Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2021 - Design

Schuhe machen glücklich. (Bild: Vanishing Berlin)

Thomas Winkler hat für die taz ein sehr schönes Gespräch mit Barbara Dechant und Till Kaposty-Bliss geführt, die das Berliner Buchstabenmuseum leiten. Aus den beiden spricht viel Leidenschaft: "Schriften sind fast ebenso wichtig wie Architektur, sie umgeben dich und machen etwas mit dir. Manche Schriftzüge, ein 'Frisör' aus den 50er Jahren vielleicht, wecken ganz konkrete Kindheitserinnerungen", sagt Till Kaposty-Bliss. Und Barbara Dechant ergänzt: "Wir haben einen sehr schönen 'Schuhe'-Schriftzug, da stand einmal ein älterer Mann davor, der gar nicht mehr aufhören konnte, selig zu lächeln. Wenn man hier im Buchstabenmuseum arbeitet, merkt man sehr deutlich, welchen emotionalen Wert diese Schriften haben."
Stichwörter: Schrift, 1950er

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2021 - Design

Begeistert blättert sich FAZ-Kritikerin Rose-Maria Gropp durch den Prachtband "Zwischen Schein und Sein. Ostdeutsche Modegrafik 1960-1990", denn der hier gestattete "Blick auf die Vielfalt einer verschütteten Tradition der Modeillustration in der DDR ist so erhellend wie unterhaltsam. Es beginnt in den sechziger Jahren, und gar nichts ist da fremd. ... Noch sehr französisch angehaucht ist dieser Chic, elegante Köstümchen, Ensembles, spitze Pumps, Topfhüte, Kurzmäntel und Trenchcoats. Die Siebziger sind purer Pop, im sehr grafischen Umriss-Stil der Entwürfe wie entsprechend in den Modellen von Schlaghosen, darüber ärmellosen langen Westen, vielleicht etwas weniger Hot Pants und Miniröcke, dafür sind die Swinging Sixties nun in der DDR angekommen, ein Hauch von Hippie Fashion."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2021 - Design

Das Ringlicht, das bei Youtubern und Influencern für gesunde Gesichtsfarbe, wenig Schatten und ein geheimnisvolles Leuchten in den Augen sorgt, hält im Zuge von immer mehr Videokonferenzen auch in immer mehr gängigen Wohnstuben Einzug, schreibt Michael Moorstedt in der SZ und verweist auf eine neue Hürde, die zu nehmen ist: "Jeder Mensch der Gegenwart weiß zwar, welche Gesichtsmuskeln er bemühen muss, um auf einem schnellen Selfie halbwegs vorzeigbar auszusehen. Eine mehrstündige Videokonferenz unter dem kritischen Auge des Chefs zu überstehen, ist dagegen schon ein anderes Kaliber. Da hat man, während die Kinder im Hintergrund schreien und gleichzeitig schon die Töpfe auf dem Herd köcheln, weder Zeit noch Muße für einen Weißabgleich."

Dass das Designstudio Pantone ein mattes Gelb und ein schwaches Grau zu seinen Farben des Jahres erklärt, findet Jenni Zylka im Freitag den äußeren Umständen entsprechend angemessen trist: "Die Kombi setzt ganz unromantisch auf Schutz, neben der Sicherheitsweste erinnert sie an Straßenmarkierungen bei Baustellen oder an holztischschonende Platzdeckchen im dänischen Ferienhaus, an denen noch Röstzwiebeln von Hot Dogs der Vormieter*innen kleben. Nicht schön, aber einfach zu reinigen."
Stichwörter: Licht, Farben, Influencer, Pantone

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2021 - Design

ZeitOnline erinnert mit einer Bilderstrecke an Coco Chanel, die vor fünfzig Jahren gestorben ist.
Stichwörter: Chanel, Coco, Chanel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2021 - Design

Abb. Domus


Zwischen 1930 und 1970 erblühte in Italien eine Kunstform, die bei Kunstkritikern nur wenig Beachtung fand, weil sie meist weiblich war: die Kunst der Textilien, erzählt Michela Bassanelli in Domus. Eine der ganz großen Weberinnen damals war neben Renata Bonfanti, Anita Pittoni and Carla Badiali Gegia Bronzini, die einen mechanischen Webstuhl bevorzugte: "Die Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wie Ginster und Maiswickel, zusammen mit natürlichen Garnen (Leinen, Seide, Wolle) stellt einen zweiten Aspekt ihrer Forschung dar. Die Stoffe verlangen eine Verbindung mit abstrakten und geometrischen Figuren, in Anlehnung an die Produktion im Textillabor des Bauhauses. Jedes gewebte Paneel ist ein Unikat. Die Anwendungen betreffen jeden Aspekt der Heimtextilien: von Oberflächen bis zu Möbeln, vom Tisch bis zum Bett. Vorhänge stellen einen wesentlichen Teil der Produktion von Bronzini dar, weil sie das Experimentieren mit Materialien - vom Hanfgarn über Seidengarn bis hin zur Verwendung von Kupfer - und die Zeichnung mit echten Öffnungen verbinden, die unterschiedliche, aber immer modulierte Lichtdurchgänge ermöglichen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2021 - Design

Die Mode entdeckt den Morphsuit wieder, schreibt Tillmann Prüfer in seiner Mode-Kolumne im ZeitMagazin. Meist dient das Ganzkörperkostüm zwar dem Zweck, weibliche Sexyness zu betonen. Wobei es "aber gar nicht unbedingt als Frauengarderobe gemeint ist. Eigentlich ist es unisex. Wenn sich Science-Fiction-Produzenten in die Zukunft träumen, so tragen die Protagonisten in solchen Filmen oft Morphsuits. Kaum ein Kleidungsstück ist geeigneter, den Unterschied zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Es ist wie eine Vorschau auf eine bessere Zukunft, in der sich Mann und Frau nicht mehr durch Kleidung unterscheiden. Leider sind es bislang nur die Frauen, die das wagen. Männliche Träger von Morphsuits sind außerhalb von Kostümfesten selten: Batman und Robin wie auch David Bowie als Ziggy Stardust trugen ein ähnliches Outfit."

Für die NZZ bespricht Marion Löhndorf Alfons Kaisers Biografie über Karl Lagerfeld.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2021 - Design

Zumindest online und via Katalog kann man durch die Ausstellung "About Time: Fashion & Duration" des ans New Yorker Metropolitan Museum of Art angeschlossenen Costume Institutes schlendern, schreibt Katharina J. Cichosch in der taz. Im Fokus der Ausstellung steht "die Kontinuität des Wechsels" in der Mode. Zu sehen sind "geradezu Gegenentwürfe zu ästhetischer Zeitlosigkeit: Jedes ausgewählte Stück kennzeichnet einen hochspezifischen Entstehungszeitpunkt, eine präzise Markierung im Raum-Zeit-Kontinuum", wodurch sich interessante Gegenüberstellungen und Erkenntnisse ergeben, so dass es etwa eine Generation braucht, um vom Überdruss zum Revival zu kommen, "bis die ehemals abstoßenden, lächerlich geglaubten Formen, Farben und Sentiments wieder mit ihrer ursprünglichen Begehrlichkeit aufgeladen werden können. ... Denn auf die verführerische Kraft einer zeitlichen Dringlichkeit setzen ja inzwischen ganze Branchen." Die Met hat einen viertelstündigen Videogang durch die Ausstellung online gestellt:



Erfreut nimmt tazlerin Brigitte Werneburg zur Kenntnis, dass H&M derzeit nicht nur bei den Verpackungsmaterialien an der eigenen Ökobilanz arbeitet, sondern auch mit der Membership-Marke "Singular Society", die der Konzern gerade in Stockholm testet: Ein Abomodell soll hier Überproduktion und Sinnlos-Shopping einen Riegel vorschieben.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.12.2020 - Design

Donna Schons schreibt in der taz einen Nachruf auf den Modedesigner Pierre Cardin (weitere Nachrufe hier).
Stichwörter: Modedesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.12.2020 - Design

Der Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot. Mit seinen futuristischen Entwürfen "brachte er die Zukunft in die Mode", schreibt Marion Löhndorf in der NZZ. "Seine Kleider um- und verhüllten ihre Trägerinnen mit geraden oder symmetrischen, oft dreidimensional in den Raum ragenden Schnitten und starken geometrischen Mustern. Sie gaben den Körpern einen technologischen Zug. Ihr Ideal war, so wenigstens sah es von außen aus, die Maschine. ... Eine seiner wegweisenden Kollektionen trug 1964 den Titel 'Cosmocorps'. Plastikreifen und überdimensionale Capes, fluoreszierende Bodysuits und Hüte, die nur die Augen der Models freiließen, gehörten zu seinen Mode-Ideen, die er in Materialien wie Spandex und Plastik ausführen ließ."

Cardin war nicht zuletzt auch Geschäftsmann, ein Pionier des Prêt-à-Porter, schreibt Jan Kedves in der SZ: "Dass Mode etwas Elitäres haben muss, fand er gar nicht, im Gegenteil: Er erlaubte Firmen, sogar Bratpfannen mit seinem Signet zu verkaufen. Für ihn war das eine Demokratisierung der Mode und eine Beglückung der Menschen, die er aus Traditionen und Abhängigkeiten befreien wollte." So "entwarf er praktische Mode für die moderne, emanzipierte, berufstätige Frau, die um ihre Unabhängigkeit kämpft, die mobil ist, die Auto fährt. Das heißt: Leggins, Plexiglas-Visiere, minikurze Röcke. Elegant, aber nicht kompliziert." Das ZeitMagazin spendiert eine Bilderstrecke.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.12.2020 - Design

Freitag-Kritikerin Sonja Eismann erfährt in den Entwürfen des südafrikanisches Designers Thebe Magugu, wie sich Mode und Politik verbinden lassen. Magugu lässt sich dabei von Spioninnen inspirieren: Er schuf "Ensembles zwischen Funktionalität und Glamour", deren Fokus darauf liegt, sich bei voller Sichtbarkeit zu verbergen: "Unter den Entwürfen finden sich exakt geschnittene Anzüge, schwingend feminine Kleider und von den 90ern beeinflusste Streetstyles. Die politischen Fragen verstecken sich im Detail: Am Revers eines Jacketts schlängelt sich kaum erkennbar das Kabel eines Abhörmikros hoch, eine Ledertasche lässt sich nur mit Passwort öffnen, auf eine adrette weiße Bluse ist das Transkript eines Spionage-Geständnisses gedruckt, auf einem Parka verbindet sich die Grafik eines Lügendetektors mit dem Code eines Computer-Phishing-Virus."

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Die Handtasche sichert den Modeherstellern auch im Lockdown mit erhöhten Absatzzahlen den Umsatz, schreibt Marion Löhndorf, die sich für die NZZ im Victoria & Albert Museum in London eine Ausstellung zur Geschichte der Handtasche angesehen hat. Das Accessoire ist ein dankbares Spielfeld für Designideen, erfährt sie dort: Denn "anders als andere Gegenstände des Modedesigns umschließt sie den Körper nicht. Diese Eigenständigkeit lässt auch der Fantasie der Designer große Freiräume. Schon im 17. Jahrhundert ersonnen ihre Gestalter exotische und skurrile Formen, empfanden sie Muschelschalen, Ananas oder Blumenkörben nach. Bis heute gibt es sie, die schrägen Gebilde, kleinen Häusern oder anderen Gegenständen nachempfunden, in den Kollektionen von Anya Hindmarch oder Lulu Guinness."