Über diesen Coup staunen die Feuilletons nicht schlecht: Erstmals überhaupt wird der Modedesignerin
Jil Sander eine große Ausstellung gewidmet - und nicht etwa in New York, sondern in Frankfurt am Main, wo das
Museum Angewandte Kunst überdies seine ganze Fläche von 3000 Quadratmetern geräumt und zur Verfügung gestellt hat.
FAZ-Kritikerin Verena Lueken fühlt sich bei Betritt des Hauses dann auch gleich "dem Alltag enthoben" - Sanders Werk charakterisiert sie als "
fluide in nahezu jeder Hinsicht - zwischen den Jahrzehnten, den Geschlechtern, den Moden. Ein Werk, das Kleidung nicht nur an Körpern entwirft, sondern auch den Raum einbezieht, in dem sie getragen wird. Das also
Architektur mitdenkt. Und das, im Design minimalistisch, vermeintlich unterkühlt, ornamentlos eine Stimmung erzeugt, die eine ganz eigene Sinnlichkeit atmet,
eine Art sinnlicher Intelligenz."
"Spannend" werde die Ausstellung dementsprechend auch immer dann, wenn "es um die Konstruktion, um
die Grundfeste der Kleidung geht",
erklärt Manuel Almeida Vergara in der
FR. So "hängen überdimensionale Schnittmuster an den Wänden, Kreidelinien zeichnen an einem Jackett formgebende Nähte nach. Hinter Glas liegt, was für Jil Sanders Mode immer am wertvollsten war: Konzepte, Stimmungskollagen und Stoffproben, eine
intensive Forschung am Material."