Axel Brüggemann (Backstage Classical) beobachtet "einen Trend in der Klassikbranche: Die klassische Künstleragentur gerät als eigenständiges Geschäftsmodell zunehmend unter Druck." Hans-Christian Rößler porträtiert in der FAS den Dirigenten DavidAfkham, der nach zwölf Jahren das SpanischeNationalorchester verlässt. Jakob Thaller fragt sich im Standard, warum Popkonzerte eigentlich immerspektakulärer, aber auch immerteurer werden müssen. Adrian Schräder porträtiert in der NZZ den anonym hinter roter Maske auftretenden Soulmusiker PaleJay.
Weiteres: Im "Musikfeuilleton" von Dlf Kulturerinnert Michael Stegemann an den vor 300 Jahren gestorbenen Komponisten Michel-RichardDelalande. Besprochen werden ein NDR-Podcast, der kritisch auf das Metalfestival Wacken blickt (SZ), ReinholdHeils bereits Mitte der Neunziger aufgenommenes, aber erst heute veröffentlichtes "The Electric Heidiland" (FR), ein Buch der Literaturwissenschaftlerin StephanieBurt über TaylorSwift (FAZ) und SiennaSpiros Debütalbum "The Visitor" (SZ). Außerdem bringt die NZZ eine umfangreiche Beilage zum LucerneFestival.
Die Feuilletons trauern um BonnieTyler, die britische Powerballaden-Powerfrau mit der Föhnwelle und der rauen Stimme, die einem operativen Eingriff in ihre Stimmbänder geschuldet ist. Mit einem vom Balkon aus lautstark in die Stadt gebrüllten "It's a Heartache" möchte Jens Balzer am liebsten seinen Gefühlen Ausdruck verleihen, zu unserem Leserglück beschränkt er sich auf eine schriftliche Würdigung auf Zeit Online: Mit dem auf Pop-Bombast spezialisierten JimSteinman fand Tyler in den Achtzigern einen kongenialen Partner im Studio: Mit dem von ihm geschriebenen "Total Eclipse of the Heart" übertraf sie "sich selbst: Aus einem pseudospinettbeklimperten Balladenanfang steigert sie das Stück zu einer mit dem gewaltigsten Gefühl herausgeschmetterten Rockopernarie, larger than life. In dem dazugehörigen Video - einem der ersten größten Erfolge auf MTV - wandelt Bonnie Tyler, nunmehr mit wehender Feder-Fönfrisur, durch ein Spukschloss und deklamiert den Refrain von einer hohen Balustrade herab, während das Treppenhaus darunter von lederbekleidetenZombie-Männern mit verspiegelten Sonnenbrillen erklommen wird. Man könnte auch sagen: Hier wird in knapp sechs Minuten die gesamte Popästhetik der Achtzigerjahre aufs Wesentliche verdichtet."
"Fast alle Songs der 1951 in Wales geborenen Sängerin scheinen schmerzerfüllt auszuatmen, was man seit einiger Zeit als Resilienz bezeichnet, eine unverwüstliche Widerstandskraft, nach Niederlagen aufzustehen und das Krönchen zu richten", schreibt Harry Nutt in der FR. Gerhard Matzig staunt in der SZ: "Dass eine Frau, die seit 1973 glücklich und skandalfrei mit der Liebe ihres Lebens Robert Sullivan verheiratet war, so wundersam authentisch und glaubhaft für unglücklich bis verzweifelt Liebende singt, ist eine der schönsten Pointen der Popgeschichte." Auch modisch war Tyler einflussreich: Mit ihrem Auftreten und ihren extravagantenOutfits prägte sie ein bestimmtes Frauenbild der Achtzigerjahre maßgeblich mit", hält Jan Wiele in der FAZ fest. Weitere Nachrufe schreiben Jan Feddersen (taz) und Manuel Brug (Welt).
Auch ihr zweiter ganz großer 80s-Hit darf nicht verschwiegen werden:
Weiteres: Johann Voigt berichtet in der taz von der grotesken Geschichte, dass der albanische Premierminister Edi Rama in seinem Land unbedingt ein nach allen Regeln der Kunst schiefzugehen drohendes Konzert des wegen seiner grob antisemitischen Tiraden seit Jahren ins Aus manövrierten KanyeWest organisieren will und damit große Teile der Bevölkerung gegen sich aufbringt, während der erhoffte touristische Zustrom sich nicht einstellt, wofür aber alles in allem ein paar Millionen Euro fällig sind. Simon Weber hat für Zeit Online das Finale der Battlerap-Liga besucht. Besprochen wird das heute erscheinende neue Album der RollingStones (taz, FR, Welt, mehr dazu bereits hier und dort).
Früher war weniger Lametta, aber dafür deutlich mehr Punk, stellt Johanna Schmidt wütend in der taz fest. "Das drohende Armageddon bescherte uns damals immerhin zeitgemäß nihilistische Musik, aber alles, was wir heute bekommen, ist KitschKrieg", stöhnt sie angesichts des riesigen Erfolgs von "Gut genug", der gemeinsamen Single von KitschKrieg und ShirinDavid, die ihre Fans 2024 noch allesamt ins Gym beorderte, um gefälligst "skinny" zu werden. Diese Selbstliebe-Floskelitis stehe für einen "Rückzug ins Private. ... So wird die Promotion für KitschKrieg mit den Waffen der kompletten Entkopplung zwischen Individuum und den politischen Verhältnissen, von denen es umgeben ist, geführt. Ökonomisch wird das mit den Mitteln der kompletten Verblödung (Marketing) geleistet, das einem die egalsten Mantras so oft ins Gesicht haut, bis man glaubt, sie würden irgendetwas bedeuten. ... Man darf sich also auf Hits wie 'Klimaanlage', 'Wenn die Miete zu teuer ist, dann ziehen wir auf's Land' oder 'Das ist normal und niemand kann was dafür' freuen. Unendlich viele weitere Sternstunden der Inhaltslosigkeit sind vorprogrammiert."
Weitere Artikel: In der Zeit erzählt Christine Lemke-Matwey von ihrer Begegnung mit Marina Mahler, Enkelin des Gustav und Schirmherrin des alle drei Jahre in Bamberg stattfindenden DirigentenwettbewerbsThe Mahler Competition. Paul Flückiger porträtiert in der NZZ das bosnische Dubioza Kolektiv. In der SZ lässt sich Jakob Biazza vom US-Rapper PROF ein schräges Grinsen ins Gesicht zaubern, immerhin ist dieser doch "ein Rap-Eulenspiegel, der die versammelte Mannschaft schon qua Auftreten ein bisschen der Lächerlichkeit preisgibt" - gemeint ist damit die "grauenhaft verbissene Herrenrunde namens Hip-Hop".
Besprochen werden das morgen erscheinende neue Album der RollingStones (SZ, Tsp, Zeit, mehr dazu bereits hier und dort), der Auftritt von NilsLandgren und IdaSand beim Rheingau Musik Festival (FR) und TamaraLukashevas Album "Rilke vertont" (FR).
"Die Presselandschaft - auch im Kultursektor - ordnet sich neu", beobachtet Axel Brüggemann auf Backstage Classical. Kritiker mancher Regionalzeitungen bekommen nicht mehr selbstverständlich Pressekarten für Konzerte und Opern, während Influencer durchaus hofiert werden. Brüggemann findet den Ärger schon nachvollziehbar, aber noch nachvollziehbarer findet er diese Entwicklung. Viele Zeitungen "haben ihre Bedeutung in Sachen Kultur in den letzten Jahren einfach fahrlässig verspielt. ... Wer den Kulturauftrag preisgibt, darf sich nicht beschweren, wenn Kultureinrichtungen das öffentliche Interesse selbst in die Hand nehmen". Trotzdem lauere die Gefahr, dass über eine Auslese auch missliebigeStimmen vor der Tür gehalten werden. Brüggemann fordert daher mehr Transparenz bei den Vergabekriterien. "Der alte, stille Deal funktioniert nicht mehr. Früher lautete er ungefähr: Kulturinstitutionen geben Pressekarten, Zeitungen geben Öffentlichkeit. Dieses Bild zerfällt, weil viele Zeitungen kaum noch Öffentlichkeit für Kultur herstellen und Institutionen über eigene Kanäle, Influencer und Online-Medien ihr Publikum direkt erreichen."
Der Auftritt von Ikkimel im ZDF-Morgenmagazin, in dem die für ihre derben Texte bekannte Rapperin aus Berlin in ihrem Song "Fußballmänner" ebensolche aufs Korn nahm, war eine "Sternstunde der kulturellen Kollision", kommentiert die TV-Komikerin Caro Matzko in der SZ. Nicht nur, dass das Publikum im Saal in Schockstarre verfiel (und das zuhause vor Bildschirmen sofort wutentbrannt ins Handy zu tippen begann). "Dazu kam, dass Ikkimel während ihrer Tattoo-Minirock-Playbackshow ob der ratlosen Blicke der Senioren und Kinder im Publikum selbst lachen musste. Wer der Anwesenden verstand hier wen oder was nicht mehr? ... Ich war hingerissen in Anbetracht dieser herrlichen Groteske gegenseitiger Kontamination morgens um 8.30 Uhr. Und dachte: Ist es nicht wunderbar, dass es noch Orte gibt, an denen Jugend anecken und Skandale verursachen kann? Ist Abgrenzung nicht das Allernormalste der Welt?"
Christian Schachinger ist im Standardsehr entzückt vom Krawalltechno des Berliner Duos Brutalismus 3000, das sich einfach beherzt bei allem bedienen, was ballert: "Gabber und Hardstyle, Techno, Punk, Nu Metal, Hau-drauf-und-Schluss und überhaupt alles, was bei entsprechenden Drogen Herzrasen verursachen kann, fließen in diese herrlich gegen die menschliche Vernunft ankämpfende Kunst ein. Das Herz macht Bum. Dabei gibt man sich nicht nur nihilistisch. Man spielt lieber die süßen, scheuen, allerdings ein wenig verstrahlten Unschuldslämmer und legt den Finger auf mitunter bedenkliche Entwicklungen im Nachtleben. Vor allem eigene Kreationen wie 'Ich Habe Meine Tage Im Berghain', 'Safe Space', 'Satan Is A Babyboomer' oder 'Die Liebe Kommt Nicht Aus Berlin' deuten darauf hin, dass jemand weiß, wovon tief im Hallraum verloren gekreischt, gebitzeltundgebrüllt wird."
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel plauscht Ulf Lippitz mit Neil Tennant und Chris Lowe von den Pet Shop Boys über deren Alltag in Berlin, wo das Duo seit 16 Jahren eine Eigentumswohnung hat. In der FAZ plaudert Jörg Seewald mit Holger Hübner und Thomas Jensen, den beiden Gründern des Metal-Festivals in Wacken.
Besprochen werden unter anderem ein Konzert der BlackCrowes in Rastatt (FAZ) und JessieWares Album "Superbloom" (FR).
Es war "eine Erfahrung fürs Leben", die sich FAZ-Kritikerin Lotte Thaler bei den von YannickNézet-Séguin kuratierten FestspielenBaden-Baden bot: Das LondonSymphonyOrchestra spielte zweimal auf - einmal von Nézet-Séguin selbst dirigiert, einmal von Antonio Pappano. Und das Orchester wirkte wie ausgewechselt: "Alles, was man bei Nézet-Séguin am ersten Abend an orchestraler Balance, Sensibilität, Rücksicht bewundert hatte, schien bei Pappano wie weggeblasen. Schon die Idee, BeethovensViolinkonzert mit der Solistin VildeFrang in maximaler Orchesterbesetzung mit sechs Kontrabässen aufzuführen, wirkte befremdlich und nicht mehr zeitgemäß. Umso mehr, als das Orchester bestenfalls als 'routiniert' durchging, lieblos bis in die knallige Pauke hinein, indifferent der Solistin gegenüber, von kammermusikalischer Interaktion, wie sie kürzlich Isabelle Faust mit dem Balthasar-Neumann-Orchester vorgemacht hatte, kaum eine Spur."
Weiteres: Michael Stallknecht berichtet in der FAZ vom Bamberger Dirigentennachwuchs-Wettbewerb "The Mahler Competition", bei dem sich das Publikum am Ende für den Polen JakubPrzybycień entschied, während der Bayerische Rundfunk am Ende den bereits im Semifinale ausgeschiedenen OliverCope auf den ersten Platz hob. Günter Platzdasch resümiert in der FAZ das 34. Rudolstadt-Festival.
Besprochen werden das neue Madonna-Album "Confessions II" (FR, mehr dazu bereits hier und dort), der Auftritt von Víkingur Ólafsson beim Klavierfestival Ruhr (FAZ), das Konzert des Fauré Quartetts beim Rheingau Musikfestival (FR), ein Schottenfolk-Konzert von Skelpt beim Rheingau Musikfestival (FR) neue Alben von Progrock-Helden wie Yes und Soft Machine (Standard) und "Inferno", das neue Album von Boards of Canada ("Ambient-Flächen, surreale Melodien und treibende Drums schaffen einen Trip, der zwischen Ernsthaftigkeit und Hoffnung hin und her springt und dabei nichts anderes als Freude bereitet", schreibt Jonathan Weckerle in der Jungle World).
Das neue Madonna-Album "Confessions II" hält das Feuilleton weiterhin in Beschlag (hier unser erstes Resümee). tazlerin Juliane Liebert gönnt ihr zwar allen Erfolg, den Madonna insbesondere auch bei der internationalen Popkritik damit einfährt, fragt sich beim Hören aber auch, ob sie "das gleiche Album bekommen hat wie die Bejubelnden. ... Wenn da nicht 'Madonna' draufstünde (...), würde dieses doch eher mittelmäßige Trance-House-Pop-Wannabe-Taschenfeuerwerk derart gefeiert werden?. ... Das ist kein guter Pop, kein guter House, von Trance ganz zu schweigen. Da hilft es nichts, sich mit allen Wassern der Populärkritik zu waschen und sich beide Augen und Ohren zuzuhalten und heftig zu den sich stetig erneuernden Göttern des Pop zu beten: Aber sie ist doch eine Ikone! Ja, es klingt besser als bei ihren letzten zwei Alben. Und? Nach zwei Tagen Magendarm ist der Stuhlgang am dritten Tag meistens auch weniger flüssig."
Jens Balzer widerspricht auf Zeit Online: Dieses Album "handelt von der Erinnerung, vom Gedächtnis, vom Verschwundenen, von Freunden. Es ist manchmalnostalgisch, aberniemuseal, dazu sind die Beats zu lebendig und druckvoll, 'Confessions II' ist vor allem ein hervorragend tanzbares House-Music-Album geworden mit gelegentlichen Trip-Hop- und EDM-Ausflügen. ... Es macht wirklich sehr großen Spaß, sich das anzuhören, und man freut sich vor allem über die - nennen wir es ruhig - Demut, mit der Madonna sich auf 'Confessions II' inszeniert: Sie tritt nicht als Diva auf oder als Queen, sondern als Teil einer Geschichte, von der sie natürlich weiß, wie entscheidend sie diese mitgeprägt hat, aber in der sie auch immer wieder aufgeht als ein Bestandteil, der kleiner ist als das Ganze."
Weiteres: Für Jan Küveler (Welt) ist TaylorSwift, die am Wochenende geheiratet hat, "der Weltgeist im Reinigungswagen, Symptom eines ausgelaugtenWestens, dessen einzige Antwort auf die Herausforderungen der Zeit darin besteht, ihnen selbstgebastelte Freundschaftsarmbändchen entgegenzustrecken". In der SZ begeistert sich Jakob Biazza für den Rumsbums-Techno des Berliner Duos Brutalismus3000, das "Gabber und Hardstyle sehr ambitioniert mit Elementen aus Punk und Wave kombinieren" und damit etwa in Los Angeles binnen kurzem 4000 Tickets verkauften. Der SchriftstellerAndreasMaier berichtet in der FAZ vom ZZ-Top-Konzert in Friedberg, wo ihn gerade das Desinteresse der Band am Publikum fasziniert: "Das, genau das, war immer die Idee von Rock." Joachim Hentschel plaudert für die SZ mit Ian Gillan, der mit seiner Band DeepPurple gerade mal wieder ein neues Album veröffentlicht hat.
Besprochen werden ein Konzert von AnnenMayKantereit in Frankfurt (FR), das Konzert des KammerchorsStuttgart beim Rheingau Musik Festival (FR) und ein Konzert der Akkordeonistin KsenijaSidorova mit der Robert-Schumann-Philharmonie unter Leitung von BenjaminReiners (Welt).
In der ersten Hälfte von Madonnas neuem Album "Confessions II" zeigt sich Joachim Hentschel in der SZ noch ernüchtert von Madonnas "maximal gehobener Meterware", in der zweiten Hälfte kriegt sie ihn dann aber doch, denn: "Madonna drückt auf die wunden Punkte, die vorher schon zu jucken begonnen haben. Als komme sie nach Mitternacht in die Stimmung, eine kleine Lebens- und Psychobilanz zu ziehen - und das merkt man auch der Musik an. 'Meine Sünden haben mich gerettet', singt sie zum luftigen Trip-Hop-Beat, jetzt tatsächlich im Darkroom des Beichtstuhls angelangt. (...) Man soll ja übervorsichtig sein, mit allen Thesen über den Zusammenhang zwischen Kunst und Leben, aber: Je hemmungsloser sie sich hier diesen persönlichen Bekenntnissen und Bespiegelungen annähert, desto unwiderstehlicher wird ihre Musik. In der FAS bespricht Ralf Niemczyk das Album, in der NZZ Ueli Bernays. Wir hören rein:
Das Rad erfinden die Rolling Stones auf ihrem neuen Studio-Album "Foreign Tongues" nicht neu, gesteht Jan Küveler in der Welt ein. Das Album macht aber trotzdem Spaß. "Der Opener 'Rough and Twisted' hüpft begeistert-besoffen los, mit Slidegitarren und 'Brown Sugar'-Vibes - ein Honky-Tonk-Heuler. Wenn hier irgendwas neu ist, dann am ehesten die Produktionstechnik, die besinnungslos komprimiert auf die Anlage eindrischt." Von dem Ende der Stones kann also nicht die Rede sein. "Überzeugend berufsjugendliches Greisentum und ein dringend benötigter Trost, dass es zumindest eine Institution gibt, die sich gegen jeglichen Niedergang, der den Westen sonst so befallen hat, als immun erweist. Solange es die Stones gibt, kann die Welt nicht untergehen."
Weiteres: In der FAZ schreibt Josephine Bewerunge darüber, warum Sängerin Taylor Swift ihre Hochzeit genau auf den 4. Juli gelegt hat. Matthias Heine schreibt in der Welt über die Hochzeit. Philip Cassier interviewt den französischen Tenor Benjamin Bernheim in der Welt. In der FRschreibt Volker Schmidt über einen Auftritt der Pixies in Frankfurt. Dorothea Walchshäusl schreibt in der NZZ über den Auftritt des Trios Gaspard beim Festival "Musikdorf Ernen".
Victor Efevberha porträtiert in der taz das mehrheitlich aus dem Kongo stammende, aber in Montreal angesiedelte Elektro-Kollektiv Moonshine, das mit seinen Sounds die internationalen Clubs erobert. "Eine Klubnacht von Moonshine wirkt wie ein ständiger Temperaturwechsel: Mal glitzernder Pop, mal schwere Drums, mal sprunghafter Jersey Club, dann wieder rhythmische Gitarrenläufe, oder hektische Footwork-Beats oder blubbernderAmapiano, Madonna läuft mit Papa Wemba, Crystal Waters mit Awilo Longomba. ... Wie selbstverständlich fließen bei Moonshine elektronische Dancefloorgenres zusammen." Sie "klingen wie Montreal, Paris, Brüssel, London, NairobioderHamburg. Für das Kollektiv gehören diese Orte zur selben kulturellen Landkarte."
Weitere Artikel: "Man kommt nicht umhin, diese Hochzeit als Gegenentwurf zu betrachten zu den USA von Donald Trump", schreibt Kathleen Hildebrand in der SZ dazu, dass Popstar TaylorSwift am symbolträchtigen 4. JuliSportskanone Travis Kelce heiraten wird. "Kanada is' jetzt a dabei", schreibt Valerie Dirk im Standard zur Nachricht, dass der nordamerikanische Staat nun auch beim Eurovision Song Contest mitmischen wird. Kerstin Holm hat für eine FAZ-Reportage die gemeinsamen Proben des Bundesjugendorchesters und des Tbilisi Youth Orchestras in Georgien besucht. "Warum begehrt ausgerechnet die erste Generation, die vollständig in einer Welt digitaler Plattformen aufgewachsen ist, plötzlich wieder physische Geräte", fragt sich ein verwunderter Michael Moorstedt (SZ) angesichts dessen, dass junge Leute mittlerweile sündhaft viel Geld für Walkmenaus den Achtzigern und Neunzigern und für andere klobig-obsolete Abspielgeräte auf den Tisch legen. Auf ZeitOnline ruft Jens Balzer dem Village-People-Sänger VictorWillis nach. Besprochen wird Tamikrests Album "Assikel" (FR).
Auf dem neuen Laibach-Album "Musick" - eine Satire auf Pop im KI-Zeitalter - ist zwar "schlimmer Trashpop zu hören, der sich anfühlt wie eine mittelschwere Magen-Darm-Grippe", schreibt Benjamin Moldenhauer im ND, doch "das Resultat fällt dann in seiner betonten Schrecklichkeit sehr kunstvoll aus, kunstvoll im Sinne von stilsicher: steindoofe Beats, Discosounds von Temu, schwachsinnige Euphorie-Fanfaren, Spuren der Laibach-typischen totalitären Chöre und plakative Slogans. ... Was davon nun Satire und was ernst gemeint ist, bleibt ambivalent. In den Songs von 'Musick' schwingt das befreiende, Identitäten vorübergehend auflösende und Klassengrenzen momenthaft überschreitende Versprechen von Pop immer mit; und im selben Moment auch immer dessen verdummendes und vereinheitlichendes Potenzial."
Weitere Artikel: Michael Ernst resümiert in der FAZ die Schostakowitsch-Tage, bei denen sich die Arbeit des polnisch-jüdischen Weißrussen LewMoissejewitschAbeliowitsch wiederentdecken ließ. Adrian Schräder erzählt in der NZZ von seiner Begegnung mit dem Schweizer Soundkollektiv LAF, das unter anderem Millionenseller wie Drake und BadBunny mit eigens komponierten Samples versorgt. Christian Schachinger gibt im Standard Einblick in die Streitigkeiten in den USA darum, ob von der legendären Stratocaster-Gitarre einfach ohne weiteres Nachbauten erstellt werden dürfen oder nicht. Jan Feddersen (taz), Andreas Busche (Tsp) und Jakob Biazza (SZ) schreiben Nachrufe auf den Village-People-Sänger VictorWillis.
Besprochen werden das Zürcher Konzert von LinkinPark (NZZ) und das Solo-Album "Happy Today" des Tortoise-Musikers Jeff Parker (FR).
Manches Klassikhaus liebäugelt damit, ein junges Publikum mit Techno anzulocken. Die Rechnung geht aber nicht auf, findet Karl Keller - mit 22 Jahren genau im anvisierten Zielpublikum solcher Strategien - in einem auf Backstage Classical veröffentlichten Brief an Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel: "Wenn nach Brahms der DJ übernimmt, steht im Subtext, was niemand laut sagt: Das Konzert war die Pflicht, jetzt kommt endlich das Vergnügen. ErstBrahms, dannBass. Das ist keine Vermittlung. Das ist eine Entschuldigung für die eigene Kunst. ... Sie besitzen das beste Produkt der Stadt und bewerben den Pausenraum. Warum nicht mit derselben Energie für das werben, was Sie eigentlich verkaufen? Für die Werke. Für die Menschen am Pult und an den Geigen. Für zwei Stunden, in denen ausnahmsweise niemand etwas von einem will."
Er "lässt Stimmen wie Vögel in unendliche Weiten aufsteigen, die Töne vermitteln jene Freiheit, die diesem Komponisten lebenszentral war", schreibt Reinhard J. Brembeck über die Kompositionen von Hans Werner Henze, der heute vor hundert Jahren geboren wurde. Der SZ-Kritiker würdigt Henzes "Komponieren, das mühelos und schwebend eine nachtdunkleRomantik mit Avantgarde zusammenfügt, sich dabei nie sklavisch nur einer und schon gleich gar nicht der angesagtesten Ästhetik verschreibt, sondern souverän und frei die Stile vermischt, auf dass ein Stück, eine Geschichte in den schönsten und triftigsten Klängen erblühen möge. ... Aber diese Schönheit ist nie restaurativ oder Weltflucht, sie ist immer eine gefährdete. Denn stets füllt er in den Rausch der Harmonien Störendes ein, Querschläger, Verunsicherungen, Beklemmendes." In der FAZ erinnert sich mit Christian Lehnert Henzes letzter Libretttist an den Komponisten. Dlf Kulturtaucht mit einer "Langen Nacht" von Egbert Hiller fast drei Stunden ein in Henzes Welt.
"Ist schon ok das neue Album", aber auch "nicht wirklich bemerkenswert", schreibt Christian Schachinger im Standard zu "Foreign Tongues", dem neuen, diesmal aber wohl wirklich sehr wahrscheinlich vielleicht letzten Album der RollingStones. Keine Experimente, scheint das Motto im Studio gewesen zu sein, denn "das Altbewährte bewährt sich ja weiterhin. Es handelt sich vielmehr um eine Aufarbeitung von weit in die Nullerjahre zurückreichenden Viertelideen aus dem Probestudio, halb zwingenden Refrains und mit Kompressorsounds unnötig verdichteten, den üblichen, verhatscht auf dem Beat klebenden Quengelgitarren widersprechenden Dampfwalzen-Riffs. Das Schlagzeug ist überhaupt viel zu weit nach vorne gemischt und nimmt dem Ganzen die gewohnt zart abgelebte Eleganz."
Weiteres: Für die NZZ porträtiert Regine Müller den Bach-Interpreten Rudolf Lutz.
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