Die Ausstellung "Remix. Photographie - Fiktion und Wahrheit" in der Kunsthalle Bremenführt Tobi Müller für Monopol zu der Frage, wie sich Kunst und Wahrheit zueinander verhalten und wie beides inszeniert werden kann: "Interessant ist die Gegenüberstellung von erneut großformatigen Fotografien von Candida Höfer und Thomas Struth im selben Raum. Beide studierten bei Bernd Becher, genau wie Thomas Ruff. Von Struth hängen Bilder aus den Serien, die Menschen vor Kunstwerken in Museen zeigen. Und es ist wirklich anders, direkt vor diesen Bildern zu stehen oder sie im Internet zu sehen. Die auratische Raumerfahrung verwischt den Unterschied noch viel stärker zwischen Bild und Gemälde. Das Hirn fragt, ob das inszeniert ist, auch weil sich die Farbtöne der Menschen in der Fotografie jenen der Gemälde annähern, vor denen sie stehen. Höfer gleich daneben zeigt Theater und Museen, rechnet das Publikum aber radikal heraus. So wirken ihre Fotos wie die Kehrseite von Struth. Wenn man lange genug vor dem Bild eines knallroten Treppenaufgangs der Komischen Oper in Berlin steht - in langer Belichtung aufgenommen - wirkt die Innenarchitektur, als hätte sie sich für den Fototermin schickgemacht."
Weiteres: Wolfgang Ruppert fragt sich in der taz, was man heute noch vom Bauhaus in Dessau lernen kann. Stefan Trinks resümiert in der FAZ noch einmal die aktuellen Debatten um die Sammlung Bührle und die Frage, wie es mit ihr weitergeht (unsere Resümees). Susanne Kippenberger interviewt den Kitsch-Künstler Jeff Koons für den Tagesspiegel.
Besprochen wird: "Toutité - Iliazd: Die Erforschung der Form" in der Fondazione Antonio Della Nogare in Bolzano (Monopol).
Einst war die amerikanische Pop-Art-Künstlerin Marisol berühmter als Andy Warhol, unter anderem wegen ihrer Schüchternheit geriet sie nach ihrem Tod allerdings in Vergessenheit, weiß Philipp Meier in der NZZ. Umso dankbarer ist er, dass das Kunsthaus Zürich nun mit der ersten großen Retrospektive in Europa an Marisol erinnert: "Marisol experimentierte mit der traditionellen Schnitzkunst, holte sich Inspiration bei den indigenen Völkern Nordamerikas und bei der präkolumbischen Kunst des lateinamerikanischen Kontinents. Sie suchte nach neuen Formulierungen für die Skulptur. Kühn und zugleich simpel applizierte sie quaderförmigen Holzkästen geschnitzte, abgegossene, vorgefundene oder fotografierte Elemente wie Gesichter und Körperteile. So wurden die Skulpturen lesbar als Menschen mit eigener Persönlichkeit. Mit diesen popkulturellen Plastiken von der Kennedy-Familie, von JohnWayne, von Andy Warhol, von Kindern, von Frauen, erregte Marisol im New York der sechziger Jahre Aufsehen."
Anders als seine KollegInnen verschweigt Werner Bloch in der NZZ in seiner Besprechung der Diriyah-Biennale in Riad keineswegs Menschenrechtsverletzungen, Armut oder Ausbeutung in Saudi-Arabien (unsere Resümees). Aber anhand von Blochs Porträts von saudischen Künstlern hofft man zumindest, dass die Kunst tatsächlich etwas verändern kann. Darunter Ahmed Mater, der mit der Gruppe Edge of Arabia 2012 mit einer Ausstellung die saudische Gegenwartskunst begründete - und keine Angst vor der Religionspolizei zeigte: "Anstatt sich von den Religiösen einschüchtern zu lassen, drehte Ahmed Mater den Spieß um: In einer fulminanten Fotoserie prangerte er die Heuchelei der Wahhabiten an, eine besonders reaktionäre Form des Islamismus, die durch ihre Verbindung mit dem Königshaus quasi zur Staatsreligion avanciert war. Mater dokumentierte, wie Mekka, der Geburtsort des Propheten, durch kommerzielle Exzesse und einen grassierenden Kapitalismus verschandelt wurde." 2018 wurde Mater sogar ins Kulturministerium berufen, das er nach einem Jahr allerdings freiwillig verließ.
Weitere Artikel: Die sechste Ausgabe der alle fünf Jahre stattfindenden Schau "Greater New York" im MoMA PS1 verzichtet sowohl auf Kuratoren, als auch auf ein Motto, gemein ist den 53 KünstlerInnen nur, dass sie alle in New York leben, weiß Frauke Steffens in der FAS. Und doch eint viele der Werke der politische, mitunter sorgenvolle Blick auf die Stadt, die auch durch Ausbeutung am Laufen gehalten wird. Für die Welt besucht Gesine Borcherdt die Künstlerin Jorinde Voigt in ihrem Berliner Atelier. In der SZ spricht heute Jakob Biazza mit Beastie Boy Mike D, der im Jüdischen Museum Frankfurt aktuell die Ausstellung "Mishpocha" kuratiert. Für den Tagespiegel plaudert Susanne Kippenberger mit Jeff Koons.
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Queere Kunst in der DDR?", die im KVOST, im nGbK, im Mitte Museum und im Berliner Werkbundarchiv stattfindet (taz, mehr hier) und die Ausstellung "Gone Astray" mit Video-Installationen von Julian Rosefeldt in der Berliner Galerie Philippe Bober (Tsp).
Raffael, die Alba Madonna, c. 1510. National Gallery of Art
Acht Jahre und umfangreiche Spenden hat es gebraucht, bis das New Yorker Metropolitan Museum seine "Mammutausstellung" über Raffael eröffnen konnte - aber das Warten hat sich gelohnt, findet Hannes Stein in der Welt. Dabei entzaubert das MET den Renaissance-Künstler geradezu, zeigt es doch anhand von hinreißenden Vorstudien, dass Raffael eben nicht zauberte, sondern arbeitete: "Nehmen wir etwa die 'Alba Madonna', ein kreisrundes Gemälde aus dem Jahr 1510, auf dem ein rotgelockter Knabe - Johannes der Täufer - bewundern zu dem (naturgemäß blonden) Jesuskind hochblickt, das im Schoß der Jungfrau sitzt; Jesus und Johannes halten gemeinsam einen langen dünnen Stock fest, der ein Holzkreuz ist. Das Bild ist beinahe zu schön. Lebendig und verrückt dagegen die Vorstudien, bei denen übrigens ein junger Mann für die Madonna Modell gesessen hat. Gelegentlich konnte dieser Maler von frappierender Sinnlichkeit sein: Betrachten wir etwa sein Porträt von Bindo Altoviti, einem furchtbar reichen jungen Mann (er war Bankier des Papstes). Raffael lässt ihn über die Schulter zurück auf uns blicken, sein blondes Haar umschmiegt leicht den Hals, die Lippen sind sinnlich, das Gesicht mädchenschön."
Auf in die Pariser Fondation Louis Vuitton, wo in einer großen Retrospektive mit dem Titel "Rever en Equilibre" das poetische Werk des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder gefeiert wird, ruft uns Maxi Broecking in monopol zu, begeistert von der fragilen Balance von Calders Mobiles. Zu sehen sind etwa die "filigranen, winzig gearbeiteten Drahtskulpturen und Zirkusfiguren, mit denen Calder satirische Vorstellungen für Künstlerfreunde gab. Kurz darauf folgt, angeregt durch Piet Mondrian, die Hinwendung zur Abstraktion und zu ersten beweglichen Objekten, die sein Freund Marcel Duchamp 1931 als 'Mobiles' bezeichnete. In ihrer Form sind sie zunächst inspiriert von den Umlaufbahnen der Planeten und dem vom Physiker Niels Bohr entwickelten Atommodell. Auch der Zufall wird zu einem zentralen Teil des Werks: Die Bewegung etwa entsteht nicht mehr mechanisch oder durch einen Motor, sondern allein durch Luftzirkulation."
Weitere Artikel: Für die SZ ruft Christine Dössel bei Marina Abramovic an, für deren Ausstellungseröffnung "Balkan Erotic Epic" im Berliner Gropiusbau Menschen einen halben Kilometer lang Schlange standen, um zu fragen, wie es selbst bei ihr mit der Erotik läuft: "'Die Menopause war eine große Befreiung für mich.'" Im Tsp-Interview spricht Marc Brandenburg, dessen aktuelle Ausstellung "20th Century Debris" gerade in der Berlinischen Galerie zu sehen ist, über die queere Subkultur der Achtziger, Armut und den Horror des Spätkapitalimus. Der deutsche Romantiker Friedrich Nerly wurde vor allem durch seine Veduten von Venedig bekannt, Meisterschaft erlangte er allerdings in Rom, bemerkt Andreas Kilb (FAZ) in der Nerlys römischen Jahren gewidmeten Ausstellung "Natur und Antike" in der Kunsthalle Bremen.
Besprochen werden außerdem die von Beastie Boy Mike D. kuratierte Ausstellung "Mishpocha. The Art of Collaboration" im Jüdischen Museum in Frankfurt (FR) und eine Ausstellung über die lettische Künstlerin und Theatermacherin Asja Lãcis im Kunstraum Kreuzberg (taz).
Weitere Artikel: In der FAZ spricht Philipp Krohn mit Beastie Boy Mike D, der im Jüdischen Museum Frankfurt aktuell die Ausstellung "Mishpocha" kuratiert über Subkulturen und Kunst unter Trump.
Besprochen werden außerdem die MarinaAbramović'-Ausstellung "Balkan Erotic Epic. The Exhibition" im Berliner Gropius Bau (Zeit, taz, Tsp, mehr hier) und die Ausstellung "Käthe Kollwitz und das Theater" im Berliner Käthe-Kollwitz-Museum(taz).
Lee Miller - Foto: U.S. Army Official Photograph, Lizenz: CC BY-SA 4.0Konrad Muschik schaut sich für die FAZ die Ausstellung "Kunst und Dokumentation - Lee Millers Buchenwald-Fotografien" in der Weimarer M Books Galerie an. Miller gehörte zu jenen Kriegsjournalisten, die 1945 im Gefolge der US-Streitkräfte die deutschen Verbrechen dokumentierte. Wobei die Aufnahmen Millers nicht nur dokumentarischen, sondern außerdem künstlerischen Wert haben: "Kraftvoll wird das Bild auch durch den für Miller typischen, starken Kontrast von Hell und Dunkel, der das Zentrum erleuchten lässt. Aus der Tiefe der Komposition schreitet ein ehemaliger Häftling, klein, aber bestimmt, in die Bildmitte, in Richtung Tor. Eine andere Fotografie zeigt die Szene einer Menge befreiter Häftlinge, noch in Sträflingskleidung, manche mit Stock, die sich vor einer übergroßen, an einem Lagerhaus befestigten Europakarte versammelt haben. Auch hier der Schimmer einer - herzzerreißenden - Lebendigkeit und Würde, wie durch die Szene die Assoziation von rückgewonnener Hoffnung und Heimkehr eröffnet wird."
Marina Abramović ist ausnahmsweise nicht selbst zugegen im Gropius-Bau, wo derzeit ihre Ausstellung "Balkan Erotic Epic" zu sehen ist - die tatsächlich nur ein Vorgeschmack ist auf das gleichnamige Bühnenspektakel, das Abramović im Oktober bei den Berliner Festspielen präsentieren wird. Ordentlich was los ist auch schon in der Museumsversion, wie Nicola Kuhn im Tagesspiegel zu berichten weiß. Ins Bild gesetzt werden in Abramovićs Filmmontagen diverse bizarre erotische Rituale Südosteuropas - wobei eher der Spektakelwert als die ethnografische Akuratesse im Zentrum steht: "In einem Video massieren Frauen in traditionellen Gewändern ihre nackten Brüste, um dem beerdigten Geliebten nahe zu sein. In einem anderen zeigen sie im Regen tanzend ihre entblößte Vulva dem Himmel, damit er sich wieder schließen möge und die Äcker nicht weiter überflutet. Die Szenen wirken drastisch überzogen, geradezu komisch-plakativ, auch wie sich in 'Slawische Seele' Männer mit Daumen in der Weste rechts und links einer barmenden, übergroßen Sängerin aufreihen, aus deren Gamaschenhosen erigierte Penisse hervorstehen. Und doch muss ein Stück Wahrheit dran sein, man kann sich der Wirkung dieser Bilder nicht entziehen."
Außerdem: Lisa-Marie Berndt unterhält sich auf monopol mit der peruanischen Künstlerin Wynnie Mynerva. Jens Kastner stellt in der taz Überlegungen zu Michel Foucaults Einfluss auf die Kunsttheorie und -praxis an.
Videostill aus "Liquid Tongues", 2026. Foto: Zacheta
Tobi Müller unterhält sich für Monopol mit der polnischen Dramatikerin Bogna Burska und dem gehörlosen Performance-Künstler Daniel Kotowski, die zusammen den polnischen Pavillon bei der Biennale in Venedig bespielen werden. In ihrem Video-Projekt "Liquid Tongues" experimentieren die beiden, inspiriert von Walgesängen, mit Ton und Gebärdensprache unter Wasser. Auch ein Chor war dabei, dessen Performance Buckelwalen nachempfunden war, wie wir lesen: "Die sind, so weit die Wissenschaft weiß, in zwei Teile gruppiert: in die Gesänge und andere Formen der Kommunikation, die kürzere Abschnitte haben. Daniel hat daraus eine Gebärdensprache geschaffen, und die Komponistin Aleksandra Gryka versuchte eine Übersetzung in die Stimme", erzählt Burska. Und Kotowski fügt hinzu: "Für manche Szenen war ich unter Wasser und habe in Gebärdensprache praktisch dirigiert. Dafür habe ich die Hörenden trainiert, wir brauchten etwa zwölf Lektionen und einen Monat, um ihnen die Grundzüge der Gebärdensprache beizubringen."
Weitere Artikel: In der tazschreibt Zdenek Felix den Nachruf auf den deutschen Maler und "Psychonauten" Thomas Zipp, der Anfang April gestorben ist. In der Welt erinnert Gesine Borcherdt (unsere Resümees). Im Tagesspiegel unterhält sich Marina Abramovic über ihre Performance "Balcan Erotik Tropic", die die diesjährigen Berliner Festspiele eröffnen wird. Besprochen werden die Ausstellung "Martin Schongauer. Le bel immortel" im Louvre in Paris (FAZ) und die Ausstellung "Kunst Hand Werk" im "Brücke"-Museum in Berlin (tsp) und die Ausstellung "Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968" im Haus der Kunst München (taz).
Ausstellungsansicht der Sammlung Bührle im Kunsthaus Zürich. Foto: Franca Candrian/Kunsthaus Zürich
Im Kunsthaus Zürich ist die Sammlung Bührle wieder zu sehen - aber erst einmal mit deutlich sichtbaren Lücken, und wie es weitergeht, ist auch immer noch nicht klar, so Nicolas Freund in der SZ: "Es wirkt ein wenig, als würde man das Lager der Sammlung und nicht einen Ausstellungsraum betreten. Gerade diese Art der Präsentation macht aber großen Spaß. Zum einen, weil die Bilder wieder öffentlich zu sehen sind, und zum anderen, weil sie eher ungewöhnlich ist und die Werke in der direkten Nachbarschaft zueinander, in einem ungewohnten Kontext, teils ganz anders wirken als allein auf einer weißen Wand. (…) Die neue Schau macht auch diese Belastung der Kunstwerke durch die Sammlung wieder überdeutlich. Sie aufzulösen und in dem Museum aufgehen zu lassen, ist wegen der Vereinbarungen zwischen dem Kunsthaus und der Sammlungsstiftung aber nicht einfach so möglich. Eine Lösung, die Kunst von der Belastung durch die Sammlung zu befreien, könnte ein solcher Schritt dennoch sein."
Weiteres: Alexandra Wach empfiehlt für Monopol alles Sehenswerte auf der Art Düsseldorf, Silke Hohmann porträtiert im selben Medium den Leiter der Messe, Gilles Neiens. Der Künstler Thomas Zipp ist im Alter von 60 Jahren gestorben, Gesine Borcherdt schreibt den Nachruf in der Welt (mehr bereits hier). Besprochen wird die Ausstellung "Antifascism: Now" in der Lothringer 13 Halle in München (FAZ).
Nächsten Freitag hat Azade Shahmiris filmische Performance "You and I Have Seen the Garden from That Cold Sullen Crack" in den Berliner Sophiensälen Premiere: Im Interview mit der taz spricht sie über den Krieg (Schuld sind die anderen: "Der Krieg stellt eine Kontinuität imperialer Machtansprüche dar und wird Iran um Jahrzehnte zurückwerfen") und die Bedeutung von Gärten im Iran. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht Marina Abramović über ihre Ausstellung "Balkan Erotic Epic", mit der im Oktober die Berliner Festspiele eröffnet werden: "Ich möchte dem Publikum meinen Hintergrund vermitteln. Die Ausstellung spiegelt 65 Jahre meiner Performance-Arbeit in Videos und Fotografien wider." In "Bilder und Zeiten" (FAZ) schreibt Bernd Stiegler über die Fotos Wilhelm von Gloedens in Taormina. In der NZZschreibt Philipp Meier zum 200. Geburtstag des Malers Gustave Moreau.
Besprochen werden die Ausstellung der Sammlung Bührle im Kunsthaus Zürich (wieder nur eine Übergangspräsentation, ärgert sich in der NZZ Philipp Meier: "Das wäre dann bereits der vierte Versuch. Die Sammlung Bührle angemessen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist eine Aufgabe, mit der das Kunsthaus überfordert scheint."), eine Ausstellung des senegalesischen Künstlers Senegalese El Hadji Sy in der Berliner Galerie Thumm (der Raum "explodiert förmlich von all den Farben und Formen", ruft Ingeborg Ruthe in der BlZ), "Vogelperspektiven" im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg (FR) und eine Schau mit Fotos von Bauhaus-Fotografinnen im Berliner Museum für Fotografie, die nächste Woche eröffnet (BlZ).
Natalie Haddad (Hyperallergic) ist fassungslos, dass Solomon R. Guggenheim zwar Kandinsky und andere Maler des Blauen Reiter sammelte, Gabriele Münter aber schlicht übersah. Zum Glück sorgt das New Yorker Guggenheim Museum mit der Ausstellung "Contours of a World" nun dafür, dass auch die Amerikaner die Dynamik und Farbpracht der Malerin kennenlernen, etwa im Gemälde "The Letter" aus dem Jahr 1930: "Die vielschichtige Komposition zeigt eine lesende Frau auf einem Stuhl, uns den Rücken zugewandt, neben einer anderen Frau, die mit hochgelagertem Kopf im Bett liegt und uns zugewandt ist. Im Hintergrund sieht man eine grasgrüne Wand und weiße Vorhänge, die sich im Wind eines offenen Fensters bewegen. Die Bewegung von Natur und Menschen, die ozeanischen Farben, die wechselnden Fokuspunkte und der fließende Pinselstrich verschmelzen zu einem flüchtigen Augenblick, der bald vergangen ist. Es ist ein anmutiges Zeugnis von Münters Brillanz und eine Einladung in ihre Welt."
Weder Drohnen- und Raketenangriffe in der Region noch Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien können Sabrina Moura davon abhalten, für Monopol bestens gelaunt über die Diriyah-Biennale in Riad zu flanieren. Das Motto, das die Kuratoren Nora Razian und Sabih Ahmed ausgeben, lautet, die Welt nicht "kartografisch, sondern choreografisch" zu verstehen und so bewundert Moura hier Arbeiten, "die feste Vorstellungen von Identität auflösen. Damit bekräftigen sie die kuratorische These, dass Diaspora heute nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall ist. Ein Beispiel dafür ist Pacita Abads Werkgruppe 'Asian Abstractions' (1983-1992). Geprägt von Migration und von der Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkerinnen, erweitert sie die Malerei um Stickerei, Genähtes, Färbungen und andere textile Techniken." Und weil's so schön war, geht's direkt weiter nach Doha.
Weiteres: Urs Bühler besucht für die NZZ die Ausstellung "Body Sculpture" im Moyo im Maag-Areal in Zürich, die Aktfotografien aus der Privatsammlung des Schweizers Martin Bölsterli zeigt. Besprochen werden außerdem die Klara-Lidén-Ausstellung in den Kunst-Werken Berlin (FAZ, mehr hier) und die Ausstellung "Unvergesslich. Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam, 1600-1750" im Museum der Schönen Künste im belgischen Gent (Monopol).
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel schreibt heute Birgit Rieger zum Tod des Malers Thomas Zipp. Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Diaspora Wunderland. Fashioning Worlds" in der Berliner ifa-Galerie (taz), die Julian-Charrière-Ausstellung "Midnight Zone" im Kunstmuseum Wolfsburg (FAZ, mehr hier) und die Ausstellung "Haar - Macht - Lust" in der Kunsthalle München (Welt).
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