Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2020 - Design

Donna Schons resümiert in der taz die Fashion Weeks der sich neigenden Corona-Saison. Die Stars und Player igelten sich auch ästhetisch ein, meint sie - Überraschungen weitgehend Fehlanzeige. "Weiche, fließend fallende Stoffe und Entwürfe wie Balenciagas Hotelpantoffel-Schuhe bedienten sich der Bildsprache einer anheimelnden Behaglichkeit ." Hinzu kommt noch die neue Lockdown-Streamingkultur, die auch in der Modewelt noch beschleunigt wurde: "Wozu noch Fotos auf Vogue Runway anschauen, wenn der HD-Livestream die besten Bilder liefert? Wozu von Werbegeldern weichgespülte Kritiken lesen, wenn Prada und Simons ihre Kollektion direkt im Anschluss an die Show selbst erläutern? Der Modejournalismus wird sich neu kalibrieren müssen, um seine Position als Konsekrationsinstanz beizubehalten."

Weitere Artikel: In der SZ schreibt Tanja Rest einen Nachruf auf den Modedesigner Kenzo Takada (weitere Nachrufe bereits hier). Außerdem bespricht Brigitte Werneburg in der taz Reiner Holzemers (allerdings erst ab 15. Oktober startenden) Kino-Dokumentarfilm über den enigmatischen Modedesigner Martin Margiela.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2020 - Design

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Der japanische, in Paris wirkende Modedesigner Kenzo Takada ist mit 81 Jahren an Covid-19 gestorben. "Seine Mode war stets bunt und fröhlich", erinnert sich Jürg Zbinden in der NZZ. Vor allem aber war er ein Rebell: "In den fünfziger Jahren war der Begriff 'Kreativität' in Japan absolut verpönt, noch absurder schien die Vorstellung von einem Mann, der Mode machen wollte. ... . Typisch Kenzo waren verspielte Blusen mit Puffärmeln, plissierte Haremshosen und fließende, mit floralen Mustern bedruckte Kimonos. 'Jungle Jap' war in aller Munde. 'Ich wollte die zwei Dinge zusammenbringen, die ich liebte, den Dschungel und Japan.' Und weiter: 'Als ich anfing, hatte ich Henri Rousseaus Gemälde 'Le Rêve' von 1910 vor Augen. Und es funktionierte.'" Bei ihm "trafen klassische Karos auf Kirschblütenmuster, folkloristische Elemente aus dem Orient oder Südamerika wurden als Patchwork verarbeitet", schreibt Carmen Böker im ZeitMagazin, die sich auch daran erinnert, dass Kenzo "seine Shows gern in Zirkuszelten gezeigt hat, und einmal ist er auf einem Elefanten in die Manege geritten." Seine Entwürfe waren "auf fröhliche Weise chaotisch und übergroß", schreibt Vanessa Friedman in der New York Times, wo sich auch noch ein Interview mit Kenzo aus dem Jahr 1972 findet.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.10.2020 - Design

Zsazsa Gabor als Jane Avril in dem Film "Moulin Rouge" von 1952. Kleid: Elsa Schiaparelli


Als Elsa Schiaparelli 1937 Pink zu ihrem Erkennungszeichen machte, galt die Farbe nicht als besonders mädchenhaft oder gar süß. Aber dann fiel Schiaparellis Wahl ja auch nicht auf pastelliges rosa, sondern eben auf - shocking pink. Was nicht nur toll, sondern auch klug war: "Mit diesem kräftigen Farbton hoben sich ihre Entwürfe von den zurückhaltenden Farbpaletten ab, die im Zweiten Weltkrieg die Mode übernommen hatten", schreibt Alyssa Kelly in Carine Roitfelds CR Fashion Book. "In Paris führte Schiaparellis wachsende Popularität dazu, dass sie 1952 als Kostümbildnerin für den Film 'Moulin Rouge' engagiert wurde und speziell das Kleid von Zsa Zsa Gabor für ihre Figur Jane Avril entwarf. Das Gespür der Designerin für Farben und avantgardistische Details machte sie zur idealen Wahl für Gabors Rolle als Sängerin in einem Nachtclub. Gekleidet in ein rosa-rotes Schiaparelli-Kleid, war sie eine Vision von unverkennbarer weiblicher Energie."

Der neue BMW 4


Männliche Energie geht anders. SZ-Kritiker Gerhard Matzig bekommt das Gruseln, wenn er in die Monsterfresse des neuen BMW guckt: "Als Studie ist die Kühlergrillwucherung seit der IAA bekannt. Geleakt wurden paparazzohafte Bilder im Frühjahr, offiziell vorgestellt wurde das Design im Juni - und jetzt erobert die BMW-Niere unseren Lebensraum. Das ist, wie man weiß, die Straße und also der Stau, wo auch schon Audi und Mercedes so gewaltbereit wie ratlos herumstehen. Der neue 4er wird von BMW raubtierhaft, auf Beute lauernd inszeniert. Er sagt, was sonst Greta Thunberg sagt: 'I want you to panic.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.09.2020 - Design

Ikea hat seine historischen Kataloge online gestellt und auch wenn das Angebot zu Beginn der Firmengeschichte selbst schon für damalige Verhältnisse altbacken gewirkt haben mag, kommt in den Folgejahren doch ziemlich Tempo in die Sache, staunt Andrea Diener in der FAZ: "Klickt man sich durch die Jahrzehnte, findet man einen wahren Schatz an Formen, die es neu aufzulegen lohnte. Der herrlich geschwungene Stuhl Winni etwa auf seinem grazilen Teakgestell, die Drehsessel der sechziger Jahre auf ihren Stahlfüßen oder die an den Klassiker von Louis Poulsen gemahnenden Küchenlampen mit ihren sich aufblätternden Glasschichten könnte man sich ohne weiteres auch in modernen Wohnungen vorstellen. ... Erste Designexperimente werden gewagt, etwa mit dem Sessel 'Bohem', einer eierförmigen Sitzgelegenheit auf dünnen Stahlrohrbeinchen, die laut Text 'ytterst bekväm' sei, was sich aus der reinen Anschauung nicht unbedingt erschließt."
Stichwörter: Ikea, Möbeldesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.09.2020 - Design

Screenshot aus einem KaDeWe-Proespekt



Mit ihrer taz-Kolumne, in der sie Polizisten eine generelle Berufsunfähigkeit attestiert, verdient Hengameh Yaghoobifarah sicher nicht so viel Geld. Besser läuft es für sie hoffentlich als Radical-Chic-Model fürs KaDeWe, hofft Hans Monath im Tagesspiegel: "Nun schmückt die Autorin nicht nur das Schaufenster, sondern posiert auch in einem Prospekt des Luxuskaufhauses mit Kleidung, deren Preis Durchschnittsverdiener wie Polizisten eher überfordern dürfte. Unter dem Foto, das die neue KaDeWe-Werbeikone in einem Sessel zeigt, stehen konsumentenfreundlich auch die Preise: 'Ledermantel Marni, 3.900 Euro. Ankle Boots By Far 459 Euro'." Yaghoobifarah stellt die Beteiligung an der Kampagne "als subversive Aktion dar", berichtet Susanne Lenz in der Berliner Zeitung. "Auf ihrem Instagram-Account schreibt sie, dass heutzutage nicht mal Luxuskaufhäuser vor kommunistischer Propaganda sicher seien." Aber Werbung bleibt es doch, denkt sich Lenz: "Der Kapitalismus lässt sich nicht so leicht austricksen."

Und noch ein anderes Radical-Chic-Plakat ziert im Moment in Berlin Plätze und U-Bahn-Stationen: Islam als Konsumoption, ein Angebot vom Zahlungsdienstleister KlarNa:

Radikalislamischer Schick auf dem Alexanderplatz. Foto: Paul Möllers

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.09.2020 - Design

Manuel Almeida Vergara unterhält sich für die FR mit Alfons Kaiser, der bei Recherchen für seine Biografie über Karl Lagerfeld auf Dokumente gestoßen ist, die belegen, dass die Eltern des Modedesigners beide NSDAP-Mitglieder waren. Insbesondere die Mutter sei anfangs glühende Anhängerin des Nationalsozialismus gewesen. Einschlägige Medien machen daraus bereits Sensationen, doch "das geht über jedes Maß hinaus. Sippenhaft habe ich gewiss nicht gefordert. Erst einmal geht es um die bloßen Tatsachen und ihren historischen Zusammenhang." Aber Lagerfeld war auch "sehr verbunden mit den Prinzipien seiner Mutter, die hinter ihrer nationalsozialistischen Begeisterung steckten: Fleiß, Pflichtbewusstsein, Treue, Ordnung, Sauberkeit. Für diese sogenannten Sekundärtugenden war er durchaus bekannt. ... Lagerfeld war ein Preuße in Dandy-Gestalt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.09.2020 - Design

RembrandtLAB - Constructing Colours, 2016, Studio Maarten Kolk & Guus Kusters. Photos: Filip Dujardin, © Design Museum Gent. Photos: Filip Dujardin, © Design Museum Gent


Anna Winston besucht für das Damn Magazine die Ausstellung "KleurEyck" im Designmuseum Gent, die der Frage nachgeht, wie der Maler Jan van Eyck mit Farben experimentierte und wie man diese Experimente heute für Design nutzen kann. Die Ausstellung geht von der großen van Eyck-Ausstellung im MSK aus und "läuft damit Amok, indem sie Van Eycks nuanciertes und technisches Verständnis für Farbe und Licht als Mittel benutzt, um zeitgenössisches Design und Forschungsprojekte zu sammeln und sie in einem neuen, kuratorischen Triptychon auszuspucken. 'Die Modernität Van Eycks liegt in der Beherrschung der arabischen Optik von Alhazen (dem ersten echten Wissenschaftler der Welt aus dem 11. Jahrhundert). Das von den Objekten reflektierte Licht liefert alle Informationen über die Beschaffenheit ihrer Oberfläche', erklärt KleurEyck-Kuratorin Siegrid Demyttenaere. 'Van Eycks lebendige Farbpalette ist ein direktes Ergebnis dieser Erkenntnis - er malte mit Licht. Wenn man sich die Arbeiten einiger zeitgenössischer Künstler und Designer anschaut, bemerkt man einige parallele Gedanken und Prozesse. Die Erforschung der Frage, wie und warum Farbe gesehen wird, die Vielfalt des Lichts, das in einer Farbe spielt und reflektiert, führt zu schönen Paletten.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.09.2020 - Design

In der NZZ trauert Paul Jandl mit dem Duftphilosophen Paul Divjak den Zeiten nach, als es noch exquisite Herrendüfte gab. Von der Selbstverwirklichung sei der Mann zuletzt ins "olfaktorische Nirwana" gestürzt, "ins Wannenbad des Unisex. ... Mit 'Bac' und 'Axe' hat sich die Idee des künstlichen Körpergeruchs demokratisiert. Die Düfte der Mode- und Luxushäuser sollten dagegen aristokratisch bleiben. Sie waren die feinstoffliche Entourage des Königs Mann, bis Ende der achtziger Jahre der Abstieg kam. Aus 'Davidoff Eau de Toilette' wurde 'Davidoff Cool Water', die 'epochenprägende Frischekonsenslegende'. Das Ende ungewaschener Männlichkeit. Und da stehen wir noch heute. Das haben wir sauber hingekriegt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.09.2020 - Design

Stephen Bayley schreibt im Guardian einen Nachruf auf den britischen Designer, Restaurantbetreiber und Museumsgründer Terence Conran: "Mehr als jeder andere trug er dazu bei, das materielle Leben in Großbritannen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verbessern. Die Flucht vor den Normen des vorstädtischen Lebens war seine beständige Inspiration - wie auch bei John Lennon und David Bowie auf ihre Weise." Außerdem bringt der Guardian eine Bilderstrecke.

Weiteres: Tobias Prüwer schreibt in der Jungle World über den Siegeszug des Kapuzenpullovers von der Sportbekleidung zur Alltagsmode. Außerdem bespricht Gabriele Detterer für die NZZ eine der Möbeldesignerin Gae Aulenti gewidmete Ausstellung im Vitra Design Museum.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2020 - Design

Warum um alles in der Welt werden Sneakers jetzt verstiefelt, fragt sich Tillmann Prüfer im ZeitMagazin: "Bekennen wir uns dazu, dass wir alle Alltagskämpfer werden wollen? Ist das ein Vorgeschmack auf die Wirtschaftskrise und die drohenden härteren Zeiten? Mag sein. Möglicherweise haben die Menschen aber auch einfach genug davon, sich ihre Knöchel an Tischbeinen und Türkanten anzuhauen."

Weiteres: Einen ziemlich verspäteten Nachruf auf die bereits Anfang des Jahres verstorbene Tabea Blumenschein schreibt Oliver Koerner von Gustorf in der taz. Anlass dazu bietet ihm eine Ausstellung im Berliner Conceptstore Townes mit Artefakten aus Blumenscheins Nachlass.