IndieWiremeldet unter Rückgriff auf eine Pressemitteilung des Filmjournalisten Mansour Jahani, dass JafarPanahi, der sich gerade in den USA aufhält, im Iran in Abwesenheit zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Ausreiseverbot verurteilt wurde. Vorgeworfen werden dem international preisgekrönten iranischen Autorenfilmer mal wieder diffuse "Propaganda-Aktivitäten" gegen die politische Führung Irans.
Kirk Morris, ein Körper wie ein Keil: "Sansone contra i Pirati" begeistert auch im Standgas Das Team von critic.desendet Notizen vom Karacho-Filmfestival, das in Nürnberg ausgesuchte Preziosen aus dem Fundus des Actionfilms von historischen 35mm-Kopien zeigt. Auch der italienische, "Peplum" genannte Sandalen- und Muskelfilm nach Herkules-Manier wurde dabei in Form von TanioBoccias (im Genre an sich eher zweit- bis drittklassigem) "Sansone contra i Pirati" gewürdigt, der sich durch Action gerade nicht auszeichnet, wie Tilman Schumacher dennoch ganz bezaubert berichtet: "Unverhofft sehen wir so etwas wie die James-Benning-VarianteeinesPeplum. ... Das Scopebild steht statisch und gibt einen Waldweg preis. Überaus gemächlich ziehen Figuren von links nach rechts hindurch. ... So einen Einschub von Slow Cinema gibt's nicht nur ein oder zweimal, sondern zigfach zu bestaunen." Auch ansonsten "herrscht Stillstand. Auffällig immer dann, wenn er uns seinen 21-jährigen Jüng-/Schönling KirkMorris und damit seinen Muckimann in voller Pracht präsentiert. Viel häufiger als in Aktion begriffen, steht er einfach statuenhaft da. Sein öliger Oberkörper gleicht einem Keil. ... Unsubtil (homo-)erotischerCamp, bei dem erstaunt, dass er noch nicht von der Pop- und Undergroundkultur geadelt wurde."
Außerdem: In der tazberichtet Serena Bilanceri von dem palästinensischen Aktivisten Issa Amro, der im Westjordanland ein Kino einrichten will und sich permanent gegen die Angriffe radikaler israelischer Siedler zur Wehr setzen muss. Till Kadritzke und Hannah Pilarczyk sprechen im critic.de-Podcast mit JulianRadlmaier über dessen neuen Film "Sehnsucht in Sangerhausen". Besprochen werden Christian Marclays in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigte Videoinstallation "The Clock" (FAZ, mehr dazu bereits hier), JoachimTriers Familien-Tragikomödie "Sentimental Value" mit StellanSkarsgård (Tsp), CédricJimenez' Actionthriller "Zone 3" (taz), StéphaneSorlats Dokumentarfilm "Das Geheimnis von Velazquez" über den Maler DiegoVelázquez (NZZ) und die auf MagentaTV gezeigte Serienadaption von Peter Hoegs Roman "Smillas Gespür für Schnee" (taz).
Beim nächsten Mal wird alles anders: "I Am The Greatest" (Arte) Claudia Tieschky schwärmt in der SZ von Mark Waschkes und Katharina Starksauf ZDF und Arte laufender Kurzepisodenserie "I am the Greatest", die einst als No-Budget-Guerilla-Projekt begann, dann aber von den Öffentlich-Rechtlichen unter die Fittiche genommen wurde. Die Serie erzählt von all jenen Alltagsepisoden, nach denen man sich noch lange fragt, wie man eigentlich viel lieber reagiert hätte. "Radikale Filme können wahnsinnig nerven, dieser hier macht überraschendglücklich mit seinem Freestyle zwischen Experimentalfilm-Bedingungslosigkeit, Kostnix-Anmutung und dem ganz, ganzgroßenReinkriechen in die Gedanken seiner Heldinnen und Helden - in die geheimsten, widersprüchlichsten, verwirrendsten Empfindungen, die im Kopf parallel zum äußeren Geschehen ablaufen und mit dieser äußeren Realität (das ist die Komik und Tragik der Sache) nur bedingt zu tun haben. Die Szenen wirken locker und improvisiert, aber die als Voice-over eingesprochenen Gedankenwelten sind schreiberisch psychologischePräzisionsarbeit."
Weiteres: Andreas Kilb berichtet in der FAZ sehr beeindruckt von seinem Besuch in der Ausstellung "ClaudeLanzmann. Die Aufzeichnungen" im Jüdischen Museum Berlin, wo sich die Audioaufnahmen jener Gespräche erkunden lassen, die vor und während der Produktion von Lanzmanns (derzeit bei Arte online stehendem) Dokumentarfilm-Epos "Shoah" entstanden sind (mehr zur Ausstellung bereits hier). Der Tagesanzeigerbringt eine Übersetzung eines Gesprächs, das Nicolas Crousse für Le Soir mit WoodyAllen geführt hat, der gestern 90 Jahre alt geworden ist. Denis Sasse denkt in einem Filmdienst-Essay über die gesellschaftsanalytischen Aspekte der "Zoomania"-Animationsfilme nach.
Besprochen werden Rian Johnsons dritter Teil seiner nach Vorbild von Agatha Christie konzipierten Krimireihe "Knives Out" (Welt), DerekCianfrances Tragikomödie "Der Hochstapler" (FAZ) und DanFarahs auf Amazon Prime gezeigter Dokumentarfilm "Das Zeitalter der Enthüllungen" über UFO-Glaube in den USA (SZ).
Eine von sehr, sehr vielen Uhren in Christian Marclays "The Clock". Nichts weniger als "vielleicht der beste Film der Welt" ist Christian Marclays "The Clock" laut Tagesspiegel-Autorin Birgit Rieger. Das monumentale, ganze 24 Stunden lange Werk, das sich entlang von Uhrzeiten durch die Filmgeschichte hangelt (oder umgekehrt), findet nun seinen Weg in die Berliner Nationalgalerie. Dort könnte der Andrang groß sein. Denn, so Rieger: "'The Clock' ist ein Publikumsrenner. Das Gefühl, das viele Besucher beschreiben: Sie wollten nur kurz bleiben und sind irgendwie hängen geblieben. Die so kunstvoll aneinander montierten Filmausschnitte, oft nur wenige Sekunden lang, entfaltet einen ungeheuren Sog." Freilich: "'Niemand soll sich verpflichtet fühlen volle 24 Stunden zu bleiben', sagt Marclay, der zur Eröffnung nach Berlin gekommen ist. Das sei ungesund. Alle hätten schließlich auch ein Leben."
Aber wie soll das überhaupt klappen: einen Film schauen, der einen ganzen Tag lang dauert? Bert Rebhandl geht in der FAS näher auf die Präsentation in der Nationalgalerie ein: "Marclay geht es um Konzentration, und er legt großen Wert auf die Sound-Ebene. Deswegen wird ein dunkler Raum in den transparenten Kubus von Mies van der Rohe gebaut, und man sieht eine Single-Channel-Installation, die man während des klassischen Tageseintritts also tagsüber besuchen kann. Zweimal wird es die Möglichkeit geben, einen gesamten Durchlauf des Films zu verfolgen, man kann sich dann über 24 Stunden hinweg einteilen, wie oft man vorbeischauen kann, oder auch ein sehr langes Picknick planen." Für die SZ trifft sich Johanna Adorján mit Marclay. Einem anderen Mammutwerk der Filmgeschichte, nämlich Claude Lanzmanns "Shoah", widmet das Jüdische Museum Berlin derzeit eine Ausstellung. "Claude Lanzmann - Die Aufzeichnungen" präsentiert nicht den Film selbst, sondern Audio-Aufnahmen vor allem von Interviews, die der Regisseur vorab zu Recherchezwecken angefertigt hatte. FAS-Autor Jonathan Guggenberger ist ziemlich beeindruckt: "Die 26 Zeitzeugengespräche, die aus dem Archivmaterial montiert wurden, hört man im Ausstellungsraum via Audioguide. Auf anthrazitgrau umrandeten Screens laufen parallel dazu die Transkripte. Die Ausstellung ist schlicht gestaltet, was gut ist. In diesem Raum spricht nur die Geschichte. Und zwar in Form von Gespenstern. Losgelassen von Lanzmanns Kassettenbändern, rücken sie unvermittelt nahe und lassen uns in der konzentrierten Atmosphäre der Ausstellungshalle zu Mithörern schmerzhaft privater Gespräche werden."
Rosa Schmidt-Vierthaler in der Presse und Tobias Sedlmaier in der NZZ blicken auf die nun zu Ende gehende Serie "Stranger Things" zurück. David Steinitz spricht in der SZ mit Christoph Maria Herbst über dessen Paraderolle "Stromberg". Valerie Dirk blickt im Standard auf eine Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum Wien, die der schwedischen Regisseurin Mai Zetterling gewidmet ist. Christian Meyer würdigt in der SZ die im Alter von 94 Jahren verstorbene Schauspielerin Ingrid van Bergen. Kira Kramer nimmt sich in der FAZ noch einmal Matthieu Kassovitz' Banlieu-Klassiker "La Haine" vor. Andreas Kilb gratuliert in der FAZ Woody Allen zum Neunzigsten.
Besprochen werden der neue Frankfurt-Tatort "Licht" (FAZ, FR), der Dokumentarfilm "Politzek - Voices that Defy the Kremlin" von Manon Loizeau, Jekaterina Mamontowa und Sascha Kulajewa (FAZ), ein Dokumentarfilm über den österreichischen Rockstar Wolfgang Ambros (taz), die Netflix-Dokuserie "The Beast in Me" (taz), "Zoomania 2" von Jared Bush und Byron Howard (critic.de), Ivette Löckers Dokumentarfilm "Unsere Zeit wird kommen" (Standard) und Joachim Triers "Sentimental Value" (taz).
Wunderhübsches Starkino mit etwas seltsamem Plot (Gentleman-Einbrecher in Spielzeugladenfilialen) ist Derek Cianfrances "Der Hochstapler - Roofman" mit Channing Tatum und Kirsten Dunst, findet jedenfalls Perlentaucher Lukas Foerster: "Solange der Film diesen Schwebezustand eines Make-Believe, das seine eigene Unmöglichkeit nicht wahrhaben will, hält, ist er ziemlich phänomenal. Und zum Glück hält Cianfrance ihn ziemlich lang durch, so lang, dass das dicke Ende, in dem sich Realitätsprinzip auf arg konventionelle Weise wieder in sein Recht setzt, nicht allzu schwer ins Gewicht fällt. Soweit 'Der Hochstapler - Roofman' funktioniert, funktioniert er zuallererst als Schauspielerkino. Kirsten Dunst zum Beispiel erhält jede Menge Gelegenheit, ihre Rolle jenseits bloßer Plotfunktionalität auszubauen; kein bloßes Love Interest ist ihre Leigh, vielmehr eine Frau, die die unerwartete Liebesgeschichte, die in ihr Leben einbricht, selbst als ein Spiel mit offenem Ausgang betrachtet."
Weiteres: Die SZ gibt auf der Medienseite einen Überblick über die Serien des Monats. Besprochen werden die finale "Stranger Things"-Staffel (NZZ) und Rian Johnsons Film "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery" (SZ).
Ganz verzaubert ist Katja Nicodemus in der Zeit von diesem Film und seinem Blick auf die Figuren: "Zärtlichkeit ist das Wort, das diesen Film am besten trifft. Zärtlich streift die Kamera durch die sommerliche Landschaft, zärtlich blickt sie auf Figuren, die in der Welt und in ihrem Leben gestrandet sind: Da ist Ursula (Carla Schwinning), eine junge Mutter, Putzfrau und Kellnerin, die sich in eine durchreisende Musikerin (Henriette Confurius) verliebt hat. Als ihr das klar wird, ist die Begehrte schon wieder weg. Da ist Neda (Maral Keshavarz), die nach den Protesten der Frauenrechtsbewegung aus Teheran floh und sich nun mit wackeligem Aufenhaltsstatus als Influencerin versucht. Ihre Idee, auf YouTube preiswerte deutsche Reiseziele vorzustellen ('auf Hartz im Harz'), geht aber nicht wirklich auf."
Weitere Artikel: In der tazmacht sich Johannes Drosdowski Gedanken über die Faszination für die Mysterie-Serie "Stranger things", deren letzte Staffel heute auf Netflix anläuft. Besprochen werden Ronan Day-Lewis Regiedebüt "Anemnon" (taz, tsp), Madi Fleifels Drama über palästinensische Geflüchtete "To a Land Unknown" (FR), Ken Scotts Sylvie-Vartan-Biopic "Mit Liebe und Chansons" (FR) und Tia Lessins, Carl Deals Dokumentarfilm "Steal this story, please" über die Journalistin Amy Goodman (FAZ) und Thierry Kalifas Spielfilm "La Femme la plus riche du monde" über die Milliardärin Liliane Bettencourt (FAZ).
Tauschwert und Flauschwert glücklich vereint: Zoomania 2 Dietmar Dath singt in der FAZ eine Lobeshymne auf den so klugen wie goldigen Animationsfilm "Zoomania 2". Gesellschaftstheorie in knallbunter Knuddelform bietet der Film über eine von Tieren verwaltete Welt auf, freut sich Dath - hier finden sich "Tauschwert" und "Flauschwert" aufs Innigste versöhnt. "Mitten in dem ganzen gesellschaftspolitischen Remmidemmi" geht es in der von Jared Bush und Byron Howard verantworteten Fortsetzung zudem "im Kern um das kleinstmögliche Modell einer Gesellschaft, in der Leute verschieden, aber einander gleich wertvoll sein können: eine Liebe; die filmhistorisch schon jetzt absehbar unsterbliche von Judy und Nick nämlich. Die Häsin ist niedlich, der Fuchs abgebrüht, aber weil Judys Niedlichkeit dem Krach von Zootopia nicht schutzlos, sondern gewappnet mit Gemeinsinn entgegentritt, kann Nick diese Niedlichkeit nicht als Unbedarftheit abtun und erliegt ihr nach ein, zwei Runden ironischer Gegenwehr restlos." Elmar Krekeler bespricht "Zoomania 2" in der Welt ebenfalls einigermaßen freundlich, wenngleich deutlich prosaischer: "Ist halt ein Märchen, der Film".
Szene aus Rosa von Praunheims "Satanische Sau"
Mit "Satanische Sau" bringt der mittlerweile 83-jährige Rosa von Praunheim diese Woche seinen neuen Film in die Kinos. Fabian Lutz nutzt auf critic.de seine Besprechung für eine Verbeugung vor dem Lebenswerk dieses Pioniers des schwulen deutschen Kinos. Der neueste Streich nun ist "kein nachdenkliches Alterswerk, sondern ein (...) überdrehtes Kammerspiel zwischen pornografischer Geilheit und trauriger Verwirrung", schreibt er. "In einer Szene besucht der fiktive Rosa einen Nachbarn. Der hat seine Berliner Wohnung zu einem barock-kitschigen Palästchen umgebaut. Das Schmunzeln, das die Zuschauenden angesichts der beigen Vorhänge und abgeschmackten Uhren überkommt, dürfte rasch vergehen. Mit tränenfeuchten Augen erzählt der Nachbar vom Tod seines Partners und dem Alleinsein in der großen Wohnung. All der billig wirkende Glamour, abgefilmt in flacher Digitaloptik, spiegelt plötzlich ein Leben voller Hingabe."
Weiteres: Valerie Dirk blickt im Standard voraus aufs This Human World Filmfestival, das ab Donnerstag im Wiener Stadtkino stattfindet. Besprochen werden "Zone 3" von Cédric Jimenez (SZ), Ronan Day-Lewis' "Anemone" (Tagesspiegel), die Netflix-Doku "Der Fall Nathan Carman" (Welt), die arte-Doku "Telegram - das dunkle Imperium von Pawel Durow" (Welt), "Der Tod ist ein Arschloch" von Michael Schwarz und Alexander Griesser (Tagesspiegel) Julian Radlmaiers "Sehnsucht in Sangerhausen" (taz), Eran Riklis' "Lolita lesen in Teheran" (taz) und Buket Alakus' Fernsehfilm "Polizei" (FAZ).
Udo Kier ist gestorben. Entdeckt von Visconti, mit Rollen bei Fassbinder, Lars von Trier, Christoph Schlingensief oder Gus van Zandt - aber auch, zu Beginn seiner Karriere, in Filmen wie "Schamlos", "Hexen bis aufs Blut gequält" oder "Die Insel der blutigen Plantage" - war er einer der wenigen deutschen Schauspieler, die international reüssieren konnten. Und er war ein großer Darsteller des Bösen: Nazis konnte er wie kaum ein anderer, erinnert Philipp Bovermann in der SZ. Kier hatte noch ein großes Talent: "Leute treffen, offenbar eher zufällig, so jedenfalls klang das später in seinen Erzählungen. Wie er etwa einmal in einem Flugzeug von Rom nach München gesessen sei und der Mann neben ihm erzählt habe, er sei Filmregisseur und plane gerade einige Horrorfilme für Andy Warhol. Ach, das treffe sich günstig, habe Kier gesagt, er sei zufällig Schauspieler." Und schwupps, spielte er bei Warhol, genauso wie er bei Fassbinder gespielt hatte, den er zufällig mit 16 Jahren getroffen hatte. "Die beiden lebten zeitweise sogar in derselben WG in München-Schwabing. Udo Kier war immer da, wo die Action passierte, wo die Kunst in die Nacht der Traurigkeit und Einfalt hinaus blökte. Er umgab sich mit Malern und wilden Performance-Künstlern, drehte wildes Zeug, Filme mit Titeln wie 'Spermula' (1976). Über diesen Weg - nicht den des filmgeförderten Einfühlungskinos, sondern der Exploitation - näherte er sich dem Zentrum des Bösen."
Als Kier Anfang der Neunziger in die USA ging, "bekam er auch Hollywoodrollen", schreibt Bert Rebhandl in der FAZ, "nun festigte sich das Image eines Schauspielers, der mit markanten Kurzauftritten fast besser aufgehoben war, als wenn er mit seiner überlebensgroßen Aura einen ganzen Film aus dem Lot brachte". Er "wirkte übrigens noch in einem der besten Filme dieses Jahres mit, Kleber Mendonça Filhos in Cannes mehrfach ausgezeichnetem 'The Secret Agent', der vom Schicksal eines Wissenschaftlers während der Militärdiktatur Brasiliens Ende der Siebziger erzählt. Ein guter Grund, ins Kino zu gehen, denn dort läuft er weiterhin", empfiehlt Tim Caspar Boehme in der taz. Weitere Nachrufe schreiben Daniel Kothenschulte in der FR, Cosima Lutz in der Welt, Jin Yu Young in der NYT, Sian Cain im Guardian und Andreas Busche im Tagesspiegel.
Und hier "Der wunderbare Udo Kier" bei Arte:
Weiteres: Die deutsche Serie "Auf Fritzis Spuren - Wie war das so in der DDR?" hat den Emmy als beste Auslandsproduktion für Kinder geholt, meldetZeit online. So schlecht geht's dem deutschen Film gar nicht, findet David Steinitz in der SZ nach einem Blick auf die Zuschauerzahlen 2025. Besprochen wird der zweite Teil von "Wicked" (NZZ)
"Gut gespielt, auf konventionelle Art wirkungsvoll inszeniert, in vielen intimen Alltagsszenen durchaus glaubwürdig und bewegend", findet auch Sabine Horst bei epd Film, äußert aber auch deutliche Kritik: "Der Versuch, die Erzählung über mehr als ein halbes Jahrhundert schrecklicher Kämpfe hinweg zu spannen, ohne die Opferperspektive aufzugeben, ist erkauft mit einem toten Winkel im Sichtfeld. Sonnendurchglühte Aufnahmen des Orangenhains, der Strände, der Altstadt Jaffas suggerieren eine natürliche Beziehung zwischen den Palästinensern und dem Land. Politische Begriffe wie 'Intifada' werden dagegen vermieden, und die historischen Konflikte erscheinen verunklärt; nichts konterkariert die gelegentlich eingeblendeten arabischen Nachrichten."
Weiteres: Stella Schalamon unterhält sich für Zeit Online mit den Schauspielern Finn Wolfhard und Gaten Matarazzo aus der Serie "Stranger Things", deren letzte Staffel diese Woche auf Netflix startet. In der tazresümiert Luca Klander die 25. Französische Filmwoche in Berlin. Besprochen werden Guillermo des Toros "Frankenstein" (Zeit O) und Osgood Perkins Horrorfilm "Keeper" (SZ).
Szene aus Pavel Talankins Doku "Mr. Nobody Against Putin"
Wie macht man Kinder zu "Patrioten"? Der inzwischen im tschechischen Exil lebende russische Pädagoge Pavel Talankin weiß es: Er hat in seiner Schule in der russischen Industriestadt Karabash einen Dokumentarfilm über die Auswirkungen des Ukrainekriegs gedreht, "Mr. Nobody Against Putin", und das Material dann hinausgeschmuggelt, erzählt er im Interview mit der FAS: "Am 14. März kamen die ersten Anweisungen des Bildungsministeriums: Wir sollten 'Gespräche über das Wichtige' durchführen - komplett vorgegeben, mit Skripten, Präsentationen und Videos. Schulen mit Bildschirmen sollten sie sogar dauerhaft für Propaganda nutzen. Ich wurde beauftragt, die erste dieser Lektionen zu filmen - und in diesem Moment wusste ich, dass ich das Material nicht löschen darf. Es ist ein Dokument seiner Zeit. Wir kennen historische Fakten, aber selten fragen wir, wie Gesellschaften moralisch abstürzen. Genau das erleben wir heute: Die Jugend wächst nicht mit Empathie auf, sondern mit erlerntem Hass. Warum man mich mit der Aufnahme betraute, weiß ich bis heute nicht - vielleicht zu internen Archivzwecken, vielleicht zur Kontrolle."
Weiteres: In der FAS porträtiert Bert Rebhandl den Schauspieler Julian Radlmaier, der gerade in dem Fim "Sehnsucht in Sangerhausen" zu sehen ist, als "neuen Star des jungen politischen Kinos in Deutschland". Besprochen werden Ronan Day-Lewis' "Anemone" (Welt), der zweite Teil des Filmmusicals "Wicked" (SZ) und Noah Baumbachs Tragikomödie "Jay Kelly" mit George Clooney (SZ).
Golshifteh Farahani in "Lolita lesen in Teheran". Foto: Filmstarts.de In Eran Riklis' "Lolita lesen in Teheran" versucht eine Literaturdozentin im Iran des Jahres 1979 dem beginnenden Totalitarismus die Lektüre verbotener Bücher entgegenzusetzen. Dabei mache Riklis in seiner Adaption von Azar Nafisis gleichnamigen Roman, die schleichende Islamisierung der Gesellschaft deutlich, meint Lena Bopp in der FAZ: "Riklis setzt den Kontrast zwischen Innen und Außen, den Sehnsüchten und Grenzen seiner meist weiblichen Figuren mit schnellen Gegenschnitten ins Bild: Dem geheimen Lesekreis, in dem immer donnerstags Austen und Nabokov gelesen wird, steht die Gefängniszelle entgegen, in der die Studentin Nassrin (Mina Kavani) wegen eines angeblich gerissenen Jungfernhäutchens nicht nur ausgepeitscht wird." Wichtige Fragen werden hier aufgeworfen, leider bleibt der Film vielerorts ein wenig zu oberflächlich, bedauert Bopp. Eine "Ode an die Freiheit" und die Literatur sieht Fritz Göttler für die SZ: "Bücher werden in diesem Film heimlich erworben (...) Das geht, weil sie mehrdeutig sind. Bücher mit klaren Botschaften, hat Nafisi in einem Interview erklärt, sind so totalitär wie das Regime."
Chris Schinke berichet in der Jüdischen Allgemeinen vom israelischen Filmfestival "Seret", das in den Hackeschen Höfen in Berlin stattfindet. Die Lage für das Festival hat sich massiv verschlechtert, erklärt die Festivaldirektorin Odelia Haroush: "'Manche Häuser sagen, sie seien ausgebucht, andere geben ehrlich zu, dass sie Angst vor BDS-Aktivisten und Demonstrationen haben', weiß Haroush zu berichten. Auch die Finanzierung sei schwieriger geworden. Zuschüsse von Städten, Kulturämtern oder Stiftungen seien in diesem Jahr ausgeblieben. 'Früher habe ich Unterstützung aus verschiedenen öffentlichen Programmen bekommen, heute gar nichts mehr.'"
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel schreibt Andreas Busche zur Studie, die die Nazi-Verstrickungen des deutschen Filmverbands "Spio" aufdeckte (unser Resümee). Besprochen wird Romuald Karmakars Dokumentarfilm "Der unsichtbare Zoo" (NZZ).
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
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