Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.02.2020 - Design

Das Modedesign hat auf der verzweifelten Suche nach einen bisschen Rest-Distinktion die von nutzlosen Ornamenten durchsetzte Ästhetik des Ramschs für sich entdeckt, erklärt tazlerin Katharina J. Cichosch, die sich beim Anblick mancher aktuellen Kollektion wieder in jene Zeit zurückversetzt sieht, als Mutti die Kleidung mangels finanzieller Mittel aus dem Wühlkorb holte: "Manche Farbschöpfungen der letzten ein, zwei Jahre erschienen tatsächlich als regelrechter Verzweiflungsschrei im Textildickicht: ungesund schimmerndes Orange und ätzendes Grün, kaum knallig genug, um jemals Neon gewesen zu sein, das jegliche Aussicht, irgendwann einmal ernst zu nehmender Trend zu werden, schon mit dem Eintritt in die Warenwelt selbst zu Grabe getragen hat." Doch wenn im Zuge fortlaufender ironischer Manöver "alles nur noch eine endlose Reihung von Insider-Jokes bleibt und nichts eine gewisse Durchschlagskraft erreicht, spricht man dann überhaupt noch von Mode? "

Dazu passend stellt Patrick Wagner die Arbeiten des Modedesigners Jonny Banger vor, der sich schamlos bei den Logos und Designs anderer Marken bedient, seine Entwürfe dann für Schleuderpreise auf den Markt wirft und sich damit bislang erstaunlich wenig Probleme eingehandelt hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2020 - Design

Der finnische Werkzeughersteller Fiskars hat seine erste Modekollektion herausgebracht: Streetwear, die sich auch gut fürs Arbeiten im Garten eignet, erzählt Jennifer Hahn in Dezeen. "Die 11-teilige Kollektion wurde von Maria Korkeila, Absolventin der Aalto Universität, entworfen und diesen Monat bei den Herrenmodeschauen in Florenz präsentiert. Sie bietet multifunktionale Unisex-Mode und Accessoires, darunter eine Jacke mit stechsicheren Taschen, deren Ärmel, Saum und Kapuze abnehmbar sind, um sie in eine Weste zu verwandeln, oder einen Werkzeuggürtel, der sich in eine Gürteltasche verwandeln lässt. 'Wenn man sich die Produkte von Fiskars anschaut, dann sind sie poliert, stromlinienförmig und hochfunktionell, ohne irgendein schischi', sagte Korkeila zu Dezeen. 'Manchmal sind sie sogar futuristisch, aber gleichzeitig vertraut, verwurzelt in Tradition und Geschichte. Sie sind zeitlos, progressiv und traditionell zugleich. Ich wollte diese Idee aufgreifen und in Kleidung umsetzen."
Stichwörter: Streetwear, Kleidung, Florenz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2020 - Design

In der NZZ bespricht Oliver Herwig die Ingo-Maurer-Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne (mehr dazu bereits hier).
Stichwörter: Maurer, Ingo, Lichtdesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2020 - Design

Raumteiler von Schönbuch
Max Scharnigg hat für die SZ die Kölner Möbelmesse besucht, die sich noch vom Bauhausjahr erholen muss. Also: weniger Aussteller, weniger Käufer. Schöne Designs findet Scharnigg dennoch. Und einen Trend zu Möbeln für kleine Räume, die multifunktional sein müssen: "Was heute noch Platz in den beengten Räumen beansprucht, muss sein Dasein mehrfach rechtfertigen. So kann es auch geschehen, dass ein Hersteller wie Schönbuch - aus dem hintersten Franken und Experte für Diele und Garderobe - zum umschwärmten Fixpunkt wird. Wer schon immer raffiniert kleinste Grundrisse einrichtete, hat in Zeiten akuter Raumknappheit eben einen echten Wissensvorsprung."

Stefan Rebenich besucht für die FAZ den Heidelberger Garten von Max Weberl, denn: "Ohne die großartige Inszenierung der Natur, die künstlerische Ausgestaltung des Gartens und die intentionale Erinnerung an seine soziale Funktion wäre der spätere Mythos um den legendären Sonntagskreis nicht denkbar."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.01.2020 - Design

"Berlin wird langsam zum Hauptort für Streetwear und Nachhaltigkeit", verkündet unverdrossen tazlerin Marina Razumovskaya zu Beginn der Berlin Fashion Week: "Spektakuläre Shows sind inzwischen nur ein kleiner Teil der Fashion-Week-Miete. Immer wichtiger werden die Messen und Konferenzen." Bei der Konferenz "Neonyt Fashion Sustain" etwa "werden sich industrielle Akteure über technologische Innovationen, nachhaltige Techniken und Marktstrategien austauschen. ... Dort sollen dann auch so futuristisch-wissenschaftliche Dinge diskutiert werden wie: 'Future Infrastructures for Circularity', also Verkehrswege für die Kreislaufwirtschaft; oder: 'How to Detox an Industry - looking back and looking forward', also Methoden, wie man die Kleidungsindustrie entgiftet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2020 - Design

Ein wenig erschöpft kommt Katharina Rustler (Standard) aus der großen Thonet-Ausstellung im Wiener Mak, die ihr nur wenige Überraschungen bietet: "Der Schaukelstuhl Erlkönig zum Beispiel, den Sessel in Form eines Schuhs von Birgit Jürgenssen oder der eines Kleiderständers von Uta Belina Waeger durchbrechen die irgendwann ermüdende Abfolge von Sitzmöbeln."
Stichwörter: Thonet

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2020 - Design

Ein Bol für die königliche Milch: der Bol Sein von Jean-Jacques Lagrenée le Jeune und Louis-Simon Boizot
Bettina Wohlfarth hat für die FAZ die französische Porzellanmanufaktur in Sèvres besucht, wo derzeit der Keramiker und Glasurkünstler Emmanuel Boos für mehrere Jahre residiert, um mit der Werkstatt neue Designs auszuprobieren: "Das Museum zeigt, angefangen bei der Prähistorie, Keramik aus aller Welt, vor allem aber die eigene Geschichte bis hin zu den jüngsten Werken. Hier sind die legendären Sèvres-Werke zu sehen - wie der 'Bol-sein' auf seinem mit Ziegenköpfchen dekorierten Dreifuß, ein Geschenk von Ludwig XVI. an Marie-Antoinette. Angeblich wurde die von Jean-Jacques Lagrenée entworfene 'Busenschale' von deren Brüsten abgeformt; die Königin trank daraus ihre Morgenmilch."

Außerdem: Angela Schader verteidigt in der NZZ die weibliche Handtasche gegen ihre Kritiker.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2020 - Design

Erst nostalgische Instagram-Filter, dann für die Onlinekommunikation förderliche Stromlinienförmigkeit: Donna Schons resümiert in der taz das zurückliegende Designjahrzehnt. Insbesondere mit dem Siegeszug der Kardashian-Promis ging ein besonders wegweisender Trend einher, fällt ihr dabei auf: "Die Kardashians verheimlichen niemals die Anstrengungen und die Konstruiertheit, die ihrer Schönheit zugrunde liegt. ... 'Faking beauty meant keeping the falsification a secret', schreibt die Modekritikerin Natasha Stagg über die Prä-Kardashian-Ära. In den 2010ern, die von konstanter Transformation und Selbstoptimierung geprägt waren, wurde diese Regel hinfällig. Als besonders geeignet für die Zurschaustellung des sorgsam geformten Körpers und des ihm zugrundeliegenden Arbeitsethos erwies sich der Athleisure-Trend, der eng anliegende Sportbekleidung als Alltagsbekleidung zweckentfremdete und so eine ständige Bereitschaft zur körperlichen Betätigung suggerierte."

Außerdem bespricht Brigitte Werneburg einen Band mit Peter Lindberghs Fotografien französischer Mode im New Yorker Stadtbild.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2020 - Design

Viel zu viel zu viel Design "ergießt sich gerade über die Dinge, Städte und Dörfer", ärgert sich Niklas Maak in der FAZ, der beim Besuch eines ungestaltet-urwüchsigen französischen Dorfes nostalgischen Schmerz fühlt, wenn er ans Design der Gegenwart denkt, das sich bunt und zeitgemäß gibt, in Wahrheit aber der Verschleierung eines Überwachungsapparates diene: "Per Design wird die Gesellschaft umgebaut. In vielen Städten werden Aufläufe wie in Hongkong in Zukunft schwierig, weil alle öffentlichen Plätze mit laternenförmig verpackten Kameraaugen und Stadtmobiliar verstellt sind. ... Das Ideal, das die neuen Stadtmöbel in Szene setzen, ist der relaxte, nicht der politisch wache, aktive Bürger. Was nicht heißt, dass Design immer Herrschaftsinstrument sein muss. Designer könnten Objekte zur Irritation der Gesichtserkennungsprogramme, Sperren gegen das Absaugen von Daten, Abwehrhüllen gegen Alexa erfinden - Dinge, die die Freiheit ihrer Benutzer gegen die Ordnungsvisionen verteidigen, die sich im Namen von Ökologie, Komfort und Sicherheit und unter dem Mantel wüster Designkapriolen immer weiter ausbreiten."

Für die NZZ hat Katja Müller die senegalesische Modedesignerin Diarra Bousso in Dakar besucht, die für ihre Arbeit auf mathematische Formeln zurückgreift: "Die grafische Darstellung der Gleichung ergibt ein Muster, von dem verschiedene Versionen mithilfe von Algorithmen ermittelt werden. Anschließend werden die Dessins von Diarra Bousso farblich gestaltet." Entsprechend "bezeichnet sich Bousso nicht als Modedesignerin, sondern als kreative Mathematikerin".

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Turning Math into Art 💙 Swipe to see how our WALO print was created with Math equations #diarrablu #fashiontech #diarrablumath #madeinsenegal #bloomingdales #sanfrancisco

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.01.2020 - Design

Auf Hyperallergic stellt Jen Hyde die Kostümhistorikerin Bernadette Banner vor, die auf Youtube-Videos alte Nähtechniken erklärt. "Banner works in 'Original Practice,' the art of constructing historical garments using, as much as possible, the exact methods of the time. It draws on a combination of evidence and guesswork - and, of course, slowing down. Banner tells me that 'by putting yourself in the position and having the same experience potentially, you can get a lot more of a sensory idea of what things would have been like' in that period." Hier spricht sie über viktorianische Korsetts:



Außerdem: Laura Weißmüller schreibt in der SZ einen Nachruf auf Florian Hufnagl, den langjährigen Leiter der Neuen Sammlung in München, dem heutigen Design Museum. Dieser "besaß die meisterliche Fähigkeit, die schier unbegreifliche Vielfalt von Design dingfest zu machen, als Ausdruck des menschlichen Gestaltungswillen, der bitteschön mehr umfasst als nur das Produkt".