Für ihr
neues Album "Chicago Tapes" hat die Kölner Saxofonistin
Angelika Niescier ihr Netzwerk zur
Chicagoer Jazzszene genutzt, die seit Jahren die aufregendsten Impulse im Jazz setzt: Mit Mike Reed, Dave Rempis, Jason Adasiewicz, Luke Stewart und Nicole Mitchell hat sie ein widerständiges, komplexes Werk aufgenommen, freut sich Ulrich Rüdenauer in der
FAZ. "Aus dem Groove scheinen sich die irren Läufe, komplexen Duette, die einander umgarnenden, umschlingenden Melodielinien, die lyrischen Motive und
wütenden Ausbrüche von Niescier, Rempis und Mitchell herauszuschrauben, aus ihm entwickeln sie ihre Schubkraft. Das hat zuweilen etwas Hardbophaftes, manchmal etwas verspielt Experimentelles. Da hört man Niescier und Rempis sich beim Song 'Great Horned Owl' in einen
Bienenschwarm verwandeln. ... Der Beitrag des Bassisten
Luke Stewart ist im Übrigen nicht hoch genug einzuschätzen, sein
filigran kraftvolles Pizzicato trägt enorm zur Intensität eines Albums bei, das bei jedem Hören
neue Farben,
Facetten,
Fliehkräfte entwickelt. Falls jemand wissen will, wo
die Zukunft des deutschen Jazz liegt: jenseits aller Grenzen und in jedem einzelnen Ton von Angelika Niescier."
Jürgen Kaube hat sich die Nacht um die Ohren geschlagen, um sich den
Super Bowl samt
Bad Bunnys Halftime-Show zu Gemüte zu führen, die im Vorfeld wegen MAGA-Empörungen und Bunnys "ICE out"-Ansage beim Grammy (
unser Resümee) politisch ziemlich aufgeladen war. Fazit? Hat sich nicht gelohnt. Zu sehen war "ein im weißen Anzug auftretender Sänger, der von vielen Frauen, auch ein paar Paaren umtanzt wurde, bewegte sich durch einen Hain so, wie es früher die
Schlagerstars in den Kulissen der Abendshows mit dem Fernsehballett taten.
Tscha-
tscha-
tscha in Rap-
Version. Gute, rhythmisch beschwingte Laune. Bestätigung aller Phrasen vom lateinamerikanischen Temperament.
Politisch war daran gar nichts. Es war harmlos. Wer ausdrücklichen Widerstand, demonstrative Kritik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Operette ist keine Form des Widerstands, und Bad Bunny ist eine
Operettenfigur, ein puertoricanischer Czardasfürst."
Der Auftritt steht auf
Youtube, ist aber leider nicht einbindbar.
Weitere Artikel: Dorothea Walchshäusl
porträtiert in der
NZZ den ukrainischen Pianisten
Alexey Botvinov, der seine Musik als Mittel begreift, um "der Brutalität des Krieges etwas zutiefst Humanes entgegenzusetzen", aber eine "
politische oder ideologische Vereinnahmung rundweg ablehnt". Dennis Sand
schreibt in der
Welt einen Nachruf auf
Brad Arnold, den Sänger von
3 Doors Down, der mit 47 Jahren an Krebs gestorben ist.
Besprochen werden
Olga Neuwirths neues, vom
BR übertragenes Klarinettenkonzert "Zones of Blue" (
ZeitOnline),
Uwe Dierksens Album "Hirngespinste / Pipedreams" (
FAZ),
Jordi Savalls Aufnahme von
Mozarts c-Moll-Messe ("säkularen Kunstgenuss vom Feinsten" verspricht
FAZ-Kritiker Ulrich Konrad) und eine Kino-Doku über immens erfolgreiche K-Pop-Band
Stray Kids (
Welt).