Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2022 - Musik

In der taz stellt Victor Efevberha Ezé Wendtoin vor, einen Singer-Songwriter aus Westafrika. Heute lebt er in Dresden, wo er seinen Master in Germanistik gemacht hat. "Die vielfältigen Welten und Sprachebenen, auf denen er sich bewegt, sind auch auf seinem neuen Album 'Heute HIER morgen DEUTSCH' zu hören. Der Titel verweist auf das Hannes Wader Lied 'Heute hier morgen dort'. Die Lieder darauf sind ein buntes Auf und Ab, laut und leise, mal gelassen, mal kritisch, mal mit schrägem Humor und Ironie, mal elektronisch, mal mit tradtitionellen westafrikanischen Instrumenten wie der großen Tama-Trommel. ... Spannend an Ezés Umgang mit der deutschen Sprache ist der Aspekt, dass er den Zuhörer:innen seine Perspektive auf das Deutsche zeigt. Er zerlegt die Sprache in ihre Einzelteile baut sie kreativ wieder zusammen: 'Jetzt wettdeutschen sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit'."

Hier covert er Max Raabs "Fahrrad fahrn":



"Die endlose Queen-Welttour mit einem anderen Sänger, drei Jahrzehnte nach dem Tod des kreativen Idols, das ist so ein Projekt, das unglaublich nervt und komplett überflüssig klingt, wenn man von ihm liest. Und das dann natürlich doch brachial viel Spaß macht, wenn man wirklich hingeht", freut sich Joachim Hentschel, der für die SZ in der Benz-Arena den neuen Queen-Frontman Adam Lampert begutachtet hat. Ach ja, und es waren überraschend viele junge Leute da, wozu er auch eine Theorie hat: "Die Queerness, die bei der Band Queen zwar immer künstlerisch präsent war, die wohl auch entscheidend dafür mitverantwortlich ist, dass die Musik mit ihrer Fusion aus Schwitzrock und tänzelnder Fantasterei noch immer etwas Besonderes hat - sie wird in der Showversion mit Adam Lambert endlich vom eher klandestinen Moment der 70er und 80er zum ganz offenen Bedeutungsträger. Während Millionen junge 'Rhapsody'-Fans im Publikum stehen, die sich darin spiegeln können."

Weiteres: In der FR berichtet Bernhard Uske über die Eröffnung des Rheingau Musik Festivals in Kloster Eberbach, in der FAZ schreibt dazu Guido Holze. Besprochen werden ein Konzert von Kiss in der Frankfurter Festhalle (FR), ein Konzert der Berliner Philharmoniker mit russischer Musik in der Waldbühne (Tsp), noch ein Konzert mit russischer Musik, dem deutschen Symphonie-Orchester und dem Geiger Ghil Shaham in der Philharmonie (Tsp), ein Auftritt der Gorillaz in der Berliner Wuhlheide (Tsp) und eine CD-Box des Cellisten Heinrich Schiff (SZ).
Stichwörter: Wendtoin, Eze, Queen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.06.2022 - Musik

Nach sechs Jahren veröffentlicht die in Moskau geborene und inzwischen in L.A. lebende Musikerin Regina Spektor ihr neues Album. Im ZeitOnline-Gespräch mit Sinem Kilic erzählt sie, wie sie in Russland als Jüdin und dann in den USA als Russin galt. Und sie erinnert sich an ihre Kindheit in der Sowjetunion: "Für mich, die ihre Kindheit in der Sowjetunion verbracht hat, wo alle gezwungen wurden, Russisch zu sprechen, gab es keinen Unterschied zwischen Odessa, Charkiw, Kiew und dem damaligen Leningrad. An all diesen Orten sprach man dieselbe Sprache, liebte dieselbe Literatur und Musik, schaute dieselben Filme und aß das gleiche Essen. Der einzige Unterschied, der mir einfällt, ist, dass meine Verwandten in Odessa deutlich besser Party machen konnten als wir. Odessa ist bekannt für seine Fröhlichkeit und seinen Humor, und viele der lustigsten und größten Persönlichkeiten der Sowjetunion kamen von dort."

"Stimmlich ist diese Platte zugänglicher als alles, was sie bisher gemacht hat. Es gibt kein kehliges Keuchen, kein Falsett-Quieken aus dem Nichts, keinen Bronx-Akzent", schreibt Zach Schönfeld bei Pitchfork. Und der Eröffnungssong "Becoming All Alone" klinge, als würde man mit Gott ein Bier trinken. Da hören wir doch rein:


Stichwörter: Spektor, Regina

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2022 - Musik

Victor Efevberha taucht für die taz ein in Geschichte und Gegenwart des Afrobeats, eine Mischung aus Dancehall-Rhythmen und lokalen afrikanischen Beats und nicht zu verwechseln mit dem Afrobeat eines Fela Kuti. "Interessant ist, dass der Begriff Afrobeats eben nicht in Afrika aufkam, sondern in Großbritannien, mit seiner großen westafrikanischen Diaspora und afrikanischen Gemeinden in allen Großstädten." Und auch Hamburg spielte eine Rolle, wohin in in den 80ern viele ghanaische Musiker emigrierten und "auf Drumcomputer, Sampler und Synthesizer" trafen. "Sie öffneten sich für den Eurodisco-Sound. Afrikanische Rhythmen und karibische Klänge fusionierten etwa mit dem 'kühlen' deutschen Industrie-Sound. Ein afrodeutscher Hybrid von Highlife entstand, 'Burger-Highlife' genannt. 'Burger' ist doppeldeutig, in Anlehnung an Hamburg, dass eine große ghanaische Community hat. Außerdem ist 'Burger' (ausgesprochen bor-ga) ein ghanaisches Slangwort, mit dem ein Kosmopolit bezeichnet wird, der die afrikanische Heimat verlässt und den sozialen Aufstieg im Ausland schafft ... 'Burger-Highlife' legte so auch den Grundstein für die zeitgenössische westafrikanische Fusion-Musik Afrobeats."

Ein Beispiel für Afrobeats? "Ojuelegba" von Wizkid:



Weiteres: In der NZZ trauert Christian Noe dem Pop nach, bevor er digital wurde. Ebenfalls in der NZZ erinnert Thomas Schacher an den Schweizer Komponisten Joachim Raff, der vor 200 Jahren geboren wurde. Ist "blank geputzte Disco" aus den 90ern jetzt wirklich Trend? Diese Frage stellten sich offenbar viele Fans von Drake, Beyoncé und Madonna und auch SZ-Kritiker Joachim Hentschel, der damit ganz gut leben kann. Vorbild ist Madonnas gerade wiederveröffentlichtes Video "Deeper and Deeper" von 1992. Mit Udo Kier! Erinnert sich noch jemand?



Besprochen werden Rolf Hansens Album "Tableau" (taz), das neue Album des österreichischen Volks-Rock-'n'-Roller Andreas Gabalier (wie schlimm es ist? "Fragen Sie nicht", stöhnt Christian Schachinger im Standard) und ein Konzert von Alice Cooper in der Jahrhunderthalle Frankfurt (FR).
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Stichwörter: Afrobeats

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.06.2022 - Musik

Gerade mal zwei Jahre jünger als Christian Thielemann ist Daniele Gatti, den sich die Dresdner Staatskapelle als neuen Dirigenten wünscht, und von #metoo-Vorwürfen verfolgt - ein Neuanfang sieht anders aus, meint Manuel Brug in der Welt: "Der bei #MeToo wie auch in der aktuellen Ukraine/RusslandPositionierung weitgehend Moral vermissen lassende Klassikbetrieb stellt sich mit dieser keineswegs in die Zukunft weisenden, nicht wirklich überraschenden Personalentscheidung ein mieses Zeugnis aus." Ausschlaggebend bei der Entscheidung war laut Staatskapelle auch Gattis "internationales Renommee". Damit sollen wohl, vermutet Brug "bis vor Kurzem einzig noch ertragreichen Asientourneen" gerettet werden. "Japan wie China sind weiter pandemieverschlossen, und China ist politisch anrüchig. Augen und Ohren zu und durch? Die Staatskapelle in ihrer durchsubventionierten Sorglosblase scheint daran zu glauben. Und dem Betrieb scheint, allem Rufen nach weiblicher, jüngerer, diverser Leitung, Gatti immer noch wichtig genug. Trotz der Missbrauchsvorwürfe hat ihn im Macholand Italien die Oper Rom sofort als Musikchef engagiert."

Claus Lochbihler hat sich für die NZZ mit Andrew Bird unterhalten, "ein Musiker, der sich sein eigenes Genre erschaffen hat, indem er sein eigenes Musizieren, sein Songwriting und seine Umgebung immer wieder neu erforschte. Der singende Geiger, der exquisit pfeifen kann und sich auf der Violine, dem Ursprung seines Musizierens, gerne loopt, firmiert dabei meistens unter Bezeichnungen wie 'Folk-Pop', 'Indie-Rock' oder 'Indie-Folk'. Der Vielfalt seiner Musik wird das kaum gerecht: Sie reicht von Instrumentalaufnahmen, die in Flussbetten oder Canyons entstanden sind, über Filmmusik bis hin zu Duetten mit Musikerinnen wie St. Vincent und Fiona Apple. Manchmal liefert Bird auch trockene Roots- und Americana-Alben ab, dann geigt und loopt er sich wieder in Klangskulpturen hinein, über die er wie ein Jazzer improvisiert."

Wir hören rein in sein neues Album "Inside Problems":



Weitere Artikel: Maria Häußler berichtet in der Berliner Zeitung von der Fête de la Musique in Berlin, bei der am Dienstag auch ukrainische Musikerinnen auftraten, wie Jens Uthoff in der taz erzählt. In der FAZ gratuliert Jan Wiele Hannes Wader zum Achtzigsten.

Besprochen werden das Konzert von Pearl Jam in Berlin (die treten das Erbe der Stones an, meint Martin Wittmann in der SZ, "schön war's doch", bekennt Wolfgang Schneider in der FAZ), ein Konzert von Alicia Keys in Berlin (Tsp) und ein Benefizkonzert für die UNO-Flüchtlingshilfe mit Daniel Barenboim am Klavier (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2022 - Musik

Michael Stallknecht freut sich in der NZZ über die vielen hervorragenden Schweizer Musiker beim Bachfest in Leipzig. Die Staatskapelle Dresden wählt Daniele Gatti zum Chefdirigenten, meldet ein angetaner Egbert Tholl in der SZ. Zeit online erinnert in einer Meldung daran, dass Gatti im August 2018 "als Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw Orchestra nach Beschuldigungen sexueller Belästigung fristlos entlassen worden" war. Claudius Seidl gratuliert in der FAZ dem brasilianischen Musiker Eumir Deodato zum Achtzigsten.

Besprochen werden Toro y Mois Album "Mahal" (FR) und ein Konzert von Iggy Pop im Hamburger Stadtpark (taz).
Stichwörter: Gatti, Daniele

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2022 - Musik

Auch das neue Drake-Album "Honestly, Nevermind" erzählt wieder ein "Drama des Nichtgelingens", stellt auf ZeitOnline Daniel Haas fest, bei dem sich Erleichterung breit macht, was eigene gescheiterte Beziehungen betrifft. Allerdings hat der Kritiker dabei zuweilen den Eindruck, "dass sich der Künstler diesmal zu sehr gefällt in seiner Rolle des von der Romantik enttäuschten Liebhabers. Dass er misogyne Ressentiments bewirtschaftet, auch wenn er sie süßlich in die Welt säuselt. Reiß dich mal zusammen, möchte man ihm dann zurufen. Fang doch lieber mal einen neuen Rapper-Beef an." Auch musikalisch ist das alles eher chillig von der schlechten Sorte:"Loungemusik, in der die Stimmen wie Hobbits klingen, die sehr viel Valium genommen haben. ... Drake macht Nieselregen-Loungemusik. Musik, die den ganzen Tag mitläuft, ohne dass sie oder sich etwas verändert. Es geht uns nicht gut und Drakes Musik sorgt dafür, dass es auch so bleibt. Nichts wird besser, nichts wird schlechter. Nieselnieselniesel." Auch Tagesspiegel-Kritiker Gerrit Bartels beschleicht bei diesem von Dance-Pop durchtränkten Album zuweilen "zarte Langeweile", was auch mit "der mitunter weinerlichen Dezenz in Drakes Stimme" zu tun hat. Dennoch "lassen Stücke wie eben 'Falling Back', 'Texts Go Green' mit seinen karibischen Einsprengseln, das kantige 'Massive' oder das mit einem Flamenco-Hauch versehene, ebenfalls schön house-klöppelnde 'Tie That Binds' Lethargie gar nicht erst groß aufkommen. Im Grunde müsste man Drake nur bestärken darin, diese Offenheit musikalisch noch weiter auszudehnen."



Außerdem: Andreas Platthaus berichtet, von der FAZ online nachgereicht, von einer Hommage an den Cellisten Julius Klengel auf dem Südfriedhof in Leipzig. Andrian Kreye schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Jazzproduzenten Matthias Winckelmann. Das hatten wir am Samstag übersehen: Die taz am Wochenende hat mit Nick Mason, dem Schlagzeuger von Pink Floyd, ein großes Gespräch geführt. Auf ZeitOnline spricht FKA Twigs über Liebeskummer und ihre melancholische Ader. Ihr aktuelles Stück, auf dem sie beides verarbeitet:



Besprochen werden Billie Eilishs Auftritt in Frankfurt (FR, FAZ), eine von René Jacobs dirigierte Weber- und Bach-Aufnahme, die Welt-Kritiker Manuel Brug begeistert mit der Zunge schnalzen lässt, ein Konzert der Pet Shop Boys (FR), ein Abend mit Green Day in Wien (Standard), neue Klassikveröffentlichungen, darunter eine Aufnahme von Schumanns Symphonien der Münchner Philharmoniker unter Pablo Heras-Casado (SZ) und das neue Album von Florence + The Machine (taz). Wir hören rein:

Stichwörter: Drake

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.06.2022 - Musik

Im Tagesspiegel-Kommentar ärgert sich Joachim Huber darüber, dass die European Broadcasting Union erklärt hat, den Eurovision Song Contest im nächsten Jahr nicht in der Ukraine abzuhalten, worauf das Land nach seinem Erfolg in diesem Jahr eigentlich einen Anspruch gehabt hätte: "Schon erstaunlich, dass so viele Monate vor dem Termin Gewissheit darüber herrscht, wie unmöglich ein ESC in der Ukraine ist. Beschäftigt die EBU im wohltemperierten Genf eigentlich Propheten? Vor der Absage galt und danach gilt immer noch die Überzeugung, dass die Kunst und Kultur der Ukraine am besten geschützt und bewahrt wird, indem Kunst und Kultur, hier gemünzt in Popkultur und Entertainment, in der Ukraine stattfinden. Weil es eben einen vehementen Unterschied ausmacht, ob Kultur im Land oder als Exilkultur betrieben wird."

Außerdem: Für die taz hat Katharina Granzain John Anderson (auf dessen Kosten) in Italien besucht, wo dieser sein Jazzlabel Odradek betreibt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, hochwertige Aufnahmen erschwinglich umzusetzen und alle Entscheidungen von einer demokratischen Jury fällen zu lassen. Ebenfalls in der taz unterhält sich Ardy Beld mit Maksim Pokrovsky von der Moskowiter Band Nogu Svelo!, der wegen seiner Sympathien für Putin-Kritiker Nawalny nach New York emigriert ist. Im Tagesspiegel gratuliert Gerrit Bartels Beach Boy Brian Wilson zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden ein Konzert von Björk mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Tsp), ein Wanda-Konzert (Standard), ein Auftritt von Wilco (FAZ), ein Abend mit Gianna Nannini in Frankfurt (FR, FAZ) und Eli Preiss' "LVL UP", ein Album, das laut Freitag-Kritiker Till Wilhelm "einen wachträumenden Retrofuturismus" pflegt, "der die musikalische Gegenwart, um die er sich so wenig kümmert, mit Sicherheit prägen wird". Wir hören rein:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.06.2022 - Musik

Dass Big Thief ihren Auftritt in Israel abgesagt haben (unser Resümee), war ein großer Fehler, findet Winston Marshall im Jewish Chronicle - die Indieband, deren Bassist israelischer Staatsbürger ist, hat sich dem BDS-Druck gebeugt. Bizarrerweise hätte es sich um ein Benefizkonzert für palästinensische Kinder gehandelt. Getrieben war die Band ursprünglich von der Idee, eine Vermittlerfunktion zwischen den Fronten einzunehmen, und dass Musik "heilen" könnte - was die Band in einem kleinlauten Statement nun relativiert hat. "Dies war mit Sicherheit das atemberaubendste Statement in der langen Geschichte von dümmlichen Statements, die Musiker in Umlauf gebracht haben (und da ich selbst Musiker bin, räume ich gerne ein, dazu ein Gutteil beigetragen zu haben). Die Implikation ist die, dass Musik tatsächlich nicht heilen könne. ... Was für eine Kühnheit, was für eine erstaunliche Entdeckung, die in gerade einmal fünf Tage gemacht wurde. Dieses Fazit schockiert so sehr, dass die Sex Pistols demgegenüber so kontrovers wirken wie ein leerer Joghurtbecher. Sorry, ihr armen Palästinenser, für Euch keine Hilfe und kein Geld mehr, es läge nicht in Eurem Interesse."

Ziemlich umgehauen ist ZeitOnline-Kritikerin Julia Lorenz vom neuen Album von Hercules and Love Affair: Zu hören gibt es queeren Discopop mit Gothic-Anteilen, teils im Duett mit Anohni. "Tanz deine Selbstermächtigung", nimmt die Kritikerin als Botschaft mit: "Der ganze Schmerz einer Jugend, in der man ein Alien im Ledermantel war, für die Welt eine Provokation und Bedrohung, exorziert in einem Discostück für Eckensteher."



Außerdem: Wie abzusehen, wird der Eurovision Song Contest im nächsten Jahr nicht in der Ukraine stattfinden, melden die Agenturen. Paul McCartney wird heute 80 Jahre alt - Karl Fluch (Standard), Jean-Martin Büttner (TA), Ueli Bernays (NZZ), Friedrich Conradi (BLZ), Michael Pilz (Welt) und Edo Reents (FAZ) gratulieren.

Besprochen werden Dehds Album "Blue Skies" (FR), Raisons Debütalbum "So viele Leute wie möglich" (taz), ein Langgaard-Abend mit den Berliner Philharmonikern (Tsp) und ein Konzert von Nite Jewel, Farce und Discovery Zone in Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2022 - Musik

Schlappe 15,3 Millionen Dollar hat die Stradivari "da Vinci" gerade bei einer Auktion erzielt. Grund genug für Harald Eggebrecht in der SZ, deren bemerkenswerte Geschichte zu erzielen. Wer das klassische Hollywoodkino mag, hat sie zum Beispiel im Soundtrack von "Robin Hood" mit Errol Flynn, aber auch "Wizard of Oz" gehört. Gespielt hat sie da Toscha Seidel, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten ist. In den Dreißigern nahm er in Los Angeles auch Brahms auf. "Man höre nur die A-Dur-Sonate von Brahms zusammen mit dem Pianisten Artur Loesser, die eher als idyllisch-freundlich gilt. Seidel dagegen riskiert im zweiten Satz, dem Andante tranquillo, eine so brennende Intensität und zeigt solchen Mut zu strukturierender Langsamkeit, dass sich dieses Brahms-Andante plötzlich in die Dimensionen einer gewaltigen Ekstase weitet. Nebenbei gab Seidel auch dem Amateurgeiger Albert Einstein Unterricht, spielte mit dem großen Physiker Quartett und trat mit ihm in Benefizkonzerten auf."

Weitere Artikel: Im Tagesanzeiger plädiert Annik Hosmann für eine Frauenquote auf den Festivalbühnen. Marianne Zelger-Vogt spricht für die NZZ mit Gerd Nachbauer, dem Intendanten der Schubertiade. Klaus Walter gratuliert in der FR Paul McCartney und Brian Wilson zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden die vom Luzerner Sinfonieorchester begleitete Uraufführung des Films, den William Kentridge für die zehnte Sinfonie Schostakowitschs gedreht hat (NZZ), Kelly Lee Owens' Album "LP.8" (FR), ein Auftritt von Wolfgang Ambros (Standard), ein Konzert von Lisa Batiashvili und Klaus Mäkelä mit den Münchner Philharmonikern (SZ) und das neue Album von Hercules & Love Affair (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.06.2022 - Musik

Antje Rößler hat für die nmz den Berliner Westhafen besucht, einen der größten Binnenhäfen Deutschlands. Dort war gerade die Landschaftskomposition "berlin westhafen - umschlagplatz klang" des Schweizer Künstlers Daniel Ott zu sehen und zu hören. Sieben Ensembles aus Berlins Freier Szene machen mit, unter der Regie von Enrico Stolzenburg: "Ott und Stolzenburg bespielen das Gelände in drei Kapiteln. Den Auftakt macht ein Klang-Spaziergang entlang des Hafenbeckens 1. Da läuft eine Flötistin über knirschenden Kies; Saxophonisten schwimmen auf einem Floß vorbei. Am Schrottplatz musizieren sechs Geiger zwischen geöffneten Container-Wänden, die den Effekt einer Konzertmuschel erreichen. Spektakulär wirkt die Bläserriege, die hoch oben auf dem Schwerlastkran apokalyptische Fanfarenklänge in den Abendhimmel bläst. Das Publikum knipst, was das Zeug hält, ist doch all das visuell sehr beeindruckend und Instagram-tauglich. Am Ende des Hafengeländes sitzt ein Saxophonist am Wasser, der Möwenschreie imitiert. Ein Beispiel dafür, wie Otts Instrumentalklänge den Charakter des Ortes unterstreichen. Was zunächst als freie Improvisation erscheint, ist in Wahrheit minutiös auskomponiert."

Volker Hagedorn lernt in seiner VAN-Kolumne, wie man im Kino schwebt: Indem man - wie etwa Andrei Tarkowski in "Solaris" - Johann Sebastian Bach auf den Soundtrack holt. "Wenn mit C-Dur die Dominante von f-Moll erreicht ist, geht es über ein Des in der Oberstimme zu einem Takt, der durch die fließende Bewegung der Mittelstimme zwischen As-Dur und c-Moll schwebt, weiter zu einem Des-Dur über einem C im Bass…man könnte auch sagen, auf Szene und Bilder bezogen, es ist, als breite die Musik ihre Arme weiter aus, um alles zu verbinden. ... Die Bilder von 'Solaris' zeigen uns das Potential dieser Musik, das über Religion hinausgeht und sich zugleich mit ihren Quellen berührt. Die großen Regisseure bedienen sich nicht bei Bach, sie arbeiten mit ihm zusammen."



Weitere Artikel: Sebastian Berweck berichtet in der nmz über die Superbooth, die Musikmesse in Frankfurt am Main: "Hier geht es weniger ums Anschauen oder zeigen von Produkten, sondern um das selber Handanlegen und Ausprobieren." In VAN blickt der finnische Dirigent Osmo Vänskä zurück auf seine Zeit beim Minnesota Orchestra, das er nach 19 Jahren verlässt, Albrecht Selge streift durch die Orchesterwerke von Richard Strauss und Arno Lücker widmet sich in dieser Woche den Komponistinnen Lucia Dlugoszewski (hier) und Modesta Bor (dort).

Besprochen werden ein Konzert der Einstürzenden Neubauten in Wien (Standard), ein Auftritt von Pussy Riot in Basel (NZZ) und ein neues Album von Rickolus, das laut tazlerin Ruth Fuentes in etwa so klingt als "wäre Bruce Springsteen etwas unbeschwerter und im Florida der neunziger Jahre aufgewachsen". Hier eine Kostprobe: