Einer anderen außergewöhnlichen Künstlerin begegnet Trinks' FAZ-Kollegin Bettina Wohlfahrt in der Pariser Cité de l'architecture et du patrimoine: Fabienne Verdiers abstrakte Bildwelten werden im Museum mit Portalen und Skulpturen aus dem Mittelalter kombiniert, einer Epoche, mit der sich Verdier in ihrem Schaffen intensiv auseinander setzt. Besonders interessiert sich Wohlfahrt für Verdiers außergewöhnliche Maltechnik: "In ihrem Atelier entwickelte sie Pinsel aus bis zu dreißig Pferdeschweifen und ein Schienensystem, das die mächtigen Malinstrumente von oben (…) in einer von der Künstlerin geführten Schwingung hält, wobei die Leinwände am Boden liegen. (…) So entstehen ihre 'Walking Paintings' mit dickflüssigem Dripping oder faszinierende großformatige Vortex-Gemälde mit himmelstrebenden Farbwirbeln. Kosmische Energie in die malende Ausführung einfließen zu lassen, ist Teil der Lehre der chinesischen Kalligraphie. Unter anderen Vorzeichen entspricht dies der sakralen Kunstausübung im Mittelalter. Damit drücken Verdiers Gemälde jenseits der Kulturen einen universalen Elan aus."
Weitere Artikel: Horst Brederkamp erinnert in der FAZ an Herbert Beck, eine zentrale Figur der Frankfurter Museumsszene. Marcus Woeller schreibt in der Welt über einen Trend am Kunstmarkt hin zu Luxusobjekten wie etwa einer Hausbar in Form eines Flusspferdes, die für 31,4 Millionen Dollar wegauktioniert wurde. Auf monopolberichtet Anna Gien über ihre Erfahrungen als Performancekünstlerin. Ingeborg Ruthe trauert in der BlZ um den 83-jährig verstorbenen DDR-Künstler Manfred Butzmann.
Besprochen werden die Schau "Le Grand Dauphin" im Schloss Versailles (Welt), Willem de Rooijs Ausstellung "Valkenburg" im Centraal Museum Ultrecht, die sich dem kolonialistischen Untertönen im Werk des Malers Dirk Valkenburg widmet (taz) und Neriman Polats Schau "Groundless" in der Berliner Zilberman-Galerie (taz).
Das Museum für bildende Künste in Leipzig hat endlich die Biografien seiner jüdischen Mäzene recherchiert und damit das sogenannte "Stiftermosaik", ein Gruppenporträt mit Stifterpersönlichkeiten, ergänzt: Das wird aber auch höchste Zeit, meint in der FAZ Andreas Platthaus. Die israelische Künstlerin Shlomit Lehavi bringt die Leben wichtiger jüdischer Akteurinnen in einer Installation mit dem Titel "Sichtbarmachen" näher: "Es ist eine Hörstation, die in fünf Kapiteln Erzählungen der Biographien von sechs Leipziger Persönlichkeiten bietet, denen das MdbK Werke etwa von Van Gogh, Mentzel, Spitzweg, Rodin, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Max Klinger oder Renée Sintenis verdankt. Und das grandiose Selbstporträt, das der jüdische Künstler Eduard David Einschlag, ein wichtiger Protagonist der Leipziger Secession, 1924 gemalt hat. Schon 1927 wurde es dem Museum geschenkt, von Hermann und Toni Halberstam, einem Mäzenatenehepaar, dem die Stadt auch die Gründung einer nach Toni Halberstams Vater Julius Ariowitsch benannten Stiftung verdankt, die 1931 ein jüdisches Altersheim eröffnete, dessen 350 Insassen 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurden."
Weiteres: In der FRmacht sich Björn Hayer auf einem Spaziergang durch Venedig Gedanken über den Zusammenhang von Kunst und Politik.
Für alle, die Kunst noch in der "noblen Praxis der Annäherung" begreifen wollen, empfiehlt Kunstprofessor Georg Imdahl in der FAZ die Ausstellung "nameless" von Nairy Bagharamian im Wiels in Brüssel. Die in Berlin lebende Künstlerin hat sowohl ihre eigenen Erfahrungen als Exil-Iranerin als auch die anderer Exilantinnen und Exilanten in die Ausstellung eingewoben, die für Imdahl ein Gefühl der Solidarität erzeugt und "in der man als Besucher seinerseits auf sich zurückgeworfen wird, sich selbst als instabil fühlen kann, wie bestellt und nicht abgeholt. Zuflucht findet man bei verwegen schönen Bildobjekten aus farbgetränktem Wachs, weniger bei den seltsam abstrakten Röhren an den schiefen Mauern: Mundgeblasen aus Muranoglas und inwendig pigmentiert, preisen sie keinen Konsum, bieten auch keinerlei Orientierung. So perfektionistisch diese hermetischen Glyphen auch durch eleganteste Metallklammern an der Wand befestigt sind, bleibt doch des Betrachters Befremdung: Haben sich diese Aliens selbst in die Verlassenheit des Raums verirrt?"
Eigentlich wollte Anni Albers Architektin werden, lerntNZZ-Kritikerin Maria Becker im Berner Zentrum Paul Klee in der Schau "Constructing Textiles", aber am Bauhaus konnte sie als Frau nur Weberei studieren: "Albers' 'Pictorial Weavings' haben sich von der Webkunst im Grunde losgelöst. Sie sind wundersame Malereien mit Fäden, hochartifiziell und geheimnisvoll. Tritt man nahe heran an die Texturen, werden sie immer rätselhafter. Es ist eine Sprache ohne Worte, die etwas zu sagen scheint, ohne es preiszugeben. Nicht mehr gebunden an die Architektur, entfaltet sich Albers' Kunst im begrenzten Raum des Gewebes als intuitive Schrift. Es ist ein Spiel, das offen bleibt für Deutungen."
Besprochen werden: Die Ausstellungen "Cleopatra Superstar" im Espace Muséal de Liège-Guillemins (FAZ) und "Anton Henning: Träume, Trichter & Tricksereien" in der Sammlung Philara Düsseldorf (taz).
Niklas Maak wirft in der FAS einen Blick auf die internationalen Künstler, die das Jahr 2026 bestimmen werden - allen voran der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama, der gerade von der Art Review zum wichtigsten lebenden Künstler der Welt gewählt wurde. Mahama wurde bekannt "mit Werken, für die er gebrauchte Jutesäcke verwendet, die in Asien hergestellt und beim globalen Transport afrikanischer Güter abgenutzt werden. In ihren Fasern speichern sie Schweißspuren und Dreck und erzählen so eine Geschichte von globalem Handel, Ausbeutung, Aufstiegshoffnungen, Waren- und Kapitalströmen." Dass diese Säcke jetzt in von der Luxusindustrie gesponserten Kunsthallen hängen, ist nicht nur für ihn ein Dilemma, sondern für alle Künstler, "die den Zusammenhang von exponentiellem Reichtum und globaler Ausbeutung zum Thema machen, dass ihr Werk ausgerechnet in den von ihnen kritisierten Gegenden und Institutionen der Welt besonders gut ankommt. Da etwa Mahama so gut wie nie Menschen darstellt, findet sein Werk auch Interessenten in Staaten, in denen man Darstellungen von Nacktheit oder direkte politische Kritik nicht akzeptiert."
Im Interview mit der Zeit spricht Marina Abramović über das Alter, den Schmerz und die Erotik, der ihre neue Performance gewidmet ist: "Es war mir ungeheuer wichtig, mich genau jetzt, in dieser unglaublich schwierigen Phase der Menschheitsgeschichte, mit den alten Ritualen der Erotik auf dem Balkan zu beschäftigen, in die Vergangenheit zurückzuschauen. Vor Hunderten Jahren benutzten die Menschen die sexuelle Energie für alles, selbst für die Landwirtschaft, um Kartoffeln und Zwiebeln gedeihen zu lassen. Die Erotik war etwas, um sich mit dem Kosmos zu verbinden. Das hat übrigens nichts mit Pornografie zu tun. Es geht um eine neue Sicht auf unsere Körper. Es geht um unsere Energie."
Weitere Artikel: Marc Zitzmann besucht für die FAZ in Bayonne das Musée Bonnat-Helleu. Christiane Meixner besucht für den Tagesspiegel die Berliner Galerie Friedmann-Hahn, wo derzeit Jub Mönster seine mit Kugelschreiber gemalten Bilder von Paris ausstellt. In der FAZ gratuliert Monika Grütters dem Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, W. Michael Blumenthal, zum Hundertsten.
Weitere Artikel: Barbara Dauphin Duthuit, Ehefrau von Henri Matisse' Enkel Claude, hat dem Musée d'Art Moderne in Paris 61 Werke von Matisse geschenkt, die sich im Besitz der Familie befanden und die überwiegend dessen Tochter Marguerite zeigen, meldet Kim Willsher im Guardian.
Besprochen werden außerdem die Ausstellungen "Grund und Boden. Wie wir miteinander leben" im K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf (FAZ) und "Fröhliche Freizeit und gute Laune - Freude am Selbermachen" mit Werken der Berliner Künstlerin Lena Schramm im Museum im Kulturspeicher Würzburg (taz).
Justine Konradt streift im Zeit-Auftrag durch die "Katzen!"-Ausstellung im Hamburger MARKK und lernt dort einiges über die lange Tradition von Katzendarstellungen auf aller Welt, oft verbunden mit religiösen Konnotationen: "Die Gegenwart der Katzenverehrung leuchtet uns ... pinkplüschig entgegen. Aus kleinen Augen in gigantischen Kopfovalen beobachten eine Vielzahl japanischer Hello-Kitty-Figuren die umherstreifenden Besucher und eine ganze Armee von Maneki-neko genannten Winkekatzen, ebenfalls japanischer Herkunft, lockt in den nächsten Saal. Mit ihren erhobenen, ständig vor und zurück schwenkenden linken Tatzen versprechen sie Wohlstand und Glück, heißt es. Diese popkulturell aufgepusteten Katzengestalten werden vor allem wegen ihrer grotesk übersteigerten Niedlichkeit geliebt: weg von göttlicher Huldigung hin zu profanem Kitsch."
Zerschnittene Leinwände, durchlöcherte Skulpturen. Das waren die Markenzeichen des Malers und Bildhauers Lucio Fontana (1899-1968), dem die Peggy Guggenheim Collection in Venedig derzeit eine Ausstellung widmet. Gezeigt werden zwar nur Keramiken, Marion Löhndorf bekommt in ihrer Besprechung für die NZZ dennoch das ganze Werk in den Blick: "Die Schnitte und Löcher der runden, ovalen oder elliptischen Objekte vermitteln - wie bei den Bildern - die Illusion eines hinter den Oberflächen liegenden Raums, den Fontana öffnen wollte. (...) Die Geste der Perforation, zusammen mit dem Einreißen oder der Gravur, überwand die Unterscheidung zwischen Skulptur und Malerei. Obwohl seine zerschlitzten Leinwände und Skulpturen etwas mit destruktiver Gewalt zu tun zu haben scheinen, bestand Fontana darauf, dass sie im Gegenteil die Hervorbringung von etwas Neuem seien: 'Ich habe etwas geschaffen, nicht zerstört.'"
Weiteres: Stefan Trinks vergleicht in der FAZ den Renaissancemaler Hans Baldung Grien mit KI-generierter Kunst und gibt, wenig überraschend, Grien den Vorzug. Auf monopollisten zahlreiche Autoren ihre liebsten Ausstellungen des Jahres 2025 auf. Besprochen werden ein Buch der Kunstwissenschaftlerin Nina Schedlmayer über die expressionistische Malerin Stephanie Hollenstein (taz) und eine Zauberkunst-Ausstellung im Hamburger Museum Bellachini (FAZ).
"Selten war eine Schau mit bis zu 5.000 Jahre alten, aber auch nur wenige Jahre jungen Werken derart zeitlos und avantgardistisch zugleich", jubelt FAZ-Kritiker Stefan Trinks im Archäologie-Museum der andalusischen Stadt Almería. Der Bildhauer Miquel Barceló hat in der Schau "Reflections. Picasso x Barceló" seine eigenen Keramik-Arbeiten mit denen Pablo Picassos, aber auch jenen aus der weit in die Historie reichenden Sammlung des Museo d'Almería kombiniert: "In dem wie eine Höhle abgedunkelten Ausstellungssaal hängen auf der linken Seite Werke Barcelós, die auch aus der Steinzeit stammen könnten. Ein archaisch einfach gehaltenes Rundgesicht wirkt wie eine Himmelsscheibe von Nebra in Ton und scheint sich gleichzeitig mit leichten Höhungen und Vertiefungen einer imaginären Felswand einzuschmiegen, wie dies etwa bei den Höhlenmalereien im kantabrischen Altamira der Fall ist, wo die frühen Maler Unebenheiten für plastische Schultern und Flanken der porträtierten Tiere nutzten. Auch fanden sich in Altamira unzählige Muscheln, Austern und Fischgräten, und so wundert es nicht, dass nun in Almería der Kopf eines urzeitlich anmutenden, blau glasierten Riesenfischs Barcelós aus der Museumswand ragt und wie ein Karpfen nach Luft schnappt."
Weiteres: Die russischen Besatzer haben das von ihnen zerbombte Theater im ukrainischen Mariupol wieder aufgebaut und am Sonntag eröffnet, melden FR und nachtkritikmit afp. Im Zeit-Interview antwortet die Künstlerin Marina Abramović auf die Frage, "Was tun, wenn es wehtut?" Besprochen wird die Ausstellung "Saâdane Afif: Five Preludes" im Im Hamburger Bahnhof in Berlin (FAZ) und die Ausstellung "Havelluft und Großstadtlichter. Stadt und Land in der Malerei der Berliner Secession" im Bröhan-Museum in Berlin (FAZ).
Immer schwieriger ist es in Russland, die Verbrechen der Stalinzeit aufzuarbeiten, das gilt auch für die zeitgenössische Kunst, erzählt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko in der FAZ. Gerade in den Nullerjahren waren Kunstwerke und Performances der Enkelgeneration der Unterdrückten ein wichtiges Medium, die russische Geschichte zu verstehen - heute braucht es dazu großen Mut, so Ilchenko. Den hat der Künstler Dmitri Machow, "der in der nordrussischen Stadt Syktywkar lebt, der bei einem seiner jüngsten Projekte dort den seltsamen Ausdruck 'Aktentag' (Aktirovannyj den) auf ein gefrorenes Fenster gekratzt hat. Im Kommentar zu seinem Werk erklärt Machow, das Wort habe in der nördlich des Polarkreises gelegenen Stadt Workuta, in der er seine Kindheit verbrachte, etwas Freudiges, Festliches bedeutet. Ein 'Aktentag' ist einer, an dem man wegen großer Kälte nicht zur Schule gehen muss. Später stellte er jedoch fest, dass die Schüler von Workuta den Ausdruck aus dem Wortschatz des Arbeitslagers Workuta übernommen hatten, einem der größten und schrecklichsten des Gulag. An 'Aktentagen' mussten die Lagerhäftlinge nicht zur Arbeit."
Um Kunstwerke, die unter freiem Himmel der Witterung ausgesetzt sind, macht sich Rainer Stamm in der FAZ offenbar mehr Sorgen als die Künstler und Käufer es bisweilen selbst getan haben. Dabei ergeben sich aber manchmal Geschichten, von denen der Kritiker einige zusammengetragen hat: "1965 besuchte Bob Dylan Andy Warhol in dessen Atelier an der East 47th Street und erhielt von ihm die 2,10 mal 1,34 Meter große Fassung des Gemäldes 'Double Elvis', die sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art befindet. Als Bob Dylan Warhols Factory verließ, musste er feststellen, dass das Bild nicht in den Kofferraum seines Wagens passte. Die Verbringung in freier Weltstadtluft hat, soweit man das durch Autopsie im Museum heute feststellen kann, keine bleibenden Schäden hinterlassen."
"Die Stärke der Ausstellung liegt vor allem in den Parallelen, die sie zur Gegenwart zieht", stellt Alexander Menden für die SZ fest: "So ist die gegenwärtige Debatte über die richtige 'Work-Life-Balance' ja überhaupt nur möglich, weil während der Industrialisierung erstmals kategorisch zwischen Arbeit und Freizeit unterschieden wurde. Ob ein Arbeiter, der mit Mörtelkelle und Hammer arbeitete, zur Freizeitgestaltung dann zum Tennisschläger griff, wie es Arthur Segals modernes Stillleben 'Spiel und Arbeit' (1931) suggeriert, darf allerdings bezweifelt werden."
Im taz-Gespräch befragt Fabian Bechtle die ukrainische Kuratorin Alona Karavai: Was wird aus einer Kunstszene, deren Land sich im ständigen Ausnahmezustand befindet? Bietet sie auch noch eine Möglichkeit zur Ablenkung? "Eskapismus gibt es kaum. Das vermissen einige Leute - und ich vermisse das auch. Es gibt ziemlich wenige Künstlerinnen und Künstler, die sagen: Okay, wir gehen jetzt in die abstrakte Form. Die jetzige Kunst in der Ukraine ist sehr realitätsnah. Man ist fast darin gefangen, kann über nichts anderes sprechen. Da spielt auch so etwas wie Selbstzensur eine Rolle, denn es gibt diese große Sache, die Katastrophe, die alles andere ausblendet. Dann sind die kleinen privaten Katastrophen unwichtig. Obwohl auch sie Räume eröffnen, in denen man über etwas anderes nachdenken kann, über die Zukunft, über Visionen. Diese Räume sind notwendig. Wir brauchen ebenso eine Kunst dafür, Kunst muss auch verschieden sein können."
Weiteres: Der Literaturwissenschaftler Thomas Combrink erinnert auf den "Bilder und Zeiten" - Seiten der FAZ an die Malerei des Filmemachers und Schriftstellers Herbert Achternbusch. Im Tagesspiegelschreibt Christiane Meixner den Nachruf auf die Berliner Bildhauerin Gisela von Bruchhausen, die im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Besprochen wird die Ausstellung "Willem de Rooij. Valkenburg." im Centraal Museum Utrecht (FAZ).
Hans-Joachim Müller zeichnet in der Welt nach, wie die Kunst sich insbesondere seit dem 20. Jahrhundert von der Erzählung ab- und der Abstraktion zugewandt hat. Erklärbar ist diese Entwicklung im Zuge der aufeinander folgenden Avantgarden zwar schon, meint Müller. Aber: "Aus unserem Bedarf an Erzählungen, was ist daraus geworden? Betroffen vom Pathos letztmöglicher Abstraktionen, überwältigt von der unendlichen Multiplikation ästhetischer Ereignisse, hat man längst vergessen, dass man vom Bild mal das variantenreiche Spiel mit den Welt- und Lebensgegenständen erwartet hat. Nur eine Ahnung ist geblieben, dass da möglicherweise auch etwas verloren gegangen sein könnte. Anders wäre der ungebremste Massenerfolg gar nicht erklärbar, der noch jede Ausstellung zur Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zur prognostizierbaren Sensation macht."
Almuth Spiegler unterhält sich in der Presse mit der ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko, die seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in Wien lebt und deren Bilder heute die Printausgabe der Zeitung schmücken. Es geht im Gespräch natürlich um den Krieg und ums Leben im Exil, aber auch um die Kulturpolitik der Ukraine: "Ich habe früher immer gedacht, oh, wie traurig, niemand beachtet uns in der Ukraine. Aber es war nicht nur die Schuld der westlichen Kuratoren, es war auch die Schuld der Ukraine selbst. Die Ukraine hat keine Kulturpolitik gemacht. Ich lerne jetzt, wie das Polen und Österreich machen, nämlich toll. Die Ukraine aber hat einfach kein Geld in zeitgenössische Kunst gesteckt. So passierte, was eben passiert ist: Ukrainische Künstler bekamen nur Sichtbarkeit, wenn irgendwelche Katastrophen bzw. politischen Verschiebungen passierten."
Außerdem: Stefan Trinks macht sich in der FAZ kunsthistorische Gedanken über die Weihnachtskrippe. Daniel Völzke fragt sich auf monopol, warum so viele Großkünstler wie Weihnachtsmänner aussehen.
Besprochen wird die Schau "Kindheit am Nil. Aufwachsen im Alten Ägypten" im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst, München (FAZ) und die Ausstellung "Die Morgenländer. Jüdische Forscher und Abenteurer auf der Suche nach dem Eigenen im Fremden" im Jüdischen Museum Hohenems (FAZ).
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