Ein unbedingt lesenswertes Interview mit dem syrischen Künstler
Bilal Shourba hat Astrid Kaminski für den Bilder-und-Zeiten-Teil der
FAZ geführt. Shourba, der durch seine Wandbilder auf den Ruinen von Daraya international bekannt wurde, erzählt vom
Krieg in Syrien, der zerstörten Bibliothek von Idlib, vom - vorerst suspendierten - Misstrauen gegenüber Al-Scharaa und von den
Anfängen der Revolution, die damals noch nicht in erster Linie von Islamisten geprägt war: "Die Tatsache, dass ich auf zerstörten Häusern malte, die Individuen oder der Gemeinschaft gehörten, gab mir das Gefühl, dass
viele Menschen an dem, was ich mache, beteiligt sind. Das ist der eine Teil der Antwort. Der andere Aspekt bezieht sich auf die Dokumentation unserer Realität und die Frage, wie Geschichte darüber geschrieben werden wird. Wir
wollten keinen Krieg, wir glaubten nicht an Mord, wir waren, anders als Assads Propaganda es die Welt gleich zu Beginn der Revolution glauben machen wollte, keine Dschihadisten oder IS-Anhänger! Wir waren Menschen, die hungrig waren nach Frieden, Freiheit und Bildung. Dies wollte ich dokumentieren."
In der
FAS beschreibt Jonathan Guggenberger die
Aufbruchsstimmung in der polnischen Kunstszene nach dem Ende der PiS-Regierung. In Warschau, in der Nationalgalerie Zachęta, hört er "eine bekannte, aber
unheimlich schief gepfiffene Melodie. Eine Schrifttafel neben dem großen Fenster bestätigt den Verdacht: 'Wind of Change'. Der Siegeszug des liberalen Westens als Soundtrack, ursprünglich gesungen von den Scorpions, hier in verstimmter Neuinterpretation des Künstlers Nikolay Karabinovych aus dem kriegszerstörten Odessa. Joanna Mytkowska, seit 2007 Gründungsdirektorin des Museums, fasst diese Vision so zusammen: 'Wir müssen
uns selbst definieren - wo wir stehen wollen in der globalen Kunstszene.' Dieses Wir besteht für sie aus polnischen, ukrainischen, belarussischen, aber auch georgischen Künstlern." Ein gutes Beispiel, wie diese Selbstdefinition aussehen könnte, ist die
Retrospektive der in New York lebenden polnischen Künstlerin
Andrea Fraser in der Zachęta: "Interventionen, wie 'Reporting from São Paulo, I'm from the United States' von 1998, zeigen, dass sich die Gegenstände von Frasers Kritik kaum gewandelt haben: Mit fernsehfreundlichem Lächeln performt die Künstlerin als TV-Moderatorin, bringt mit ein paar arglosen Fragen die
postkoloniale Pose der 24. Kunstbiennale in São Paulo zum Einsturz - stellt das
neokoloniale Denken dahinter aus."
Weiteres: In der
SZ berichtet Viktoria Großmann von der Entdeckung einer Büste, die wahrscheinlich
Donatello zuzuschreiben ist, in der slowakischen Provinz und Befürchtungen, diese könne von der eher an slowakischer Volkskunst interessierten Kulturministerin
Martina Šimkovičová verkauft werden (mehr in der
ARD-Audiothek). In der
FAZ (Bilder und Zeiten) erinnert Marc Zitzmann an den Résistance-Kämpfer und Kunstsammler
Daniel Cordier, dem derzeit ein
Buch und eine
Ausstellung in drei Pariser Museen gewidmet sind. Besprochen wird die Ausstellung "Zeiten des Umbruchs" mit späten Werken
Egon Schieles im Wiener
Leopold Museum (
Standard).