Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2019 - Musik

In der taz freut sich Adrian Schulz, dass Rocko Schamoni allen Ankündigungen zum Trotz doch wieder ein Album aufgenommen hat, auch wenn bei der "Musik für Jugendliche" Siebzigerjahre-Soulsound und schwermütige Heiterkeit Oberhand nehmen: "Erzählen, um noch ein bisschen Zeit herauszuschlagen: Das ist das Modell Scheherazade (damit meine ich keinen Reiskocher). Himmelhund Rocko Schamoni verfährt auf seinem neuen Album 'Musik für Jugendliche' genau andersherum - sich lustvoll dem Ende nähern, die Zeit verschrammeln lassen."

Weiteres: Patrick Bahners berichtet in der FAZ vom quälenden Ausschlussverfahren der Bayerischen Akademie der schönen Künste gegen den Musiker Siegfried Mauser. Josef Oehrlein gratuliert in der FAZ dem Spanier Julio García Vico zum Deutsche Dirigentenpreis.

Besprochen werden die Hommage an Gidon Kremer im Berliner Konzerthaus (Tsp) und ein Konzert des Dirigenten Juraj Valčuha mit Schostakowitsch und Rachmaninow in der deutsche Oper Berlin (Tsp).
Stichwörter: Schamoni, Rocko

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2019 - Musik

Höchst befremdlich findet Daniel Gerhardt auf ZeitOnline einen auf Pitchfork erschienenen Essay des Pophistorikers Simon Reynolds, in dem dieser die intellektuell hochstehende, abstrakt-avantgardistische elektronische Musik mit eher spitzen Fingern anfasst und unter dem Begriff "Conceptronica" bündelt (unser Resümee). Dass sich ausgerechnet der "Retromania"-Kritiker die Rückkehr zum hedonistischen Dancefloor der 90er wünscht und das emanzipatorische Potenzial übersieht, sei bedauerlich, immerhin gehe es hier um "eine in popkulturellen Kreisen nach wie vor ungewöhnlich hohe Zahl von Künstlerinnen und Künstlern, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität oder ihres Geschlechts mit Marginalisierung und Exotisierung konfrontiert werden. ... Chino Amobi, Holly Herndon, Lotic, Sophie und andere Gleichgesinnte bringen nicht nur jenen abstrakten Widerstand gegen die Außenwelt zum Ausdruck, den Reynolds in ihrer Musik erkennt. Sie formulieren auch praxisorientierte Lösungen für das Dasein als randständige Kunstschaffende, finden Strategien gegen Diskriminierung und erschließen neue Communitys."

Weitere Artikel: In einer essayartigen Großbesprechung in der SZ kontextualisiert Reinhard J. Brembeck Igor Levits Aufnahme sämtlicher Klaviersonaten Beethovens mit vorangegangenen Interpretationen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2019 - Musik

Plastikmüll auf Festivals, und überall heiß laufende Serverfarmen: Die Ökobilanz der Popmusik wird immer weniger vorweisbar, schreibt Markus Lücker im Tagesspiegel. Auch von der vor einigen Jahren noch vorherrschenden Ansicht, dass der Ausstieg aus der CD eher klimaschonend wirken würde, hat man sich verabschiedet. "War die Musikindustrie zur Jahrtausendwende in den USA noch für 157 Millionen Tonnen an Treibhausgasen verantwortlich, könnte sich dieser Wert nach Devines Schätzung bis 2016 mehr als verdoppelt haben. Demnach habe die Branche mit dem Speichern und Verarbeiten von Songdaten in dem Jahr zwischen 200 und 350 Millionen Tonnen Treibhausgase produziert."

Die Band The Aim of Design is to Define Space meldet sich nach langer Funkstille mit einem zehnminütigen Video zurück, das die Gentrifzierung Berlins angeprangert, freut sich Jan Kedves in der SZ. Von den zahlreichen darin gezeigten Berliner Orten sind viele kaum mehr wiederzuerkennen: "Alles voll mit dieser generischen, irgendwie modernen, neu hochgezogenen Mutlosigkeit." Wobei es gar nicht so sehr um nostalgische Sehnsucht nach den wilden 90ern und ihre Brachen geht, sondern die Band "befragt eher den Nostalgie-Mechanismus selbst: Als Stellvertreter für sich haben sie einen präpubertären Skater-Jungen engagiert. Ein unbeschriebenes Blatt, sozusagen. Der Junge blickt schon sehr lässig und superernst in die Kamera. Und steht vor der Volksbühne. Und sie haben ihm ein Ramones-T-Shirt angezogen! Da lauert also die Frage, was von den ganzen kulturellen und subkulturellen Mythen bleibt, wenn sie im Lauf der Zeit Warenform annehmen, wenn sie verscherbelt werden, als T-Shirt, als Religion, als Lebensstil. Und was ist, wenn der Mythos eine ganze Stadt ist?"



Weiteres: Marco Frei schildert in der NZZ die Lage der katalonischen Orgelmusik nach dem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum 2017. Jonathan Fischer stellt in der SZ das Londoner Afrobeat-Kollektv Kokoroko vor, dem es gerade beeindruckend gelingt, Jazz mit Pop-Appeal zu verbinden: "Afro-Folk plus Jazz-Ambiente hoch Inner-City-Coolness", lautet die Erfolgsformel. Im Tagesspiegel porträtiert Muhamad Abdi den schwulen palästinensischen Popmusiker Bashar Murad, der in seinen Texten die Homophobie seines Heimatlandes kritisiert.  Urs Bühler schreibt in der NZZ über die drei Schweizer Baldenweg-Geschwister, die sich auf Filmmusik spezialisiert. Jenni Zylka war für die taz bei Debbie Harrys Lesung aus ihrer Autobiografie.

Besprochen werden das neue Album von Wilco (Standard) und "Now", das Debüt des Hamburger Dance-Pop-Duos Shari Vari (taz).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2019 - Musik

Im Freitag berichtet Katrin Haase von den Leipziger Jazztagen. Besprochen werden das zweite neue Album von Big Thief in diesem Jahr (Tagesspiegel) und das neue Album "There Existed an Addiction to Blood" der Hiphop-Band Clipping ("eine Verrätselungsmaschine", meint Max Dax in der SZ). Ein Video:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2019 - Musik

Besprochen werden Kim Gordons Solo-Album "No Home Record" (Pitchfork), das neue Trettmann-Album (taz), ein Elgar- und Strauss-Abend mit Daniel Barenboims Staatskapelle (Tagesspiegel) und neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von Vagabon (SZ). Daraus ein Video:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2019 - Musik

Besprochen werden Ariana Grandes Auftritt in Zürich (NZZ), das neue Album der North Mississippi Allstars (Standard) und neue Klassikveröffentlichungen, darunter Mari Kodamas und Kent Naganos Aufnahme von Beethovens "nulltem" Klavierkonzert (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.10.2019 - Musik

Für die FAZ hat Jan Brachmann ein großes Gespräch mit dem Pianisten Daniil Trifonov über dessen anhaltende Auseinandersetzung mit Rachmaninow geführt. Das Werk des russischen Komponisten ist eine beträchtliche Herausforderung, erfahren wir. Denn "es gibt Passagen in seiner Musik, die - wenn man sie zu früh spielt - zur Verinnerlichung schlechter Angewohnheiten führen können", etwa "mit den Schultern herumzutanzen. Man braucht für Rachmaninows Musik verschiedene pianistische Techniken, die herauszufinden mich selbst einige Zeit gekostet hat. Ich übe sein zweites Klavierkonzert bis heute gern unter Wasser, im Swimmingpool. Der Klang in dem Konzert muss Wärme haben und zugleich leuchten. Es darf keine allzu scharfen Attacken geben. Ich brauche dazu feiner abgestufte Körperbewegungen. Da hilft das Üben unter Wasser. Sie aktivieren andere Muskelschichten dabei, spielen auch stärker aus der Wirbelsäule und den Schulterblättern heraus. "

Weiteres: Jan Paersch plaudert in der taz mit Leif Nüske, der in den Neunzigern den legendären Hamburger "Mojo Club" gründete. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Katharina Cichosch über "True Love Will Find You in the End" des kürzlich verstorbenen Indiemusikers Daniel Johnston.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2019 - Musik

Mit Kraftklub war Felix Kummer erfolgsverwöhnt und bediente zumindest die Vorlieben nicht völlig unpolitischer junger Musikhörer. Jetzt liegt sein Solo "Kiox" vor, das Daniel Gerhardt für ZeitOnline rezensiert. Kummer ist älter und "schon vor der Veröffentlichung von 'Kiox' zur Symbolfigur des guten, engagierten Ostdeutschen geworden. Das Album will sich nicht aus dieser Rolle heraus stehlen, aber auch das Unbehagen und die Anstrengungen thematisieren, die damit einher gehen.' Aber der "Deutschrap wird nicht weicher. Es ist Kummer, der härter erscheint als bisher. ... Auf Kiox klingen die Refrains schlecht gelaunt, oder angepisst, wie es im Tonfall des Albums heißen müsste. Statt aerodynamischer Gitarrenriffs bestreiten nun Trap-Rap-Beats nach US-amerikanischer Südstaatenprägung den Weg dorthin." Ein aktuelles Video:



Besprochen werden Kim Gordons Debüt-Soloalbum "No Home Record" (SZ, mehr dazu hier), Ariana Grandes Auftritt in Berlin (Tagesspiegel, Berliner Zeitung, SZ), das neue Album von Lana del Rey (FR), ein Konzert des RSO Wien mit Jakub Hrůša (Standard), Taylor Macs in Berlin gezeigte Performance ""A 24-Decade History of Popular Music" (Berliner Zeitung), das neue Album des Schweizer Indiepop-Schlagersängers Dagobert (taz), Big Thiefs zweites neues Album in diesem Jahr (Pitchfork) und das bis dahin unveröffentlichte Miles-Davis-Album "Rubberband" aus den 80ern (NZZ, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.10.2019 - Musik

Mit 66 Jahren hat Kim Gordon als einstige Frontfrau von Sonic Youth nun ihr erstes Soloalbum veröffentlicht. "No Home Record" wirkt wie eine nervöse Autofahrt durch L.A., Gordons neuem Lebensmittelpunkt, erklärt Karl Fluch im Standard. Zu hören gibt es "akustische Fragmente. Man hört elektronische Beats aus vorbeifahrenden Autos, irgendwo summt eine defekte Reklametafel, Wortfetzen bleiben wie tote Insekten an der Windschutzscheibe hängen. Daraus montiert Gordon ihre Songs.... Zum Irrsinn des modernen Lebens positioniert sie sich ihrem Wesen nach distanziert. Gleichzeitig hadert sie an dem Zwiespalt von Ablehnung und Partizipieren. Sie will nicht, was man ihr vor die Nase hängt, sie braucht es nicht, trotzdem ist es überall. Ein Gift wie der Kapitalismus, verführerisch und zerstörerisch zugleich. Aus diesem Zustand heraus entsteht, was Gordon ihre 'fucked up poetry' nennt." Tobi Müller ergänzt auf ZeitOnline: "Die existenzielle Unbehaustheit ist das Generalthema in Gordons Werk. Weniger pathetisch lässt sich das kaum sagen." Ein aktuelles Video:



Besprochen werden das neue Wilco-Album (SZ), Angel Olsens neues Album "All Mirrors" (Jungle World), Hanne Hukkelbergs "Birthmark" (taz), Igor Levits Konzert in Wien (Standard), ein Auftritt von Cher (NZZ), ein Konzert von Erdmöbel (FAZ) und das neue Album von Ezra Furman (NZZ).
Stichwörter: Gordon, Kim, Levit, Igor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2019 - Musik

Der Umsatz mit Klassik-CDs musste zuletzt erhebliche Einbußen hinnehmen und die Zahl der Aushängeschilder, die die Bilanz am Ende dick machen, wird immer kleiner, erfahren wir von Michael Stallknecht in der SZ. Zahlreiche Veröffentlichungen erzielen Absätze im mittleren dreistelligen Bereich - und Streaming kompensiert die weggebrochenen Einkünfte kaum. "Die Zeiten, in denen Künstler für ihre Aufnahmen Vorschüsse auf die ersten verkauften Exemplare bekamen, sind auch lange vorbei. In der Gegenwart müssen es sich Musiker erst mal leisten können aufzunehmen, denn nicht selten müssen sie es selbst bezahlen. ... Die Plattenfirma fungiert hier im Grunde nur noch als Gatekeeper, als Gütesiegel für Plattenhändler und Kunden. Daneben stellt sie ihre Vertriebswege zur Verfügung und investiert manchmal noch in Marketingmaßnahmen, wobei die Künstler auch Werbematerialien wie Fotos und Videos oft selber zahlen müssen." Warum sich die Musiker das gefallen lassen? Für sie ist die vorweisbare CD noch immer eine Art "Visitenkarte".

Weiteres: In der taz spricht Philipp Rhensius mit dem House-DJ Theo Parrish, der für eine Show zahlreiche Legenden des Labels Black Jazz Records nach Berlin holt. Für den Tagesspiegel streift Udo Badelt mit dem queeren Popkünstler Taylor Mac durch Berlin, wo er demnächst seine Show "A 24-Decade History of Popular Music" aufführen wird. Und parallel zu den 200 besten Songs der 10er-Jahre (unser Resümee) hat Pitchfork nun auch die 200 besten Alben der 10-er Jahre gekürt. Auf der Spitzenposition: "Blonde" von Frank Ocean.



Besprochen werden Kim Gordons Solo-Album "No Home Record" (Freitag), ein Auftritt der Pianistin Hélène Grimaud mit dem von Teodor Currentzis dirigierten "Music Aeterna"-Orchester (SZ), Bill Calahans Berliner Konzert (Tagesspiegel), ein Auftritt der Rockband Black Midi (Berliner Zeitung) und Salami Rose' Album "Zdenka 2080" (FR)