stefan Rebenich in seiner kleinen Gartenschule in der FAZ, und ganz besonders im Herbst: Das wusste schon Rilke. "Um sich an dem großen Finale erfreuen zu können, bedarf es im Garten auch der vorausschauenden und geschickten Kombination von sich im Herbst färbenden Gehölzen mit Stauden und Gräsern. Ein wahres Farbenfeuerwerk entzünden das rosa Pfaffenhütchen, der orange Perückenstrauch, die rote Bergenie und die goldgelbe Funkie. Das strahlende Rot der Blätter des japanischen Feuerahorns (Acer japonicum Aconitifolium') bildet einen herrlichen Kontrast zu dem weiß gefiederten Silber-Pampasgras (Cortaderia selloana). Die vielgestaltigen, leuchtenden Dahlien sind in dem schon fahler werdenden Licht die Königinnen des Herbstes".
Stichwörter: Garten, Herbst, Rebenich, Stefan

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2020 - Design

Foto ©: nfp/filmwelt 

Carmen Böker (Zeit online) hat einen Film über die Sphinx unter den Modemachern gesehen, den Belgier Martin Margiela, dessen Gesicht über all die Jahre in der Öffentlichkeit unbekannt ist. Margiela betrat Anfang der 80er die Modeszene, zusammen mit den Antwerpen Sechs (Walter Van Beirendonck, Ann Demeulemeester, Dries Van Noten, Dirk Van Saene, Dirk Bikkembergs und Marina Yee). Margiela war der avantgardistischste unter ihnen, ein Bastler, der Kleider auseinandernahm und so zusammensetzte, dass man sie nur mit einigem Befremden wiedererkannte. Auch in Reiner Holzemers Doku bekommt man ihn nicht zu Gesicht: "Eine Hand, die einen Champagnerkorken hält, die andere Hand, die die Metallkappe abfrickelt, das Drahtkörbchen wieder aufsetzt, wieder abnimmt, ein Band drum herum windet: Das ist mehr, als man von Martin Margiela jemals gesehen hat. Seine Stimme, die den Satz 'Mir gefällt die Idee nicht, berühmt zu sein' spricht, während man sich fragt, ob das Korkengebilde die Inspiration für ein neues Kleid sein könnte: Das ist mehr, als man von Margiela bisher gehört hat."