Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2026 - Musik

Jens Balzer muss auf ZeitOnline Jürgen Kaube in der FAZ (unser Resümee von gestern) in allem widersprechen: Bad Bunnys Auftritt beim Superbowl war in Gänze "eine politische Botschaft, ebenso fröhlich und tanzbar wie auch subtil" sowie "vom Stolz der Diaspora erfüllt, vom Stolz der Menschen, die ihre Heimat verlassen, um anderswo neue Arten der Heimat zu bauen. Ihre Kultur ist eine Kultur der unablässigen Neuverbindung und Neuerfindung. In rasendem Tempo spielte sich Bad Bunny ... durch all seine Prägungen und Inspirationen, durch sein Werk, unablässig wechselte er die musikalischen Farben, vom neuesten Reggaeton mit seinen magnetischen elektronischen Beats ging er zurück zu traditionellen mittel- und südamerikanischen Stilen wie Salsa und Bomba, er spielte mit Nuevayol eine kurze Hommage an die diasporische Szene, die in den 1970er-Jahren die musikalische Kultur von New York prägte. ... 'God Bless America', rief er am Ende, aber gemeint war nicht allein das Nordamerika der USA, es waren die beiden Amerikas, es war das ganze Amerika."

Inga Barthels erklärt im Tagesspiegel einige Anspielungen: Die Zuckerrohrplantagen, die über weite Strecken die Kulisse prägten, sind ein "Verweis auf die jahrhundertelange Kolonialisierung Puerto Ricos". In einem Teil des Medleys prangert Bad Bunny sexuelle Übergriffe im Reggaeton an. Ricky Martin sang in seinem Gastauftritt dagegen an, dass Puerto Rico ein US-Bundesstaat werden solle. Auch funkensprühende Strommasten waren zu sehen, "ein Verweis auf die vielen Stromausfälle und die Untätigkeit der lokalen Regierung in Puerto Rico. ...  Er beendete die Show, indem er eine Botschaft auf den Jumbotron projizierte: 'Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe.' Wie könnte man dieser Message widersprechen?"

Außerdem: Barbara Oertel berichtet in der taz von Diskussionen in der Ukraine, ob die seit vielen Jahren in Deutschland lebende Sängerin Viktoria Korniikowa die Ukraine beim Eurovision Song Contest vertreten darf. Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Pianisten Tamás Vásáry. Hier spielt er die Mondscheinsonate Beethovens:



Besprochen werden ein Berliner Auftritt des Jazzpianisten Alfa Mist (taz), ein Konzert des Bariton Julian Prégardien mit Musikerin des Ensemble Modern (FR), ein von Thomas Guggeis dirigiertes Konzert des Geigers Elias David Moncado in Frankfurt (FR) und Jojis Album "Piss in the Wind" (SZ).
Stichwörter: Bad Bunny, Super Bowl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.02.2026 - Musik

Für ihr neues Album "Chicago Tapes" hat die Kölner Saxofonistin Angelika Niescier ihr Netzwerk zur Chicagoer Jazzszene genutzt, die seit Jahren die aufregendsten Impulse im Jazz setzt: Mit Mike Reed, Dave Rempis, Jason Adasiewicz, Luke Stewart und Nicole Mitchell hat sie ein widerständiges, komplexes Werk aufgenommen, freut sich Ulrich Rüdenauer in der FAZ. "Aus dem Groove scheinen sich die irren Läufe, komplexen Duette, die einander umgarnenden, umschlingenden Melodielinien, die lyrischen Motive und wütenden Ausbrüche von Niescier, Rempis und Mitchell herauszuschrauben, aus ihm entwickeln sie ihre Schubkraft. Das hat zuweilen etwas Hardbophaftes, manchmal etwas verspielt Experimentelles. Da hört man Niescier und Rempis sich beim Song 'Great Horned Owl' in einen Bienenschwarm verwandeln. ... Der Beitrag des Bassisten Luke Stewart ist im Übrigen nicht hoch genug einzuschätzen, sein filigran kraftvolles Pizzicato trägt enorm zur Intensität eines Albums bei, das bei jedem Hören neue Farben, Facetten, Fliehkräfte entwickelt. Falls jemand wissen will, wo die Zukunft des deutschen Jazz liegt: jenseits aller Grenzen und in jedem einzelnen Ton von Angelika Niescier."

Jürgen Kaube hat sich die Nacht um die Ohren geschlagen, um sich den Super Bowl samt Bad Bunnys Halftime-Show zu Gemüte zu führen, die im Vorfeld wegen MAGA-Empörungen und Bunnys "ICE out"-Ansage beim Grammy (unser Resümee) politisch ziemlich aufgeladen war. Fazit? Hat sich nicht gelohnt. Zu sehen war "ein im weißen Anzug auftretender Sänger, der von vielen Frauen, auch ein paar Paaren umtanzt wurde, bewegte sich durch einen Hain so, wie es früher die Schlagerstars in den Kulissen der Abendshows mit dem Fernsehballett taten. Tscha-tscha-tscha in Rap-Version. Gute, rhythmisch beschwingte Laune. Bestätigung aller Phrasen vom lateinamerikanischen Temperament. Politisch war daran gar nichts. Es war harmlos. Wer ausdrücklichen Widerstand, demonstrative Kritik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Operette ist keine Form des Widerstands, und Bad Bunny ist eine Operettenfigur, ein puertoricanischer Czardasfürst." Der Auftritt steht auf Youtube, ist aber leider nicht einbindbar.

Weitere Artikel: Dorothea Walchshäusl porträtiert in der NZZ den ukrainischen Pianisten Alexey Botvinov, der seine Musik als Mittel begreift, um "der Brutalität des Krieges etwas zutiefst Humanes entgegenzusetzen", aber eine "politische oder ideologische Vereinnahmung rundweg ablehnt". Dennis Sand schreibt in der Welt einen Nachruf auf Brad Arnold, den Sänger von 3 Doors Down, der mit 47 Jahren an Krebs gestorben ist.

Besprochen werden Olga Neuwirths neues, vom BR übertragenes Klarinettenkonzert "Zones of Blue" (ZeitOnline), Uwe Dierksens Album "Hirngespinste / Pipedreams" (FAZ), Jordi Savalls Aufnahme von Mozarts c-Moll-Messe ("säkularen Kunstgenuss vom Feinsten" verspricht FAZ-Kritiker Ulrich Konrad) und eine Kino-Doku über immens erfolgreiche K-Pop-Band Stray Kids (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.02.2026 - Musik

Kristoffer Cornils hat sich für die taz die teils alarmistischen Studien zum Konsum von KI-Musik mal genauer angesehen. Sein Befund: Die darin enthaltenen "spärlichen Informationen" lassen eindeutige Schlüsse eher nicht zu, außer vielleicht dem, dass  "Verwirrung darüber herrscht, was echt und was KI-generiert ist". Dass Spotify KI aber schon seit langem zumindest zur Analyse nutzt, um "perfekte Playlists" zusammenzustellen und dazu passgenau komponierte, tantiemengünstige Songs produzieren zu lassen, ist schon länger bekannt (mehr dazu hier). Dazu gesellen sich jetzt die KI-Copycats, die das Spiel nun auf eigene Faust betreiben: "Ob die im Sommer bekannt gewordene KI-Band Velvet Sundown oder Sienna Rose und Jacub - sie alle ahmen beliebte Genres nach und bieten sich als Alltagsklangkulisse an. Ein großer Teil ihres Erfolgsrezepts besteht darin, überhaupt nicht aufzufallen und sich vielmehr in den Flow der Gleichförmigkeit des Playlists-Ökosystems einzuschmuggeln. So wird aus Spotify sukzessiv Slopify."

Außerdem: Olaf Karnik porträtiert in der taz den Dubreggae-Produzenten Adrian Sherwood, der gerade sein neues Album "The Collapse of Everything" veröffentlicht hat. Till Hahn erinnert im Freitag an das Linkin-Park-Album "Hybrid Theory", das vor 25 Jahren erschienen ist. Von Dr. Alban bis Dr. Dre: Jens Balzer führt in der Zeit durch die Welt der falschen Doktortitel im Pop. Martin Seng blickt in der FAS auf die etwas verzweifelt wirkenden Versuche der katholischen Kirche, sich über Pop und DJing bei der jungen Generation einzuschmeicheln.

Besprochen werden der von Geralf Pochop zusammengestellte Band "Tanz auf dem Vulkan" mit Dokumenten und Archivalia von "widerständiger Punk-Frauen in der DDR" (taz), ein gemeinsames Konzert von Tabea Zimmermann und Marek Janowski in der Tonhalle Zürich (NZZ), ein Konzert der HR-Bigband (FR) und Redveils neues Rap-Album "Sankofa" (ein "großer Wurf - hier ist nichts zu viel", schwärmt Stefan Michalzik in der FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2026 - Musik

Besprochen werden das Livealbum "Building Babylon Live At The Bayou" mit bislang verschollen geglaubten Aufnahmen aus der Frühzeit der legendären Hardcore-Punk-Pioniere Bad Brains (taz), "Nachtschicht", das zweite Album von Luise Matthes' Soloprojekt bauSTELLE (taz), Mariá Portugals und Fred Friths gemeinsames Album "Matter" (FR) und das neue Album des russischen Rappers Husky, der 2014 zwar die Besetzung des Donbass unterstützte, nun aber offenbar von den Schrecken des Kriegs erzählt (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.02.2026 - Musik

Im Stadtarchiv Leipzig entdeckte Akten zur Leipziger Kirchenmusik, darunter ein Zeugnis, das Johann Sebastian Bach seinem Bassisten Gottlob Friedrich Türsch 1740 ausgestellt hat, "belegen erstmals, dass der Leipziger Rat studentische Sänger und Instrumentalisten gezielt durch Stipendien förderte", schreibt Jan Brachmann in der FAZ: "So schlecht, wie 2024 in dem ARD-Film 'Bach - Ein Weihnachtswunder' behauptet, kann das Verhältnis Bachs zum Leipziger Rat also nicht gewesen sein." Anna Schors recherchiert in VAN dazu, dass beim Gesangsstudium viele Studierende heimlich Privatunterricht nehmen, da dies an den Ausbildungsorten üblicherweise als Tabu gilt. Adrian Schräder wärmt in der NZZ Zürich für das anstehende Konzert von Earl Sweatshirt auf.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.02.2026 - Musik

"Es ist, als würde hier das ganze Genre des Hip-Hops auseinandergeschraubt - und in seinen absurdesten Ausformungen wieder zusammengesetzt", staunt Luca Viglahn (SZ) glücklich überfordert über das neue Album "My Ghosts Go Ghost" des experimentellen Hip-Hop-Duos By Storm, das darauf den frühen Tod eines dritten Mitglieds betrauert und verarbeitet. Es "klingt wütender, brutaler und chaotischer als ihre bisherigen Projekte. Ritchie rappt oft hektisch, mantraartig, getrieben, wiederholt sich immer wieder, als sei er in unendlichen Gedankenspiralen gefangen. Ein introspektives Chaos. Und eine Art Ausweg: schreien, abdrehen und in Emotionalität und Schmerz völlig zerfließen. Insgesamt bekommt das so viel von der modernen Internetästhetik anderer Experimental-Rapper wie JPEG Mafia oder Death Grips, behält aber auch immer wieder seine ganz eigene, herausragende musikalische Vorstellungskraft."



Dass Bad Bunny - in Deutschland wohl erst seit seiner Grammy-Rede vom vergangenen Samstag einem größeren Publikum bekannt, international aber seit Jahren der absolute King im Streaming - kommendes Wochenende die Halbzeit-Show beim Super Bowl bestreiten wird, "bringt Konservative in den USA auf die Palme", schreibt Elena Panagiotidis in der NZZ. Was nicht wundert, denn "der Super Bowl ist in den USA der Fernseh-Event mit der höchsten Einschaltquote. In der Halftime-Show treten bekannte Künstler auf. ... Der Auftritt ist ein Ritual, bei dem die USA sich und dem Rest der Welt erzählen, wer sie sind. ... Bad Bunnys Super-Bowl-Auftritt verspricht in dem aufgeheizten Klima zusätzliche Reibung. Das zeigt sich auch darin, dass nun die Organisation Turning Point USA - die vom im vergangenen Jahr ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk gegründet wurde - eine parallele 'All-American Halftime Show' angekündigt hat."

Weiteres: Julian Zwingel berichtet in der taz von der Pleite des Berliner Musiksoftware-Herstellers Native Instruments. Josef Engels spricht für die Welt mit dem Jazzmusiker Nils Wülker. Besprochen wird Max Jaffes Album "You Want That Too!" (FR).
Stichwörter: By Storm, Hiphop, Super Bowl, Bad Bunny

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2026 - Musik

Bei der Grammy-Verleihung wurde in diesem Jahr "ordentlich etwas geboten", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online: Politische Statements, in die Luft gejagte Tankstellen, und und und. Das mit den Statements gelang den Künstlern "auf gleichsam fröhliche, kluge, entschiedene Weise. Es war dies nämlich vor allem ein Abend, der auf die versöhnende Kraft der Musik setzte." Beeindruckend findet Balzer Bad Bunny, der als erster für eine spanischsprachige Platte die Trophäe "Bestes Album des Jahres" davon tragen konnte. In den USA gab Bad Bunny zuletzt keine Konzerte mehr, auch "aus Sorge darum, dass dessen ICE-Milizionäre seine Konzerte nutzen könnten, um Menschen aus seinem Publikum gefangenzunehmen und zu deportieren. In seiner Heimat Puerto Rico hat Bad Bunny hingegen gerade eine Reihe von 30 Konzerten gespielt, dabei hat er darauf geachtet, dass die örtliche Tourismusindustrie davon profitiert und dass die Eintrittspreise für die lokale Bevölkerung erschwinglich bleiben (weswegen er sich, das erwähnt Trevor Noah nicht, auch noch mit dem Monopolisten Ticketmaster anlegte)." Und mit seiner "Ice out"-Dankesrede wurde Bunny gar zur "Stimme einer ganzen Generation".



Joachim Hentschel von der SZ war indessen sehr genervt von dieser "TV-Show allerspeckigster Machart" und der "der äußerst mediokren, fast bürokratischen Manier, in der im Februar 2026 bei der weltweit wichtigsten Musikpreisverleihung die Stellungen bezogen wurden". Denn "während in Minneapolis Tausende auf den Straßen sind, um Widerstand gegen die Willkür und Gewalt der aus Washington geschickten Abschiebungs- und Grenzschützertrupps zu leisten, erschöpften sich die Solidaritätsbekundungen der Grammy-Gäste im Tragen von Buttons und ein paar pflichtschuldig wirkenden 'Fuck ICE'- oder 'ICE Out!'-Rufen." Carolina Schwarz wünscht sich derweil im taz-Kommentar, dass sich deutsche Promis an ihren Kollegen in den USA ein Beispiel nehmen und ähnlich gegen die AfD austeilen. In der NZZ resümiert Rahel Zingg mit zahlreichen Videos die Grammy. Vom Thema Iran ganz zu schweigen, das bei den letztes Jahr noch so palästinasolidarischen Stars (Bilder) keinerlei Regung auszulösen scheint. 

Außerdem: In der taz erzählen Beate Scheder und Julian Weber von ihren teils abenteuerlichen Klang-Expeditionen beim CTM-Festival in Berlin. Besprochen wird ein Konzert von Daniel Kahn in Frankfurt (FR).
Stichwörter: Bad Bunny, Grammy Awards

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2026 - Musik

Christian Thielemann dirigiert auch ohne Taktstock, Pult und Partituren. So beobachtet von ZeitOnline-Kritiker Florian Zinnecker am Samstagabend beim Brahms-Konzert mit der Berliner Staatskapelle in der Elbphilharmonie (hier das Programmheft als PDF). "Was hier passiert, ist schon psychologisch nicht zu verachten: Ein Mensch ordnet das Chaos der Welt mit bloßen Händen, nicht mit physikalischer, sondern rein metaphysischer Kraft, und macht daraus Rhythmus, Harmonie und Schönheit, sodass sich alle danach ganz aufgeräumt fühlen. Auch das machen alle Dirigenten, klar. Nur sind bei Thielemann sogar die Teppichfransen besonders schön gekämmt.  ... Und man hört und sieht, dass Thielemann selbst dieses Requiem als keineswegs vergeistigte, sondern als höchst körperliche Veranstaltung, ja: begreift. Er scheint die Töne aus der Luft zu pflücken, manche löst er sorgsam heraus, einige reißt er mit Gewalt an sich. Einen Kontrabasseinsatz greift er sich mit der gestreckten Linken, einen anderen wirft er in Richtung tiefes Blech."

Weitere Artikel: Nadine Lange resümiert im Tagesspiegel die Grammy-Awards, bei denen mit Bad Bunnys "Debí Tirar Más Fotos" erstmals ein spanischsprachiges Album als das beste des Jahres ausgezeichnet wurde und die ganz im Zeichen der Proteste gegen ICE standen. In der taz freut sich Tim Caspar Boehme über die (wenn auch postume) Grammy-Auszeichnung für Fela Kuti fürs Lebenswerk. Im Entsetzen über Nicki Minajs Trump-Bekenntnis verrät sich mal wieder das Missverständnis, "Rapper und Rapperinnen seien in ihrer rüpeligen Unangepasstheit grundsätzlich Rebellen, die die Umstände ändern oder gar stürzen wollten", schreibt Jakob Biazza in der SZ. Italien feiert mit einer Ausstellung und einem Biopic den vor fünf Jahren gestorbenen Cantatore Franco Battiato, berichtet Marc Zollinger in der NZZ. Michael Stallknecht erinnert in der NZZ an die Karriere des Kastraten Giovanni Battista Velluti. In der Welt ärgert sich Julian Thellen, dass Harry Styles zwar gerne in Berlin lebt, feiert und den Marathon läuft, hier auf seiner angekündigten großen Tournee aber kein Konzert geben will. 

Besprochen werden ein Mozart-Konzert der Wiener Philharmoniker mit Daniel Ottensamer unter Robin Ticciati (Standard), Melanes Konzert in Frankfurt (FR) sowie Kali Malones und Drew McDowalls Drone-Album "Magnetism" (Jungle World).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.01.2026 - Musik

Robin Passon wundert sich in der FAZ, dass es beim Basler Kammermusikfestival Mizmorim schwerpunktmäßig zwar um Jerusalem und dessen muskalische Kulturen geht, aber niemand so richtig die aktuellen Ereignisse in Nahost ansprechen will: "Können wir dann einfach so das Zusammenleben der Kulturen feiern, während in den palästinensischen Flüchtlingslagern der Winter wütet und die israelische Gesellschaft selbst gespalten ist wie selten?" Passon stört sich daran, dass man "kommentarlos Grußworte des israelischen Botschafters ins Programmheft aufnimmt und auf Stiftungsgelder mit israelischen Anteilen baut". Das fühle sich "zwischen Falafel und Sekt beim heiteren Apéro beklemmend an, zumal inzwischen auch der Dirigent Zubin Mehta, ein langjähriger Freund Israels, alle Konzerte in diesem Land aus Protest gegen die Politik Netanjahus abgesagt hat." Im Podcast von Backstage Classical kommt die israelische Sopranistin Chen Reiss auf Mehtas Entscheidung zu sprechen: Für Kritik an Netanjahu ist sie jederzeit zu haben, aber ein Boykott Israels treffe nur die falschen, aber gewiss nicht die politischen Führer.

Weitere Artikel: Lucien Scherrer (NZZ) und Julia Encke (FAS) hören Michel Houellebecqs erste Single als, nunja, "Chansonnier". Beate Scheder und Julian Weber berichten in der taz vom Berliner Avantgarde-Elektro-Festival CTM, bei dem "der alte Menschheitswunsch, Sound zu visualisieren ... Wirklichkeit geworden" ist. Dass die US-Rapperin Nicki Minaj seit kurzem an der Seite von Donald Trump steht, "erstaunt nicht nur ihre zu großen Teilen queere und migrantische Fangemeinschaft", schreibt Leonie Charlotte Wagner in der NZZ, denn schließlich hatte die US-Rapperin in Trumps erster Amtszeit diesen noch schwer kritisiert. In der FAZ gratuliert Jan Wiele Ur-Punk John Lydon zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden Mabe Frattis und Titanics Album "Hagen" (taz), ein Jazzkonzert von Lars Danielsson, John Parricelli und Verneri Pohjola in Frankfurt (FR) und Makaya McCravens neues Doppelalbum "Off the Record" (FR).

Stichwörter: Mizmorim, Kammermusik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2026 - Musik



"Dieser Song ist nicht nur ein gutes, angemessen zornig vorgetragenes Statement gegen dieautoritäre und tödliche Politik des aktuellen US-Präsidenten und seiner Schergen", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online über Bruce Springsteens unter den Eindrücken der ICE-Exzesse in den USA entstandenes Stück "Streets of Minneapolis", er ist auch "als Protestsong ... geradezu idealtypisch gelungen". Dies nicht zuletzt darin, wie es Woody Guthrie als Stichwortgeber aufruft. Und es ist "ein zutiefst patriotisches Lied. Es verteidigt ein richtiges gegen ein falsches Verständnis von Patriotismus." Denn die Menschen auf der Gegenseite "sind ebenso falsche Christen, wie sie falsche Patrioten sind. ... 'ICE out / ICE out', lässt Bruce Springsteen am Schluss seines Songs einen Demonstrationschor skandieren. Es klingt wie eine Teufelsaustreibung."

"Offensichtlich sieht Springsteen die Zeit gekommen, um eine breitere Widerstandsbewegung gegen die Politik Donald Trumps zu formieren", schreibt Ueli Bernays in der NZZ. "Subtil" ist die Lyrik zu diesem Zweck zwar nicht gerade, "aber in der gegenwärtigen Situation muss man eben direkt sein", kommentiert Dirk Knipphals in der taz. Nicht nur Springsteen ruft zum Protest auf, auch im eher Trump zugeneigten Country zeigen sich insbesondere unter jüngeren Musikern kritische Stimmen, schreibt Gerrit Bartels im Tagesspiegel und hebt hier Jesse Welles und Zach Bryan hervor.



Weitere Artikel: Christoph Irrgeher fragt sich im Standard, ob das millionenschwere Strauss-Jahr der Stadt Wien nicht eine große "Geldvernichtung" war. Anastasia Zejneli stellt in der taz die polnischen Hiphop vor. Einst als feministische Ikone zur Queen of Rap geadelt, ist Nicki Minaj jetzt, da sie mit Trump küngelt, höchstens noch die Queen of Cringe, ärgert sich Alice von Lenthe in der taz. Lotte Thaler berichtet in der FAZ vom Streichquartettfest in Heidelberg.

Besprochen werden ein gemeinsames Konzert von Martha Argerich und den Brüdern Renaud und Gautier Capuçon in Wien (Standard), ein von Santtu-Matias Rouvali dirigiertes Gastspiel des Londoner Philharmonia Orchestra in Wien (Standard) und das Debütalbum der Leipziger Indie-Band Frau Lehmann (SZ).