Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2019 - Design

Die Ausstellung "Moderne Maharjah" im Muśee des Arts Décoratifs porträtiert Prinz Yeshwant Rao Holkar als einen Mäzen der 30er Jahre. Eckart Muthesius' für den Privatpalast "Manik Bagh" gestaltete Architektur und Möbel spielen hierbei eine zentrale Rolle, berichtet Rolf Brockschmidt im Tagesspiegel. Zu sehen gibt es auch den legendären "roten Sessel", in desen Korpus Leselampen und Aschenbecher versenkt sind. Auch "'Sally', der ledergepolsterte Esszimmerstuhl mit Kristallspiegeln auf den Beinen sowie der Teewagen 'Tiwary' gehören zu den Schmuckstücken der Kollektion: 'Manik Bagh' war ein einzigartiges Art-Déco-Gesamtkunstwerk, das es in dieser Art in Indien nur einmal gibt. Eckhart Muthesius hatte daran einen entscheidenden Anteil. Es wäre Zeit, ihm in seiner Heimatstadt Berlin eine Ausstellung zu widmen." Um dies zu unterstreichen, hat der Tagesspiegel außerdem Rolf Brockschmidts Bericht seines Besuchs bei Muthesius aus dem Jahr 1989 online gestellt.

Verwundert flaniert Tagesspiegel-Kritikerin Birgit Rieger durch die große Auto-Ausstellung des V&A Museums in London: Für eine solche ist gerade "ein merkwürdiger Zeitpunkt. ... Das Auto droht, uncool zu werden. Kurz bevor wir es nicht mehr selbst steuern und das Gefährt in Hochgeschwindigkeitsröhren verschwindet, werden nochmal Heckflossen und Chromleisten gefeiert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2019 - Design

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein befasst sich in einer aktuellen Ausstellung mit dem Verhältnis von Design und Surrealismus, schreibt Jens Müller im Tagesspiegel, der sich einfach schon mal vorab über den feministischen Shitstorm empört, der sich bislang zwar noch nicht eingestellt hat, der sich seiner Ansicht nach aber ja wohl einstellen müsse, damit man damit abrechnen kann, schließlich gibt es hier auch Allen Jones' "Chair" von 1969 zu sehen, der einer Frau nachempfunden ist, auf die man sich somit setzen kann. "Man denke nur an das Gedöns, das um ein anderes Sitzmöbel mit weiblichen Rundungen, ebenfalls dem Grenzbereich zwischen Kunst und Design zuzuordnen und auch aus jenem offenbar notorischen Jahr 1969, in diesem Jahr 2019 bereits gemacht wurde. Als der italienische Designer Gaetano Pesce eine übergroße, zudem mit Pfeilen gespickte Variante seines Sesselklassikers 'Up' vor den Mailänder Dom stellte, rief das sogleich eine Frauenrechtsgruppe auf den Plan. Auf den Gedanken, dass Pesce möglicherweise ins gleiche - feministische - Horn stieß wie sie, nur eben mit dem altgedienten Mittel der Ironie, wollten die Aktivistinnen partout nicht kommen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2019 - Design

Tokio hat sich für die Paralympischen Spiele im Sommer 2020 im für das Stadtdesign viel vorgenommen, berichtet Oliver Herwig in der NZZ: Die Metropole will möglichst barrierefrei mit ihren Gästen kommunizieren und setzt dafür auf möglichst glasklare Kommunikationsstrategien, die auch für möglichst viele Menschen mit Einschränkungen funktionieren soll. "Japanischer Perfektionismus hat zwei Silben: Kanban. Das Prinzip der steten Verbesserung führten erst Automobilunternehmen ein, nun kehrt es als Gestaltungsprinzip wieder. Wenn Japaner etwas machen, machen sie es eben richtig. Sie arbeiten sogar schon an der nächsten Generation von Orientierungssystemen: Apps, die Blinden und Rollstuhlnutzern vor Ort die jeweils besten Routen anzeigen. Junko Ushiyma, Senior Engineer bei Hitachi, zeigte, wie Handys vor Hindernissen vibrieren oder kontextbezogene Sprachhinweise geben. Das setzt enorme Datenmengen und aktualisierte Karten voraus - ein gewaltiges Investment in eine 'augmented reality', die ihren Namen tatsächlich verdient - als Verbesserung für alle."

Besprochen wird die Ausstellung "Cars" im V&A Museum in London (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2019 - Design

Sabine von Fischer wirft für die NZZ einen Blick ins Programm in die Zürcher Designmesse Blickfang.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2019 - Design

Vogue-Ausstellung in der Villa Stuck. Foto vom Blog der Villa


Annegret Erhard hat für die taz die Ausstellung im Museum Villa Stuck in München besucht, mit der die deutsche Vogue ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Dort kann man nicht nur der Redaktion - oder deren Reste - beim Arbeiten zusehen, sondern auch in einem Parforce-Ritt durch die Geschichte des Magazins schreiten. "Eifrig und beliebig zugleich wird so der Zusammenhang von Kunst, Mode und dem Magazin hergestellt - und queer gleich mal mit abgehandelt. Und wenn es dann weitergeht mit der großen Selbstbezichtigungstafel, auf der die bösen Zahlen der Modeindustrie aufgelistet sind (...), verstehen wir auch den selten dämlichen Titel der Ausstellung: 'Ist das Mode oder kann das weg?!'" Die Vogue selbst hat dazu - natürlich - eine Strecke.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2019 - Design

Ingo Maurer und Team, Ringelpiez, 2017. Foto: Tom Vack
Die ganze Schaffenskraft des kürzlich verstorbenen Lichtgestalters Ingo Maurer erlebt Gerhard Matzig in der SZ noch einmal in der vom Künstler noch selbst mitgestalteten Retrospektive in der Münchner Pinakothek der Moderne, die auch dessen Yves-Klein-Hommage zeigt: "Zu sehen ist Yves Klein bei seinem legendären 'Sprung in die Leere'. Nur mit der Fußspitze berührt 'Remember Yves' (2007) die Wand. Genau an diesem Fußpunkt eines statisch tollkühn erscheinenden Augenblicks gefrorener Dynamik entwickelt sich der nur von einer kleinen Leuchte erzeugte, flächige Schatten der dreidimensionalen Figur, um zum eigentlichen Werk zu werden: zum Schatten, der vom Licht so erzählt, sodass daraus letztlich Architektur wird. 'Und umgekehrt.' Die Yves-Hommage ist eine typische Arbeit für Maurer. Etwas Kunst, etwas Design, etwas Architektur, wenig Licht, viel Schatten, ein Witz, eine Philosophie, eine Lakonie, eine Perfektion, ein Körper, eine Fläche, Dynamik und Statik, Ambivalenz und Paradoxie - und die Komplexität des Einfachen."
Stichwörter: Maurer, Ingo

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2019 - Design

Der Modedesigner Ralph Lauren (Bild: HBO)

Susan Lacys für HBO entstandene Dokumentation "Very Ralph" über den amerikanischen Modedesigner Ralph Lauren wirft sich ein bisschen sehr demütig vor seinem Sujet in den Staub, meint Carmen Böker auf ZeitOnline: Der Film "zeichnet ein halbes Jahrhundert Modeunternehmertum nach - von dem, der 'am besten amerikanische Mode in der Welt verkörpert'. So erklärt es zumindest Karl Lagerfeld, der in dem Film kurz vor seinem Tod im Februar 2019 als einer von vielen A-Ligisten der Branche zu sehen ist. Wie sich amerikanische Mode, deren Inspiration primär aus der Sachlichkeit der Sportbekleidung stammt, von der europäischen unterscheidet, die auf sehr viel ältere Traditionen und Trachten und auch Aneignungen verweist: Das wäre spannend gewesen. Nur fällt 'Very Ralph' so monochrom bewundernd aus, als sei es ein Imagefilm des Unternehmens."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.11.2019 - Design

Chopine, Venedig, Italien, um 1600 und Plateauschuh, Towers, Buffalo, Wiesbaden, 1996 © DLM, M. Özkilinc


Katharina Rudolph besucht für die FAZ im Deutschen Ledermuseum in Offenbach eine Ausstellung mit Schuhen aus 2000 Jahren Geschichte und lernt: der Absatz am Schuh war ursprünglich für den Mann gedacht, damit er sich im Steigbügel festhaken konnte und nicht vom Sattel fiel. "Ende des sechzehnten Jahrhunderts wanderte er dann in die westliche Mode, wo er im Barock und Rokoko, gefertigt aus Holz, Kork oder gestapelten Lederplättchen, zum zentralen Merkmal der höfischen Schuhbekleidung avancierte und von Männern, bald aber auch von Frauen und Kindern getragen wurde. Um Rang und Status zur Schau zu stellen, versah man die Schuhe mit opulenten, austauschbaren Schnallen und exquisiten Materialien wie Edelsteinen, feinem Leder, Seide oder Brokat. Als dann jedoch in der Französische Revolution die Bürger auf die Barrikaden gingen, war die Protzerei einstweilen vorbei: Hohe Absätze wurden, ebenso wie Schnallen, verboten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2019 - Design

José Hendo, Signs of the Now, 2019, © Terimelda Hendo / Kunstgewerbe-museum Berlin

Noch bis zum 1. Dezember ist im Berliner Kunstgewerbemuseum "Connecting Afro Futures" zu sehen, eine für SZ-Kritiker Jonathan Fischer vielleicht ein wenig zu großspurig betitelte, in ihrer Vielstimmigkeit und mit ihrer Aufbruchsstimmung aber sehr reizvolle kleine Ausstellung über Gegenwartspositionen im afrikanischen Modedesign. Der Fokus liegt dabei auf den Hotspots in Dakar und Kampala. Die exil-ugandische Designerin José Hendo "nimmt Insignien europäischer Haute-Couture auf. Nur verändert sie das Material radikal: Sie fertigt ihre Kleider aus traditionellem Baumrindenstoff. Er ist nicht nur einer der ältesten Stoffe der Menschheit. Lange war es ein Vorrecht des ugandischen Königshauses, dieses Material zu tragen, bis es - zugunsten billiger Second-Hand-Importe aus Europa - in Vergessenheit geriet. Hendos Kollektion veranschaulicht ein häufig beschworenes Credo: dass die Zukunft Afrikas aus der Vergangenheit lebt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.11.2019 - Design

Susanne Koeberle probiert für die NZZ Patrik Künzlers "Limbic Chair" aus, der "gesund und glücklich zugleich machen soll" und gerade beim Schweizer Designpreis in der Kategorie "Furniture-Design" ausgezeichnet wurde. Das Möbel sieht, ehrlich gesagt, nicht gar so einladend aus. Aber "Ausgangspunkt für Künzlers Idee, Neurologie und Design zu verbinden, war, ein Designobjekt zu entwickeln, das sich positiv auf unsere Emotionen auswirkt. Design vom Gehirn aus gedacht und nicht von der Funktion her: 'form follows emotion' also statt 'form follows function'. Es folgten mehrere Prototypen und unzählige Testversuche am MIT, bezüglich der ergonomischen Form ebenso wie der Materialisierung des Stuhls. 'Der Gesichtsausdruck von Probanden, die, kaum auf dem Stuhl, ein Lächeln zeigten und beim Ausprobieren des Objekts quasi zu Kindern wurden, waren für mich der Antrieb weiterzumachen.'" Im TED-Talk stellt Künzler das Objekt vor: