Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2019 - Musik

Nach anfänglicher Kritik - warum sollte man ein Popfestival mit Staatsmitteln finanzieren? - haben sich längst so gut wie alle mit dem Berliner Festival Pop-Kultur arrangiert und es für sehr okay befunden. Nur Anselm Lenz ruft in der taz in Erinnerung, dass man dem ostentativen Gestus eines Staats-Festivals, das sich und seine Stadt mit den Errungenschaften von Diversität und Liberalität schmückt, auch zumindest sanft kritisch gegenüber stehen kann: Äußert sich hier gar ein neuer, gutgemeinter hegemonialer Anspruch? "Tatsächlich scheinen die Bundesrepublik und gerade ihre Hauptstadt mit ihren liberalen Errungenschaften gegenwärtig ein Sehnsuchtsort für Kulturschaffende zu sein, die ihre Arbeit mit einem Aufbruch aus alten Abhängigkeitsverhältnissen verbinden wollen. Dafür stehen beim Festival internationale, queere und experimentelle Acts wie alyona alyona, BNNT oder Repititor, die zudem eine Anbindung an Osteuropa andeuten sollen. Ob diese Gruppen in ihren Ländern den Hebel ansetzen können, um als Botschafter*innen westeuropäischer Liberalität zu dienen, steht auf einem anderen Blatt." Auch Mona Mur wird bei der Pop-Kultur auftreten: Mit der renitenten Musikerin, die seit den frühen 80ern im Geschäft ist, sich aber von keinem Trend und keiner historischen Vernischung vereinnahmen lässt, hat tazler Jens Uthoff ein großes Gespräch geführt

Weiteres: Zum Wochenende empfiehlt Nerdcore einen ganzen Blumenstrauß an handverlesenen, neuen Musikvideos, darunter ein schön hektisch-vertracktes Hallowach von den Oh Sees:



Besprochen werden Marika Hackmanns Album "Any Human Friend" (taz), der Auftakt des Frequency-Festivals in St. Pölten (Standard) und Oso Osos Album "Basking in the Glow" (Pitchfork).
Stichwörter: Popkultur

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2019 - Musik

Für die taz hat sich Dagmar Leischow mit Carrie Brownstein von Sleater-Kinney getroffen, die mit "The Center Won't Hold" gerade ein neues Album veröffentlicht haben. Das ist ziemlich krachig geworden, erfahren wir von Jan Kedves in der SZ-Popkolumne: Zu hören gibt es "elf Songs, Dream-Pop, auch New-Wave-Momente sind dabei, dann krachen die Gitarren so massig hervor, dass es nach Grunge klingt. Es geht um Gefühle des Gebrochenseins, um den Stolz und die Scham alternder (weiblicher) Körper, und die letzte Anweisung zum Weltuntergang lautet: 'Be the weapon, be the love!'" Wir hören rein:



Die Hamburger Rapperin Haiyti ist eine Kostbarkeit, schreibt Antonia Märzhäuser im Freitag: Auch "auf ihrem neuen Album 'Perroquet' macht sie weiter das, was sie sehr gut kann: die Welten, die sie umgeben, geschmeidig durchwandern wie die Protagonistin eines Fauser-Romans. Eine Rumtreiberin, aber nur im allerbesten Sinne .Haiyti ist (...) in einem Sozialbau aufgewachsen und irgendwie an der Kunstuni gelandet. Die Nummer mit der Kiezkönigin in viel Viskose und Fluppe im Mundwinkel nimmt man ihr genauso ab wie die zerstreute Studentin, die stundenlang an ihrem Marmorblock rumklopft." Ein aktuelles Video:



Weitere Artikel: Für die NZZ hat sich Adrian Schräder mit Mark Everett, dem Musiker hinter dem Projekt Eels, getroffen. In der SZ empfiehlt Harald Eggebrecht die Konzertreihe "Zeit mit Enescu" der Salzburger Festspiele. Die Zeit hat das Interview mit Roger Daltrey online nachgereicht. In der taz stimmt Steffen Greiner auf das Festival Pop-Kultur ein, das am kommenden Mittwoch in Berlin beginnt: Der Fokus liege diesmal "auf Pop-Positionen aus selten erschlossenen Regionen."

Besprochen werden eine Aufführung von Georg Friedrich Haas' "in vain" in Berlin (taz), das neue Album von Gauche (FR) und Loscils Ambientalbum "Equivalents" (Pitchfork).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2019 - Musik

Justin Vernon, Mastermind des Prog-Folk-Projekts Bon Iver, ist mit "i,i", seinem neuen, überraschend veröffentlichten Album (unser erstes Resümee), "zurück aus der Einsamkeit", freut sich Presse-Kritikerin Heide Rampetzreiter, auch wenn sich der Musiker weiterhin in Nischen des Kryptischen tummelt. "Die Entschlüsselung all der Bezüge kann einem getrost egal sein", schreibt dazu FAZ-Kritiker Thomas Lindemann: "Niemand braucht Musik als Kreuzworträtsel, aber den emotionalen Sound nimmt man gern." Neue Wege hat Vernon auf dem Album zwar nicht eingeschlagen, hält taz-Kritiker Gregor Kessler fest, aber die alten sind ja auch noch ganz gut zu gebrauchen: "Sie führen nicht weiter ins Unbekannte, sondern kreuz und quer durch die schillernd-bunte Folktronic-Datasphäre, die Bon Iver bereits mit den ersten drei Alben angelegt haben. Vorbei an Festplatten voll R&B-Beats, durch das lyrische Dickicht eines tickernden Unterbewusstseins, zu bekifften Akustikgitarrenabenden, ausgepolstert mit orchestrierten Arrangements, gekühlt von klaren Klavierlinien", oder kurz: "Eine musikalische Materialschlacht voll Prunk und Bombast." In Form von Lyrics Videos steht das Album auch auf Youtube:



Weiteres: Für die NZZ spürt Ueli Bernays den Nachwirkungen von Woodstock im heutigen Open-Air-Betrieb nach (mehr zum Woodstock-Jubiläum bereits hier und dort). In der FAZ widmet sich Jesper Klein dem Schostakowitsch-Schwerpunkt des Rosendal Festivals in Norwegen. Christoph Dallach unterhält sich für die Zeit mit Roger Daltrey (The Who), der gerade die Rockoper "Tommy" neu mit vollem Orchester eingespielt hat, über Woodstock, Wagner und Geld.

Besprochen werden die neu abgemischte Edition von Brian Enos Ambientklassiker "Apollo: Atmospheres & Soundtracks" (Presse, im Noisey-Video spricht Eno ausführlich über die Entstehung seines Albums), ein Bildband zu 50 Jahren Woodstock (taz), Verdis "Requiem" in einer Darbietung der Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti (Standard), eine Aufführung von Georg Friedrich Haas' "in vain" in Berlin (Tagesspiegel), Josh Turners Berliner Konzert (FAZ) und die Compilation "Jambú e Os Míticos Sons Da Amazônia" mit Musik aus dem Norden Brasiliens der 70er und 80er (Pitchfork), die auch auf Bandcamp zum Anhören steht:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2019 - Musik

Den ersten Schwung Würdigungen zu "50 Jahre Woodstock" gab es bereits, als die für Anfang August geplante Neuauflage des Festivals kurzfristig platzte (unser Resümee). Zum - allerdings morgigen - Stichtag folgen nun weitere: Mit dem Hippie-Festival erlebte "die bis dahin noch immer sehr dominant hellhäutige Welt der Rock- und Popmusik einen stimulierenden Migrationsschub, der bis heute anhält", schreibt Stefan Hentz in der Zeit. "Woodstock lebt von den Erinnerungen derer, die nicht dabei waren", hält Willi Winkler, der mutmaßlich ebenfalls nicht vor Ort war, in der SZ fest und ruft in Erinnerung, dass Woodstock im Grunde eher Abgesang auf die 60er, denn ein Signal zum Aufbruch war. Der Standard bespricht Bücher zum Festivaljubiläum und Kurt Kister erinnert in der SZ außerdem an Woodstock II zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1994, das zwar nicht im Schlamm versank, dafür aber auch ordentlich Eintritt kostete.

Weiteres: Beim Gstaad-Menuhin-Festival stachen vor allem die Béla Bartók gewidmeten Konzerte heraus, schreibt Thomas Schacher in der NZZ. In seinem Welt-Blog berichtet Manuel Brug weiterhin vom Rosendal Chamber Music Festival in Norwegen. Für die taz war Robert Mießner beim Fuchsbau-Festival in Hannover.
Stichwörter: Woodstock, 1969

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2019 - Musik

Bon Ivers 2016er-Album konzipierte der Musiker Justin Vernon als Kettensägenskulptur zur Dekonstruktion des eigenen Werks, schreibt Daniel Gerhardt auf ZeitOnline. Das Nachfolgealbum "i,i" wirke vor diesem Hintergrund nun so, "als tropften seine Songs durch eine leicht verstopfte Sprinkleranlage auf die verbliebenen Leidensgenossinnen und Hartgesottenen herab", wobei es sich keineswegs um "die Rückkehr des bärtig-gitarrigen Herzschmerzaushalters" handelt, als der Vernon einst reüssierte: "Trennlinien zwischen organisch und synthetisch entstandener Musik existieren nicht mehr, die Unterscheidung zwischen aufrichtig empfundener und vorgeflunkerter Gefühlsäußerung wirkt plötzlich ungeheuer altmodisch. ... Der Mann hinter den Songs ist wiederzuerkennen, doch was man sieht, muss deshalb noch lange keinen großen Geheimsinn ergeben. Vernon gefällt sich in der Rolle des bekifften WG-Küchenphilosophen, der mit lautmalerischen Mehrdeutigkeiten und frech vorausgesetztem Insiderwissen kokettiert." Wir hören rein:



Weiteres: Gregor Dotzauer liest für den Tagesspiegel die neue Ausgabe des Magazins Jazzpodium, das sich kürzlich einen Relaunch verpasst hat. Für den Tagesspiegel hat Jakob Wittmann die Proben von Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra besucht.

Besprochen werden Gilberto Gils Konzert in Hamburg (taz), ein Abend mit Vikingur Ólafsson beim Rheingau Musik Festival (FR), der Wiener Auftritt von Yeasayer (Presse) und neue Wiederveröffentlichungen, darunter "Out of the Blue" von "Blue" Gene Tyranny (SZ, mehr dazu bereits hier).
Stichwörter: Bon Iver, Vernon, Justin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2019 - Musik

Mit einer mustergültigen Edition erschließt Marston Records das Werk des Sängers Fjodor Schaljapin, freut sich FAZ-Rezensent Jürgen Kesting und bekräftigt: Er war zweifellos "der größte aller Bässe", wenn auch nicht "die schönste aller tiefen Stimmen. ... Aber allein nach klanglichen oder technischen Parametern lässt sich die Stimme - ein runder und voller basso cantante mit einem Umfang vom tiefen F bis zum Fis (über dem Bass-System) - nicht beschreiben. Der Belcanto-Schulung durch Usatow verdankte er eine vollkommene Atemtechnik und die musterhafte Verblendung der Register - die Grundlagen für ein lückenlos-strömendes Legato und für alle Abstufungen der Dynamik mit allen Nuancen der messa di voce. Wer die Verwirklichung eines wunderbaren Paradoxes von Herbert von Karajan erleben will - 'pianissimo, pianissimo, aber singen Sie es fortissimo' -, muss Schaljapin nur mit dem Volkslied 'Maschka' oder 'Gelb rollt mir zu Füßen' aus Anton Rubinsteins 'Persischen Liedern' hören." Auf Youtube gibt es eine Playlist mit Aufnahmen:



Weiteres: In der Welt kommentiert Manuel Brug den Streit zwischen Gerhard Nachbauer, dem Leiter des Kammermusikfestivals im Vorarlberger Schwarzenberg, und dem Pianisten András Schiff, der Schubert auf einem Hammerflügel spielte und sich über die Reaktionen seiner Kritiker ärgerte: "Da ist viel gekränkte Eitelkeit zweier Alphatierchen mit im schlammigen Spiel." Außerdem berichtet Manuel Brug in seinem Welt-Blog von seiner Reise zum Kammermusikfestival im norwegischen Rosendal. Für den Standard hat sich Frank Herrmann nach Bethel auf die Spuren des Woodstock Festivals begeben. Für die FAZ hat Jannik Schäfer beim Radio-DJ Gilles Peterson angerufen, der das auf progressive Musik spezialisierte Festival "We Out Here" in Huntingdon kuratiert. In der FAZ gratuliert Jan Wiele Mark Knopfler zum 70. Geburtstag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2019 - Musik

Joseph Burnett geht bei The Quietus auf die Knie vor "Simian Angel", dem neuen Album des "globetrotting underground music superstar" Oren Ambarchi, der auf ihn wirkt wie ein "unersättlicher Universalgelehrter, der scheinbar jegliches Instrument und jegliches Genre zu meistern in der Lage ist. Seine Fähigkeit, mittels Ambient-Elektronik und Fennesz-artiges Gitarrenspiel seine Hand von Black Metal Noise bis Jazz-Schlagzeugspiel auf alles mögliche zu legen, macht ihn tatsächlich zu einer Ein-Mann-Inkarnation alles Aufregenden, was sich derzeit in der experimentellen Musik abspielt." Die Bandbreite auf dem neuen Album, dessen Veröffentlichung von einem über 16-minütigen Video begleitet wird, reicht diesmal von traditionellen brasilianischen Instrumenten bis zu Klangtexturen, die an Popol Vuh und Cluster erinnern:



Dass ihm beim Durchblättern von Lois Hechenblaikners Fotoband "Volksmusik" mitunter auch das Grausen kommt, kann Standard-Kritiker Christian Schachinger nur schwer verhehlen: "Second-Hand-Gefühle in den schablonenhaften Liedtexten, Brauchtumspflege im Trachtendiskonter und Musik, die irgendwo zwischen Volksliedwerk, Schlager und Publikumsverhöhnung entwickelt wurde: Lois Hechenblaikner bewegt sich durch dieses von geldgierigen Zynikern erfundene Gelobte Land, für das er zwar Emphatie, aber kein Verständnis aufbringt. Seine manchmal den Hals zuschnürenden Fotos hat er daraus mitgebracht. Dies ist ein hartes, schonungsloses Buch."

Weiteres: Für The Quietus spricht Brian Coney mit der Punk- und Hardcore-Urgestein-Band Flipper, die sich derzeit auf einer Tour zum 40-jährigen Jubiläum durch Europa befindet. In der Presse gibt Wilhelm Sinkovicz Streaming-Tipps für Klassikfreunde. Besprochen werden ein von Arte online gestellter Porträtfilm über David Crosby (Berliner Zeitung) und das neue, überraschend veröffentlichte Album "i,i" von Bon Iver (Pitchfork). Eine Hörprobe:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2019 - Musik



"All my Happiness is Gone", "Darkness and Cold", "Maybe I'm the only One for me" - alles Songtitel, die hart kontrastieren zur teils sehr fröhlich anmutenden Musik auf David Bermans Comeback-Album, das er nach einer langen Pause vor wenigen Wochen mit der Band Purple Mountains veröffentlicht hat. Jetzt ist Berman, der aus seinen Depressionen nie einen Hehl machte, im Alter von nur 52 Jahren überraschend gestorben - kurz vor einer geplanten Tour und zur Bestürzung der Indie-Popszene, für die Berman seit den ersten Veröffentlichungen seiner Band Silver Jews in den Neunzigern eine Art Säulenheiliger war.

"Bermans Musik schien den Schmerz zu verwandeln", schreibt Sarah Larson in einem sehr persönlichen Nachruf im New Yorker. "Bis sie schließlich in unsere Ohren drang, war daraus Schönheit geworden, Weisheit, gar Humor. Auf seinem letzten, im Juli erschienenen  Album war sein eigenes Leid bestürzend offensichtlich. Er hatte die Gabe, tiefste Einsamkeit auf eine Weise zu artikulieren, die sich absolut vertraut anfühlte, so dass man sich im Umkehrschluss selbst weniger einsam fühlte. ... Er mag sich einsam gefühlt haben, aber er war es nicht. Bermans Freunde unterstützen ihn, sorgten sich um ihn. Sein Plattenlabel Drag City ließ ihn in den letzten Monaten bei sich wohnen. Seine Fans warteten gespannt auf seine Tour, die an diesem Wochenende beginnen sollte. Wir wünschen, er hätte nicht gelitten. Wir sind dankbar dafür, dass es ihn gab. We loved him to the max." Letzteres eine Anspielung auf eine Zeile in diesem Stück der Silver Jews:



Besonders bitter im Rückblick: Diese lange, zur Veröffentlichung des Comeback-Albums bei The Ringer erschienene Story über Berman, der ziemlich positiv in die Zukunft blickt. "Wir beendeten unser Gespräch nachdem das Büro des Labels geschlossen hatte, aber noch vor Sonnenuntergang. David wollte diese Nacht nicht ausgehen. Es gab Songs, die wieder einstudiert werden mussten, Textzeilen, die es auswendig zu lernen galt. Nur noch 39 Tage bis zu den Proben. Etwas mehr als ein Monat, bevor er sein neues Leben ausprobieren konnte, um zu sehen, wie es sich anfühlt. Er würde es wirklich versuchen, neue Verbindungen mit Menschen wertzuschätzen und einzugehen. Es besser machen. Doch fürs Erste hatte er keine weiteren Pläne." Weitere Nachrufe in taz und Tagesspiegel.

Robert Sheffs unter dem Künstlernamen "Blue" Gene Tyranny veröffentlichte Alben "Out of the Blue" (1978) und die 1976 entstandene Liveaufnahme "Trust in Rock" werden zur großen Freude von Diedrich Diederichsen wieder aufgelegt: In Sheffs Laufbahn, die ihn zeitweise zum Stooges-Mitglied machte, ihn aber auch an Hochschulen brachte, konvergieren Rock und Minimalismus, schreibt Diederichsen in der taz: "Kulturelle Nähe und formale Ähnlichkeit zwischen Rock und Minimalismus sind immer mal wieder aufgefallen. Zwar wollte die eine Seite die Straße (plebejische Kunst) ermächtigen, während die andere Irrwege der High Art (leere Komplexität) zu korrigieren sich anschickte, also hier sozial transformierende, dort immanente Ziele überwogen. Dennoch haben sich beide Seiten immer mal wieder angenähert". Und "in eine neue Runde ging das Spiel natürlich mit Techno und Ambient. Dennoch kann man sagen, dass das insistierende Medium des Minimalen, das beide verband, nun auch die Pop- und Rockmusik auf Konzentration, ja Meditation und Spiritualität hin öffnete." Die Musik ist jedenfalls toll ekstatisch, dabei aber ziemlich fokussiert:



Weitere Artikel: Oliver Jungen erklärt in der FAZ die Hintergründe der Amazon-Serie "Free Meek", mit der der Rapper Meek Mill darlegen will, wie ihn die US-Justiz vor mehreren Jahren drangsalierte und angeblich um mehrere Millionen Dollar brachte. In der FAZ wirft Isabel Herzfeld einen Blick zurück auf das Berliner Festival Young Euro Classic. Besprochen werden ein Abend mit Katrin Sass (Berliner Zeitung) und "I", das neue Album von Föllakzoid (The Quietus).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2019 - Musik

Update: NPR meldet den Tod von David Berman, Frontmann der Band Silver Jews. Erst im Juli hatte er ein neues Comeback-Album veröffentlicht (unser Resümee).

Ganz allmählich, wenn auch allerdings wirklich noch sehr zaghaft öffnet sich Deutschrap für Frauen, die sich in der Szene bestenfalls nicht willkommen fühlten, im schlimmsten Fall von den Männern wüst degradiert wurden, schreibt Anna Meyer-Oldenburg im Freitag: "Nicht nur, dass Rap meistens von Männern kommt, sondern dass sie Frauen oft nur erwähnen, um sie zu degradieren. Mal unterschwellig, mal offensichtlich, mal nebenbei. Dieses Phänomen ist keinesfalls nur auf den Gangsta-Rap reduzierbar. So erwägt der Gute-Laune-Rapper Cro - einer, der nicht gerade für Sexismus bekannt ist - in seinem Hit Easy seine schwangere Freundin zu erschießen, entscheidet sich dann aber doch dazu, sie sitzen zu lassen. Stumpfer offenbart der Rapper King Orgasmus One im Jahr 2003 sein Frauenbild: 'Hass, Frau, du nichts, ich Mann. Fick mich und halt dein Maul.' In den restlichen Zeilen wird es nicht schöner."

Weiteres: In der FAZ berichtet Max Nyffeler von der "Music for Peace"-Initiative in Hiroshima. Besprochen werden das neue Album von Florist (Presse), die Wiederveröffentlichung des Suicide-Debütalbums von 1977 (Standard), eine Neuauflage von Joe Tossinis "Lady of Mine" (Presse) und ein Konzert der Metal-Band Prong (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2019 - Musik

"Recht überzeugend" fand SZ-Kritiker Helmut Mauró den Versuch in Salzburg, Mozarts unvollendete c-Moll-Messe nach einer für Mauró sehr plausiblen Rekonstruktion des Musikwissenschaftlers Ulrich Leisinger aufzuführen: "Eine kleine Uraufführung" ist dieser Abend gewesen. Auf welche Mittel konnte Leisinger für seine philologische Arbeit zurückgreifen? "Er hatte vor allem den Vorteil, dass inzwischen so viel Notenmaterial digitalisiert ist, dass man in kürzester Zeit entscheidende Fragen abklären kann. Etwa die, wie man im Salzburg der Mozart-Zeit Kirchenmusik aufführte. Wo Posaunen beteiligt waren, bei welcher Gelegenheit Trompeten hinzukamen und anderes mehr. Solcherlei wird laufend erforscht, und wenn man entsprechend vernetzt ist, genügt ein Anruf, um so eine Frage abzuhaken. Das hätte früher zermürbende Monate in Bibliotheken und staubigen Archivkellern erfordert."

Simon Rayß hat sich für den Tagesspiegel mit der Indiemusikerin Marika Hackman getroffen, deren Album "'Any Human Friend' nicht nur ein Album über den Sexualtrieb geworden ist, sondern auch eins über zwischenmenschliche Entfremdung, über die Verbitterung, die Einzug hält, wenn der Rausch verflogen ist." Wir hören rein:

Stichwörter: Mozart, C-Moll-Messe