Teil eines Frauenmieders, Frankreich, um 1735, Seiden-und Silberstickerei auf Seide. Foto: Esther HoyerMode war immer schon multikulti, lernt ein begeisterter Andreas Platthaus (FAZ) der im Grassimuseum in Leipzig auf 1500 Jahre Stickerei blickt. Und sie hat Traditionslinien, die durch die Jahrhunderte reichen: "Das Ausstellungsarrangement der Textilien nach Materialien und Stilen ist bezwingend, und wenn in einem Dunkelkabinett zwei schwarze Abendroben - eine von 1910, eine von 2014 - mit Silberpailletten beziehungsweise modernen LED-Lämpchen Restlichtakzente setzen, sieht man auch, dass eine Formulierung wie 'zeitlose Eleganz' kein leeres Gerede ist: Was sich geändert hat, ist bloß die Technik. Und selbst die nicht zwingend: Mit der in Litauen geborenen Jurate Ridziauskaite ist eine Leipziger Stickkünstlerin vertreten, die ihre Einstecktücher und Röcke traditionell fertigt: aber mit göttlich spöttischen Botschaften."
Kein Stahlrohr hier: der Armlehnstuhl Modell 41 "Paimio" 1932 aus Birke von Alvar Aalto und O.Y. Huonekalu-ja. Foto: Iiro Muttilainen
Das Bröhan-Museum in Berlin zeigt in einer Ausstellung "Nordic Design" als Antwort aufs Bauhaus. Etwas mehr Hygge wünschte man sich in Nordeuropa angesichts der Stahlrohrstühle, notiert Simone Reber im Tagesspiegel. "Eine kleine Sensation stellt das Krankenzimmer dar, das der finnische Stararchitekt Alvar Aalto gemeinsam mit seiner Frau Aino entworfen hat. ... Das Gebäude schlängelt sich schwungvoll durch die Landschaft, alle Zimmer sind nach Süden ausgerichtet. Die Inneneinrichtung sollte das 'Salz in der Suppe' werden. Als Alvar Aalto selbst krank war, stellte er fest, wie die Patienten ihr Zimmer im Liegen wahrnehmen, dass sie nämlich zuerst an die Decke schauen. Die Zimmerdecke ist deshalb in ruhigem Graugrün gestrichen, das Bettgestell aus lackiertem Stahlrohr freundlich gerundet. Selbst das Waschbecken ist so geformt, dass es die Ruhe nicht stört, der Wasserstrahl soll kaum zu hören sein."
Dass ein Dresdner Busfahrer seine Kundschaft mit einem Papieraushang an seinem Gefährt ungefragt davon in Kenntnis setzt, deutscher Staatsangehörigkeit zu sein, ist an sich schon ziemlich dümmlich. Dass er für den Schrieb auf die vermeintlich besonders teutonische Schriftart "Old English" zurückgegriffen hat, weist ihn aber endgültig als Tölpel aus, amüsiert sich Matthias Heine in der Welt. "Die Typografie wäre für einen nationalstolzen englischen Fahrer angemessen. Bei einem Deutschen ist er einfach nur ein Fehlgriff. Die Old English ist in Deutschland nie in Gebrauch gewesen, bevor in den vergangenen Jahrzehnten Skinheads, Metal-Fans und Gefängnisinsassen sie für ihre Tätowierungen und Plattencover lieb gewannen."
John Galliano für Christian Dior: Haute-Couture-Kollektion Herbst/Winter 2000-2001. Foto: Guy Marineau / FIT In der Ausstellung "Paris, Capital of Fashion" im New Yorker Museum at FIT musste sich Angelica Frey kurz mit der Ökonomie beschäftigen, dann konnte sie sich ganz der Feier Pariser Couture überlassen, wie sie in Hyperallergicschwärmt: "Wenn man die wie ein Sanktuarium abgeschiedene Hauptgalerie betritt, fühlt man sich wie in einem Film von Sophie Coppola oder Baz Luhrmann, man erkennt in der Mode und ihrer visuellen Kultur das Erbe des französischen Hofes. Einige Kleider aus der Zeit von Versailles stehen Kostümen aus den dreißiger Jahren gegenüber, Hosenanzüge für Frauen von Nicolas Ghesquiere und einem Kleid von John Galliano für die Herbstkollektion 2000/2001. 'Freud oder Fetisch' betitelt stand die Kollektion ganz im Zeichen von Fetischismus und Exzess, ein Hinweis auf die französische Aristokratie in ihre Blüte und ihrem Niedergang.""
Die Lederhose erlebt ein Comeback, fällt Tillmann Prüfer vom ZeitMagazin auf. Eigentlich verwunderlich, schließlich steht die Lederhose nicht unbedingt für modischen Feingeist, sondern eher für derbe Arbeiten und ausgestelltes Rebellentum. "Vielleicht befinden wir uns also erneut am Anfang einer Ära der Rebellen und Widerborstigen? Es wäre wünschenswert. Denn die Lederhose ist - wenn man moralisch darüber hinwegkommt, dass sie aus der Haut eines Tieres besteht - die nachhaltigste Hose überhaupt. Sie ist kaum kaputtzubekommen und hält ewig. Man muss sich eigentlich nie wieder eine Hose kaufen. Etwas Besseres kann man als umweltbewusster Träger von Kleidung kaum tun."
Marc Zitzmann hat für die FAZ die Ausstellung von Hüten und Kopfbedeckungenim Musée des Confluences in Lyon besucht und staunt: eine Menschheit, aber so viele verschiedene Kopfbedeckungen. "Schon naht eine erste Gruppe. Sind es Hüte oder nicht eher Perücken? Ihre rundlichen Konturen zeichnen jene der Schädeldecke nach, ihre feinen Flechten, frei herabhängend oder zu Arabesken gefügt, evozieren Naturhaar. Doch bestehen diese zentralafrikanischen Kopfbedeckungen aus Pflanzenfasern, wohingegen zwei baskenmützenähnliche Gebilde nahebei fast in Gänze aus Menschenhaar gefertigt sind. Die größere haben Papua an beiden Schläfen mit gänseblümchenartigen Trockenblumen gespickt. Sie beschwört das Bild eines koketten Witwers herauf, der am Ende seines Lebens noch einmal den Kopfschmuck aus den Paradiesvogeltagen der Brautwerbung aufs schüttere Haupt setzt, zahnlos in den Dschungel hinein lächelnd."
Otto Prutscher: Warmwasserbecken im Dianabad, Wien, 1913. Archivio Famiglia, Mailand
Laura Weißmüller freut sich in der SZ über eine Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst, die den Gestalter Otto Prutscher in sein Recht setzt. Wie Weißmüller erklärt, gehörte Prutscher zur zweiten Generation der Wiener Moderne, er entwarf vom Palmenkübel bis zum Teeservice einfach alles, ohne sich dabei auf einen bestimmten Stil festzulegen: "Bis hin zu kompletten Innenräumen, etwa dem Warmwasserbeckenraum im Dianabad und den mondänen Interieurs des Cafés Imperial, des Feinkostgeschäfts Piccini oder der Apotheke 'Zum goldenen Adler'. Vermutlich ist es also nicht übertrieben zu behaupten, dass sich ein bürgerliches Leben im Wien der Zehner- bis Dreißigerjahre zu großen Teilen in Entwürfen von Otto Prutscher abspielte."
Verteilt Ohrfeigen: Helena Christensen als Baronesse. Image from Baroness by Sarah Baker, starring Helena Christensen
Bei AnOthererzählt Matthew Holroyd von Produktion der neuen Ausgabe des Magazines Baroness, eine Art erotisches Kunstmagazin, das er zusammen mit Chefredakteurin Isabella Burley herausgibt. In der neuen Ausgabe geht es um machtvolle Frauen, die mal keine Zicken sind, sondern zusammenarbeiten: "An diesem heißen Sommertag steht vor mir, umgeben von fitnessgestählten männlichen Assistenten, die alle schwarz gekleidet sind und ihre Tasche, ihr Telefon und ihre Wasserflasche tragen, die Quelle unserer Inspiration - Donatella Versace. 'Schlag ihn, Helena, komm schon', ruft sie. Wir fotografieren die nächste Ausgabe von Baroness, deren Gastredakteurin Donatella ist. Das Buch ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Performancekünstlerin Sarah Baker, die einen kecken romantischen Roman im Jackie-Collins-Stil geschrieben hat, der von Fotos begleitet wird. Dem turbulenten Leben von fünf unerhörten Charakteren folgend, beginnt er damit, dass die amerikanische Musikmogulin Angelina ein unerwünschtes Weihnachtsgeschenk erhält und so versehentlich eine schmutzige Geschichte über verworrene Lügen und Verrat eröffnet. Alles steht auf dem Spiel: Angelina's Freiheit, die Loyalität ihrer Tochter, ihre Freundschaft mit der Baronin und - am schlimmsten - die Tantiemen aus ihrer Hitsingle 'Spritz Me with Your Love'."
Marina Razumovskaya kann es in der tazkaum fassen, dass sie Inès de la Fressange über den Weg gelaufen ist, deren Gesicht in den Achtzigern wie kein zweites für Chanel stand und die heute Mode designt und über Mode schreibt - "Pariser Chic" ist das Stichwort und in Inès de la Fressanges Händen wird das "eine sehr erreichbare Wirklichkeit: dieses leicht Klassische, mit lässiger Haltung und Ironie, die nicht alles nach außen zeigt, ein kleines Geheimnis bewahrt, nicht ganz fertig und nie perfekt ist. Wenn Inès den Chic der Pariserin in sechs Eigenschaften zusammenfasst, dann ist gleich die zweite: 'Sie meidet Komplettausstattung'. Denn das Zauberwort heißt: Kombiniere! Mach was aus den einfachsten Sachen! ... Über die Pariserin heißt es bei Inès: 'Ihre Garderobe ist eine gekonnte Mischung aus 'günstigen' Stücken, Reiseerrungenschaften und einigen Luxusartikeln.'"
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Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen Nadim Suri erzählt von den Lieben seines Lebens. Wie er in Damaskus als Sohn eines christlichen Syrers und einer deutsch-jüdischen Mutter aufwuchs. Wie er als junger Mann…
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